Mittwoch, 5. Oktober 2011

Ich schreibe ein Buch, und das hier ist eine Leseprobe

Runde Ecken




Mein Name ist Clementine und dies ist das Ende der Menschheit!

Nein, natürlich ist mein Name nicht Clementine, aber ich wäre ja schön blöd, wenn ich meinen wirklichen Namen hier veröffentlichen würde.
Natürlich ist dies auch nicht das Ende der Menschheit, aber ich finde diesen Satz einfach nur brillant. Es ist der perfekte Satz, um einen richtigen Reißer zu beginnen.

Nehmen wir also an, mein Name wäre Clementine. Wahrscheinlich assoziieren Sie diesen Namen mit ganz bestimmten Dingen. Sie sehen eine rundliche, patente und gutmütig aussehende Frau in einer weißen Latzhose. Ihr Blick ist voller Tatendrang. Nichts und niemand kann sie stoppen. Kein Fleck ist vor ihr sicher. Sie ist der Putzteufel in Person. Und nun stellen Sie sich vor, diese Frau hat ein Drittel ihres Lebens nichts weiter getan, als sich um den Dreck anderer Leute zu kümmern.
Peng!!!
Schon haben Sie ihren Reißer.
Wenn Sie nun denken, eine Putzfrau hätte nichts zu erzählen, dann haben Sie sich gründlich getäuscht. Wer die wirklichen Abgründe der Menschheit studieren möchte, sollte einfach mal ein paar Jahre als Putzfrau arbeiten. Ich denke, man kann damit ein Buch füllen – oder auch zwei.

Eines davon halten Sie gerade in ihren Händen.

Vorher sollten Sie aber einige Warnhinweise beachten.
Es könnte ekelhaft werden.
Es könnte unfassbar werden.
Es könnte ihr Weltbild verändern
(Das ist genau so ein Quatsch wie „das Ende der Menschheit“, aber es klingt toll)
Es könnte lustig werden.


Noch können Sie fliehen. Schmeißen Sie das Buch einfach in die Ecke, wenn Sie es doch nicht lesen wollen. Die Putzfrau kümmert sich schon darum.




Wir sind Helden

Und das meine ich ganz genau so wie es sich anhört.

Natürlich habe ich irgendwann in der Steinzeit einen „vernünftigen“ Beruf erlernt. Und natürlich ging es mir danach wie allen realitätsfremden Frauen, die sich einbilden, es trotz Familie und Kind mal zu etwas zu bringen.
Nach über 5 Jahren Dasein als Mutter, Köchin und Sklavin der Familie kann man seinen Facharbeiterbrief in der Toilette runter spülen. Die Berufserfahrung geht gegen Null, und die fachliche Kompetenz im erlernten Beruf ist veraltet. Also machen wir eben das neu Erlernte zu Geld. Wir führen einen Haushalt, wir putzen, oder um es mit brutaler Ehrlichkeit zu sagen, wir wälzen uns im Rotz der besser gestellten Gesellschaft.
Wenn man sich einmal dazu durchgerungen hat, putzen zu gehen, kann man sich körperlich und geistig damit arrangieren. Es hat sogar den Vorteil, dass man sich die Nägel nicht mehr lackieren muss. Frisch lackierte Nägel halten bei einem Putzjob ungefähr genauso lange wie eine Föhnfrisur in der Autowaschanlage.
Anfangs versucht man noch den Schein zu wahren. Man föhnt sich die Haare, macht sich die Nägel und schminkt sich ein wenig. Immerhin will man ja nicht wie eine Putze aussehen. Nach vier bis fünf Stunden putzen hat man sehr aussagekräftige Vorher- Nachher -Resultate.
Ich erinnere mich sehr gut an einen Tag, an dem ich meine erste längere Putzschicht hinter mir hatte. Den Blick in den Spiegel hätte ich mir besser geschenkt. Mein vor Stunden frisch gewaschenes Haar hing mir strähnig im Gesicht herum. Es hätte nach einem Bad in der Fritteuse nicht besser aussehen können. Die Wimperntusche befand sich irgendwo in Wangenknochenhöhe. Auf den Lippen – Moment mal, waren das etwa Zahnabdruckspuren? Die muss ich mir beim verbissenen Schrubben der Armaturen meines neuen Arbeitgebers selbst beigebracht haben. Mein Shirt hatte dunkle Flecken unter den Achseln und irgendwas Rotes in Brusthöhe (Lieber Gott, lass es Tomatensoße sein!). Auf meiner Jeans hatten sich weiße ausgeblichene Flecken gebildet. Die kamen vermutlich von dem Versuch, das äußerst abartig verdreckte Klo meiner neuen Chef-Familie mit Klorix in einen benutzbaren Zustand zu versetzen. Ein weiterer Blick auf meine ausgefransten Fingernägel warf die Frage auf, ob ich nun putzen war, oder versucht habe, mich mit bloßen Händen aus einem Erdloch in die Freiheit zu graben.
Nach einem solchen Arbeitstag nicht zu kündigen, erfordert wahren Heldenmut.
Am nächsten Tag putzte ich mir die Zähne, kletterte in eine alte Arbeitshose und setze ein Baseballkäppi auf. So viel zum Thema Styling. Das Duschen gehörte ab sofort ans Ende eines Tages und nicht mehr an den Anfang.
Eine Putze opfert ihren Style, ihren Körper, ihre Lieblingsklamotten und ihre Selbstachtung. Deswegen sind wir Helden.

Kommentare:

  1. Hexchen sagt: Gelesen, gelacht, gewimmert und volle Zustimmung erteilt XD
    Ich freue mich auf das fertige Endprodukt! :-)

    AntwortenLöschen
  2. "....wir wälzen uns im Rotz der besser gestellten Gesellschaft" ....das ist so brillant weil es wahr ist. Also ich denke, das alle Frauen, die diese Leseprobe amüsant fanden KEINE PUTZEN sind.
    Und alle Frauen, die sich ein klein wenig damit identifizieren konnten sagen werden: ...das ist doch autobiographisch, bestimmt! Aber seien wir gespannt! :-)

    AntwortenLöschen
  3. Das ist ein vielversprechender Beginn. Wenn ein Buch so anfängt,würde ich es lesen wollen. Viel Erfolg weiterhin,wir bleiben gespannt.

    AntwortenLöschen
  4. Tja was soll ich sagen: EINFACH KLASSE!
    habe wirklich viel gelacht und freue mich jetzt schon auf mehr!!

    AntwortenLöschen
  5. Also das ist echt klasse! Einfach nur WOW!
    Es ist richig gut geworden und ich will eifach nur MEHR!
    Liebe Grüße
    Celine ♥

    AntwortenLöschen
  6. Super!!!! Weiter so!!!! Bin sehr gespannt, wie es weiter geht! Du hast auf jeden fall schon ein Grinsen in mein Gesicht gezaubert!

    AntwortenLöschen
  7. Danke für Eure tollen Kommentare! Ich arbeite auf jeden Fall weiter daran. Dies hier sind ja erst die ersten beiden Seiten. Natürlich bin ich schon viel weiter mit dem Buch. Aber ich möchte vorher nicht zu viel preisgeben. Das sollte ein erster Eindruck werden, damit Ihr wisst, welche Richtung dieses Buch hat. Es passt zwar nicht so wirklich zu einem Horror-Blog, wird aber im weiteren Verlauf eindeutig abartige Szenen meiner Berufserlebnisse enthalten. Also doch ein bisschen Horror ;-)

    AntwortenLöschen
  8. *kicher* Da erkennt Frau, Mutter, sich doch ein klein wenig wieder! Und der Satz: "....wir wälzen uns im Rotz der besser gestellten Gesellschaft" dem kann ich nur zustimmen... Ist zwar schon Jahre her das ich bei Fremden geputz habe, die letzten 22 Jahre wars mein eigener Haushalt, aber du hast völlig recht das man da einens ehr tiefen Einblick bekommt ;)

    Wünsch dir viel erfolg mit dem Buch!

    Liebe Grüsse
    Alexandra

    PS: Schau nun auch regelmässig vorbei und hoff du hast nichts dagegen wenn ich dich im Blogroll verlinke!?

    AntwortenLöschen
  9. Liebe Alexandra, ganz im Gegenteil. Ich freue mich :-)

    Liebe Grüße
    Carmen

    AntwortenLöschen
  10. Mehr davon ! Gefällt mir wirklich sehr gut:)
    Lg

    AntwortenLöschen
  11. Äusserst humorvoll und witzig - ich musste jetzt schon lachen und bin seeehr gespannt auf das Endprodukt :-))

    LG
    myway

    P.S. Packst du auch ein paar Zombies mit rein? *g*

    AntwortenLöschen
  12. Zombies?

    Hmmmm....

    Ich könnte ja

    a.) näher darauf eingehen, wie meine Chefs und deren ätzende Weiber morgens nach dem Aufstehen aussehen.

    b.) mich selber ausgiebig nach einer Putzschicht beschreiben.

    Beides kommt einem Zombie relativ nahe ;-)

    Danke, dass Du regelmässig vorbei schaust!!!

    AntwortenLöschen
  13. Hallo Carmen! Schön hast du es hier :D Ein großes Lob an deinen tollen Blog, ich bin gleich mal Leser geworden.

    GLG Chrisy von Rozasleselieblinge

    AntwortenLöschen
  14. Das Kompliment gebe ich gerne zurück :-)))

    AntwortenLöschen
  15. Wow, was für ein toller Schreibstil! *mehrhabenwill* Ich hab vielleicht gelacht!

    LG Frederieke

    AntwortenLöschen
  16. Ich finde das bisher gelesene sehr vielversprechend. Ich mag deine Art zu schreiben und deinen Humor.

    LG Pfötchen

    AntwortenLöschen
  17. Sehr, sehr geil geschrieben, leider viel zu kurz, ich hätte gerne weiter gelesen ;-)

    AntwortenLöschen
  18. Mensch Carmen - oder besser Clementine? :-D

    Das klingt ja wahnsinnig witzig, obwohl ich eigentlich Fantasy-Leserin und Schreiberin bin, könnte ich mir durchaus vorstellen, das Buch, sobald es erschienen ist, nicht mehr aus meinem Regal wegdenken zu können, außer vllt, wenn es zum Lesen auf meinem Nachttisch liegt :-)
    Weiter so!!

    LG Janika

    AntwortenLöschen
  19. Liebe Carmen!
    Ich lese es inzwischen zum 2. Mal!
    Einfach nur großartig, witzig, phenomenal, aus dem wahren Leben geschrieben!
    Bitte schreib unbedingt weiter, weil es für meine Begriffe großes Potential hat, ein Bestseller zu werden! Also schwing deinen Putzstift und mach die Zettel unsicher...!
    Ich bin jetzt schon dein 1.Fan ☼
    LG Ulrike ☺

    AntwortenLöschen
  20. Vielen Dank, Ihr Lieben :-)
    Ich freue mich riesig über Euer Lob!!!

    AntwortenLöschen
  21. Liebe Carmen,

    habe es gerade erst entdeckt. Wirklich guter Schreibstil. Es hat mich gefesselt, obwohl das Thema ansich ja auf den ersten Blick nicht viel hergibt. Sehr gut!

    In welchem Genre ist dein Buch angesiedelt?

    GLG Astrid

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Astrid,
      danke für's Lesen :-)

      Genre? Hmmm...

      Ich würde es autobiografische Comedy nennen, falls es so etwas überhaupt gibt. Ich habe das alles selber erlebt und fand es witzig genug, es aufzuschreiben.
      Alle paar Wochen schreibe ich mal ein Kapitelchen. Es ist schon ziemlich gewachsen. Allerdings weiss ich noch nicht, was ich daraus mache, wenn es fertig ist ;-)

      Löschen
  22. Moin Carmen,

    jut, jetzt bin ich schlauer. Hätte ja auch der total abgedrehte Anfang eines saumäßig guten Horrorbuches sein können :-))

    Ich bin trotzdem gespannt, was mal daraus wird und würde es allein schon wegen des Schreibstils lesen.

    Wünsche dir noch viel Spaß beim Weiterschreiben!

    GLG

    AntwortenLöschen