Donnerstag, 26. Juli 2012

Franklin Gothic Medium - Stefanie Maucher



Inhalt laut Amazon:

In Franklin Gothic Medium wird der Werdegang eines kultivierten, doch leider sehr soziopathischen Kannibalen geschildert, der im festen Glauben an seine revolutionäre Kochkunst jagt und emsig an dem Kochbuch arbeitet, mit der er der überbevölkerten Welt die kannibale Küche nahebringen möchte. Bei der Haltung, Zubereitung und sogar in Fragen der Vermehrung seiner schmackhaften Opfer, folgt Franklin seiner ihm eigenen, perfiden Logik, die selbst die schlimmsten Grausamkeiten in ein nachvollziehbares und sogar humorvolles Licht rücken.
Fou-Mai, sein wehrloses Opfer, ist die Erste, mit der der man leiden darf. Doch wird ihr Leiden ein Ende haben und das Blatt sich wenden? Wird Rettung nahen, in Gestalt ihrer geliebten Lebensgefährtin Naomi? Oder wird auch sie einen Leidensweg gehen, der sie für immer verändert? ...bildlich gesprochen.


"Franklin Gothic Medium" ist ein äußerst mutiges Werk.

Stefanie Maucher erzählt uns die Geschichte von Franklin, einem realitätsfremden Kannibalen, dessen größter Traum es ist, ein Kochbuch über seine bevorzugte Leibspeise - Menschen - zu veröffentlichen.
Für den Protagonisten sind Menschen nur Fleisch. Sie haben keine Namen, kein Leben und keine Seele. Bei der Betrachtung seiner Opfer sieht er in ihnen lediglich verschiedene Möglichkeiten der Zubereitung. Alles andere berührt ihn nicht.

Meine Gefühle nach Genuß dieses eBooks sind hier eher gemischter Natur. Ich war hin- und hergerissen zwischen Begeisterung, Ekel und Schockzustand.

Kommen wir zuerst zur Begeisterung:
Die vielfältige Wortgewalt dieser Story hat mich schier vom Stuhl geblasen. 
Stefanie Maucher benutzt Wortspiele und Metaphern, die, ohne langweilig zu wirken, ihre ganz spezielle Wirkung auf den Leser entfalten. An manchen Stellen war ich fasziniert von Worten wie "Fleischzeit", "menschliche Lawine" oder "seelenwund".  Die Vielfalt im Sprachgebrauch ist schlicht und einfach der literarische Hammer.

Der Protagonist Franklin ist eine geniale Mischung aus Hannibal Lecter und Unschuldslamm. Dieser sowohl gewagte als auch total absurde Mix hat einen Charakter zur Folge, dem man nicht einmal richtig böse sein kann. Man akzeptiert seine Beklopptheit irgendwie.

Ekel:
Wir wissen alle, dass es sich hierbei um einen Roman über Kannibalismus handelt. Deswegen sollten die Leser sich nicht empört über die beschriebenen Praktiken des Protagonisten auslassen, sondern sich darüber im Klaren sein, dass in diesem Roman gehackt, geschnitten und amputiert wird. Zarte Gemüter lesen bitte ein Bilderbuch für Vorschüler. 
Freunde von gnadenlosem Horror haben ihr Geld gut angelegt und können sich entspannt auf einen grausam amüsanten Lesegenuß freuen.

Schockzustand:
Als alter Horrorjunkie bilde ich mir immer noch ein, dass mich nichts mehr schocken kann - falsch gedacht.
Es gab die eine oder andere Szene, bei der ich ungläubig auf den Bildschirm glotzte und dachte: "Das darf doch jetzt nicht wahr sein!" Viele dieser Szenen sind extrem brutal, werden jedoch durch die naive und besondere Art Franklins irgendwie wieder entschärft. Aus Spoilergründen darf ich nicht weiter darauf eingehen, aber es gab durchaus eine Sache, die selbst mir zu viel war.
Ich kann im Nachhinein ansatzweise verstehen, warum sich bisher noch kein Verlag so wirklich an diesen Roman heran getraut hat. Bestimmte Dinge waren mitunter grenzwertig aber dennoch erträglich.

Fazit:
"Franklin Gothic Medium" ist ein absolut lohnenswertes eBook für Liebhaber der satirischen Horrorliteratur. Eine perfekte Mischung aus anspruchsvollem Sprachgebrauch, Horror und Humor sorgen für abwechlsungsreiche Unterhaltung.
Klare Kaufempfehlung!

Details zum Buch:

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 216 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 203 Seiten
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B0075F4YKK
Das eBook samt Blick ins Buch gibt es HIER.

Update: 08.08.2012
Jetzt auch als Taschenbuch HIER bestellen!!! 

Viel Spaß!!! 

Kommentare:

  1. Wenn es sogar dir ein wenig zu viel war, dann lasse ich wohl besser die Finger davon. Aber vorsichtshalber werde ich mal noch die Leseprobe lesen.

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    1. Lach...da bin ich ja froh, dass Du trotzdem den Blick ins Buch gewagt hast, liebe Bea... ähm, lieber Lord Byron :D Und es obendrein mochtest ;o)LG, Steffi

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