Freitag, 24. August 2012

Bighead - Edward Lee



Inhalt laut Klappentext:

Nachdem sein Großvater gestorben ist, sitzt Bighead ganz alleine in der Hütte irgendwo im tiefen Wald von Virginia. Als das letzte Fleisch verzehrt ist, treibt ihn der Hunger hinaus in die »Welt da draußen«, von der er bisher nur von seinem Opa gehört hat ...

Wer oder was ist der Bighead? Wieso hat er einen Kopf so groß wie eine Wassermelone? Ist er ein mutierter Psychopath? Was er auch immer ist, Bighead ist unterwegs und hinterlässt eine Spur aus Blut und Grauen.


Der neue Roman von Edward Lee handelt von einem deformierten Jungen/Mann mit überdimensional großem Schädel, rasiermesserscharfen Zähnen und einem weniger scharfem Verstand. Er beschließt eines Tages, in die "Welt da draußen" zu gehen, um zu suchen, was seine innere Eingebung ihn finden lassen will. So metzelt er sich fröhlich durch die Wälder Virginias und gibt sich ganz seiner Leidenschaft für frisches Hirn hin. Was immer ihm vor die Futterluke kommt, wird vergewaltigt und verputzt.

Zeitgleich gibt es die beiden jungen Frauen Charity und Jerrica. Charity, die im ständigen K(r)ampf mit ihrer Frigidität steht, möchte ihre Tante besuchen. Jerrica, das genaue Gegenteil von Charity, ist eine drogensüchtige Nymphomanin. Sie bildet mit Charity eine Fahrgemeinschaft, um über deren Heimatgegend eine Zeitungsserie zu verfassen.

Dann haben wir da noch Balls und Dicky, zwei Alkohol schmuggelnde Hinterwäldler, die es Bighead gleich tun. Auch sie morden, vergewaltigen und foltern. Im Gegensatz zu Bighead, der es nicht besser weiss, betrachten die beiden das Ganze als Freizeitgestaltung. Dabei ist Balls die treibende Kraft, der, quasi immergeil, den geplagten Dicky von einem Horrorszenario zum nächsten mitschleppt.

Zu guter letzt ist da noch Pater Alexander, der in dieselbe Gegend abberufen wurde, um eine alte Abtei zu restaurieren. 
Hier gibt es auch gleich meinen ersten Pluspunkt. Pater Alexander ist ein fluchender, prügelnder, rauchender und saufender Rüpel mit wunderbar abgefahrenen Halluzinationen. Einfach nur herrlich!


Auf der Rückseite des Buches steht:


Der Verlag warnt ausdrücklich: Edward Lee ist der führende Autor des Extreme Horror. Seine Werke enthalten überzogene Darstellungen von sexueller Gewalt. Wer so etwas nicht mag, sollte die Finger davon lassen. Für Fans dagegen ist Edward Lee ein literarisches Genie. Er schreibt originell, verstörend und gewagt – seine Bücher sind ein echtes, aber schmutziges Erlebnis.

Ich gebe zu, nach "Haus der bösen Lust" habe ich darüber erst mal breit gegrinst.
Das Grinsen verging mir bereits beim ersten Satz.
Heiliger Bimbam, "Bighead" ist mit Abstand das krankeste, krasseste, ekelerregendste, widerwärtigste und blutigste Buch, das ich je gelesen habe. Klingt negativ? 
Aber wirklich nicht! Wenn ich das sage, ist es etwas Gutes, denn ich steh drauf - ich würde es am liebsten gleich noch einmal lesen.
Der Roman ist rasant, direkt und an jeder Stelle unterhaltsam. Lee bietet seinen Lesern hier absolut alles, was in einem anständigen Horrorschocker stecken muss. Ich habe wirklich schon viel gelesen und glaubte bis jetzt, alle guten Schockerszenen schon irgendwo erlebt zu haben. Edward Lee hat mir gezeigt, dass ich anscheinend bisher nur Blümchenhorror gelesen habe. Da gab es Szenen, bei denen ich fast mein Mittagessen wieder weggebracht hätte. Respekt, Edward Lee! Das schafft sonst höchstens noch Bryan Smith. Ich bin wirklich beeindruckt.
Manche Dinge waren so absurd und abgefahren, dass ich sogar lachen musste. Viele finden das vielleicht nicht witzig. Ich schon.

Einige andere Leser lobten den typischen Slang, den Lee für seine Hinterwäldler gerne verwendet. Ich muss zugeben, dass das mein absolut einziger (und kleiner) Kritikpunkt ist. Es ist meisterhaft geschrieben, keine Frage, und man gewöhnt sich auch sehr schnell an den Slang. Dennoch hat es mich ein bisschen genervt, weil der Slang nicht nur in der wörtlichen Rede, sondern auch in beschreibenden Textstellen verwendet wurde, wenn es um Bighead, Balls und Dicky und andere Hinterwäldlern ging. Witzig hingegen waren wiederum die absichtlich falsch geschriebenen Worte, die herrlich die natürliche Doofheit der Jungs rüberbrachte.

Anderer Meinung mit einigen Rezensenten bin ich ebenfalls in Bezug auf das Ende der Story. Ich weiss nicht, wie man daran bemängeln kann, dass es an den Haaren herbei gezogen sei. 
Wenn man realistische Geschichten lesen will, sollte man sich wohl besser keine Horrorstories kaufen. Ich frage mich manchmal wirklich, ob den Leuten klar ist, dass in fiktiven Geschichten unter Umständen völlig unrealistische Dinge geschehen könnten. Leute, was habt Ihr denn erwartet?
Das Ende hat mir tatsächlich supergut gefallen. Ich fand es abgefahren und absolut passend. Ein kleines bisschen hatte ich sogar damit gerechnet. Für mich war es bestens gelöst.

Fazit:
"Bighead" hat mich komplett vom Platz gefegt. Ich war nach dem Lesen total erschöpft, angenehm geschockt und glücklich. Dieses Buch hat jedes bisher gelesene Gore-Spekatakel blass aussehen lassen. Ich bin gespannt, ob das noch getoppt werden kann. Klare Kaufempfehlung für Gleichgesinnte.

Details zum Buch:

Erschienen beim Festa-Verlag 

Deutsche Erstausgabe
Broschur 19 x 12 cm, Umschlag in Lederoptik
352 Seiten
Originaltitel: The Bighead
Übersetzung: Manfred Sanders
ISBN 978-3-86552-161-3

Preis: 13,95 € 

Bestellen könnt Ihr "Bighead" HIER 

Das eBook bekommt Ihr HIER 

Eine kostenlose Leseprobe befindet sich HIER 

Viel Spass!!! 

Kommentare:

  1. Uiuiui das klingt verlockend, so als wenn es auch was für mich ist. Muss ich mir mal merken

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  2. Kommt auf jeden Fall auf die ToRead-Liste.
    Danke für die tolle Rezi.

    Stefan

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  3. Super Rezi!!!! Wie immer....
    Aber: Genau wie mich immer brutalere Serienkiller schon lange nerven, gibt es langsam Ermüdungserscheinungen in Bezug auf Hinterwäldner, die in "hinteren Wäldern" fremde Passanten essen... und natürlich auch vergewaltigen, foltern... alles in der Regel, VOR dem Essen!
    Falls es wirklich soooo gut geschrieben ist, ist es einen Versuch wert.... aber inzwischen habe ich das Gefühl, dass in den USA hinter jedem Baum ein Kannibale hockt... und es muß eng sein, denn daneben sitzt auch immer ein Serienkiller! Fehlt nur noch ein mordlüsternes Alien, dann könnten die 3 'ne Runde Skat kloppen, bis das nächste Opfer kommt!
    Aber: Vielen Dank für die tolle Rezi, Carmen!
    Liebe Grüße
    Matthias Sahlmann

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    1. In dem Style darf da gerne noch mehr kommen. Das war so abgefahren, dass ich es stellenweise kaum fassen konnte.
      Danke für Deinen Kommentar. Wir lesen uns ;-)

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  4. Das ist ja wieder eine klasse Rezi. Danke Carmen. Und ich freue mich noch mehr, weil mein "Bighead" heute endlich bei mir eingezogen ist. Sobald ich das Buch "Die Verschollenen" beendet habe, das ich übrigens auch total klasse finde, werde ich mich auf den Wasserkopp stürzen.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
    LG Beate

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    1. Ich bin echt gespannt, wie Du das Buch findest!!!

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  5. Ja, ich auch. ;o)
    Aber mir fällt gerade ein, dass am Montag eine Leserunde startet und ich dafür auch noch ein paar Seiten lesen muss. Ich habe das Gefühl, ich soll von Bighead fern gehalten werden. :o(

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    1. Wenn Du wartest, trifft "Bighead" Dich gleich doppelt so heftig im Nacken *g*

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  6. Hammer Rezi!!!! Wow! Bin drauf und dran "Bighead" (hab es als e-book hier)vorzuziehen, so ein Mist... lese momentan drei Bücher gleichzeit, nicht gut, nicht gut....

    Carmen, klasse, danke dafür :-P

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  7. Geile Rezi, danke dafür! Hmpf und dabei habe ich noch genug Lesestoff bei mir herumfliegen. Zu meinem Leid hören die sich jetzt nach deiner Rezi alle nimmer so interessant an, wenn da wieder so ein Leckerchen auf mich wartet. Wird mal wieder Zeit für ein Amazon-Besuch, hehe

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    1. Ganz ehrlich? Nach "Bighead" wird Dir alles andere wie ein Spaziergang durch einen Kinderhort vorkommen. Danach musst Du Dich wieder für seichtere Sachen öffnen, sonst wird's schwierig.

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  8. Ihr macht mich alle soooo neugierig...ich muss es einfach mal lesen :-D Danke für die Rezi :-)

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