Sonntag, 19. August 2012

Vogelmanns Schatten - Steven Savile



Vorab ganz herzlichen Dank an Voodoo Press für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Inhalt laut Klappentext:

Dein Problem, Stadt, besteht darin, dass du keine Seele hast ...

Declan Shea lernt die Bedeutung dieses Satzes auf die harte Tour kennen, als ihn ein Übel, das so alt ist wie die Stadt selbst, systematisch aller Hoffnung und Menschlichkeit beraubt. Ein Verkehrsunfall, Obdachlose, ein Vogelmann und Abtrünnige aus Lyman Frank Baums Zauberreich Oz – all diese Alpträume finden in einem einzelnen Schockmoment im Schatten einer Brücke zusammen. Declans Leben wird nie mehr so sein wie zuvor, weil die Stadt – jene ohne Seele – ihn zu ihrem Retter auserkoren hat. Während der Krieg in den finstersten Winkeln Newcastles tobt, muss Declan Shea ums Überleben kämpfen.
Woher ich das weiß?
Ich heiße Declan Shea, und mehr als der Name ist mir nicht geblieben. Ich bin zurückgekehrt, um die Lichter übers Wasser hinweg zu betrachten. Unerreichbar wie die Himmelpforten erscheinen sie mir. Mehr als alles andere möchte ich losgehen. Ihr begreift nicht, was das bedeutet – noch nicht, aber das wird sich bald ändern …


Declan Shea, unser Protagonist, erfährt in "Vogelamanns Schatten" eine sowohl körperliche als auch geistige Wandlung und nimmt den Leser mit auf eine Reise in die tiefsten Winkel unseres Vorstellungsvermögens.

Nachdem er bei einem Autounfall ungewollt einen Stadtstreicher tötet, endet auch sein altgewohntes Leben und macht Platz für eine andere Art von Existenz. Nichts ist mehr, wie es war - nichts ist mehr, wie es zu sein scheint. 
Stadtstreicher, die sich selbst verstümmeln, groteske Begegnungen und bizarre Ereignisse bestimmen von nun an sein Leben. Als er beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen, begegnet er Malachi, einem alten, geheimnisvollen Mann, der sich seiner annimmt und ihn auf seine Bestimmung vorbereitet. Declan's Schicksal ist bereits beschlossen und besiegelt - er weiß es nur noch nicht ...

Der Protagonist erzählt uns seine Geschichte aus der Ich-Perspektive. Wir dürfen einen intensiven Blick in seine Seele werfen und auf diese Weise tief ins Geschehen eintauchen.
Vogelmanns Schatten ist kein Horror-Roman im üblichen Sinne. Hier jagt keine Action die nächste, und hier sitzt auch niemand zitternd im Dunkeln. Spannung wird in diesem Roman anders erzeugt. Ich habe lange darüber gegrübelt, wie ich es am besten beschreiben kann, um dann zu dem Ergebnis zu kommen, dass mir dazu eigentlich der entsprechende Wortschatz fehlt. Die düstere und äußerst bizarre Atmosphäre ließ mich augenblicklich an den Film "The Crow" denken. Wir haben einen Helden, der eigentlich keiner ist und der auch keiner sein will. Seine bizarren Erlebnisse, so absurd sie einem auch erscheinen mögen, nehme ich als "normal" hin, obwohl sie alles andere als das sind. Zu verdanken habe ich das Steven Savile's äußerst bildhaftem Schreibstil, der in seiner vielfältigen Wortgewalt schnell die Kontrolle über mein oberflächliches Denken übernimmt. Manche Sätze habe ich mehrmals gelesen, weil ich eine andere, seichtere Lesegeschwindigkeit gewöhnt bin.
Für dieses Buch musste ich mein Leseverhalten ändern. Ich las anfangs mit einem Stirnrunzeln und später mit ehrfürchtigem Staunen über diese besondere Art zu schreiben.

Fast würde ich diesen Roman als lyrisch bezeichnen. Es reimt sich nichts, man kann es auch nicht singen, aber es hat durchaus dichterischen Tiefgang. Ich habe, neben einer Vielzahl an Metaphern, philosophische Ansätze entdeckt, die menschliche und gesellschaftliche Aspekte hervorheben. Als besonders hervorgehoben empfand ich das Gleichgewicht aus Geben und Nehmen, das es zu bewahren gilt. So kann man tatsächlich behaupten, dass "Vogelmanns Schatten", zumindest für mich, eine Moral hat. Diesbezüglich hat mich die Geschichte selbst über das Lesen hinaus noch intensiv beschäftigt.

Umgebungen und Zustände sind detailreich und bildhaft beschrieben. Das gilt auch für die Horrorelemente, die ebenso reichlich wie ausführlich vorhanden sind. In diesen Szenen wird nichts ausgelassen oder beschönigt. Hier ist die Schreibweise hart und direkt - drängt mir grauenvolle Bilder auf und bedient ausgesprochen gut meine primitive Horrorgier.

Ich sage es, wie es ist: Steven Savile hat eine ausgesprochen blühende Fantasie, die er mit Worten und inneren Bildern zum Ausdruck bringt, die man nicht so schnell verarbeiten kann, wie man lesen möchte. Deswegen habe ich für dieses Buch auch länger als üblich gebraucht. Es war sehr anstrengend, und ich fühle mich erschöpft und ausgelaugt. Trotzdem bekomme ich die Bilder und Eindrücke nicht aus meinem Kopf. Ich grüble darüber nach, versuche zu verstehen und komme zu keinem Ergebnis, weil es keines gibt. Man muss das Buch selber gelesen haben, um zu verstehen, was ich meine. Deswegen habe ich jetzt auch das Gefühl, mit vielen Worten rein gar nichts gesagt zu haben.

Fazit:
"Vogelmanns Schatten" ist dunkel, bizarr, intelligent und bildhaft. Es ist ein anspruchsvolles Werk, das dem Leser seine ganze Aufmerksamkeit abverlangt, ihm aber eine wertvolle Leseerfahrung schenkt, wenn er sich ihm hingibt.

Details zum Buch:


ISBN: 978-3-902802-24-8

EUR 13.95

Taschenbuch
Deutsche Erstveröffentlichung
Übersetzer: Andreas Schiffmann
Originaltitel: The Laughing Boy´s Shadow
280 Seiten


Erschienen bei Voodoo Press.

Vogelmanns Schatten HIER bestellen.

Eine kostenlose Leseprobe gibt es HIER.

Kommentare:

  1. Wow. Carmen ist einmal Srachlos. Das ich das noch erleben darf (muss).
    Das Buch steht schon auf meiner WL und ich bin wirklich sehr gespannt darauf. Du hast meine Neugier noch geschürt.
    Danke für die Rezi.
    LG Beate

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    1. Beate, das war ganz anders als meine gewohnte Lektüre. Es hat mich schwer gefordert *gg*

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  2. Das Buch klingt einfach super. Tolle, ausführliche Rezi

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  3. Tolle Rezension, wie immer!

    Das Buch landet sofort auf meinem WZ, danke.

    Liebe Grüße

    Claudia

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    1. Ich wünsche Dir viel Freude damit, liebe Claudia. Ab Donnerstag startet mein Gewinnspiel zum ersten Bloggeburtstag. Dann kommt dieses Buch in den Lostopf ;-)

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