Freitag, 16. November 2012

Der wandernde Krieg - Sergej von Michael Schreckenberg



Vorab ganz herzlichen Dank an den Juhr-Verlag und Michael Schreckenberg für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Klappentext:

"Sergej weiß nur eins: Dass er seine Rache vollenden muss. Rache für den Mord an seiner Frau. Er bricht aus der Psychiatrie aus, um seinen Feldzug, den er vor Jahren begann, zu vollenden. In Leverkusen und Köln beginnt seine Suche. Er wird eine neue Liebe finden. Und er wird mehr und mehr entdecken, dass er Teil ist von etwas viel Größerem: die Figur in einem apokalyptischen Dreikampf, der sich in Langenrath, einem idyllischen Städtchen im Bergischen Land, entscheiden wird ... Michael Schreckenbergs epischer Mysteryroman gibt der Geschichte von Gut gegen Böse ein ganz neues literarisches Gesicht es ist auch das eines zerrissenen, düsteren, zugleich faszinierenden Helden. In Langenrath, einem fiktiven Ort im Bergischen Land, wächst die Bedrohung durch eine finstere Macht mit jedem neuen Tag. Und mit ihr die Spannung."

Sergej, der eigentlich Sebastian heisst, kann durch einen mehr oder weniger glücklichen Zufall aus der geschlossenen Psychiatrie entkommen. Dass er dort für viele Jahre gefangen war, verdankt er einer alten und bitterbösen Geschichte aus seiner Vergangenheit. Er befand sich vor langer Zeit bereits auf einem gnadenlosen Rachefeldzug, den er nun zu beenden gedenkt. Ein eingeweihtes, befreundetes Paar verhilft ihm zu einer neuen Identität und steht auch sonst an seiner Seite. Sergej nimmt seine Rachepläne wieder auf und beginnt, ohne es gleich zu merken, Teil eines uralten Krieges zu werden. Das kleine Städtchen Langenrath ist dazu bestimmt, der Schauplatz für einen finalen, apokalyptischen Kampf zu werden, dessen Teilnehmer schon seit Anbeginn der Zeit feststehen. Sergej ist einer von ihnen.

"Der wandernde Krieg" ist mein zweiter Roman von Michael Schreckenberg. Nachdem mich bereits "Der Finder" wirklich begeistert hat, konnte ich eigentlich nicht anders, als mich auf den vorliegenden Roman zu freuen.

Gleich auf den ersten Seiten hatte Herr Schreckenberg mich bereits im Sack. Der Protagonist Sergej/Sebastian ist ein intelligent gezeichneter Charakter, der schon zu Anfang mit einer gelungenen Mischung aus Gefahr und überlegener Stärke überzeugt. Dieser dunkle und vom Schicksal geschlagene Mensch fasziniert den Leser und fesselt ihn an die Geschichte, die diesen Charakter begleitet. 
Erst mit dem Auftauchen von Erin, zeigt Sergej auch etwas von seiner ursprünglichen, weichen Seite, die vor seinem Aufenthalt in der Psychiatrie typisch für ihn war. 
Erin ist in diesem Roman der sympathische, ruhende Pol. Sie verschafft Sergej und dem Leser Entspannung und Momente der Reflektion.
Auch die anderen Protagonisten dieser Story sind präzise gezeichnete Charaktere, die man beim Lesen klar vor sich sieht. 
Bei Bodo von Reudh hingegen war ich mir bis zum Schluß nicht sicher, mit wem oder was ich es genau zu tun hatte. Das war ein wichtiger Teil der Spannung, die bis zum Ende erhalten blieb. 

Und diese Spannung war - anders kann ich es nicht sagen - genial konstruiert. 
Michael Schreckenberg wechselt anfangs zwischen den einzelnen Handlungssträngen, indem er jedem Abschnitt lang und ausführlich gestaltet. Diese Abschnitte werden mit der Zeit immer kürzer und die Wechsel zwischen den Handlungssträngen geschehen häufiger. Als Leser spürt man, dass sich etwas Gigantisches zusammenbraut und der finale Showdown immer näher rückt. Da entwickelt sich eine Wandlung der Protagonisten selbst und ihren Beziehungen zueinander, die von Seite zu Seite intensiver wird. Dadurch baut sich eine faszinierend angespannte Atmosphäre auf, so dass man schließlich die drohende "Explosion" regelrecht herbeisehnt. 

Der Showdown ist schließlich auch intensiv und gewaltig und erfüllt damit komplett meine Erwartungen, die sich während des Lesens entwickelt haben. 

Ich möchte gerne noch kurz auf den Schreibstil zu sprechen kommen. 
Michael Schreckenberg ist in der Lage, Bilder im Kopf der Leser entstehen zu lassen. Angefangen bei der fiktiven Umgebung und aufgehört bei den inneren Zwiegesprächen der Charaktere, hat für mich in jeder Hinsicht alles gestimmt. Mit viel Gefühl und wunderbarer sprachlicher Wortgewalt zeigt Michael Schreckenberg, dass nicht alle großen Autoren unbedingt aus Amerika kommen müssen.
Immerhin hat er satte 14 Jahre lang an diesem Werk gearbeitet, und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen.

Mein einziger Kritikpunkt geht leider an den Verlag, denn der Roman war fürchterlich klein gedruckt und für mich ohne Lesebrille nicht zu schaffen. Das hat das Lesevergnügen ein wenig getrübt und leider auch unnötig verzögert.

Fazit:
"Der wandernde Krieg - Sergej" ist ein wortgewaltiger Mystery-Thriller, der mit einem nahezu unerträglichen Spannungsbogen eine unglaubliche Geschichte erzählt. Dafür gibt es von mir eine klare Leseempfehlung.

Details zum Buch:

  • Broschiert: 415 Seiten
  • Verlag: Juhr; Auflage: 1., Auflage (10. Oktober 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3942625113
  • ISBN-13: 978-3942625111
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,6 x 3 cm 
  • Preis: EUR 10,90

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Kommentare:

  1. Das hört sich wieder sooo gut an. :( Denkst du auch mal an meinen SuB? ;)

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    1. Beate, das war der Hammer, ehrlich, nur so anstrengend wegen der kleinen Schrift.

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  2. Danke für die ausführliche Rezension! :-)

    Was die kleinen Verlage anbetrifft und die Bestellung direkt dort: Wenn Ihr gerne Eure Lieblingsbuchhandlung unterstützen wollt, ist es auch kein Problem, wenn Ihr die Bücher - zumindest aus dem Verlag bei dem ich bin - direkt dort bestellt. Dann ist zwar ein Zwischenhändler dazwischen, aber Ihr habt die Buchhandlung auf Buch und Verlag aufmerksam gemacht!

    MS

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