Samstag, 29. September 2012

Katzendämmerung - Schwarze Sterne - Arthur Gordon Wolf



Klappentext:

EIN EINZIGER BLICK Er reicht aus, um das Leben des Fotografen Thomas Trait unwiderruflich zu verändern. Ohne Nachzudenken stürzt er sich in eine wilde ekstatische amour-fou. Seine Angebetete heißt Natascha. Die geheimnisvolle junge Frau ist Übersetzerin für antike Schriften und als Trait schließlich bei ihr einzieht, muss er feststellen, dass ihre Wohnung einer riesigen ägyptischen Grabkammer gleicht. Reliefs und Skulpturen wohin man sieht. Und fast alle zeigen Katzen. Noch ahnt Trait nicht, dass seine Geliebte weit mehr als nur berufliches Interesse mit der ägyptischen Mythologie verbindet. Sie trägt ein dunkles Geheimnis in sich. Und Trait setzt alles daran, dieses Geheimnis zu lüften. Er zahlt für seine Neugier einen hohen Preis. Und der Tod ist nicht das Ende…  

Der Band "Katzendämmerung - Schwarze Sterne" enthält die ersten beiden Teile einer Trilogie, deren dritter Teil "Rote Nebel" bereits fertig gestellt, aber noch nicht veröffentlicht ist.

Der erste Teil dieses Bandes führt den Leser nach San Francisco im Jahr 1906. Die von schweren Erdbeben erschütterte Stadt hat mit immer wieder ausbrechenden Feuern zu kämpfen.  Inmitten des Chaos wird immer wieder eine junge Frau gesichtet, die am gesamten Oberkörper brennend durch die Straßen geht, ohne dabei zu Schaden zu kommen. Nachdem auch die Zeitungen über diese Frau berichtet, wird sie von da an nur noch die flammende Jenny genannt. 
Zur gleichen Zeit nutzt ein Pädophiler das allgemeine Chaos, um ein weiteres Kind, das er beim Plündern in den Trümmern eines Hauses findet, zu entführen. Zu dumm, dass es sich bei diesem Kind ausgerechnet um das brennende Mädchen handelt.

Im zweiten Teil macht die Handlung einen gewaltigen Sprung ins Jahr 1990. Wir befinden uns nun in Yucca Springs und lernen den Fotografen Thomas Trait kennen, der bei einem Modeshooting im Tierpark auf die ebenso schöne wie auch geheimnisvolle Natascha trifft. Fortan ist sein gesamtes Leben auf den Kopf gestellt. Die Beziehung zu Natascha bestimmt von nun an sein gesamtes Denken und Handeln. Seine unersättliche Geliebte trägt jedoch ein Geheimnis in sich, das es zu ergründen gilt. Schon bald wünscht Thomas sich, es nicht gelöst zu haben.

Weitere Einzelheiten zum Inhalt kann und will ich an dieser Stelle nicht preisgeben, weil es mir wie ein nicht wieder gut zu machender Spoiler erscheinen würde.

Der erste Teil gestaltet sich, im direkten Vergleich zum zweiten, relativ kurz und knackig. Obwohl die Länge die einer Kurzgeschichte nicht übersteigt, gelingt es Arthur Gordon Wolf Spannung aufzubauen und den Leser bei der Stange zu halten. 
Zeitungsartikel zum Geschehen verleihen der Handlung eine faszinierende und gleichzeitig schaurige Authentizität.
Einen Übergang zum zweiten Teil gibt es nicht. Dieser beginnt plötzlich in einer wesentlich späteren Zeit und hat auf den ersten Blick auch nichts mit den Geschehnissen des ersten Teiles zu tun. Da ich aber weiß, dass es noch einen dritten Teil gibt, harre ich der Dinge und vermute die Auflösung in der Fortsetzung, die hoffentlich bald erscheinen wird.

Obwohl ich die Story auf jeden Fall im Horrorgenre einordnen würde, steht eine verzweifelte Liebe im Vordergrund. Der Autor hat hier meisterhaft gut geschrieben. Ich würde im Normalfall keine Liebesgeschichte lesen wollen. Hier wurde jedoch mit perfekt gewählten Worten eine Stimmung geschaffen, die mich an den Seiten kleben liess. 
Thomas Trait erlebt einen wahren Rausch der Gefühle. Von bedingungsloser Leidenschaft bis hin zur Selbstaufgabe und absoluter Verzweiflung habe ich mit diesem Protagonisten geliebt, gelitten und geweint. Es war an keiner Stelle langatmig. Selbst Passagen, in denen Thomas seinen Gedanken nachhing, waren auf ihre eigene Art faszinierend. 
Der Autor weicht im Sprachgebrauch vom heute üblichen Schema ab. Fäkalsprache und brutale Einzelheiten bei den Liebesszenen sucht der Leser hier vergebens. Ich würde den Schreibstil aber auch nicht als altmodisch bezeichnen. Viel mehr ist es Arthur Gordon Wolf hier gelungen, mit dezent gewähltem Anspruch alles Nötige zu sagen, ohne vulgär daher zu kommen. Trotzdem wurde der Horrorfan in mir gut bedient. Es gibt Tote, und die sterben hier nicht im Schlaf - so viel kann ich guten Gewissens verraten.

"Katzendämmerung" erschlägt den Leser nicht mit einer Hundertschaft an Charakteren. Natürlich trifft der Leser auch auf mehr Personen als Thomas und Natascha, aber diese erscheinen unbedeutend angesichts der perfekt ausgearbeiteten Hauptprotagonisten.

Mit gut recherchierten Details über ägyptische Mythologie erhält dieser Roman seinen letzten Schliff und entführt den Leser in eine andere, spannende und lesenswerte Welt, die einen fesselt und durchweg gut unterhält. 

Von diesem wunderbaren Buch gibt es leider nur noch sehr wenige Exemplare, die man nicht im Handel findet, sondern nur direkt bei Arthur Gordon Wolf bestellen kann. 

Ich hatte mir gewünscht, dass schon bald ein Verlag alle Teile inklusive "Rote Nebel" neu auflegt, denn mein Lesevergnügen endete mit einem kreischenden Cliffhanger, der kaum zu ertragen ist. Und es wird laut aktuellem Verlagsprogramm des LUZIFER Verlags auch irgendwann 2013 so weit sein. Bis dahin freue ich mich, ein seltenes Sammlerstück zu besitzen und erwarte voller Ungeduld die geplante Neuauflage inklusive Fortsetzung.
 
Fazit:
"Katzendämmerung - Schwarze Sterne" ist ein Schmuckstück in meiner Büchersammlung, das Spannung, Leidenschaft und Herzblut enthält. Es ist eines der wenigen Bücher, die ich nicht mehr abgeben kann. Wer das Glück haben sollte, noch eines dieser seltenen Stücke zu ergattern, dem wünsche ich spannende und bewegende Lesestunden.

Details zum Buch:

Katzendämmerung Band 1 - Schwarze Sterne Von Arthur Gordon Wolf  
Paperback 
Verlag: Eloy Edictions 
Preis: 15,00 EUR 
458 Seiten 

Eine kostenlose Leseprobe gibt es HIER.  

Unter catsdawn@web.de kann das Buch direkt bei Arthur Gordon Wolf geordert werden. 

Montag, 24. September 2012

Zombies - Sie werden Dich fressen - Thomas Backus



Aus dem Klappentext:

DAS IST KEINE URBANE FANTASIE DAS IST REINER HORROR ... da ist ein Priester, der seinen Glauben verloren hat, doch dann erweckt Gott die Toten zum Leben, so wie er es versprochen hat. ... da ist eine Frau, die ihren toten Vater pflegt, bis ihr Ehemann diesen in eines dieser schrecklichen Totenheime stecken will. ... da ist ein Mann, der artig auf dem Einwohnermeldeamt erscheint, wo ein störrischer Beamter Beweise dafür verlangt, dass er noch lebt. ... da ist eine Mutter, die endlich ein sicheres Versteck gefunden hat, aber ihre Tochter schreit vor Hunger. Jedes dieser Schicksale an sich ist bereits erschütternd, doch bei genauerem Hinsehen kann man ein schreckliches Muster hinter dem Wahnsinn erkennen, ähnlich einem verwirrenden Puzzle, das Körperteil für Körperteil zu einem blutigen Leichenberg zusammenfügt. Zu diesem Zweck verbindet dieses Buch die kreative Kraft von Kurzgeschichten mit der Spannung eines ausgereiften Romans.

Thomas Backus hat mit "Zombies - Sie werden Dich fressen" eine Sammlung von Kurzgeschichten auf die Beine gestellt, nach der sich die Splatterer unter uns die Finger lecken können.
Normalerweise fasse ich zu Beginn einer Buchbesprechung gerne noch einmal mit eigenen Worten den Inhalt zusammen und versuche so, dem Klappentext ergänzend entgegen zu kommen. In diesem Fall haben der Klappentext und die Kurzbeschreibung auf Amazon aber schon ganze Arbeit geleistet.
Wer sich das gründlich durchliest, wird wissen, was ihn auf den über 400 Seiten erwartet.

Ich habe mich bewusst für die "Unrated" Version in gebundener Ausführung entschieden, die preislich zwar etwas höher angesiedelt ist als die zensierte Paperpack-Ausgabe, dafür aber sehr hochwertig und stabil verarbeitet wurde. Abgesehen davon möchte ich als Hardcorefan der Extremklasse auf eine Zensur des Verlages gerne lächelnd verzichten.
Meine Entscheidung hat sich in jeder Hinsicht als richtig erwiesen. Thomas Backus gibt dem Hardcorefan, was er will. Ohne viel drumherum zu schwafeln, knallt er mir die blutigen Tatsachen um die Ohren. Für mich ist es immer wieder ein angenehmes Lesevergnügen, wenn sich ein Autor mit kurzen und knalligen Sätzen durchsetzt, anstatt mich mit nichtssagenden Schachtelsätzen zu Tode zu langweilen. In dieser Kurzgeschichtensammlung stimmt das Verhältnis von Schreibstil und Handlung. Hier geschehen die Dinge plötzlich und ohne Schonfrist, so dass man es beim Lesen einfach "laufen lassen" kann.

Die große Menge der Kurzgeschichten könnte im Vorfeld den Verdacht aufkommen lassen, dass sich nach zwei bis drei Stories nicht mehr viel Neues anbietet. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Jede einzelne Geschichte ist einzigartig und bietet dem Leser ein neues Thema. Ja, es geht tatsächlich immer um Zombies, aber ich hatte wirklich keine Ahnung wie viele verschiedene Begleitstories sich ein einziges Schreiberhirn dazu ausdenken kann. Der Autor hat bei seinen Zombies einige "Besonderheiten" eingebaut, die das Ganze gleich noch interessanter machen. Diese Zombies hier können noch ein bisschen sprechen, was mir ab und zu einen kleinen Grinser entlockt hat. Außerdem kann man sie nicht mal eben via Kopfschuss zurück ins Grab befördern. Da müssen sich die Charaktere mitunter schon etwas einfallen lassen. Ich bin wirklich begeistert angesichts dieser Ideenvielfalt.
Dieses wirklich gelungene Angebot wird durch eine kurze Gastgeschichte ein wenig gestört, die mir leider als einzige Story nicht ganz so gut gefallen hat. Sorry, lieber Gastschreiber, das war irgendwie nicht mein Fall. Wahrscheinlich heißt es nicht umsonst: Viele Köche verderben den Brei.

Man könnte die einzelnen Kurzgeschichten prinzipiell in beliebiger Reihenfolge lesen, jedoch ist mir aufgefallen, dass mir vereinzelt Personen und Elemente in späteren Geschichten erneut begegnet sind. Deswegen würde ich empfehlen, das Buch in der vorgegebenen Reihenfolge zu verschlingen.

Thomas Backus hat in dieser Sammlung nicht nur die Fetzen fliegen lassen, sondern auch einige gezielte Pfeile auf die Gesellschaft abgeschossen. So bekommen hier einige Abteilungen ihr Fett weg. Vom Amtszombie bis zum Zombiepflegeheim - jeder darf sich hier mal angesprochen fühlen. Viele Zombieromane enthalten gesellschaftskritische Aspekte. Meistens leidet jedoch die Action ein wenig unter seitenlangen, philosophisch angehauchten Kritikmanövern. Backus hat seine Seitenhiebe schnörkellos und zielsicher in die Handlung eingebaut. Man muss sie nicht mehr herausanalysieren - sie stehen einfach da - kompromisslos.

Da ich die zensierte Paperback Version nicht kenne, kann ich dazu auch nichts sagen. In meiner Version wurde jedenfalls gefressen, gehackt, geköpft, geschlungen, gemetzelt und geschnetzelt. Abgesehen davon gab es auch Sex und reichlich vulgären Sprachgebrauch. Was will mein Horrorherz noch?

Zuletzt würde mich noch interessieren, ob die ängstliche Fraktion, die mit dem zensierten Paperpack, genau so viel Spaß hatte wie ich. Ich wage, das zu bezweifeln.
Zumindest bin ich sicher, dass ich jetzt schon ein echtes Sammlerstück besitze, denn dieses Buch ist nicht in riesiger Auflage erschienen. 

Fazit:
"Zombies - Sie werden Dich fressen" ist eine abgefahrene Sammlung von Zombie-Stories, die mich mit herrlich kranken und vielseitigen Ideen einige Abende lang um den Schlaf gebracht hat. Nichts für empfindliche Leutchen, aber eine todsichere Kaufempfehlung für blutrünstige Zombiefans.


Details zum Buch:



  • Gebundene Ausgabe: 434 Seiten
  • Verlag: PxV fantastic & dark; Auflage: 1. (17. Oktober 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3864400201
  • ISBN-13: 978-3864400209
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 14,8 x 2,6 cm 
HIER kann man das Buch sofort bestellen.

Für eine Leseprobe oder weitere Informationen über Thomas Backus bitte HIER klicken !


Mittwoch, 12. September 2012

Der Finder - Michael Schreckenberg



Klappentext:

Von jetzt auf gleich sind fast alle Menschen von der Erde verschwunden. Spurlos. Daniel, der Finder, reist für eine kleine Gruppe Überlebender durch ein leeres Land, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Aber alles erscheint wie tot. Die Wuppertaler Schwebebahn steht still, im Kölner Dom ist die letzte Messe längst gelesen. Nur in den Wäldern, den dunklen Wäldern, gibt es noch Leben. Und jede Nacht erwacht es mit neuem Hunger ... Michael Schreckenbergs Endzeit-Thriller erzählt vom Beginn nach dem Ende. Von Glaube und Hoffnung, von Einsamkeit und Tod. Eine apokalytische Reise durch ein Land, das Sie so noch nie erlebt haben.

Der Finder, von dem im Klappentext gesprochen wird, heißt Daniel. Er ist es, den wir auf 321 Seiten durch ein düsteres Endzeitszenario begleiten. 
Einen Tag nach einer Party (10 Jahre Abi), auf der Daniel seine Traumfrau Esther kennenlernt, sind plötzlich fast alle Menschen von der Erde verschwunden. Es gibt keine Toten, keine Hinweise - nichts. Alles was bleibt, sind eine fast leere Welt und eine Menge Fragen. Gemeinsam mit einigen anderen Überlebenden, machen sich die beiden auf den Weg in eine ungewisse Zukunft. Ein Neuanfang ist der Plan. Mit Problemen wird zwar gerechnet, aber nicht mit der Art Problem, die man sonst nur aus Horrorgeschichten kennt.

Normalerweise gehe ich so gut wie nie auf die Covergestaltung ein. In diesem Fall möchte ich jedoch dieses Thema als Einleitung für die Buchbesprechung nutzen. Ehrlich gesagt, hätte das Cover allein mich im Buchladen nicht zum Kauf des Buches verleitet. Es macht einen mittelalterlichen Eindruck und täuscht ein wenig über die Tatsache hinweg, dass "Der Finder" in der Gegenwart seinen Ursprung hat. Nachdem ich das Buch dann aber gelesen hatte, fand ich das Cover plötzlich wieder passend, weil es zeigt, worum es letztlich geht: Die Überlebenden müssen sozusagen "back to the roots" - alles auf Anfang. In einer Welt ohne Strom, Telefon, Fernsehen und Internet sind mitunter mittelalterliche Maßnahmen nötig, um das Überleben zu sichern. Für einen Spontankauf wäre mir das Cover allerdings nicht auffällig genug.

Damit hätte ich im Prinzip meinen einzigen Kritikpunkt abgehakt, denn als ich begann, den Prolog zu lesen, stolperte ich sogleich über einen Liedtext von Nick Cave, den ich in meiner Jugend auch gerne gehört habe. Sehr sympathisch, dachte ich und fand die Auswahl dann auch absolut passend für die folgenden Seiten.
Als ungewöhnlich und sehr beklemmend empfand ich die Wahl des Schauplatzes. Ich lebe selber im Ruhrgebiet, kenne viele der genannten Orte und Autobahnen (ja, auch die B8) und hatte Steine im Magen bei dem Gedanken, dass diese mir wohlbekannten Orte als verlassen und leer beschrieben waren. Das war schon sehr unheimlich. 

Michael Schreckenberg hat den Protagonisten aus der Ich-Perspektive zum Leser sprechen lassen. Alle Eindrücke und Beschreibungen kommen aus erster Hand und unterstreichen gekonnt die hoffnungslose und traurige Stimmung, die sich wie ein schweres Gewicht auf das eigene Empfinden legt.
Der Autor nimmt sich viel Zeit für diese Stimmung, und das sorgt für einen langsamen aber konstanten Spannungsaufbau.
 
Die Charaktere sind eigentlich nur grob umrissen, werden nicht bis ins kleinste Detail beschrieben. Komischerweise habe ich das aber auch keine Sekunde lang vermisst. Ich hatte dadurch die Chance, mir jede einzelne Figur individuell auf mein Vorstellungsvermögen zuzuschneiden. Ich hatte meine eigenen Bilder für die Personen und war nicht gezwungen, Beschreibungen abzuspeichern, die mir nicht zusagen. Da man im Laufe der Story insgesamt auf eine Vielzahl an Menschen trifft, ist diese Methode für mich auch die ansprechendste.
Die Story braucht ein bisschen Zeit, um in Fahrt zu kommen, ist aber dabei so packend geschrieben, dass man das Buch eigentlich keine Minute lang aus der Hand legen möchte. Nach ca. einem Drittel der Geschichte war ich nur noch zappelig und ungeduldig - hatte jede Menge Fragen und fieberte gebannt der Auflösung entgegen.
Michael Schreckenberg hält den Leser raffiniert an der kurzen Leine, spendiert ab und zu  kleine Häppchen, die die Story voran treiben aber nichts preisgeben. So wechseln sich actionreiche Passagen mit Momenten der Reflexion ab und liefern genau den richtigen Mix, der einem das Aufhören fast unmöglich macht. 
"Der Finder" enthält auch einige gesellschafts- und sozialkritische Aspekte, die einen selbst nach dem Lesen noch ein Weilchen beschäftigen. 
Das Ende der Geschichte war in meinen Augen einfach nur total abgefahren, unerwartet und wirklich kreativ - der Hammer! Alle Fragen werden beantwortet - neue Fragen tun sich auf. Das hat zur Folge, dass ich ganz klar nach einer Fortsetzung verlange, denn ich mag mich noch nicht von Daniel und seinen Freunden trennen.
Das darf jetzt nicht das Ende sein. Ich will mehr! 

"Der Finder" hat mich noch den ganzen Abend beschäftigt. So liebe ich es - so muss es auch sein.

Fazit:
"Der Finder" ist ein bisschen wie eine Treibsandfalle. Sieht unscheinbar aus, lässt einen aber nicht mehr los, wenn man einmal darin fest steckt. Und dann wird man hineingesogen, langsam aber endgültig. Ein wirklich gut gelungener Endzeitthriller, dem ich guten Gewissens eine Kaufempfehlung mit auf den Weg gebe.

Details zum Buch:


  • Broschiert: 321 Seiten
  • Verlag: Gardez! Verlag; Auflage: 1., Auflage (11. November 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3897962217
  • ISBN-13: 978-3897962217
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 2,4 cm 
"Der Finder" kann HIER bestellt werden.

Eine kostenlose Leseprobe gibt es HIER

Viele weitere Informationen zu Michael Schreckenberg, "Der Finder" und weiteren Romanen erhält man auf seiner HOMEPAGE

Und als letztes Highlight für die Fans gibt es sogar noch einen SHIRT-SHOP

Wer wissen möchte, was "Mijääää" bedeutet, sollte unbedingt "Der Finder" lesen ;-)


 

Freitag, 7. September 2012

Verseucht - Tim Curran



Klappentext:

Du willst weiterleben? Dann vergiss, was sie einst »Menschlichkeit« nannten.

Atomarer Regen … Mutationen ... tödliche Pandemien … Städte voller Leichen … Die Menschheit steht vor ihrem Ende.

Rick Nash ist einer der letzten Überlebenden. Aber dafür muss er einen unglaublichen Preis zahlen: ein Bündnis mit dem gefräßigen Bösen, das im radioaktiven Feuer Gestalt angenommen hat.

Damit zu leben, bedeutet für Rick den lebendigen Tod. Es zu bekämpfen, die Hölle auf Erden …



Was wäre, wenn der atomare Albtraum plötzlich Wirklichkeit würde, ein Großteil der Menschheit ausgelöscht wäre und der kümmerliche Rest nur noch aus Militär, Monstern, Mutanten und barbarischen Banden bestünde?
Ganz einfach. Man bewaffnet sich bis an die Zähne und  hofft das Beste.

Rick Nash ist einer der Wenigen, die mehrere atomare Sprengungen auf der ganzen Welt überlebt haben. Die Erde liegt in Schutt und Asche. Radioaktive Strahlung hat einen Großteil der Überlebenden dahingerafft. Menschen und Tiere sind zu bösartigen Monstern mutiert. Es gelten die Regeln des Ausnahmezustandes. Das Militär rekrutiert halbwegs gesunde Menschen zur Räumung der Leichenberge. Es bilden sich Gangs, die vergewaltigen, foltern und morden. Wahnsinnige Pest- und Seuchenkranke lauern an jeder Ecke und Kinder sind nicht mehr das, was sie einmal waren.

Rick macht nach dem Tod seiner Frau das Beste aus seiner Situation und begibt sich zusammen mit anderen Überlebenden auf die Suche nach etwas, von dem er selber noch nicht weiss, was es ist.

"Verseucht" ist mein dritter Roman von Tim Curran. Nachdem ich "Zerfleischt" ziemlich gut, aber zu überladen fand und "Der Leichenkönig" mir äußerst hilfreich als Sedativum diente, ging ich zunächst mit neutralen Gefühlen an dieses Buch heran.

Gleich zu Anfang steigt man sofort ins Geschehen ein. Die Katastrophe ist bereits passiert und Rick erzählt mir seine Geschichte aus der Ich-Perspektive. Für mich ein Pluspunkt, da ich diese Erzählweise bevorzuge. So weiß ich immer, was in ihm vorgeht und sitze sozusagen in der ersten Reihe. Das geht ein winziges bisschen zu Lasten der restlichen Charaktere - stört mich aber nicht sonderlich, denn ich will Action, und die bekomme ich auf den über 400 Seiten auch reichlich geboten.
Wie auch schon in "Zerfleischt" spart Tim Curran nicht an Splatter, Gemetzel, Blut und Hirn. Dieses Mal ist es aber nicht so maßlos übertrieben, dass es schon wieder langweilig wirkt. Eine vielfältige Auswahl unterschiedlichster Gegner und Gefahrensituationen sorgen ständig für Abwechslung und unterhalten den Leser äußerst actionreich. 
Curran verzichtet auf gähnend lange Fülltexte und konzentriert sich konsequent auf den Fluß der Story. Das einzige bisschen Detailverliebtheit finden wir genau an den richtigen Stellen, nämlich bei der Schilderung der Krankheiten, Mutationen und Missbildungen. Damit erzeugte der Autor bei mir ein perfektes Kopfkino, und ich sah die groteskesten Gestalten vor meinem inneren Auge.
Zwischendurch darf der Leser kurz verschnaufen, z.B. wenn die Protagonisten  einen Moment der Ruhe erleben. Diese kurzen Augenblicke nutzt Curran zur Reflektion und erklärt dabei nebenher Ursachen, Vorgehensweisen und Umstände. So werden auch offene Fragen beantwortet, ohne den Plot zu stören. Für mich wurde das sehr ansprechend gelöst.
Insgesamt war "Verseucht" ein spannender und unterhaltsamer Pageturner, der mich an drei Abenden gekonnt wachgehalten hat. Ein Hauch Paranormales rundet das Gorespektakel gekonnt ab. Das ist genau die Art Roman, die ich gerne und mit Lust lese. Eigentlich bin ich jetzt nur enttäuscht, dass ich ihn schon beendet habe.

Fazit:
"Verseucht" ist ein actiongeladenes Must-Have für Fans von Endzeitthrillern. Für so einen Roman verzichte ich auch gerne mal auf ein paar Stunden Schlaf und komme zu spät zur Arbeit, weil ich beim Frühstück nicht aufhören konnte zu lesen. Dafür gibt es eine satte Kaufempfehlung. Einfach FESTAstisch!!!

Details zum Buch:

"Verseucht" von Tim Curran erschien im August 2012 beim Festa-Verlag.

Deutsche Erstausgabe
Broschur 19 x 12, Umschlag in Lederoptik
448 Seiten
Originaltitel: Biohazard
Übersetzung: Usch Kiausch
ISBN 978-3-86552-099-9

13,95 EUR

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"Verseucht" HIER bestellen 

Und HIER gibt es das eBook

Viel Spaß !!!

Montag, 3. September 2012

Innswich Horror - Edward Lee



Ganz herzlichen Dank an Voodoo Press für das Rezensionsexemplar.

"Innswich Horror" handelt vom gut betuchten Antiquitätenhändler Foster Morley, der als wahrscheinlich größter Fan von H.P. Lovecraft im Jahre 1939 auf den Spuren seines Idols wandelt. Eine Busreise soll ihn so realitätsgetreu wie nur eben möglich an die selben Orte führen, die einst auch Lovecraft besuchte. Mit seinen Augen will er sehen, was der Meister sah. Dazu scheut er keine Kosten und Mühen.
Als er in die Hafenstadt Innswich Point gelangt, fallen ihm nach und nach immer mehr Details auf, die auf Lovecrafts Geschichte "Schatten über Innsmouth" hindeuten. Spontan beschließt er, die Reise an dieser Stelle für einige Zeit zu unterbrechen, um den Spuren nachzugehen, die auf Lovecraft's vergangene Anwesenheit hinweisen.
Schnell wird ihm klar, dass er sich auf der richtigen Fährte befindet. Einmal angefangen, kann er nicht mehr aufhören. Er gerät immer tiefer in den Strudel der unheimlichen Geheimnisse, die die kleine Hafenstadt beherbergt.

"Innswich Horror" war mein drittes Buch von Edward Lee. Nachdem ich von "Haus der bösen Lust" nicht sonderlich begeistert war, erlebte ich mit "Bighead" meinen ersten Aha-Effekt. Ich war und bin fasziniert davon, wie wandelbar Lee in seinem Schreib- und Erzählstil ist. Deswegen habe ich mich nicht im mindesten gewundert, nun eine Hommage an Lovecraft in den Händen zu halten. Man sollte es nicht für möglich halten, aber auch dieser Roman ist wieder komplett anders, als man es von Lee gewöhnt ist. 

Bis auf winzige "Ausrutscher", wo der mir bekannte Edward Lee leise aufschreit, könnte man fast meinen, einen Gruselroman aus Lovecraft's Zeiten gelesen zu haben. 
Die Ausdrucksweise ist spürbar zurückhaltend und brav, wie es sich für das Moralverständnis dieser Zeit gehört. Der Sex ist zwar im Prinzip reichlich vorhanden, wird aber nur thematisch angerissen und nicht detailliert ausgeführt. Ein kleines bisschen Splatter konnte Lee sich nicht verkneifen, aber es wäre auch kein Lee, wenn nicht wenigstens einmal ein bisschen Hirn durch die Gegend spritzt. Ich wäre wirklich beleidigt gewesen, wenn es komplett gefehlt hätte. Allerdings hatte er ein gutes Näschen für die richtige Menge. Mehr davon wäre einfach nicht zeitgemäß gewesen und hätte dem Roman vielleicht geschadet.
Edward Lee brilliert hier tatsächlich mit dem guten, altmodischen und unterschwelligem Grauen, das nur die wenigsten Autoren vernünftig hinbekommen.

 Die Charaktere sind wirklich gut gelungen. Man kann sie sich vorstellen und sich in sie hinein versetzen. Besonders gut gelungen ist ihm die schöne Mary, die trotz ihrer vielen "Verfehlungen" wahrscheinlich in jedem Mann den Superheldeninstinkt weckt.
Meine Güte, sogar ich wollte die gute Frau beschützen.

Wie auch in "Haus der bösen Lust" ist mir aufgefallen, dass Edward Lee sich intensiv mit detaillierter Recherche befasst hat. So erhält man bildhafte und plausible Eindrücke der Stadt zu der Zeit in der die Story spielt.

Wenn die Geschichte sich auch anfangs etwas gemächlich entwickelt, wird es zur Mitte hin um einiges rasanter. Das Ende gipfelt schließlich in einem sehr unterhaltsamen Showdown, bei dem man spürt, dass Lee am liebsten so viele Ideen wie möglich untergebracht hätte. Wahrscheinlich ist es ihm ziemlich schwer gefallen, sich zusammenzureissen und nicht noch ein paar geisteskranke Irre aus dem Busch springen zu lassen. Das waren die Momente, wo ich spürte: Hier schreibt Edward Lee - er will Gas geben, aber er darf nicht. Das wird auch im letzten Absatz des Romans deutlich, wo er seinen Lesern quasi noch klammheimlich eins drauflegt und uns zuruft: "Kommt Leute, einen habe ich noch."

Ich gebe zu, dass ich nie ein großer Fan von Lovecraft war und deswegen auch die Geschichte "Schatten über Innsmouth" nicht kenne.  Allerdings bin ich mittlerweile soweit, dass ich mir in Kürze einen Band von Lovecraft kaufen werde, denn meine Neugierde ist jetzt wirklich geweckt. Vielleicht wird es sogar die Story "Schatten über Innsmouth", wer weiß?

Fazit:
Edward Lee hat es ein weiteres Mal geschafft, mich positiv zu überraschen. Was hat dieser Mann noch alles auf dem Kasten? Ich bin schwer beeindruckt von seiner vielseitigen Schreibkunst. "Innswich Horror" hat mich ziemlich gut in die gute alte Zeit abgeholt und mir sogar noch Lust auf mehr gemacht. Lovecraft, ich komme!

Details zum Buch:

ISBN: 978-3-902802-14-9

EUR 12.95

Taschenbuch
Deutsche Erstveröffentlichung
Übersetzerin: Kerstin Fricke
Originaltitel: The Innswich Horror
200 Seiten (enthält eine Leseprobe zu Vogemanns Schatten)


Dieses Buch könnt Ihr HIER bestellen.

Eine kostenlose Leseprobe gibt es HIER.

Viel Spaß!!!
 

Sonntag, 2. September 2012

Vollendet - Neal Shusterman






Vorab bedanke ich mich bei Fictionfantasy, die mir "Vollendet" als Rezensionsexemplar, gesponsort von Sauerländer, überlassen haben.


"Vollendet" ist die Geschichte von Connor, Risa und Lev, die in einer für uns unvorstellbaren Welt einer komplett neuen Ordnung leben. In dieser Welt gilt das Gesetz der "Charta des Lebens", welches besagt, dass Eltern ihre Kinder im Alter zwischen 13 und 18 Jahren jederzeit rückwirkend abtreiben und somit für immer loswerden können. Dabei sind die Gründe für die Entsorgung der Kinder jeweils unterschiedlicher Natur.
Connor wurde seinen Eltern auf Dauer einfach zu unbequem. Risa, ein Waisenkind, soll aus Kostengründen verschwinden und Lev ist ein sogenanntes Zehntopfer, dessen Bestimmung aus vermutlich religiösen Gründen bereits seit seiner Geburt feststand. Alle drei teilen das selbe Schicksal. Sie erwartet der Abtransport in ein Ernte-Camp, wo ihre Körper zu fast 100% für interessierte Käufer wiederverwertet werden sollen. Conor, der Rebell unter ihnen erfährt zufällig von der Planung seiner Umwandlung. Risa wird es förmlich mitgeteilt und Lev ist quasi stolz auf seine Bestimmung, weil es für ihn eine große Ehre darstellt, die gleichzeitig mit einer feierlichen Zeremonie verbunden ist. Er ist der einzige der drei "Wandler", der sich auf seine Umwandlung freut. Durch Connors spektakuläre Flucht wird auch er zufällig und gegen seinen Willen zum Flüchtling vor dem System. Die beiden treffen später auf Risa. Von da an begleiten wir das Trio auf ihrer gemeinsamen Flucht.

Als Leserin von brutaler Horrorliteratur war diese Jugenddystopie für mich eine völlig ungewohnte Angelegenheit. Statt mit Splatter und Gewalt musste ich mich dieses Mal mit einer anderen Form von Härte auseinandersetzen -  schonungslose emotionale Brutalität.
Ich wurde konfrontiert mit einer Mischung aus Herzlosigkeit, Verzweiflung und Hoffnung, die mich mehr als einmal schwer schlucken ließ.
Shusterman schreibt schnörkellos und direkt. Seine Wortwahl ist treffend und auf den Punkt, so dass der Schreibstil durchaus für Jugendliche geeignet und flüssig lesbar ist. Dennoch frage ich mich, ob jugendliche Leser mit der emotionalen Tragweite dieser Story schon zurecht kommen.
"Vollendet" setzt sich mit schwerwiegenden moralischen Grenzwertigkeiten auseinander, die in meinen Augen keine leichte Kost darstellen. Vordergründig spielt das umstrittene Thema Abtreibung eine große Rolle. Abgesehen davon, dass heutzutage sowieso schon heiß diskutiert wird, ob es sich dabei um Mord handelt oder nicht, geht Shusterman noch einen Schritt weiter und deklariert mal eben so eine nachträgliche Entsorgung als möglich. Da wären wir im nächsten Schritt auch schon beim Thema Organhandel, der in "Vollendet" als durchaus legale und ehrenwerte Sache im Raum steht.
Dann gibt es noch das "Storchen", eine Regelung, die es werdenden Müttern/Eltern erlaubt, ihr Kind vor einer beliebigen Haustüre abzuladen und sich dann aus dem Staub zu machen. Werden sie dabei erwischt, müssen sie ihr Kind behalten. Passiert das nicht, ist die "gestorchte" Familie verpflichtet, das gefundene Kind aufzunehmen.
Sehr bewegend fand ich auch die Variante der bereuenden Eltern, die ihr umgewandeltes Kind zurück wollen und überall nach den Einzelteilen suchen. In dieser Art könnte ich jetzt seitenlang weitermachen. Dieses Buch wies so eine Fülle von unfassbar aufwühlenden Gefühlsmomenten auf, dass es mir zwischendurch die Tränen in die Augen trieb.
Gerade deswegen bekommt "Vollendet" von mir die höchstmögliche Bewertung, die man einem Roman geben kann. Diese Geschichte hat mich gefesselt, bewegt und mitunter schwer mitgenommen. Die Story hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, macht nachdenklich und betroffen. Ich habe noch lange darüber nachgedacht und tue es immer noch. Was kann man von einem Roman mehr verlangen? Großartig!

Fazit:
"Vollendet" ist eine Dystopie, die einem das Herz bricht und einen noch lange beschäftigt. Es war spannend, rasant und so bewegend, dass mir zwischendurch das Atmen schwer fiel. Meiner Meinung nach ist "Vollendet" eher für ein reiferes Publikum geeignet, das in der Lage ist, diese Fülle an unfassbar bewegenden Momenten zu verkraften. Wer gerne mal ein Tränchen vergießt, hat mit diesem Roman einen guten Fang gemacht. Dafür gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung.

Details zum Buch:


  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: Bibliographisches Institut, Mannheim (Sauerländer); Auflage: 1 (1. August 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3411809922
  • ISBN-13: 978-3411809929
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Originaltitel: Unwind
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,8 x 4,8 cm 

Viel Spass!!!