Sonntag, 30. Dezember 2012

Flesh Gothic - Edward Lee



Vorab ein ganz herzliches Danke an den FESTA Verlag für dieses Buch.

Florida: Reginald Hildreth, Milliardär und Pornoproduzent, verschwindet nach einer aus dem Ruder gelaufenen Orgie spurlos aus seiner riesigen Villa. Zurück bleiben jede Menge verstümmelte Leichen und die einzige Überlebende: Faye, die Hausmeisterin, die, inzwischen restlos wahnsinnig geworden, ihr Dasein in einem Pflegeheim fristet.
Reginald's Gattin Vivica glaubt nicht an den Tod ihres Mannes. Deswegen heuert sie eine Gruppe Experten an, die in der Villa paranormale Aktivitäten untersuchen sollen. So entsteht ein buntes Team, bestehend aus verschiedenen Spezialisten, die unter anderem Astralwanderungen, Telekinese und Hellseherei beherrschen.
Der ehemalige Journalist Westmore soll diese Arbeiten für Vivica dokumentieren. Schnell stellt sich heraus, dass die Villa nicht nur Schauplatz eines grausamen Massakers, sondern weitaus mehr als das ist.
Westmore wird zum paranormalen Ermittler.

"Flesh Gothic" gehört mit 448 Seiten schon zu den umfangreicheren Werken von Edward Lee. Das liegt zum Teil daran, dass Lee sich anfangs sehr viel Zeit für die einzelnen Charaktere nimmt. Der Leser bekommt also nicht nur eine Reihe von Namen um die Ohren gehauen, sondern lernt jeden einzelnen Protagonisten gründlich kennen. Das hat den Vorteil, dass man sich im weiteren Verlauf gut an jeden von ihnen erinnern kann. Allerdings braucht der Roman deswegen auch ein Weilchen, um Fahrt aufzunehmen.
Für die ungeduldige Fraktion unter den Lesern dürfte das im Wesentlichen ein Grund zur Kritik sein.  Auch mir kann es eigentlich nie schnell genug gehen, endlich zum Kern der Story zu gelangen. Vielleicht hätten es ein paar Seiten weniger auch getan. Trotzdem hat das mein Lesevergnügen in keiner Weise beeinträchtigt.
Inzwischen habe ich (fast) alle auf deutsch erschienenen Werke von Edward Lee gelesen (an "Der Besudler auf der Schwelle" bin ich gerade dran).
Deswegen beginne ich auch langsam zu begreifen, wie der Autor tickt und wie seine Romane aufgebaut sind. Jeder, der bereits "Bighead" gelesen hat, erwartet wahrscheinlich grundsätzlich eine Anhäufung actiongeladener, abartiger Splatterszenen, die sich gegenseitig an Perversität übertreffen. Nun ja - auch hier darf der eher blutrünstig veranlagte Leser sich über reichlich Gemetzel und sexuelle Abarten freuen. Trotzdem liegt der Schwerpunkt in diesem Roman eher auf den paranormalen Detektivarbeiten, die die Protagonisten leisten. Lee hat ein dämonisches Rätsel geschaffen, dessen Lösung sich nur langsam und raffiniert entwickelt. Ehe ich mich versah, sah ich mich in umfangreiche Ermittlungsarbeiten verstrickt, die ich mit Spannung verfolgt habe. Natürlich gibt es falsche Fährten und überraschende Wendungen, doch das sollte jeder für sich selber herausfinden.

Erfreulicherweise gelingt es Lee wirklich immer, dem Leser durch gründlich recherchiertes Fachwissen ein gewisses Niveau zu bieten. So auch in "Flesh Gothic". Umfangreiche Einzelheiten über paranormale Fachgebiete und Dämonologie heben den Roman quasi aus dem Einheitsbrei der trashigen Ekelromane heraus und verleihen ihm einen gewissen Anspruch. Für mich, als interessierte Leserin von Literatur über solche Themen, war es eine willkommene Fundgrube interessanter Details, die ich nahezu verschlungen habe. 
Wer bereits andere Romane von Lee kennt, wird bemerkt haben, dass es immer irgendein gründlich recherchiertes Fachgebiet gibt, mit dem sich die Protagonisten beschäftigen. Vielleicht ist das seine Art zu zeigen, dass er wesentlich mehr kann, als mit Blut, Gedärm und Orgien um sich zu werfen.

Nach einer etwas zu langen Einführungsphase hat mich "Flesh Gothic" dann schließlich komplett am Haken gehabt. Die letzten zwei Drittel habe ich sozusagen gefressen. Die langsame Steigerung der Spannung, die schrittweise Auflösung des "Rätsels" und das wirklich abgefahrene Finale haben mir tolle Lesestunden geschenkt. Also lehne ich mich zufrieden zurück und freue mich, dass ich noch einen Lee "in Reserve" habe, den ich gleich im Anschluß inhalieren muss.

Fazit:
"Flesh Gothic" hat mich mit einem gelungenen Mix aus paranormalen Gruselelementen, herrlich sonderbaren Charakteren und einer angemessenen Ladung Sex und Gore bei Laune gehalten. Haunted House meets The Playboy Mansion. Es ist ein Lee - nicht mehr und nicht weniger. 

Details zum Buch:

  • Broschiert in Leder-Optik: 448 Seiten
  • Verlag: FESTA Verlag; Auflage: 1 (11. Dezember 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3865521630
  • ISBN-13: 978-3865521637
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12 x 3,2 cm 

Eine kostenlose Leseprobe gibt es HIER.

Das Taschenbuch könnt Ihr HIER bestellen.

Das eBook gibt es HIER.

Bitte seid so lieb und  unterstützt Eure Lieblingsverlage, indem Ihr Eure Bücher direkt über die Verlagsseite und nicht über Amazon oder andere Zwischenhändler bestellt (eBooks ausgenommen). Solche "Umleitungen" bringen die Verlage um einen Teil ihres Einkommens. Amazon wird darüber hinweg kommen.

Viel Spaß !!! 
    

Freitag, 21. Dezember 2012

Zum Sterben schön, Teil 1 - Wayne Simmons


Ich bedanke mich bei VOODOO PRESS für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.


In Belfast bricht das absolute Chaos aus, als die Menschen, mit Ausnahme weniger Überlebender, plötzlich tot zusammenbrechen. 
Der Verkehr kommt zum Erliegen, Flugzeuge stürzen ab und insgesamt tobt in der Stadt ein apokalyptisches Durcheinander. Während sich überall die Leichen stapeln, rotten sich vereinzelte Überlebende zu kleinen Gruppen zusammen, die sich gemeinsam eine neue Art der Normalität schaffen. 
Während nur die männlichen Leichen verwesen, scheinen die toten Frauen aus unerklärlichen Gründen immer schöner zu werden.
Im Bemühen, gemeinsam zu überleben und herauszufinden, was der Grund für das plötzliche Massensterben ist, durchleben die einzelnen Gruppen verschiedene Entwicklungsstadien, in denen sie unter anderem auch mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen haben.

In den vergangenen Monaten habe ich persönlich für mich die Erfahrung gemacht, dass gerade die Kleinverlage besonders viel Sorgfalt und Herzblut in ihre Verlagsarbeit stecken. Da wird gelesen, ausgesiebt und mit viel Empathie für die Leser nur das veröffentlicht, was ihnen möglicherweise gefallen könnte. Das gibt mir als Leser immer wieder auf's Neue das Gefühl, nur das Allerbeste zu lesen, das der Buchmarkt zu bieten hat.
"Zum Sterben schön" ist ein solches Buch.

Wer bereits "Grippe" von Wayne Simmons kennt, wird auch in diesem Roman die Ruhe wiedererkennen, mit der Simmons an seine Werke heran geht. Auch "Zum Sterben schön" ist,  genau wie "Grippe", nur der erste Teil des Gesamtwerkes. Ich finde es wichtig, das zu wissen, denn wie in vielen Horrorschmökern auf dem Markt, verpulvert der Autor nicht gleich die gesamte Energie auf den Anfang.
Simmons lässt sich Zeit und legt somit den Großteil der Aufmerksamkeit zunächst auf die Charaktere, deren kleine, schmutzige Geheimnisse sich nach und nach offenbaren. Wie wichtig diese "Kellerleichen" sind, erfährt der Leser erst im letzten Drittel der Story. Es bis dort zu schaffen, erfordert ein wenig Geduld und vor allen Dingen ein Faible für Tiefe und Intensität.

Das ist jetzt die Stelle, an der sich die Leser in zwei Lager spalten werden. Während die Actionfans wahrscheinlich inzwischen ungeduldig mit den Fingern trommeln, ist der Stimmungsfan schon lange in einer anderen, faszinierenden Welt unterwegs.
Da mir beide Arten des Spannungsaufbaus zusagen, hatte ich absolut kein Problem damit, mich von diesem Roman einfangen zu lassen. Ohne zu übertreiben, kann ich sogar behaupten, dass "Zum Sterben schön" eines der emotionalsten und herzzerreißendsten Bücher war, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Simmons hat seine Charaktere die komplette Bandbreite der Katastrophe auf unvergleichliche Weise durchleben lassen, so dass mich die Wucht des Verlustes mitunter trocken schlucken ließ. 
Und jetzt kommt wieder der Punkt, an dem ich darauf hinweise, dass es sich hier erst um den ersten Teil des Gesamtwerkes handelt. 
Die gewünschte Action kommt nämlich noch. Einen deftigen Vorgeschmack auf den zweiten Teil bekommt der Leser im letzten Drittel der Story. Dort erfährt man, mit welcher Art Zombies man es zu tun hat. Und ich kann zumindest so viel sagen: Solche Untoten hatten wir bisher ganz sicher noch nicht. So viel ist sicher. 
Simmons holt zu einem alles zerschmetternden Halbfinale aus, das sich gewaschen hat. Eben noch mit einer Träne im Knopfloch, findet der Leser sich plötzlich knieftief in Blut und Fleischfetzen wieder. 
Wer jetzt noch nicht an dem Punkt ist, nach Teil 2 zu lechzen, sollte evtl. auf Heimatromane umsteigen, denn hier steppt jetzt ganz gepflegt der Bär.

Letzten Endes hatte die Story etwas von einem Reinigungsprozess der Menschheit. Warum ich das so sehe, sollte jeder für sich selber erkunden. Es lohnt sich wirklich.

Ein kleiner Fehler hat sich leider in den Druck eingeschlichen, der dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch bereitet. Das Kapitel 4 wiederholt sich am Ende von Kapitel 5 noch einmal. So gibt es leider ein paar doppelte Seiten. Das Sammlerherz freut sich allerdings darüber, denn bei einem Nachdruck (wovon ich ausgehe) ist man stolzer Besitzer eines eher seltenen Fehldrucks. 

Fazit:

"Zum Sterben schön" ist ein hoch emotionales Werk, das den Hammer nur ganz langsam hebt, um dann mit zerstörerischer Gewalt zuzuschlagen. Ich kann gar nicht anders, als ungeduldig auf den zweiten Teil zu warten, der bereits in Vorbereitung ist.

Details zum Buch:
  • ISBN: 978-3-902802-39-2
  • EUR 12,95
  • Erschienen im Dezember 2012 bei VOODOO PRESS
  • Taschenbuch
  • Deutsche Erstveröffentlichung
  • Übersetzer: Andreas Schiffmann
  • Originaltitel: Drop Dead Gorgeous
  • 280 Seiten

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Noch eine Sache, die mir am Herzen liegt:
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Viel Spaß !!! 

     
   

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Irre Seelen - Graham Masterton



Als Jack Reed nach einem Autounfall das vermeintliche Unfallopfer sucht, entdeckt er im Wald ein altes Anwesen.
Die ehemalige Irrenanstalt "The Oaks" übt sofort eine eigenartige Faszination auf ihn aus. In seinem Kopf entstehen die ersten Visionen eines exklusiven Country Clubs und er beschließt, das riesige Gebäude zu kaufen. Auf seinen ersten Ausflügen ins Innere des Hauses nimmt er unheimliche Geräusche wahr. Trotzdem ist er weiterhin interessiert und erfährt, dass in dieser Anstalt einst 135 Insassen gleichzeitig verschwanden. Seit diesem Tag ist das Gebäude verschlossen und verlassen.
Jack merkt allerdings sehr schnell, dass das alte Gemäuer längst nicht so verlassen ist, wie es scheint. Irgendetwas lebt in den Wänden, den Böden und der Erde und irgendetwas holt sich seinen Sohn Randy, um zu Ende zu bringen, was einst begonnen wurde.

Mit "Irre Seelen" kommt der Horrorfan bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate in den Genuss eines der abgrundtief schaurigen Werke von Graham Masterton.

Wieder einmal zieht Masterton alle Register, um den unentspannten Leser gehörig das Fürchten zu lehren.

Jack Reed ist in diesem Roman der führende Charakter. Mit ihm erleben wir die Geschichte, als wäre es unsere eigene. Wie es oft für eine gute Horrorstory typisch ist, hat Jack auch selten dämliche Momente, bei denen sich ein nüchtern denkender Mensch eigentlich nur an den Kopf packen möchte. 
Niemand außer Jack würde vermutlich dieses Haus ein zweites Mal betreten, nachdem man beim ersten Mal bereits das Gefühl hatte, verfolgt zu werden. Kein treusorgender Vater würde im Anschluss auch noch spät am Abend seinen kleinen Sohn dorthin schleifen. Aber hey -  guter Horror lebt von dämlichen Protagonisten. Ohne die hirnlosen Jugendlichen, die die alte verlassene Hütte im Wald betraten, obwohl sich der Schaukelstuhl von alleine bewegt hat, wäre auch "Tanz der Teufel" kein Erfolg geworden. In diesem Sinne bin ich auch dieses Mal wieder hochbeglückt über einen weiteren Vollpfosten, ohne den die knapp 450 Seiten allerbesten Horrors kaum möglich gewesen wären.  

Und diese Seiten haben es absolut in sich. Masterton hat mit "Irre Seelen" eine rasante und spannende Horrorshow geschaffen, bei der man ab und zu das Atmen vergisst.
Masterton beherrscht die Kunst, dem Leser gleich auf den ersten Seiten eine gewaltige Gänsehaut zu verpassen. Das Tempo bleibt aber nicht immer gleich. Im einen Moment stellen sich einem noch die Nackenhaare auf und im nächsten Augenblick hetzt man mit Jack atemlos durch ein hektisches Horrorspektakel, das vor Action nur so strotzt.  
Diesbezüglich bleibt dann auch kein Auge trocken. Es gibt Verletzte und Tote, die sich wahrscheinlich über einen gnädigen Genickschuss noch gefreut hätten. Jeder Freund von blutigen Verletzungen mit Todesfolge kommt hier komplett auf seine Kosten. Für mich eine meisterhaft gelungene Mischung aus kaltem Grauen und schreiendem Entsetzen. So etwas findet man nur bei Graham Masterton.

Wie in den meisten seiner anderen Romane, glänzt der Autor auch in "Irre Seelen" wieder mit fundiertem Wissen über alte Mythen und Okkultismus. Dieses Mal geben sich uralte Druidenzauber und Erdmagie die Ehre. Diese Elemente wurden zusammen mit dem krankhaften Irrsinn der bösartigen Hausbewohner in eine Dose gesteckt, aus der sie gemeinsam als Leser verschlingendes Monster wieder heraus kriechen.


Fazit:
"Irre Seelen" lässt einen ängstlich ins Dunkel starren, während man sich die Fingernägel bis auf's Fleisch abkaut. Wem dieser Roman keinen Spaß macht, dem hilft eigentlich nur noch die Einweisung ins Seniorenheim. Dieses Buch war jeden Cent wert. Daumen hoch und ganz klare Kaufempfehlung.

Noch eine Sache, die mir am Herzen liegt:
Bitte unterstützt Eure Lieblingsverlage, indem Ihr Eure Bücher direkt über die Verlagsseite und nicht über Amazon oder andere Zwischenhändler bestellt. Solche "Umleitungen" bringen die Verlage um einen Teil ihres Einkommens. Amazon wird darüber hinweg kommen.


Details zum Buch:


  • Broschiert: 448 Seiten in Leder-Optik
  • Verlag: FESTA; Auflage: 1 (19. November 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3865521649
  • ISBN-13: 978-3865521644
  • Originaltitel: Walkers
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12 x 3,2 cm 

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Das eBook bekommt Ihr HIER.

Eine kostenlose Leseprobe erhaltet Ihr HIER.

Und jetzt viel Spaß !!!
 

Sonntag, 9. Dezember 2012

Schweine-Eimer, zweite Leseprobe zu "Runde Ecken"

Da fragt man sich doch gleich: Was, zum Geier, hat das mit Horror zu tun?

Ab und zu ist es tatsächlich der blanke Horror, unschuldigen Lesern eine Leseprobe des eigenen Geschreibsels auf's Auge zu drücken. 

Da mich jedoch in den letzten Monaten ausdrückliche Wünsche nach einer Fortsetzung der ersten Leseprobe erreicht haben, gebe ich hiermit nach und schenke Euch das erste Kapitel.

Fehler dürft Ihr mir gerne aufzeigen. Ein Lektorat kann ich mir nämlich nicht leisten ;-)

Viel Spaß :-)


Schweine-Eimer





Mein erster Job, der meine Putzfrauenkarriere einläutete, ereilte mich im zarten Alter von 15 Jahren. Ich ging aufs Gymnasium und liebte Klamotten und Depeche Mode.

Damals waren Klamotten von Benetton und Socken von Burlington gerade furchtbar angesagt. Da meine Eltern unglücklicherweise der Meinung waren, eine Jeans von Aldi täte es auch, musste unbedingt ein Job her.

Meine Tante verschaffte mir meinen ersten Ferienjob in einer Krankenhausküche. Aus diesem Ferienjob wurden satte fünf Jahre. Man steckte mich in einen gruseligen altrosa farbenen Kittel mit dem Emblem einer großen Gebäudereinigungsfirma. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass ich nicht zu den weiß gekleideten Häubchen tragenden Küchenfeen gehören würde, die die Mahlzeiten zusammenstellten. Mein Platz war am anderen Ende der Spülmaschine. Unsere Gruppe, bestehend aus fünf Personen, hatte sich um die Container zu kümmern, die nach dem Essen von den Stationen zurückkamen. Die erste Frau lud die Tabletts aus dem Container und stellte sie auf ein Förderband. Die Zweite entfernte Papier und Abfall. Die Dritte entfernte sämtliches Besteck und stopfte es in einen Kasten. Die Vierte schabte die Essensreste vom Teller direkt in einen großen Kübel. Die Fünfte und Letzte befüllte die Spülmaschine. Jeder Platz hatte einen Namen. Diese wären dann der Reihenfolge nach: Container, Papier, Besteck, Schweine-Eimer und Maschine.

Raten Sie mal, was ich hatte!

Der Schweine-Eimer wurde an diesem ersten Arbeitstag für die nächsten zwei Stunden mein Begleiter. Ich musste nach einer halben Stunde eine Zwangspause einlegen, nachdem ich mich in genau diesen erbrochen hatte.

Mit der Zeit wurde ich eine wahre Virtuosin der Schweine-Eimer-Kunst. Ich konnte blitzschnell Essensreste vom Teller in diesen Kübel befördern, ohne mich zu übergeben. Irgendwann wurde mir auch klar, dass diese Position von allen noch die Angenehmste war. Hatte man Container, war man gelegentlich diversen Überraschungen ausgesetzt.

Die Container wurden aus dem Keller über einen Aufzug in die Küche befördert.

Dort angekommen, glitten sie an einer Art Schwebeschiene aus dem Aufzug heraus direkt vor das Förderband. Das dort positionierte Opfer öffnete die Flügeltüren des Containers und begann, die Tabletts der Reihe nach auf das Band zu stellen. Mit viel Glück blieb man beim Öffnen des Containers trocken. Oftmals war es aber so, dass einem zuerst ausgelaufene Getränkereste auf die Füße schwappten. Manchmal ergossen sich diese auch von oben auf einen, wenn man ein Tablett, auf dem ein Patient gekleckert hatte, aus einem der obersten Schienen heraus zog. Immerhin waren Tee bzw. Kaffee schon kalt. Das ersparte uns den Besuch in der Ambulanz.

Wenn man die Position „Papier“ hatte, blieb man zwar trocken, musste aber in alles hineingreifen, was sich auf dem Tablett befand, um alte Servietten, Marmeladen-Döschen, Teebeutel, usw. zu entsorgen. Die Arbeit mit Handschuhen machte hierbei wenig Sinn. Das Band lief so schnell, dass man gar nicht so schnell greifen konnte. Ein Handschuh hätte dieses hektische Rumgegrapsche nur erheblich erschwert. Natürlich wurden Servietten des Öfteren auch als Taschentuch oder Wundpflaster missbraucht. Manchmal lag der Abfall auch inmitten einer ansehnlichen Kotzlache, die der Patient uns liebevoll mit runter geschickt hatte. Sehr gerne haben Schwestern und Pfleger auch ihre Arbeitsutensilien auf den Tabletts abgelegt und „vergessen“. Dass eine von uns im Eifer des Gefechts in eine gebrauchte Spritze oder in einen Pieker gegriffen hat, war keine Seltenheit.

Nette Abwechslungen unter den Fundstücken auf den Tabletts boten auch liegen gelassene Brillen, Gebisse, Brechschalen, blutige Wundverbände, Tupfer, abgerissene Pflaster, Stethoskope und gezogene Fäden.

In dieser Zeit gewöhnte ich mir das Ekeln ab und das Rauchen an. Der positive Nebeneffekt war, dass ich die ganzen fünf, fast sechs Jahre lang niemals auf die Idee kam, irgendetwas aus dieser Küche zu essen. Ich blieb schlank wie ein Reh und konnte Horrorfilme gucken, ohne zu kotzen.



Dieser körperliche Vorteil kam mir auch während meiner Lehrzeit als Energieelektronikerin bei der Ruhrkohle zugute. Als eine der ersten weiblichen Auszubildenden absolvierte ich auf dem Weg in die Kantine täglich einen Spießrutenlauf. Ich konnte schneller rennen, als die Kerle grapschen und pfeifen konnten. Das sollte mir mal einer nachmachen.

Diese Ausbildung führte letztlich auch zum Ende des Schweine-Eimer-Jobs. Kurz vor dem Ende meiner Ausbildung kündigte ich dort, um mich in Ruhe auf meine Gesellenprüfung vorbereiten zu können. Ich lernte und ackerte wie eine Besessene und schloss mit guten Noten und einer Lehrzeitverkürzung meine Ausbildung ab.

Hätte ich damals geahnt, was die Berufswelt für mich noch bereithält, wäre ich wahrscheinlich Friseuse geworden, wie es sich für eine Friseurtochter gehört.



Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich aufgrund völlig veralteter Ansichten vieler Arbeitgeber einen Elektrobetrieb nie von innen gesehen habe.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Samstag, 1. Dezember 2012

The Terror Compilation - Marc Gore


Ich danke dem Autor Marc Gore für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Informationen über Marc Gore laut Amazon:

"Bei Marc Gore wird das gehalten, was der Name verspricht, denn der Name ist Programm. Gore und Splatter sind die Noten, die Marc Gore mit dem Taktstock des Terrors dirigiert. Seine Melodie des Grauens ist nicht auf Suspense ausgelegt, sondern trifft vielmehr die harten Töne und liefert die Hintergrundmusik zu einem Tanz aus Tod und Terror. Aber Marc Gore bringt nicht einen Tanz mit feinen oder ästhetischen Bewegungen, sondern es wird der grobe Tanz der Blutpolka zelebriert. Hart und ohne Tabus." (Zitat Ende)

"The Terror Compilation ist eine Sammlung von 6 Horror Kurzgeschichten, die insgesamt das ganze Genre abdecken.

Zum Inhalt:

MONSTER SQUAD:
Ein mexikanischer Schwerverbrecher ist auf der Suche nach seiner untreuen Geliebten. Massenhaft Zombies runden das Angebot ab.
 
PSYCHO ROUTE 66:

Ein kranker Serienkiller vs. noch krankere Rächerin.

TERROR OF ALABAMA:

Irre Hinterwädler, die sich einer Gruppe junger Leute annehmen - Kreissäge inklusive

CREATURE IN THE CELLAR:

Droht Euren Kindern niemals mit dem Monster im Keller. Und schon gar nicht dann, wenn es noch eine Rechnung mit Euch offen hat.

THE BUTTERFLY LADIES:

Auch die Vampire bekommen in dieser Anthologie ihren verdienten Platz.

ALIEN CARNAGE
:

Würdet Ihr wirklich Wesen von anderen Planeten auf die Erde teleportieren, wenn Ihr die Möglichkeit dazu hättet? Sicher überlegt Ihr Euch es nach dieser Story noch einmal.

Zunächst einmal sei gesagt, dass Marc Gore mit Splatter, Mord und Totschlag nicht geizt. Das komplette Waffenarsenal der Horrorabteilung kommt hier zum Zuge. Wer also empfindlich ist, sollte von diesen Stories Abstand nehmen. Ansonsten ist der Name "Gore" hier absolut Programm. Fans von blutigen Massakern werden hier bestens bedient.

In "The Terror Compilation" erwartet den Leser kein typischer Horrorstory-Schreibstil. Viel eher muss man sich einen extrem übertriebenen Horror-Comic in geschriebener Form vorstellen. 
Mir fielen beim Lesen spontan die Italo-Horror-Porn-Comics ein. Vielleicht kennt der eine oder andere Leser sie. Einfach mal Googeln! 
Dieser Stil ist typisch für die oben aufgeführten Kurzgeschichten. Die Ideen in den Stories sind mitunter nicht neu, aber sehr unterhaltsam umgesetzt. Die erste und gleichzeitig längste Story "Monster Squad" hat einen leichten Quentin Tarantino Touch - mit dem Unterschied, dass man sich das Ganze wesentlich bunter und mit mehr heißen Girls vorstellen muss.

Insgesamt haben wir hier sechs bisher unveröffentlichte Shortstories von Marc Gore, die ganz schön reinhauen.

Einziger Kritikpunkt:  Der Twilight-Line Verlag hat sich leider nicht gerührt und auch auf Bemühen des Autors selber kein bearbeitetes Rezensionsexemplar versendet. Das bedeutet, dass ich sozusagen das unkorrigierte und unlektorierte "Rohwerk" von Marc Gore selber zu lesen bekam, in dem es leider noch viele Fehler gab.
Ich gehe davon aus, dass diese in der Verlagsausgabe behoben wurden. Zumindest habe ich bisher in anderen, früheren Buchbesprechungen nichts darüber gelesen. Und der Blick ins Buch auf Amazon lässt mich auch vermuten, dass am Manuskript noch gefeilt wurde, bevor es auf den Markt geworfen wurde.

Inhaltlich hat es mir auf jeden Fall absolut zugesagt.

Fazit:
Unterhaltsamer Splatter-Horror in ganz eigenem Style. Der Blick ins Buch auf Amazon ist empfehlenswert, bietet eine gelungene Vorschaumöglichkeit auf den Schreibstil und macht Lust auf mehr. Ich würde auf jeden Fall mal hinsurfen.

Details zum Buch:

  • Taschenbuch: 178 Seiten
  • Verlag: Twilight-Line Verlag GbR; Auflage: 1 (11. Oktober 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3941122762
  • ISBN-13: 978-3941122765
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren ( Eher ab 18 ! )


Das Taschenbuch kann man HIER bestellen.

Das eBook bekommt Ihr HIER.
     
Viel Spaß !!!