Samstag, 14. Dezember 2013

Das Säuseln im Wald - D. Evilll

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Klappentext:  

Ein lange ersehnter Urlaub, ein gegebenes Versprechen, ein altes Haus im Wald - Klaus, ein Mann Ende 40, gerät bei einem Routine-Check in unvorhersehbare Schwierigkeiten, nicht zuletzt in Lebensgefahr. In einer unerträglichen, ausweglos erscheinenden Situation muss er sich seiner Vergangenheit stellen. Und die ist böse... Geschwisterliebe bis in den Tod hinein - Kinder schreien nicht, Kinder verstummen. Doch irgendwann kommt die Zeit der Rache. Wenn dich die Vergangenheit einholt musst du stark sein - oder sterben!  

Klaus hat sich seinen Urlaub auf den Malediven verdammt noch mal wirklich verdient. Seinen BMW hat er sich auch verdient. Er ist erfolgreich, oder? Vor der angestrebten Reise gibt es noch etwas zu erledigen. Die Hütte seiner Eltern, tief im Wald gelegen, muss durchgecheckt werden. Klaus nimmt sich also vor dem Abflug noch kurz die Zeit und fährt hin. Und dann geschehen Dinge, mit denen er nicht gerechnet hatte. Für eine Weile muss die Sonne auf den Malediven noch ohne Klaus scheinen.  

Immer, wenn man denkt, einen unterhält nichts mehr, kommt von irgendwo ein echt cooles Buch daher. Mit dieser abgedroschenen Floskel möchte ich gerne die Buchvorstellung zu „Das Säuseln im Wald“ einleiten.  

Wenn ich mal ganz ehrlich bin, habe ich mir nicht allzu viel versprochen. Alleine schon der Titel „Das Säuseln im Wald“ - meine Güte, wie viele Wälder denn noch, bitte schön? Alleine in 2013 habe ich vier Horrorschmöker mit dem Wort „Wald“ oder „Wälder“ im Titel gelesen. Prompt hatte ich die dazu passenden Bilder im Kopf: Geisteskranke Hinterwäldler, Kannibalismus, Dezimierung der Protagonisten nach Schema F (einer nach dem anderen), usw.

  Wie unfassbar geil ist es dann, wenn ich feststellen muss, dass ich komplett daneben lag, sozusagen auf dem Holzweg (Waldweg) war.  

„Das Säuseln im Wald“ hat rein gar nichts von den oben genannten Merkmalen. Der Autor hat einen Wolf im Schafspelz geschrieben. Die lockere, mitunter recht lässige Schreibweise sorgt zunächst für eine entspannte Haltung seitens des Lesers. Man fühlt sich in Sicherheit und in allen Vermutungen bestätigt. Und dann? Ja, dann kommt plötzlich alles ganz anders. Dann kommt nämlich der Wolf heraus und frisst einen mit einem einzigen „Mampf“ - am Stück.  

Klaus ist eine Mischung aus „Oh mein Gott, der arme Kerl!“ und „Leide, du Drecksau!“ Aber da muss man erst einmal hinkommen. Und das tut man, indem man ihn ein wenig durch sein bisheriges Leben begleitet.  

D.Evilll gibt dann auch richtig Gas und bedient sich eines uralten Hausmittelchens, um das Buch zu dem zu machen, was es ist – die gute alte Gänsehaut.  
Und darauf könnt ihr einen lassen, die hatte ich!  
Fast ohne Splatter, dafür aber mit einigen wirklich gruseligen Elementen, hatte diese Geschichte mich mühelos am Wickel. Schauderhaft gut geschrieben und in der Tat unterhaltsam. Abgerundet wird diese gelungene Mischung durch die Behandlung von Tabuthemen, die den Grundkern des Plots bestimmen, ohne zu aufgesetzt zu wirken.  
Vorhersehbarkeit? Nein, nicht wirklich. Die Story wusste zu überraschen und vor allen Dingen zu fesseln. Dieses Buch ist schlicht und einfach absolut mein Ding.  

Fazit:

 „Das Säuseln im Wald“ ist wieder einmal ein Musterbeispiel für gute, unterhaltsame Indie-Literatur. Der eher „alltägliche“ Titel und das trashig aufgemachte Cover führen den möglichen Käufer unter Umständen an der Nase herum. Für Freunde frischer Gänsehaut-Ideen ist dieser Schmöker jedoch ein Must-have, wenn nicht sogar ein mögliches Lese-Highlight. Wer sich hier nicht gruselt, ist vielleicht schon tot.

 Das Säuseln im Wald kann hier bestellt werden.

Freitag, 13. Dezember 2013

Sommertod - Der Indie-Killer - Milos Never

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  Klappentext:  
Deutschlands erste Satire auf die Self-Publisher-Szene
 Alles, was du schon immer vermutet hast, stimmt: Rezensionen werden gekauft, Ebooks werden künstlich gepusht, und keiner tut was dagegen. Bis heute...

 „Sommertod“ ist schonungslos, ehrlich, hart und ab 18. Ein satirischer Thriller mit Extras. Spaß und Empörung garantiert.  

„Darauf hat die Ebook-Welt gewartet.“ - Cornelius aus dem Nicht-Hier  

„Dieses Buch gehört verboten. Ich kontaktiere sofort meinen Anwalt.“ - Anonym

 „Na, wenn das mal keine negativen Rezensionen nach sich zieht.“ - Nikolas Preil  

Ach so, zum Inhalt:  
Ein Serienkiller, der es auf erfolgreiche Self-Publisher abgesehen hat. Eine Kommissarin, die Horror-Romane auf ihrem E-Reader liest. Und ein Indie-Autor, der ins Visier des Killers gerät.  
Das Ebook umfasst ca. 50.000 Worte, also ca. 200 Normseiten. Inklusive von zwei Kurzgeschichten und einer Leseprobe.“    

Auf den ersten Blick ist „Sommertod“ vielleicht nur ein extrem trashiger Roman, dessen heftige Kritik wahrscheinlich nur von den Insidern der Buchbranche erkannt und verstanden wird.

 Auf den zweiten Blick macht dieser Roman eine Menge Spaß.    

Aber beginnen wir doch von vorne.    
Sommertod“ beschäftigt sich mit den Aufregern der Buchbranche – und zwar mit allen.    

Seit sich die Möglichkeit des Selfpublishings (selber veröffentlichen ohne Verlag) aufgetan hat, tobt im Internet ein ziemlich unschöner und nicht immer fairer Konkurrenzkampf unter den sogenannten Indie-Autoren. Die Palette ist enorm. Von gekauften Rezensionen, über Eigenbewertungen mit zig verschiedenen Accounts beim großen „A“, bis hin zu organisierten Facebookgruppen, in denen sich die Mitglieder mit allerhand dreisten Maßnahmen gegenseitig in die Charts heben, ist so ziemlich alles dabei, was den verarschten Käufern und den ehrlichen Autoren das Wasser in die Augen treibt.  

 In „Sommertod“ rechnet unser Serienkiller mit all denen ab, die sich, seiner Meinung nach, zu Unrecht die Taschen vollstopfen. Die Horror-Charts werden bereinigt – die Betrüger müssen leiden.    

Und wie sie leiden müssen! Milos Never ist wirklich nicht zimperlich und er macht auch keine Gefangenen. Der Autor lässt einen krankhaft besessenen Fanatiker auf die schreibende Zunft los. Und was er dann alles mit seinen Opfern anstellt, wissen diese wohl selbst am besten, denn sie haben ihre Tötungsszenarien selbst entworfen.  

 Sommertod“ ist sehr schwarzhumorig und extrem provokant geschrieben. Mit Sicherheit wird dieser herrlich satirische Trasher denen gefallen, die zu den erzählten Situationen zustimmend abnicken. Allerdings wird es auch laute Buhrufe geben – wahrscheinlich von denen, die sich den Schuh anziehen.

 Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass mir dieser Roman keinen Spaß gemacht hätte. Spaß ist sogar noch maßlos untertrieben. Ich habe laut gelacht, Situationen wiedererkannt und bei manchen Szenen den Autor innerlich angefeuert, noch ein Schüppchen draufzulegen.    

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge habe ich vorhin die letzte Seite verschlungen. Jetzt fühle ich mich irgendwie ein bisschen dreckig und gleichzeitig unheimlich zufrieden.  

 Übrigens gibt es in „Sommertod“ einen sehr urigen Charakter namens Cornelius, den ich gerne irgendwann einmal erneut treffen möchte. Es wäre zu schade, wenn dieser coole Typ jetzt in Rente müsste, denn es gibt noch viel zu tun in der Buchwelt, oder?  

Fazit:  
Sommertod“ ist eine Satire mit extrem brutalen Elementen und provokanten Inhalten. Mit einem stabilen Magen und einem relativ hoch angesiedeltem Sinn für schwarzen Humor kann man dieses Buch bedenkenlos lesen. Wer all das nicht hat und zudem noch – ach, lassen wir das … Lest es dann einfach nicht.      

Sommertod - Der Indie-Killer hier bestellen

Donnerstag, 21. November 2013

Eine Nacht in der Hölle/Sein Schmerz - Nate Southard/Wrath James White

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Mit „Eine Nacht in der Hölle“ von Nate Southard und „Sein Schmerz“ von Wrath James White erreichte mich vor einigen Tagen ein weiterer Band der inzwischen sehr beliebten Extrem-Reihe von Festa. Das Besondere daran ist nicht nur die, wie immer sehr schön anzuschauende, Leder-Optik, sondern das absolut großartige Wendecover. Damit erhielt jede Novelle ihr eigenes Design. Wenn man eine Geschichte beendet hat, dreht man das Buch einfach herum und schon kann es weitergehen.  

„Eine Nacht in der Hölle“ von Nate Southard:  

Dillon und Kevin sind beste Freunde, bis Kevin herausfindet, dass Dillon homosexuell ist und eine Beziehung mit Randy hat. Für den Macho und Footballspieler Kevin ist diese Tatsache unerträglich und er beschließt, dem schwulen Paar eine Lektion zu erteilen. Mit der Hilfe von Slug und Toby verschleppt er Dillon und Randy in eine abgelegene Hütte. Die Situation gerät außer Kontrolle.  



Mit dieser Novelle präsentiert Nate Southard seinen Lesern eine etwas andere Variante der klassischen Rachestory. Vielleicht ist die Idee nicht ganz neu und der Handlungsverlauf in gewissem Maße vorhersehbar. Trotzdem ist es dem Autor gelungen, reichlich Spannung aufzubauen und den Charakteren Leben einzuhauchen. Dabei sind die Rollen klar verteilt. Kevin ist der Leader, der, der das Sagen hat. Er steigert sich in einen Machtrausch hinein, der an Größenwahn grenzt. Vor meinem geistigen Auge erschien mir irgendwie immer der junge Kiefer Sutherland, obwohl nie wirklich beschrieben wurde, wie Kevin aussieht. Dillon macht eine bahnbrechende Entwicklung durch, die auf mich als Leserin eine eindrucksvolle Wirkung hatte. Aus Angst und Sorge wird Wut und Hass. Diese beiden Charaktere lassen die übrigen Personen wie Statisten wirken, obwohl auch sie tragende Rollen spielen. 
Dass das ganze Drama eine Sache zwischen Dillon und Kevin ist, wird dadurch zusätzlich betont. Großartige Charakterzeichnung, ausgezeichnet umgesetzt.  

Typisch für Nate Southard ist auch hier wieder der knackige, direkte Scheibstil. Hier wird nicht drumherum geredet – hier wird gehandelt. Der Leser erhält genau die Menge an Informationen, die wichtig sind, um die Story direkt im Gehirn ankommen zu lassen.  
Ich selbst bin auch kein Fan von viel Gefasel um nichts. Deswegen war diese Story genau mein Ding. Bitterböse, brutal und kompromisslos. Nate Southard macht keine Gefangenen. Was will man mehr? Diese Story wurde atemlos an einem Stück von mir verschlungen. Ich bin begeistert!

  „Sein Schmerz“ von Wrath James White:  

Der junge Jason leidet seit seiner Geburt an einer seltenen Krankheit, die bewirkt, dass sein ganzes Leben aus nichts als Schmerz besteht. Jede Berührung, jedes Geräusch, jeder Geruch und alle Arten von Sinneseindrücken lösen unsagbare Schmerzen aus. Auf diese Weise vegetiert er sozusagen, von der Außenwelt abgeschottet, vor sich hin. Obwohl es wahrscheinlich besser wäre, ihn von seinen Qualen zu erlösen, halten seine Eltern, vor allen Dingen seine Mutter, am Leben ihres Kindes fest. Mit der Hilfe von Yogi Arjunda erlernt Jason schließlich eine Methode, seinen Schmerz in etwas Anderes umzuwandeln.  

Oh mein Gott! Ja, wirklich. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Heilige Scheiße!  
Die Geschichte fängt eher dramatisch, wenn nicht sogar traurig an. Jasons Schicksal berührt den Leser augenblicklich und man kann rein gar nichts dagegen tun. Und während man noch damit beschäftigt ist, sich das eine oder andere Tränchen zu verkneifen, holt Mr. White aus und verpasst dem Leser den Ekel seines Lebens mit einem Vorschlaghammer aus der Hölle. In dieser Novelle wird mit rein gar nichts gespart. Es fließen sämtliche Körperflüssigkeiten und die Handlung macht vor nichts und niemandem halt. Nebenher werden auch noch ein bis zwei heikle Tabus thematisiert.  

Von den Charakteren sticht ganz besonders Jasons Mutter hervor. Als Leser ist man sich nicht sicher, ob man Verständnis für diese von Egoismus geprägte Mutterliebe aufbringen soll oder ob man dieser Frau genau dafür lieber eine reinhauen möchte. Das in einem Leser hervorzurufen, ist großes Kino. In eher mittelmäßigen Romanen sind mir die Personen in der Regel völlig schnuppe.

In „Schänderblut“ hatte ich ein winziges Problem mit dem Schreibstil, der mir kalt und emotionslos vorkam. Dieses Problem hat sich spätestens mit „Sein Schmerz“ erledigt. Hier ging mir die Geschichte insgesamt ziemlich nahe und ich wage mich mal soweit vor zu vermuten, dass solche Eindrücke vielleicht durch die Art der Übersetzung entstehen könnten. Wenn hier ohne viel umständliches Gelaber die größtmögliche Wirkung auf den Leser erreicht werden konnte, liegt es wahrscheinlich daran, dass die Übersetzerin den Schreibstil des Autors optimal transportieren konnte. Dafür ein großes Lob von mir als Leserin.  

Fazit:  

Dieser Doppelband aus der Reihe „Extrem“ von Festa hat bei mir keine drei Stunden überlebt. Angekommen, ausgepackt, verschlungen. Dem Verlag ist hier das perfekte Duett zweier großartiger Autoren gelungen, die sich in diesem Doppelband effektiv ergänzen. Dieses Buch ist eine höllische Doppelsymphonie des Bösen und deswegen ein absoluter Leckerbissen für Fans der Extrem-Reihe von Festa.


Die Taschenbuchausgabe ist nur bei Festa erhältlich *klick*  

Beide Novellen sind jeweils einzeln als eBook erhältlich.  
 

Montag, 18. November 2013

Die Katzenlady - Melisa Schwermer

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Klappentext:
Jahrelanger Psychoterror bestimmt Sabrinas Leben. Seit dem Tod ihres Vaters lebt sie alleine mit ihrer alkoholkranken Mutter in einem vermüllten Messiehaus am Rande von Darmstadt. Als sie die Unterdrückung durch ihre Mutter nicht mehr ertragen kann, befreit sie sich und beginnt gemeinsam mit ihren Katzen ein neues Leben. Um ihre neu gewonnene Freiheit zu verteidigen, ist ihr jedes Mittel recht. Wirklich jedes!  

Melisa Schwermer gab bereits mit der eher kurz gehaltenen Geschichte „Der Käfer“ ihr Debüt im Horrorgenre. Leider gab es diesen Schmöker nur als eBook, so dass ich mich bis heute nicht daran begeben habe.   Meine Chance als sture „Holzbuchleserin“ kam dann endlich mit der Veröffentlichung von „Die Katzenlady“ und ich war sehr neugierig auf dieses Buch.  

Die Story, wie oben bereits im Klappentext beschrieben, handelt von der jungen Frau Sabrina, die zusammen mit ihrer Mutter in einem vermüllten Messiehaushalt lebt. Sie steht komplett unter der Fuchtel der verwahrlosten Mutter, muss diese versorgen, pflegen und deren seltsame Essgewohnheiten unterstützen. Über kurz oder lang geschieht, was zu erwarten war. Sabrina sieht sich am Ende ihres Geduldsfadens angelangt und beschließt zu handeln. Sie beginnt damit, sich von ihrem alten Leben und, vor allen Dingen, von ihrer Mutter zu befreien.  

Dieser Prozess setzt sich schleichend, aber mit grausamer Gewissheit in Gang. Sabrina verliert nach und nach alle Hemmungen und ihre Psyche verändert sich.   In meinen Augen ist diese Veränderung richtig gut gelungen. Nach und nach wird Sabrina mehr oder weniger irre. Wie das letztlich vonstatten geht, ist Frau Schwermer sehr gut von der Hand gegangen.  

Dabei nimmt die Autorin auch keinerlei Rücksicht auf Verluste oder schwache Mägen. Die eine oder andere Szene hat es schwer in sich. Jeder Horrorjunkie wird sich danach die Finger lecken. Diese Tatsache sollte der geneigte Leser bitte VOR dem Kauf in Betracht ziehen. Wenn man sich einen Horror-Roman kauft, könnte dieser evtl. widerwärtige Inhalte haben. Um das herauszufinden, kann man sich den Blick ins Buch genehmigen, Bewertungen lesen oder gar Tante Google benutzen. Für mich ist das jedenfalls kein gerechtfertigter Grund für einen Sterneabzug.  

Ein Sternchen geht dennoch in meiner Bewertung verloren. Die Geschichte um Kerstin in der Nebenhandlung war für meinen Geschmack etwas zu langatmig. Da gab es mitunter Passagen, bei denen mein Geist etwas abschweifte. Mit anderen Worten, es kam ein wenig Langeweile auf. Diese kleinere Krise war aber sofort überwunden, nachdem die Handlung sich wieder auf Sabrina konzentrierte.

Mit dieser Protagonistin ist Melisa Schwermer ein wahrer Glücksgriff gelungen. Die Entwicklung dieser unterdrückten Persönlichkeit sorgt für reichlich Spannung und lässt den Unterhaltungwert stetig ansteigen.  

Sprachlich ist „Die Katzenlady“ ein Roman für „jedermann“. Wir im Ruhrpott sagen gerne: Frei Schnauze. Die Autorin schreibt locker und frech, so, wie ihr „der Schnabel gewachsen ist“. Es wird viel geflucht und geschimpft, so dass Freunde der lockeren Umgangssprache sich in diesem Roman wahrscheinlich leicht wiedererkennen werden. Da auch ich diesen Schreibstil bevorzuge, hat mir der Roman großen Spaß gemacht – ein wahres Popcorn-Spektakel – Couch, Decke, Buch und Popcorn, fertig ist die gemütliche Leseecke.  

 Hier und da hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Was z.B. in der Nebenstory um Kerstin zu viel des Guten war, hätte man gegen Ende gerne draufpacken dürfen. So erschien mir schließlich das Ende ein wenig knapp und gehetzt, dafür aber mit ordentlich Schmackes in jeder Hinsicht.  

 Fazit:
„Die Katzenlady“ von Melisa Schwermer hat alles, was eine gute Horror-Story braucht: Blut, Widerwärtigkeiten, Wahnsinn und menschliches Versagen. Patienten mit schwachen Mägen lesen bitte Rosamunde Pilcher. Alle anderen, die verstanden haben, worum es in diesem Roman geht, suchen sich eine gemütliche Ecke und verabschieden sich für ein paar Stunden von der Welt. Mir hat es großen Spaß gemacht und ich werde sicher weitere Werke dieser Autorin lesen wollen.
  

Donnerstag, 7. November 2013

Katzendämmerung - Die Gesamtausgabe

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Vor etwas mehr als einem Jahr fiel mir „Katzendämmerung – Schwarze Sterne“ von Arthur Gordon Wolf zum ersten Mal in die Hände. Dieser Band wurde dann auch von mir verschlungen und besprochen. Leider endete dieser äußerst lesenswerte Schmöker mit einem ziemlich gemeinen Cliffhanger und ich musste über ein Jahr warten, bis ich die Geschichte, die eigentlich ein Dreiteiler ist, endlich komplett lesen durfte. Der Luzifer-Verlag war anscheinend von der Story ebenso angetan wie ich und beschloss, „Katzendämmerung“ als Gesamtausgabe, inklusive des zuvor fehlenden dritten Teiles, neu zu verlegen.  

Das Problem bei diesem Roman besteht darin, den Inhalt zusammenzufassen, ohne zu spoilern. Deswegen möchte ich auch nicht viel mehr verraten, als bereits im Klappentext zu lesen ist. Der Fotograf Thomas Trait verliebt sich Hals über Kopf in die geheimnisvolle Natascha, die sowohl schön als auch klug ist. Sie beschäftigt sich beruflich mit ägyptischer Mythologie und scheint auch selbst irgendwie ein Teil davon zu sein. Thomas brennt für diese Frau und verfällt ihr mit Haut und Haaren. Wenn da nur nicht dieses Geheimnis wäre, das Natascha umgibt. Da Thomas seine Neugier nicht zügeln kann und Natascha irgendwann auf einem ihrer nächtlichen Streifzüge folgt, wird von nun an sein gesamtes Leben auf den Kopf gestellt. Er macht eine Entdeckung, die für ihn und auch für Natascha schwerwiegende Folgen hat.

  Es ist eigentlich schwierig, eine Trilogie zu besprechen, deren ersten beiden Teile man bereits besprochen hat. Dennoch will ich es versuchen, weil etwas ganz Besonderes geschehen ist. In der Regel lese ich niemals ein Buch zweimal. In diesem Fall wollte ich aber die ersten beiden Teile „Bastet“ und „Sachmet“ noch einmal schnell querlesen, um den Anschluss zu finden. So geschah es also, dass ich das Buch noch einmal komplett lesen musste, weil ich gar nicht anders konnte. Gleich zu Beginn war ich wieder voll drin und konnte kaum die Augen von dem Buch lassen. Die Bilder, die sich beim ersten Mal in meinem Kopf formten, waren sofort wieder präsent. Ich erinnerte mich und war hin und weg.  

Thomas Trait ist ein Charakter, den man abwechselnd knutschen oder am Kragen packen und schütteln möchte. Seine alles übersteigende Liebe zu Natascha, seine Trauer, seine Verzweiflung, sein menschliches Scheitern und sein Wiederaufstehen nach etlichen Wechselbädern der Gefühle machen aus ihm den liebenswertesten, interessantesten und zugleich menschlichsten Mann, der sich je für die Liebe einer Frau zum Sklaven gemacht hat. Das ist so, weil der Autor es hervorragend versteht, den Leser an Thomas' innersten Gefühlen teilhaben zu lassen. Und egal, was dieser Typ sich auch leistete: Ich brannte für diesen Kerl. Ich litt mit ihm, war traurig, war entsetzt und wollte ihm eine reinhauen, damit er endlich zur Vernunft kommt. DAS ist ganz großes Kino, wie es selten ein Autor hinbekommt.  

Den Horrorfans unter den Lesern sei versichert, dass es reichlich Blut und noch mehr Sex gibt. Aber halt! Wer jetzt hier ein Kaliber á la Lee und Co. erwartet, ist komplett auf dem falschen Dampfer. Herr Wolf war ziemlich sparsam mit dem Gebrauch harter Fäkalsprache. Es passiert eine Menge, aber alles wird in einem Stil erzählt, den ich gerne als zurückhaltend frech beschreiben möchte. Der Autor verfügt über einen herrlichen Galgenhumor mit Tendenz zur Selbstironie. Das lässt er hier und da in seine Erzählung mit einfließen. So entstand mühelos ein hoher Unterhaltungswert, obwohl dieses Buch bis zum Rand mit ägyptischer Mythologie gefüllt ist.  

Hier kommt nun eine bemerkenswerte Tatsache zum Tragen. Die Arbeit an diesem Buch dauerte länger als ein Jahrzehnt, zu einer Zeit (wenn ich richtig liege), als man noch nicht mühelos das Wort „Ägypten“ googeln konnte. In mühsamer Kleinarbeit wurden hier Details recherchiert, von denen sich selbst eine Galileo-Doku noch eine Scheibe abschneiden könnte. Der Autor hat die Stätten seiner Geschichte persönlich bereist und das merkt man dem Roman auch an. Jede Örtlichkeit, jeder Stein und jedes Detail ist so originalgetreu beschrieben worden, dass man quasi live und in Farbe dabei sein kann, wenn Thomas Trait sich einmal in die Hölle und wieder zurück bewegt.  

Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass ich auf Natascha als Person kaum eingegangen bin. Das ist auch gut so. Nichts ist wie es scheint, erst recht nicht Natascha. Wenn ihr sie kennenlernen möchtet, kauft euch das Buch! Es lohnt sich.  

Ich habe mir jedenfalls absichtlich länger Zeit mit diesem Buch gelassen, weil ich einfach noch nicht loslassen wollte. Hier hat alles gepasst. Thomas hat ein klares Bild in meinem Kopf hinterlassen und ich sehe im Geiste, wie er irgendwo sitzt und seine Geschichte aufschreibt.  

Timo Kümmel hat übrigens das tolle Cover entworfen.  
Der LUZIFER-Verlag hat es geschafft, die fast 700 Seiten in ein bequem lesbares Format zu bringen. 
Daumen hoch für die tolle Qualität.  

Fazit: „Katzendämmerung“ von Arthur Gordon Wolf ist eines der wenigen Bücher, die ich nie mehr vergessen werde, eines, das ich sogar zweimal lesen wollte – freiwillig. Es gibt ein Wort, das ich nicht gerne verwende. Deswegen nehme ich eine Alternative. Dieses Buch ist ein Lebenswerk und ich bereue keine Minute, die ich damit verbracht habe.    

Hier kann man "Katzendämmerung" direkt bei LUZIFER kaufen.  

Und hier geht es zur Alternative:
  

Dienstag, 29. Oktober 2013

Opferzeit - Paul Cleave

Opferzeit von Paul Cleave
Klappentext:  
Einer der perfidesten Serienkiller aller Zeiten kehrt zurück: Joe is back! Die Einwohner der Neuseelandmetropole Christchurch sind aufgebracht. Ein Jahr nach der brutalen Mordserie, die ihre Stadt erschütterte, beginnt der Prozess um den berüchtigten Schlächter von Christchurch. Doch Joe, der scheinbar grenzenlos naive Serienmörder, beteuert nach wie vor seine Unschuld. Unterdessen zieht sich die psychopathische Melissa X einen neuen Killer heran, um Joe, mit dem sie einst eine unheilige Liaison einging, zu töten. Christchurch droht eine Apokalypse des Todes ...  

„Joe is back“ und ich schreie mit vor Aufregung geröteten Wangen: „ENDLICH!“  
Fast sechs Jahre musste ich warten, um zu erfahren, wie es nach „Der siebte Tod“ mit Joe weitergeht und nun durfte ich diese geniale Fortsetzung endlich genießen.

 Wir treffen auf alte Bekannte, wie z.B. Melissa und auf einige andere Romanfiguren, die Paul Cleave sich für seine Leser ausgedacht hatte. In erster Linie treffen wir aber auf Joe selbst. Und das geschieht mit der Wucht eines Sturzes aus schwindelerregender Höhe.

Etwa ein Jahr nachdem Joe versuchte, sich das Hirn aus dem Schädel zu blasen, dürfen wir ihn wieder begleiten. Unser fragwürdiger Held hat nichts von seiner Faszination eingebüßt. Der sowohl abgrundtief böse als auch sympathische Killer gibt auch dieses Mal wieder alles, um seinen Fans zu zeigen, wer der coolste Mörder der Welt ist. Sorry, Dexter, aber da kannst du leider nicht mithalten.  

Auf gewohnt intelligente Weise führt er jeden an der Nase herum, versprüht seinen morbiden Charme und bringt den Leser dazu, ihm alles zu verzeihen. Verschiedene Sichtweisen bringen Schwung in die Handlung, sorgen für ordentlich Spannung und eine Menge Lesespaß. Die Blickwinkel ändern sich zum Ende hin immer schneller und die Kapitel werden kürzer. Das sorgt für ein rasantes Spannungsempfinden, das bis zum Schluss gehalten werden kann.  

Auch der Ekelfaktor kommt dieses Mal wieder nicht zu kurz. Wir erinnern uns nur kurz an die Zange in „Der siebte Tod“. Wer dort schon mächtig Spaß hatte, wird auch hier auf seine Kosten kommen, so viel ist sicher.  
Dementsprechend kommt natürlich auch der pechschwarze Humor wieder zum Zuge. Das macht diesen Thriller im Grunde auch so besonders, denn hier kann man die Spannung mit einem Grinsen erleben und das ist eher ein seltenes Vergnügen.  

Das Finale – nein, ich verrate lieber nichts. Nur so viel: Es ist eines Joe würdig und das Warten hat sich gelohnt. Es rockt. Punkt.  

Fazit:  
Opferzeit“ ist die absolut geniale Fortsetzung zu „Der siebte Tod“, die ihrem Vorgänger in nichts nachsteht. Ich würde sogar sagen, dieser zweite Teil toppt den ersten noch um Längen, so dass ich bereit bin, Paul Cleave die lange Wartezeit zu verzeihen. Genial, bösartig, intelligent – Das ist Joe, wie wir ihn lieben.

Der Verhörspezialist - Dieter Bindig

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Klappentext:
 Ihm macht so schnell keiner etwas vor: Dieter Bindig ist Kriminalhauptkommissar und seit über dreißig Jahren Verbrechern auf der Spur. Seine Aufgabe ist es, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Denn Dieter Bindig ist ausgebildeter Vernehmungsspezialist und erkennt, ob jemand die Wahrheit sagt oder wichtige Informationen verschweigt. In diesem Buch berichtet er von seinen spannendsten Fällen – von dreisten Tätern, vermeintlich verängstigten Opfern und davon, dass häufig nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Eine Anleitung vom Profi in Sachen Menschenkenntnis und ein spannender Einblick in die Verhörstrategien der Polizei.  

Meine Leidenschaft für den „etwas anderen Horror“ und für wahre Kriminalfälle führte mich dieses Mal zu diesem hochinteressanten Taschenbuch von Knaur.  
Dieter Bindig gewährt den Lesern ausführliche Einblicke in die Polizeiarbeit. Dabei beginnt er mit dem Anfang seiner Karriere und lässt auch erste, peinliche Fehler in seiner Laufbahn nicht aus. Gerade diese Fehler waren es, die ihn lehrten, sich in Sachen Menschenkenntnis weiterzubilden und zu versuchen, in Gesichtern und Gestiken der Verdächtigen zu lesen.  

Im Laufe seiner Weiterbildung eignete er sich fundierte Kenntnisse an, die, im Zusammenspiel mit seinen Erfahrungen, den „Verhörspezialisten“ aus ihm machten. Dieter Bindig plaudert aus dem Nähkästchen und bietet uns als Leser und Zivilisten eine Menge interner Informationen. Für uns interessant – für den möglichen Kriminellen evtl. eine Anleitung zum erfolgreichen Lügen? Diese These lasse ich mal so im Raum stehen. Jedenfalls weiß ich jetzt, wie ich mich auf keinen Fall verhalten dürfte, wenn ich etwas zu verbergen hätte.  

Nichtsdestotrotz hat mir dieser Ausflug in die Welt der Ermittler ausnehmend gut gefallen. Der Autor lockert seine Ausführungen mit einigen Anglizismen (Cops) und einer angemessenen Portion Humor auf, so dass sich die Lektüre sowohl informativ, als auch unterhaltsam präsentiert. Der direkte Bezug zum Leser, die persönliche Ansprache, schafft eine gewisse Vertraulichkeit, die wahrscheinlich jenen gefallen, die sich gerne in die Lektüre mit einbeziehen lassen.

  Insgesamt befreit sich dieses Buch mit diesen geschickten Auflockerungen vom „Prädikat langweilig“, das vielen Sachbüchern oft anhaftet. Bei mir hat es jedenfalls funktioniert. Ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen und kann es guten Gewissens an Gleichgesinnte weiterempfehlen.  

Fazit:  
Wer auf unterhaltsam erzähltes Insider-Wissen steht und gerne hinter die Kulissen blickt, hat mit „Der Verhörspezialist“ von Dieter Bindig eine gute Wahl getroffen. Sympathisch, informativ und gehaltvoll – so mag ich Sachbücher
.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Zwielicht Classic I

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Die von Michael Schmidt herausgegebenen Anthologien aus der Reihe „Zwielicht“ erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die bisher von mir gelesenen Geschichten haben sich immer als gute Wahl herausgestellt. Deswegen war es mir ein besonderes Vergnügen, „Zwielicht Classic I“ zu lesen.  

Torsten Scheib – Besessen: Der Erzähler dieser Geschichte hat eine vermeintlich besessene Schwester, die von den Eltern ans Bett gebunden wurde. Der örtliche Pfarrer besteht darauf, die Besessene zu töten. Ihr Bruder sieht das jedoch ganz anders und muss schließlich erkennen, dass manche Dinge oft nicht so sind, wie es zuerst den Anschein hat.  

Malte S. Sembten - Blind Date: Wie wäre es, wenn man in der fernen Zukunft Samen von möglichen Vätern auf Bestellung in jeden beliebigen Uterus pflanzen könnte. Sie möchten Nachwuchs von Jack The Ripper höchstpersönlich? Kein Problem. Man muss ihn nur noch verführen, um an das kostbare Gut zu gelangen.  

Christian Weis - Der erste Tag der Ewigkeit: Ein Privatdetektiv erhält von seinem Kunden den Auftrag, dessen Ehefrau während ihres Urlaubs zu beschatten. Die Reise führt die Frau an den Ort, an dem einst ihr damaliger Partner tödlich verunglückte. Von einem Routine-Auftrag ist diese Angelegenheit weit entfernt.  

Tobias Bachmann - Die fehlende Stunde: In dieser Geschichte dreht sich alles um die Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Schein, als ein Mann sich mit Hilfe einer Droge das Jahr 2004 vorgaukeln lässt. Die Grenzen sind nicht mehr zu erkennen und vielleicht will das auch niemand mehr.  

Andreas Schumacher - Der neue Nachbar: Frauen zurück an den Herd? Nein! In dieser Geschichte, die in der Zukunft spielt, schwingen die Männer den Kochlöffel, während die Frauen sich anderen Dingen widmen. Und der Begriff „Diät“ bekommt eine völlig neue Bedeutung.  

Andreas Gruber - Tor nach Cloon: Acht Schätze vom Chinamann. Wer liebt dieses Gericht nicht? Nun ja, ich mag es nun vielleicht nicht mehr ganz so gerne wie zuvor.  

Christian Endres - Kein Abschied hält ewig: Hier wurde die Geschichte des Zauberers von Oz zu Ende gesponnen. Dorothy is back und sie hat einen Wunsch. Warum also nicht einfach einen Magier erpressen, um ihn sich zu erfüllen?  

Nina Horvath - Hell dunkel, dunkel hell: Eine Raumstation, ein schrecklicher Unfall und eine Heldin mit Depressionen und anderen Problemen. Gut, dass man sich schnell besser fühlt, wenn man in einer Notsituation als helfender Engel agieren kann.  

Auch dieses Mal wurde ich von der Auswahl der Geschichten nicht enttäuscht. Michael Schmidt hat wieder ein geschicktes Händchen bewiesen, indem er sich aus der Masse existierender Shortstories diejenigen ausgesucht hat, die miteinander harmonieren und im Leser ein stimmiges Bild erzeugen.  

Gerne wird man mal gefragt, welche Geschichten einem denn am besten gefallen haben. Bei dieser gelungenen Zusammenstellung fällt mir die Auswahl tatsächlich schwer, weil die Bandbreite ausgewogen ist und jede Geschichte meinen Geschmack absolut getroffen hat.  

Als Fan von teuflischer Besessenheit und den Stories von Torsten Scheib hat mit „Besessen“ ausnehmend gut gefallen. Wie bei allen guten Geschichten gibt es lediglich den Kritikpunkt, dass diese Story gerne etwas länger hätte sein dürfen.  

Weiterhin fand ich die Geschichten von Nina Horvath und Malte S. Sembten richtig klasse. Diese aber speziell als beste Geschichten herauszuheben, wäre wirklich unfair den anderen Autoren gegenüber, die allesamt tolle Ideen abgeliefert haben. 

Jeden Einzelnen lobend zu erwähnen, würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen.  

Die Anthologie wird zum Schluss noch durch verschiedene Artikel und ein Interview mit Nina Horvat abgerundet. Wer sich für zusätzliche Inhalte interessiert, hat somit die Gelegenheit, sich am Ende des Werkes zu informieren.  

Enthalten sind:  
Michael Schmidt - Die phantastischen Ermittler der Heftromanszene, für Fans von John Sinclair, Reverend Pain und Co.  
Martin Strasser - Mr. Psycho mit Herz: Robert Bloch, was man schon immer über Robert Bloch wissen wollte. Vorsicht, dieser Artikel erhöht den SuB!  
Elmar Huber - Interview mit Nina Horvath, eine äußerst sympathische Nerdin
Michael Schmidt - Zwielicht: das deutsche Horrormagazin - Was ist Zwielicht und wer steckt dahinter? Vincent Preis - Die bisherigen Preisträger – Unbedingt anschauen!  

Fazit:  
„Zwielicht Classic I“ überzeugt durch die gelungene, professionelle Zusammenstellung der einzelnen Geschichten und bietet neben dem altgewohnten Horror auch etwas Dark Fantasy und ein bisschen Science Fiction. Das Titelbild von Lothar Bauer finde ich übrigens auch sehr gelungen.
 

Samstag, 19. Oktober 2013

Böse Brut - Dee Hunter

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 Mit „Böse Brut“ präsentiert sich mir Dee Hunters kleine, aber fiese Kurzgeschichtensammlung als erstes Werk, das ich von dieser Autorin gelesen habe.  

In der Regel gehe ich nicht auf die Covergestaltung ein, weil ich denke, dass wir alle Augen im Kopf haben. Ich empfinde persönlich die Beschreibung des Covers in Rezensionen als völlig überflüssige Platzfüller. Trotzdem kann ich in diesem Fall nicht anders, als zu sagen: WOW! Was für ein Cover! Dieses Bild gehört zu denen, die mich ein Buch zur Kasse tragen lassen, bevor ich überhaupt weiß, was im Klappentext steht.  

„Böse Brut“ enthält drei Kurzgeschichten. Böse, gemein und eindringlich.

 Ins Dunkle:  
Jack besucht zusammen mit seiner kleinen Tochter Sophie eine alte Freundin, die ziemlich abgeschieden in einem recht unheimlichen Wald lebt. Zusammen mit einigen Studienfreunden möchte Jack eine gute Zeit haben. Plötzlich verschwindet Sophie und das Unheil nimmt seinen Lauf. Was für eine geile Story! Hier geht es nicht nur um das Unheimliche, das im Wald lauert, sondern um innere Monster, mit denen Jack zu kämpfen hat. Vergangene Probleme, Schuld und das ewig gegenwärtige Gewissen vereinen sich mit unaussprechlichen Schrecken, die Jack im Wald zu bekämpfen hat. Diese Geschichte hatte mich so richtig an den Haaren. Es war düster, gruselig und nur ein winziges bisschen blutig. Trotzdem enthielt diese Story alles, was eine gute Horrorgeschichte braucht. Diese Story, in Kombination mit dem sehr geilen Cover ist ganz klar mein Favorit dieser kleinen Sammlung. Als Roman hätte ich diese Story in einer Nacht verschlungen.  

Kreaturen:  
Der alte Ed führt eine Bar und wird dabei von seiner Tochter Linda unterstützt. Die Bar ist aber nicht alles, womit Ed sein Geld verdient. Im Hinterzimmer handelt er mit außergewöhnlichen Wesen, die mitunter ziemlich gefährlich sind. Obwohl Linda komplett dagegen ist, will er sich diese lukrative Geldquelle nicht entgehen lassen – mit verheerenden Folgen. Die Idee hinter dieser Geschichte ist sehr cool und vor allen Dingen ansprechend umgesetzt. Leider endet die Story aber da, wo sie für mich erst richtig losging. Ich blätterte vor, blätterte zurück und musste dann schließlich einsehen, dass es ist, wie es ist. Die Story war zu Ende – mitten im Nichts. Deswegen ist diese Geschichte dann leider auch diejenige, die von mir die wenigsten Punkte bekommt. Das ist äußerst schade, denn die Idee selbst hätte Material für einen 400 Seiten dicken Wälzer gehabt. So hat das Ding insgesamt nicht richtig funktioniert und lässt mich als Leser angefixt und unbefriedigt zurück.  

Blutschock:  
Lynn ist Geschäftsfrau und hat einen Termin in einer Schlachterei namens Red Meat. Wie es der Zufall will, ist es spät am Abend, der Schlachthof liegt ziemlich abgelegen und der Taxifahrer warnt sie eindringlich vor dieser Gegend. Lynn lässt sich aber nicht abschrecken und nimmt ihren Termin wahr. Vielleicht hätte sie lieber daheim bleiben sollen. Und wir wissen ja alle, dass Taxifahrer meistens recht haben. Diese Story macht den etwas unvollständigen Mittelteil der Sammlung wieder wett. Hier bekommt der geneigte Leser alles, was er möchte. Grauen, Spannung, Bosheit und Blut. Von letzterem gibt es sogar reichlich. Die Geschichte hat ein ansprechendes Ende und macht den Leser so richtig satt. Für mich ist „Blutschock“ die zweitbeste Geschichte in der Sammlung.  

Fazit:  
„Böse Brut“ von Dee Hunter ist eine wirklich gut geschriebene Story-Collection, die absolut Lust auf mehr von dieser Autorin macht. Hier wurden gute Ideen mit Verstand und Professionalität umgesetzt, so dass man mit einem Kauf absolut richtig liegt, wenn man auf gut geschriebenen Horror steht. Außerdem wurde das Werk ausgezeichnet korrigiert/lektoriert. Der Inhalt hält, was das bitterböse Cover verspricht. Gerne gelesen!
 

Samstag, 12. Oktober 2013

Die Schattenkrieger - Andreas Zwengel

Klappentext:  
Ein unheimliches Wesen überfällt seit Generationen unschuldige Menschen, um in deren körperlichen Hülle zu leben. Im Jahr 1903 geht in Berlin bei der Übernahme eines neuen Körpers etwas schief, und das ermöglicht die Geburt eines Schattenkriegers. Dieser und seine Nachfolger machen Jagd auf den Dämonen, der jedoch immer wieder entkommt. Als im einundzwanzigsten Jahrhundert Rachel und ihre Freunde den Kampf aufnehmen, hat das Wesen bereits eine lange, blutige Spur hinterlassen. Kann die Aufgabe der Schattenkrieger jetzt endlich erfüllt und der Dämon vernichten werden?  

"Die Schattenkrieger" von Andreas Zwengel ist der sechste Band aus der Reihe Teezeitgeschichten. Bisher habe ich von diesem Autor noch nichts gelesen, aber das wird sich wahrscheinlich bald ändern, denn ich mag seinen Schreibstil. Wie auch der kürzlich von mir besprochene Teil "Spuk auf der Baustelle" handelt es sich hier wieder um ein sehr dünnes Taschenbuch mit nur 60 Seiten. Die Handlung beginnt 1903 und endet 2013 und obwohl ich nicht so auf Zeitsprünge und Kommissare stehe (Ja, wir haben hier tatsächlich einen Ermittler. Und hätte das im Klappentext gestanden, wäre dieses Rezensionsexemplar für mich nicht in Frage gekommen), hat mir diese kleine Geschichte ziemlich viel Spaß gemacht.  

Ich gehe davon aus, dass Herr Zwengel einige Mühe hatte, dem Konzept der Teezeitgeschichten gerecht zu werden. Bei einer Vorgabe von maximal 60 Seiten (nur meine Vermutung), musste der Autor eine unterhaltsame und auch recht komplexe Geschichte auf ein Mindestmaß reduzieren. Mir kam es ein wenig so vor, als wäre die Geschichte insgesamt sehr viel fülliger und musste nun extrem komprimiert werden. So blieben letztlich noch einige Fragen offen und der Leser bleibt mit dem Gefühl zurück, nur einen Ausschnitt aus einem wesentlich größeren Werk gelesen zu haben. Nichtsdestotrotz mochte ich die Schreibe und war im Handumdrehen in der Story gefangen und genauso schnell wieder aus ihr entlassen worden. Hier war dann auch die Einordnung in die Fantastik absolut gerechtfertigt.  

Fazit:  
"Die Schattenkrieger" von Andreas Zwengel erschien mir im Nachhinein fast etwas zu schade für die Reihe der Teezeitgeschichten. Diese Geschichte hätte prima als richtig dicker Wälzer funktioniert. Deswegen gebe ich hier gerne eine Leseempfehlung und halte mal nach weiteren Werken des Autors Ausschau.

Spuk auf der Baustelle - Ben B. Black

Klappentext:  
Die Architektin Anette Lorching bekommt den ersten bedeutenden Auftrag ihrer Karriere: die Leitung für den Bau des neuen Einkaufszentrums am Rande einer verschlafenen Kleinstadt. Schon bald passieren auf ihrer Baustelle merkwürdige Dinge und die Arbeiter munkeln von Hexerei. Aber sind hier wirklich übernatürliche Kräfte im Spiel? Anette glaubt nicht daran, doch dann macht sie eine überraschende Entdeckung.  

Diese kleine aber feine Geschichte von Ben B. Black aus der Reihe Teezeitgeschichten vom TextLustVerlag kommt als kleines, dünnes Taschenbuch mit gerade einmal 60 Seiten daher. Der Name Ben B. Black dürfte einigen Lesern evtl. als mitwirkender Autor der beliebten Zombie-Reihe "Armageddon - Die Suche nach Eden" von D.J. Franzen ein Begriff sein. Leider bin ich dort noch nicht über Band zwei hinausgekommen, so dass "Spuk auf der Baustelle" meine erste Begegnung mit diesem Autor war.  

Technisch gesehen gibt es diesem Büchlein überhaupt nichts auszusetzen. Die Geschichte ist prima lektoriert und korrigiert, das Cover ist hübsch anzusehen und auch sonst war alles in bester Ordnung. Trotzdem konnte die Geschichte mich leider nicht vom Hocker reißen. Laut Klappentext hatte ich zwar keinen besonders tiefgründigen Gruselschmöker erwartet, war dann aber trotzdem aufgrund der mehr als seichten Story enttäuscht. Und da wären wir auch schon wieder beim Cover. Weiter oben erwähnte ich die Begriffe "hübsch anzusehen". So in etwa kann man sich dann auch die Geschichte vorstellen. Diese Art von Story erwarte ich als Romanbeilage in einer Frauenzeitschrift. Deswegen ist sie auch keineswegs im Horror-Genre anzusiedeln. Die obligatorische Liebesgeschichte wurde natürlich gleich mit eingebaut. Von daher ordne ich den angepeilten Leserkreis irgendwo zwischen Hausfrau beim Friseur und Rentnerin auf der Parkbank ein. Nur, weil hier mein Geschmack nicht getroffen wurde, darf man aber nicht außer Acht lassen, dass diese Reihe äußerst professionell und hochwertig umgesetzt wurde. Nur die Kategorie Fantastik empfinde ich hier als leicht übertrieben, lockt sie doch mit Sicherheit den falschen Leserkreis an.  

Fazit:
"Spuk auf der Baustelle" von Ben B. Black aus der Reihe Teezeitgeschichten ist - in der passenden Rubrik angeboten - eine nette Unterhaltung für die Pause, den Friseurbesuch oder zur Überbrückung der Wartezeit beim Arzt. Der Verlag möge mir verzeihen, aber wenn der Begriff Fantastik fällt, erwarte ich ganz anderen Stoff.
 

Donnerstag, 3. Oktober 2013

CROMM - Das Dorf findet dich - Isabell Schmitt-Egner u. Christian Sidjani

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Wie wir alle wissen, wird es niemals ein Kindergeburtstag, wenn sich eine Gruppe junger Leute auf den Weg macht, um gemeinsam ein cooles Wochenende zu verbringen – und schon gar nicht zu Halloween. Nachdem Jakob den Flyer des „Horror-House“ findet, steht die Entscheidung. Zusammen mit seinen Freunden macht er sich auf den Weg, um diese vielversprechende Show zu sehen. Auf der Suche danach, landet die Gruppe durch eine ungewollte Umleitung in einem bäuerlichen Dorf. Dieses scheint mehr oder weniger verlassen zu sein. Gleichzeitig machen sich auch Franka und Remo auf den Weg, um bei Remos Mutter das jährliche Halloween-Kürbis-Essen zu zelebrieren. Auch diese beiden landen ungewollt in dem Dorf. Und dann beginnt für alle das wahre Halloween.

  Isabell Schmitt-Egner und Christian Sidjani zählen schon seit einiger Zeit zu meinen Lieblingsautoren. Unabhängig voneinander haben beide schon Werke veröffentlicht, die ich nahezu gefressen habe. Dass diese beiden nun ein Gemeinschaftsprojekt auf die Beine stellen wollten, versprach mir doppelten Spaß. Schon bei der Vorankündigung von „CROMM – Das Dorf findet dich“ lief mir buchstäblich der Sabber aus dem Mund und meine Erwartungen waren angesichts der mir bereits bekannten Werke entsprechend hoch.  

Die Ausführung der gemeinsamen Arbeit gestaltete sich so, dass Frau Schmitt-Egner die Parts von Franka und Remo übernahm. Christian Sidjani schrieb die Passagen von Larissa und Jakob. Wer noch nie etwas von den beiden gelesen hat und den Hinweis auf die Rollenverteilung im Klappentext nicht kennt, würde wahrscheinlich nicht bemerken, dass hier zwei Autoren gleichzeitig an der Arbeit waren. Da mir aber bereits zahlreiche Werke der beiden bekannt sind, habe ich erfreut festgestellt, dass jeder seinen eigenen, unverkennbaren Stil hat, der in „CROMM“ zum Ausdruck kommt. Die gesunde Mischung aus eleganter Zurückhaltung und etwas dreckigem Rotz verleiht dem Roman das gewisse Etwas und trifft damit absolut den Nerv, der bei mir die Leuchtreklame mit der Aufschrift „ausgezeichnete Unterhaltung“ einschaltet.  

Trotz der Tatsache, dass wir es hier mit sogenanntem Popcorn-Horror zu tun haben, kommen die Charaktere nicht zu kurz. Jeder einzelne Part hat eine Geschichte. So wachsen einem die Leute recht schnell ans Herz und alles, was ihnen im Laufe der Story geschieht, geht nicht spurlos am Leser vorüber. An keiner Stelle hatte ich das Gefühl, mit der Fülle an Protagonisten überfordert zu sein, weil für jeden ein festes Bild in meiner Vorstellung seinen Platz fand.  

Nach einer angemessenen Einleitung der gesamten Geschichte geht es schließlich auch noch recht heftig zur Sache. „CROMM“ ist Horror, keine Frage. Die beiden Autoren schonen niemanden – erst recht nicht die Leser. Wer also ein Problem mit Gewalt und Blut hat, sollte sich evtl. in der Kinderabteilung umschauen. Hier wird jedenfalls knallhart durchgezogen. Und das ist auch gut so.  

Zu meinem persönlichen Empfinden gibt es eigentlich nur noch das Folgende zu sagen: Ich wollte ganz gerne auf das Taschenbuch warten, weil ich keinen Reader besitze. Trotzdem hatte ich mir das kostenlose eBook auf meine Kindle-App gepackt und aus Neugier kurz reingeschaut. Etwa drei Stunden später hatte ich den ganzen Roman, noch am Notebook sitzend, komplett inhaliert. Es ist wie es ist, ich konnte nicht aufhören. Widerstand war zwecklos. Jetzt, einen Tag später, mit irreparablen Rückenschäden, ist dieser Roman noch immer in meinem Kopf wie ein abgefahrener Kinofilm, über den man noch lange begeistert mit seinen Freunden diskutiert. Schade, dass es nun vorbei ist. Ich tröste mich derweil mit dem Wissen, dass die Story fortgesetzt wird.  

Zum Schluss noch eine Sache: Mein Kompliment an die Autoren für das stimmige, düstere Cover. Das gefällt mir richtig gut.  

Fazit:
 „CROMM – Das Dorf findet dich“ hat alles, was der Pilot einer guten Reihe haben muss. Ich bin angefixt und mag gar nicht daran denken, wie lange ich nun auf die Fortsetzung warten muss. Ich hoffe, die Autoren sind schon bei der Arbeit. Wer guten, unterhaltsamen Horror liebt, dem empfehle ich guten Gewissens diesen Roman, der unter anderem auch wieder deutlich macht, wie verdammt gut manche Selfpublisher ihr Handwerk verstehen. Respekt und Daumen hoch! Details zum Buch:
  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 307 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 121 Seiten
  • Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00FIPSGAI
  • Preis nach der Gratis-Aktion: EUR 2,99
  • Taschenbuch in Kürze erhältlich
 

Montag, 23. September 2013

Haunted - Bentley Little

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Ganz herzlichen Dank an Voodoo Press für das Rezensionsexemplar.

Die Familie Perry, das sind Julian und Claire mit ihren beiden Kindern James und Megan, hat sich den Traum von einem neuen Haus erfüllt. Der Umzug in das neue Haus bringt nicht nur eine andere Umgebung mit sich, sondern auch ziemlich unheimliche Vorkommnisse. Kurz und bündig: In dem neuen Haus spukt es und sehr schnell wird klar, dass das Grauen nicht nur im Keller hockt, wie der Klappentext es verkündet. Etwas sehr Mächtiges hat es auf die Familie abgesehen, etwas, das sich nicht alleine mit Spuken zufrieden gibt. Die Familie ist in großer Gefahr, aber bis sie sich das eingesteht, ist es schon fast zu spät. Ein Horror-Trip beginnt, mit dem jeder von ihnen auf seine Weise fertig werden muss.

Endlich! Endlich, und dem Himmel sei Dank dafür, hatte ich wieder einen neuen Roman von Bentley Little in den Händen. Nach der letzten deutschen Veröffentlichung “Verderben” ist nun doch eine größere Zeitspanne vergangen, bis der Horrorliteratur-Gott sich endlich erbarmt hat und den Lesern Nachschub dieses coolen Autors in Form von “Haunted” ins Regal stellte.

Die Fans dieses Autors kennen sicher die älteren Veröffentlichungen durch Lübbe. Da wären dann absolute Kracher wie z.B. “Böse”, “Unheil”, “Fieber” und “Furcht”, die sich sowohl äußerlich (Covergestaltung) als auch inhaltlich irgendwo recht ähnlich waren.
Wir erinnern uns an sozial- und gesellschaftskritische Geschichten, die sich viel an den Themen Wirtschaft und Politik gerieben haben. Geschichten, in denen eine zunächst coole und sehr harmlose Situation allmählich zum Albtraum mutierte, bis schließlich gegen Ende der Story immer irgendwann der übernatürliche Part mit Dämonen und anderen Kreaturen ins Spiel kam.

Voodoo Press hat genau an der richtigen Stelle zugeschlagen. Mit “Haunted” bekommt der Leser den etwas anderen Bentley Little präsentiert. Abgesehen vom wesentlich einfallsreicherem Cover (Michael Schubert), das bereits einen ersten Eindruck vom Inhalt übermittelt, haut die Geschichte auch inhaltlich in eine komplett andere Kerbe. In diesem Roman ist das Übersinnliche von Anfang an präsent. Bereits auf den ersten 50 Seiten haben mir schon die Nackenhaare zu Berge gestanden. Dieser Roman ist ohne Frage einfach nur gruselig.
In bester Haunted-House-Manier beschreibt Mr. Little ein stetig wachsendes Grauen, das ich einfach nur als Gänsehautmagnet beschreiben kann.
Im Prinzip bin ich kein Schisser und in diesem Haushalt diejenige, die nachts aufsteht, um nachzusehen, wo das komische Geräusch herkam. Diesen Roman habe ich dann aber nach der ersten Nacht lieber tagsüber zu Ende gelesen. Wenn es dunkel und still ist und man dann dieses Buch liest, hört man in der Tat die Flöhe husten. Ich gebe zu, da gab es die eine oder andere Stelle, bei der ich wahrscheinlich den gnädigen Herztod gestorben wäre, wenn mich in diesem Moment jemand von der Seite angetippt hätte.

Sehr schön fand ich auch die geschichtlichen Hintergründe des Spuks, die Claire im Rahmen ihrer Arbeit als Anwältin zufällig entdeckt. Diese werden in kleinen Rückblenden erzählt, die sich aber im Rahmen halten und dementsprechend der Geschichte noch den letzten Schliff verpassen.

Im Letzten Drittel drückt der Autor dann noch ordentlich auf die Tränendrüse und die Story nimmt auch in Sachen Dramatik noch einmal reichlich Fahrt auf. Letztlich habe ich mich also so gut gegruselt wie schon lange nicht mehr, ein paar Tränchen verdrückt und mich insgesamt prächtig unterhalten.

Fazit:
“Haunted” punktet mit einer durchgängig spannenden Geschichte, die auf positive Weise vom Schema der älteren Veröffentlichungen abweicht und aus erwachsenen Hardcore-Lesern ängstliche Schäfchen macht. Wer mal wieder mit vollen Hosen angstvoll ins Dunkel starren möchte, ist mit “Haunted” mehr als gut bedient. Das war Suchtstoff ganz nach meinem Geschmack. Sehr gerne mehr davon.

Details zum Buch:
Broschiert: 397 Seiten
Verlag: Voodoo Press (31. August 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3902802553
ISBN-13: 978-3902802552
Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,1 x 3 cm
Preis für das Taschenbuch EUR 12,95 und EUR 4,99 für das eBook.

Ihr wollt es haben? Dann besucht VOODOO PRESS !!!

Dienstag, 17. September 2013

Legenden aus der Zwischenwelt - René Junge

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Bei "Legenden aus der Zwischenwelt" handelt es sich um eine Sammlung von fünf Horrorgeschichten von René Junge.  

Kommen wir zu den einzelnen Geschichten.  

Animal Inside:  
Der sexuell frustrierte Ben würde einiges tun, um der Libido seiner Frau neues Leben einzuhauchen. Deswegen kommt ihm das Wundermittel "Animal Inside" wie gerufen. Im Internet lässt sich der geheimnisvolle Stoff problemlos bestellen, also schlägt Ben kurzentschlossen zu und hofft auf reichlich Action im Schlafzimmer. Die Tropfen schlagen tatsächlich an und seine Frau verwandelt sich im Handumdrehen in eine zügellose Sexbestie. Womit er nicht gerechnet hätte: Das Wort Sexbestie nimmt sie anscheinend ein wenig zu wörtlich.  

Diese Story hat die Sammlung grandios eingeleitet. Mit einer gelungenen Mischung aus schwarzem Humor und Action bekommt der geneigte Leser eine ordentliche Portion Horror um die Ohren geschlagen, die es in sich hat. Ich war hin- und hergerissen zwischen Spannung und Lachflash. Obwohl die Story mitunter sehr amüsant war, driftet sie an keiner Stelle in die Lächerlichkeit ab. Popcorn-Spaß vom Feinsten!  

Stan:
Auf den ersten Blick ist Stan einfach nur ein gutaussehender Mann, der die Frauen anzieht wie ein Hollywoodstar die Groupies. Ungünstig nur, dass er gleichzeitig der Psychopath ist, dem man nicht im Dunkeln begegnen möchte.

 Aufgrund der Kürze der Story darf an dieser Stelle die Inhaltsangabe auch schon wieder beendet werden. Andernfalls müsste man Spoileralarm geben. Obwohl diese Geschichte die kürzeste in der Sammlung ist, hat sie dennoch alles, was eine gute Shortstory im Repertoire haben sollte. Zwar weiß der Leser recht schnell, worauf das Ganze hinauslaufen wird, trotzdem hängt man wie gebannt an den Zeilen. Für mich persönlich gibt es kaum etwas Spannenderes, als in die Gedanken eines Irren schlüpfen zu dürfen. Das ist René Junge hier sehr gut gelungen. Ein komplett durchgeknallter Geisteskranker - perfekt gezeichnet. Gut gemacht!  

Dreamdevil:
Der kleine Harry leidet unter immer wiederkehrenden Albträumen, die ihn letztlich auf die Couch eines Psychiaters bringen. Ob dieser ihm helfen kann? Keine weiteren Angaben an dieser Stelle.  

Diese Story kannte ich bereits aus der Anthologie "Traumnetze". Trotzdem habe ich sie erneut verschlungen und jedes Wort genossen. Hier haben wir die klassische Kurzgeschichte mit gruseligen Elementen und einem traumatisierendem Ende. Rasant, intelligent und blutig. So mag ich das.  

Unberührbar:  
Mitchell erlebt an einem Busbahnhof den Albtraum seines Lebens. Jemand richtet ohne erkennbare Waffen ein wahres Massaker an. Sein Weg hinterlässt eine Schneise aus Angst und Tod. Nachdem er auf Mitchell trifft, ist der Wahnsinn beendet, aber für Mitchell fängt er gerade erst an.  

Obwohl ich alle Stories umwerfend fand, neige ich dazu, diese am meisten zu mögen.Oder war es doch "Animal Inside"? Langsam wird es schwer, sich für eine Geschichte zu entscheiden, denn auch diese Story hat es mächtig in sich. Mitchell gerät in eine Situation, die, egal was er tut, für niemanden gut ausgehen kann. Ich liebe diese ausweglosen Lebenslagen, in denen der Leser immer wieder mit etwas Hoffnung angefüttert wird, um schließlich doch wieder zu erleben, wie der Protagonist eine neue Arschkarte zieht. Auch hier wieder: Gut geschrieben, spannend und extrem gut unterhaltend.  

Die Weltlosen:  
Der Schauplatz hier ist ein Antiquariat, dessen Inhaberin Norah sich mit wertvollen Büchern und unangenehmen Kunden umgibt. Ihr liebster Kunde jedoch, der alte Mr. Keeper, plant, die Stadt zu verlassen. Bevor er das tut, hinterlässt er Norah ein Geheimnis und damit ein Vermächtnis, das ihr Leben auf einen Schlag verändern soll.  

Auch hier stellt sich mir wieder die Frage, ob das nicht vielleicht meine Lieblingsgeschichte sein könnte. Und wieder kann ich diese nicht klar beantworten. René Junge behandelt hier die Themen, die auch im wahren Leben den Menschen sehr oft zum Verhängnis werden. Lust und Gier. Die bodenständige Norah macht mit diesen Eigenschaften Bekanntschaft und der Autor hat sehr gut herausgearbeitet, wie sie damit zu kämpfen hat. Auch hier haben wir Unterhaltung pur und eine sehr gut geschriebene Geschichte, die vollkommen frei von überflüssigen Längen ist.  

Fazit:  
"Legenden aus der Zwischenwelt" von René Junge ist eine absolut empfehlenswerte Sammlung von fiesen Horrorstories, die hervorragend zu unterhalten wissen. Jede einzelne von ihnen ist ein Schlag in die Magengrube und das ist hier als Pluspunkt zu werten. Deswegen gibt es dafür auch die volle Punktzahl.

Montag, 9. September 2013

Das Ende der Nacht - Nikolas Preil

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Vorab ganz herzlichen Dank an Nikolas Preil für das Rezensionsexemplar.  

In Hamburg gehen die Menschen noch völlig ahnungslos den alltäglichen Dingen nach, während sich gleichzeitig bereits das Ende der Menschheit anbahnt. Xaver steht kurz vor seiner Beförderung und ist gerade Vater geworden. Michelle und Christina sitzen bei einem feuchtfröhlichen Mädels-Abend mit Bier und Horror-Filmen beisammen und Kevin, der kleine Junge, hat schon einen ersten Blick auf das Ende werfen dürfen. Wenn die Nacht vorbei ist, wird sich jeder von ihnen von seinem gewohnten Leben verabschiedet haben.  

Bevor ich nun genauer auf das Buch zu sprechen komme, möchte ich kurz ein paar Worte über den Autor verlieren. Noch vor einem halben Jahr kannte ich ihn gar nicht. Außerdem kannte ich Michael Friedrichs, Hauke Rouven und Christian Sidjani ebenso wenig. Was diese Autoren miteinander zu tun haben? Das möchte ich gerne näher erläutern. Der Vater all dieser Autoren ist Christian Sidjani und alle anderen Autoren sind seine Pseudonyme. Bisher habe ich bereits einige Werke dieser Autoren gelesen (leider noch nicht alle besprochen) und war immer wieder erstaunt darüber, wie vielseitig ein einziger Autor sein kann. Ein Fan von Horrorliteratur mag in der Regel verschiedene Spielarten des Horrors. Darum muss er auch viele Werke von verschiedenen Autoren lesen, um diese Interessensvielfalt abzudecken. Auch Christian Sidjani liest auf diese Art und Weise. Genau so formen sich in seinem Kopf die unterschiedlichsten Geschichten. Mit Herrn Friedrichs bin ich noch nicht vertraut, aber Herr Rouven ist für klassische Schauergeschichten der richtige Mann. Herr Sidjani ist der Literat dieser Truppe, der ohne viel Gemetzel, nur durch die Kunst des Schreibens, subtiles Grauen erzeugen kann. Nikolas Preil ist der Trasher mit dem hohen Unterhaltungsfaktor. In seinen Stories geht es richtig zur Sache. Da fliegen die Fetzen und das Tempo ist enorm hoch. Was Nikolas Preil ausbrütet, würde Christian Sidjani niemals aufschreiben.  

Und damit wären wir dann auch endlich bei "Das Ende der Nacht". Dass in diesem Roman mächtig der Bär steppt, brauche ich wohl an dieser Stelle nicht mehr erwähnen. Die Menschen in dieser Geschichte stehen unter einem bösartigen Einfluss und verlieren mitunter jede Art von Moralempfinden. Aus diesem Grund bin ich auch am Anfang der Geschichte ordentlich reingefallen. Xaver, der ja zum ersten Mal Vater wird, wollte anfangs kein stimmiges Bild in meinem Kopf erzeugen. Viel zu emotionslos und desinteressiert erschien mir dieser Mensch, der doch als werdender Vater den Beginn der Geschichte einläutete. Warum das so war, wurde mir später klar und ab da gab es für Nikolas Preil eigentlich kein Halten mehr. Der eher kalte und ruhige Anfang mutierte zu einer blutigen Achterbahnfahrt, die einem kaum mehr Zeit für Pinkelpausen gönnt. Einmal in Fahrt, kommt Herr Preil so schnell nicht wieder runter und das ist auch gut so. Es ist ihm nämlich gelungen, das rasante Tempo bis zum Ende durchzuziehen. Damit brilliert die Geschichte nicht nur durch eine Menge Action und ordentlich Splatter, sondern auch durch das gänzliche Fehlen unnötiger Längen. 

So blutig das Gesamtwerk ist, so heftig ist dann mitunter auch der Sprachgebrauch, so dass das berühmte "F-Wort" genau so gerne zum Einsatz kommt wie das andere berühmte "F-Wort". Ich sehe, wir verstehen uns. Nebenher nimmt der Autor noch gekonnt eine berühmte Szene aus "Tanz der Teufel" auf's Korn und verrät dem Leser ein paar seiner Film-Favoriten. Schließlich bricht Herr Preil auch noch so manches moralische Tabu, aber das zu ergründen ist nun dem werten Leser selbst überlassen.  

Fazit: "Das Ende der Nacht" ist ein bitterböser Endzeit-Horrorschmöker, der vor Blut nur so trieft und dem Leser in jeder Hinsicht die volle Breitseite gibt. Definitiv keine Lektüre für minderjährige Leser, aber ganz sicher eine Lektüre für mich. Daher gibt es nur noch drei Dinge zu sagen: Kaufen, lesen, weiterempfehlen!  

Details zum Buch:  
Taschenbuch: 200 Seiten  
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (23. August 2013)  
Sprache: Deutsch ISBN-10: 1492235822  
ISBN-13: 978-1492235828  
Größe und/oder Gewicht: 20,3 x 12,7 x 1,3 cm  
Preis für das Taschenbuch: EUR 8,99  

Dieser Roman ist entweder als Taschenbuch (s.o.) oder in fünf Teilen als eBook erhältlich (Preis je EUR 0,99). Eine Gesamtausgabe als eBook ist geplant und wird voraussichtlich im Oktober erscheinen.

 

Freitag, 6. September 2013

Joyland - Stephen King

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 Ich bedanke mich vorab bei Heyne und Randomhouse für das Rezensionsexemplar.  

Klappentext: Um sich sein Studium zu finanzieren, arbeitet Devin Jones während der Semesterferien im Vergnügungspark Joyland an der Küste von North Carolina. Drei Dinge sind es, die ihn im Laufe des Sommers 1973 vor allem beschäftigen: Seine große Liebe Wendy gibt ihm per Brief den Laufpass. In der Geisterbahn Horror House soll es spuken, nachdem dort ein Mädchen ermordet wurde. Und er fragt sich, welches Geheimnis sich wohl hinter der schönen jungen Frau mit ihrem behinderten Sohn verbirgt, an deren Strandvilla er jeden Tag vorbeikommt. Vom unbekümmerten Schaustellerleben in Joyland fasziniert, verlängert Devin seinen Aufenthalt. Mit seinen neugierigen Nachforschungen tritt er jedoch eine Lawine von Ereignissen los, bei denen es schließlich um Tod oder Leben geht ...  

Mit King fing alles an. Und wenn es so weitergeht, wird mit King auch alles enden.

Ich erinnere mich noch voller Wehmut an meine ersten Bücher von ihm, die mich schon als Teenager begeistert haben. Inzwischen muss Stephen King sich mein Regal mit einer Vielzahl neuer Autoren teilen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen kamen. Seine Bücher wurden immer dicker und schwerer, mitunter auch sehr langatmig, so dass ich den einstigen Helden meiner jungen Jahre traurigerweise aus den Augen verloren habe. Bei der Veröffentlichung von "Joyland" kribbelte es urplötzlich wieder im Bauch und das um Einiges handlichere Format (im Vergleich zu "Die Arena") lockte den Teenager in mir hervor. Da war es wieder, das King-Gefühl, so als wäre es nie fort gewesen.  

Zu Beginn sei gleich gesagt, dass der geneigte Leser hier keinen Horror erwarten darf, wie er es z.B. von "Es" gewöhnt ist. "Joyland" ist anders und brachte mir den Nostalgie-Flash, den ich damals beim Lesen von "Die Leiche" hatte. Hier vereinen sich Kings altbekannte Erzählkunst und vielleicht eine angemessene Menge neu gewonnener Erfahrungen, die aus diesem Roman ein echtes Glanzstück machen. In gewohnt ausschweifender, aber dieses Mal nicht langatmiger Weise, erzählt der Autor eine Geschichte voller Farben und Atmosphäre, die mir das Gefühl gab, nach langer Zeit zu den Wurzeln meiner Lesesucht zurückzukehren.  

Zwar haben wir auch hier einen gewissen düsteren Hintergrund rund um einen Mord, aber der Schwerpunkt liegt auf dem jungen Devin, den der Leser sozusagen beim Prozess des Erwachsenwerdens begleiten darf. So ist dann auch der gesamte Roman von einer gewissen Melancholie umschattet, was im Leser ein wenig mehr zum Klingen bringt als nur den reinen Unterhaltungssinn. "Joyland" ist in meinen Augen sehr liebevoll geschrieben. So wächst die Geschichte um Devin einem ziemlich schnell ans Herz. King braucht weder Handys noch Computer, um eine gute Geschichte packend zu erzählen. Als Kind der siebziger Jahre fühlte ich mich in meine Kindheit zurückversetzt, in der das Erleben der Dinge noch nach ganz anderen Mustern ablief. Und es ist ihm gelungen, mich Devins Geschichte nahezu hautnah miterleben zu lassen. Ich habe sie nicht nur gelesen. Ich konnte sie fühlen.  

Fazit:  
"Joyland" war einfach wunderbar. Es hat mir ein lange vermisstes Lesegefühl zurück gebracht, das nur Stephen King erzeugen kann. Freunde des Horrors, für euch ist dieses Buch nicht geeignet, es sei denn, ihr wollt einfach mal wieder mit allen Sinnen eine packende Geschichte lesen. Wer sich jetzt noch fragt, warum er vor Jahren süchtig nach den Büchern von King war, sollte "Joyland" lesen und sich darüber freuen, dieses heimische Gefühl zu erleben.  

Details zum Buch:  
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten  
Verlag: Heyne Verlag (17. Juni 2013)  
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453268725  
ISBN-13: 978-3453268722  
Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,4 x 3,4 cm  
Preis für die Hardcoverausgabe EUR 19,99
 

Donnerstag, 29. August 2013

Die Saat der Bestie - Michael Dissieux

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Als vermeintlich letzter Mensch auf Erden entwickelt Davids Psyche ein Eigenleben. Die Einsamkeit in einer verwüsteten, leeren Welt hat ihre Spuren in Davids Psyche hinterlassen. Immer mehr wird der einst so bodenständige Mann zum Opfer seiner schizophrenen Psychose und das Tier in ihm wird lebendig. Frank ist Davids dunkle Seite. Er ist ein wildes Tier, das nur ein einziges Ziel hat: Er will die Kontrolle über David und er will seine animalischen Triebe ausleben.
Als Samantha in Davids Stadt kommt, um nach ihrer Schwester zu suchen, ist Frank kaum noch zu bändigen. Er will sich austoben – an Samantha.

Seit der Veröffentlichung von “Graues Land” und “Graues Land – Die Schreie der Toten” bin ich dem Stoff von Michael Dissieux hoffnungslos verfallen. Denn dieser Autor kann etwas, was nur sehr wenige können. Er kann mich als sturen Action-Fan mit ziemlich wenig Action begeistern.

So ein Werk ist ein eher seltenes Schätzchen auf dem Buchmarkt. “Die Saat der Bestie” lebt von der meisterhaft geschaffenen Atmosphäre und den fein ausgearbeiteten Charakteren.
Mit viel Gefühl und einem Schreibstil, der an Eindringlichkeit schwer zu überbieten ist, verliert man sich als Leser in einer verlorenen, verlassenen und düsteren Welt, deren emotionale Dunkelheit fast greifbar ist. Dazu bedient Herr Dissieux sich einer bildhaften Sprache, die im Kopf des Lesers einen imaginären Film zum Laufen bringt.
Die eine oder andere Metapher hätte er sich evtl. verkneifen können, denn insgesamt legt sich die Erde ein paar Mal zu oft zum Sterben nieder. Das ist aber auch die einzige Sache, die ich bemängeln würde, wobei es mir selbst fast dreist erscheint, an diesem Hammer-Werk überhaupt etwas zu bemängeln.

Der Roman kommt insgesamt mit nur wenigen Personen aus. Mit ihrer Einzigartigkeit und der intensiven Gestaltung nehmen sie mehr Raum ein, als es so mancher Plot mit zig Handlungssträngen jemals könnte. Samantha ist sowohl stark als auch verletzlich. Man würde ihr alles und nichts zutrauen. David, der sich eine Existenz mit Frank teilt, verschwindet durch das dominante Tier in ihm etwas im Hintergrund, was aber völlig in Ordnung ist, weil der Leser nur von Frank das bekommen kann, was er erwartet.

Im Gegensatz zu seinen ersten beiden Romanen gibt Michael Dissieux sprachlich und inhaltlich etwas mehr Gas, wenn der geneigte Horrorfan versteht, was ich meine. So wurde ich etwas später im Roman mit deutlich schärferen Dialogen und einigen recht harten Szenen überrascht, die ich so bisher von diesem Autor noch nicht kannte. Das sorgt im letzten Drittel der Lektüre für einen zusätzlichen Kick, der dafür sorgt, dass man den Roman endgültig nicht mehr an die Seite legen kann. Und obwohl die Geschichte dem Leser schlussendlich noch einige Antworten schuldet, ist das Gesamtwerk insgesamt rund und stimmig.

Zuletzt muss ich unbedingt noch erwähnen, dass der LUZIFER Verlag sich mit der Covergestaltung (Timo Kümmel, wie immer ein endgeiles Cover!) und der Buchqualität an sich mal wieder selbst übertroffen hat. Abgesehen vom extrem stabilen Einband, hat das Buch eine Oberflächenbeschaffenheit, die mir so noch nie begegnet ist. Die matte und gleichzeitig glatte Oberfläche fühlt sich weich und irgendwie samtig an, so als würde man über ein seidenes Kleidungsstück streichen. Es ist schwer zu erklären. Am besten kaufen und selber lesen und fühlen.

Fazit:
“Die Saat der Bestie” ist für mich eines der Highlights des Jahres 2013. Mit einer mehr als gelungenen Mischung aus Unterhaltung und Schreibkunst wurde eine rabenschwarze postapokalyptische Stimmung erschaffen, die für einen intensiven Nachhall sorgt. Solche Bücher haben mich dazu gebracht, jedem davon erzählen zu wollen. Chapeau, Herr Dissieux!

Details zum Buch:
Broschiert: 253 Seiten
Verlag: Luzifer; Auflage: 1 (7. August 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3943408167
ISBN-13: 978-3943408164
Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 12 x 2 cm
Preis für das Taschenbuch EUR 13,95 und EUR 2,99 (derzeit, sonst 4,99) für das eBook
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