Samstag, 16. Februar 2013

Das Schwein - Edward Lee



Der Traum eines jungen, ambitionierten Mannes, groß ins Filmgeschäft einzusteigen bewahrheitet sich auf eine Weise, die so nicht geplant war.
Leonard träumt von einer solchen Karriere seit er denken kann, doch für die Verwirklichung fehlen ihm die Mittel. Als Hausmeister einer Filmgesellschaft erschleicht er sich die nötigen Kenntnisse und klaut sich dort schließlich die nötige Ausrüstung zusammen. Unglücklicherweise wird er erwischt und betätigt sich die nächsten neun Monate seines Lebens als Knasthure. Frisch entlassen, beklaut er die Filmgesellschaft erneut und kommt dieses Mal davon. Mit einer Finanzspritze der Mafia gelingt ihm die Fertigstellung eines Kurzfilms, mit dem er auf eine Auszeichnung hofft. Allerdings kommt er nicht mehr dazu, die Preisverleihung abzuwarten, denn die Mafia will ihr Geld sofort. Leonard hat mehr Glück als Verstand. Aufgrund seiner filmischen Begabung kosten ihn seine Schulden nicht das Leben, sondern lediglich einen Hoden. Anschließend verschleppt man ihn ins Nirgendwo. In einem verkommenen, abgelegenen Haus muss er fortan mit zwei heruntergekommenen, heroinsüchtigen Nutten perverse Pornostreifen für die Mafia drehen. Und die Darsteller sind nicht immer menschlich.

Noch bevor mich mein Exemplar von "Das Schwein" erreichte, begegneten mir im Netz bereits zahlreiche Meinungen. Dabei reicht die Palette von gelangweilt und enttäuscht bis hin zu bodenloser Empörung angesichts der sodomistischen Sexszenen, die in "Das Schwein" nicht selten beschrieben werden.

So hat es mich dann auch nicht sonderlich überrascht, dass die beiden drogensüchtigen Nutten sich mit Hund, Pferd, Schwein und Esel vergnügen müssen.
Abgesehen davon, enthalten die gerade mal 160 Seiten auch noch reichlich Snuff und Gore. So weit so gut.
Wenn wir jetzt den Klappentext und die darunter aufgeführte Warnung betrachten, kann ich mich nur immer wieder fragen: Warum, liebe Leute, die Ihr doch alle Augen im Kopf habt und anscheinend auch lesen könnt, kauft Ihr Euch bitte dieses Buch, um es dann angewidert in die Ecke zu pfeffern und dann völlig entsetzt zu verkünden, dass Tierpornos so gar nicht gehen? Natürlich geht das nicht! Aber es steht im Klappentext. Man weiß also bereits vorher, was da kommen könnte und man kennt evtl. bereits die zuvor erschienenen Romane von Edward Lee. Und abgesehen davon gibt es auch noch den freien Willen. Also bitte!

Was im Klappentext bereits angedroht wurde, wird dann also auch gnadenlos geliefert. Wir begegnen auch in "Das Schwein" sämtlichen sexuellen Abarten, die der menschliche Verstand sich ausmalen kann. 
Das Angebot reicht von Drogenkonsum über Sodomie bis hin zur Leichenschändung. Wer bereits "Bighead" und "Der Besudler auf der Schwelle" vertragen hat, wird auch damit zurecht kommen. Alle anderen Leser überdenken dann bitte den Genuss von "Das Schwein" noch einmal, denn auch hier ist ein wirklich stabiler Magen gefragt. Eines kann ich den Lesern auf jeden Fall garantieren - Lee hat sich auch in diesem Roman ein paar gemeine Abartigkeiten ausgedacht, die ich vorher so noch nicht gelesen habe.

Abgesehen von all dem Dreck haben wir hier noch unseren Protagonisten Leonard, der auf seine eigene armselige Art dennoch sympathisch ist. Einerseits nimmt er auf eine fast lethargische Weise jede noch so üble Katastrophe hin, so dass man sich ab und zu fragt, ob er als Kind vielleicht mal vom Wickeltisch gefallen ist. Andererseits überzeugt er durch einen unerschütterlichen Willen, seine Ziele zu erreichen. Koste es, was es wolle.
Die beschriebenen Charaktere, die aus Verzweiflung bereit sind, alles zu tun, um zu überleben, deren menschliches Desaster ihre Handlungen fast schon rechtfertigt, heben "Das Schwein" ein kleines Stückchen aus der Trash-Schublade heraus.
Wir alle wissen, was Lee kann. Darum beklage ich mich hier grundsätzlich nicht über mangelnden Anspruch. Provozieren um jeden Preis? Ja, verdammt, ja!

Im letzten Drittel des Romans bekommt die Handlung dann noch einen angenehmen Kick aus der Mystery-Abteilung, der mir besonders Spaß gemacht hat. Leider endet die Story genau dort, wo sie für mich eigentlich so richtig Fahrt aufnahm. An dieser Stelle hätte Lee den Faden gerne noch weiterspinnen können, denn das war genau mein Ding. Weitere hundert Seiten hätte ich wahrscheinlich sofort ohne Pause inhaliert. Leider war hier aber alles zuende. Bisher sind mir bei Lees Romanen noch keine Fortsetzungen begegnet. Hier wäre ein zweiter Teil wirklich lohnend.

Schließlich bleibt noch zu erwähnen, dass auf jeder Seite die Seitenzahl inmitten eines Fleckes gedruckt wurde, den man immer aus den Augenwinkeln wahrnimmt. Wenn schon ekeln, dann aber so richtig. Man hat immer ein wenig das Gefühl, das Buch sei schmutzig. Ist es ja auch irgendwie.
Das Cover ist, wie immer, in Lederoptik gehalten und schmückt ein Regal in typischer Festa-Art. 

Fazit:
"Das Schwein" hält, was der Klappentext verspricht. Es ist pervers, schmutzig, blutig und abartig. Mit anderen Worten: Was drauf steht, ist auch drin. Zu Recht nicht geeignet für Leser unter 18 Jahren und zu Recht mit einer entsprechenden Warnung versehen. Trotzdem ist dieses Buch für mich als Fan von Edward Lee ein absolutes Muss und ich freue mich schon auf "Der Teratologe", der im Mai erscheint.

Details zum Buch:

Autor: Edward Lee
Reihe: Extrem
Seiten: 160
Übersetzung: Markus Mäurer
Ausführung: Paperback in Festa-Lederoptik
ISBN: keine
Erscheinungsdatum: 04. Februar 2013
Preis: EUR 14,80 oder EUR 9,99 im Extrem-Abo

"Das Schwein" ist NUR bei FESTA erhältlich und kann HIER bestellt werden.           

Kommentare:

  1. Ich bin da "erst" bei 30 Seiten und bis jetzt bin ich einfach noch nicht gefesselt...aber was nicht ist, kann ja noch werden.

    Und zum Thema, das Leute sich solche Bücher kaufen und dann über den Inhalt meckern, finde ich auch total überflüssig. Das Cover und der Klappentext lässt doch schon auf einiges schließen...also ehrlich...da sollen se doch die Finger davon lassen^^

    LG Scatty

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  2. Man muss es schon kaufen und lesen, um es in die Ecke pfeffern zu können. Zumal auch die Meckerer keine Leute sind, die vorher nur Rosamunde Pilcher verschlungen haben ;-)
    Ich hatte vor dem Lesen auch Bedenken, habe das Abo abgeschlossen, es erhalten, gelesen. Zwar danach nicht in die Ecke gepfeffert, aber schon recht gelangweilt ins Regal gelegt. Mir liegt die pure, banale Provokation nicht. Ich habe gerne eine gute Story als Grundlage, und die hat mMn Lee hier nicht.
    Es ist nicht so, dass ich großen Anspruch erwartet hatte, das nicht, aber ein wenig Charaktertiefe und eine solide Geschichte hat mir gefehlt. Die ganzen Tierszenen fand ich nicht so schlimm. Halt schnell, hart, auf die Fresse. Sowas kann mich nicht schocken :-) Fand es stellenweise eher lustig und so übertrieben, das man einfach lachen musste. Ein gutes Buch ist für mich dennoch etwas anderes.
    Das ist wie in der Kunst: hast du ein großes, fein ausgearbeitetes, originelles Bild voller Details, kannst du in Ruhe alles betrachten und einwirken lassen. Und es ist meist nachhaltiger. Lee ist in dem Fall nur ein großer Comic-artiger Tierschwanz. Hinschauen, Augen verdrehen oder lachen und vergessen.

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    1. Bei originellen Bildern mit vielen Details sehe auch ich gerne hin und betrachte alles in Ruhe. Mit Büchern sehe ich es aber anders. Zu viele Details langweilen mich schnell. Deswegen bin ich eine perfekte Kandidatin für solche Bücher. Es ist und bleibt einfach Geschmackssache. Und wenn man die Produktbeschreibung auf der Seite von Festa betrachtet, wird man feststellen, dass der Verlag diesem Roman selber nur 2 von 5 Punkten für den Anspruch gegeben hat. Also muss man da von vorneherein auch nicht mehr erwarten. Ich denke, diese zwei Punkte sind in der Kürze der Lektüre ansatzweise vorhanden. Leider kommt das wirklich Interessante erst zum Schluss - da hätte auch ich mich über ein paar Seiten mehr gefreut. Aber man kann ja nicht alles haben.

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  3. Klar. Ist eh alles Geschmackssache. Ich habe jetzt im Laufe der Jahre festgestellt, dass ich eher der "Geschichtenleser" bin. Ich mag's gern ausführlich (aber auch nicht ZU sehr, haha, die Autoren haben's eh schwer mit uns ;-)). Deshalb lese ich seit einer ganzer Weile keine Laymons mehr (obwohl ich die "damals" verschlungen und geliebt habe!). Mir war das "Schwein" zu simpel gestrickt. Mehr nicht. Die Empörung halte ich aber ebenfalls für übertrieben. Du hast schon recht, man bekommt, was einem versprochen wird auf der Buchrückseite und der Festa-Seite.
    Mit dem Schluss konnte ich mich in der Kürze nicht recht anfreunden. Wäre das z. Bsp. ausführlicher gewesen, hätte es mich wohl eher begeistern können.
    Also, an meine liebsten Schockbücher wie "American Psycho", "Evil", "Das Ende von Alice" oder "Exquisite Corpse (Untiefen der Lust)" (DAS wär was für dich, Carmen!) reicht das nicht ran. Muss aber auch nicht.
    Liebe Grüße,
    Marco (bin der anonyme Kerl von weiter "oben" :D)

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    1. Aaah, Marco, okay :-)

      "Evil" kenne ich natürlich und "American Psycho" subbt hier noch so rum. Die anderen Titel sagen mir nichts. Da muss ich mal Tante Google bemühen. Als ob ich nicht schon genug Bücher hätte ;-)
      Laymon liebe ich immer noch. Habe eine Reserve ungelesener Laymons für schlechte Zeiten im Regal. Man weiss ja nie, wie viel da noch kommt.
      Prinzipiell grusele ich mich aber lieber. Deswegen empfehle ich immer wieder gerne Graham Masterton und Ronald Malfi :-)

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    2. Haha, ja, der SuB, der erschlägt einen immer; das Problem kenn' ich :D Da müsste man mal einen Schreibstopp den Lieblingsautoren verordnen, um nachzukommen und die ganzen ungelesenen Werke abzuarbeiten ;-)
      "Untiefen der Lust" ist recht teuer gebraucht, glaube ich. Habe aber mal bei Frank Festa nachgefragt und er legt den wohl neu auf :-) Ist auch ein echt krasses Buch.
      Hihi, so wie du das mit Laymon machst, mache ich das mit John Irving, bevor er keinen neuen geschrieben hat, kaufe ich die brandaktuellen nicht. Man weiß echt nie, was kommt und welche schlechten Zeiten anbrechen werden.
      Masterton finde ich auch toll. Von Malfi habe ich noch gar nichts gelesen. Muss ich mal Onkel Google fragen (muss mit deiner Tante Google verwandt sein :D). Ich hab mich ja immer bei Clive Barker gegruselt. Oder halt "klassische Sachen" wie "Rebecca" ... Dann mal einen schönen Abend noch!
      Marco.

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