Dienstag, 23. Juli 2013

Interview mit Isabell Schmitt-Egner

Ich freue mich sehr, dass ich die Autorin Isabell Schmitt-Egner für ein Interview auf Horror and more gewinnen konnte. In der Masse der Selfpublisher, die derzeit den Markt flutet, ist es nicht immer einfach, eine wahre Perle auszugraben. Da helfen auch selbsternannte Qualitätsexperten nicht wirklich weiter. Die einzige Möglichkeit, herauszufinden, welche Werke sich lohnen oder nicht, ist lesen, lesen und nochmal lesen. Genau das habe ich getan. Inzwischen kenne ich von Isabell Schmitt-Egner bereits den Thriller “Follower” und eine ansehnliche Menge wirklich guter Kurzgeschichten, die unter dem Siegel “Horrorschmiede” gemeinsam mit Geschichten von Xander Morus erschienen sind. Unnötig zu erwähnen, dass ich inzwischen ein wirklich großer Fan ihrer Schreibe bin und alles lese, was mir in die Finger kommt.
Nachdem ich auch die Fantasy-Reihe “Sam aus dem Meer” auf Amazon entdeckte, die inzwischen eine solide Fanbase entwickelt hat, komme ich nicht mehr umhin, mehr über diese vielseitige Autorin erfahren zu wollen. Das Ergebnis meiner Neugier möchte ich gerne mit meinen Lesern teilen.


Isabell Schmitt-Egner – hochkonzentriert bei der Arbeit

Horror and more:
Isabell, vorab vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, Dich von mir löchern zu lassen. Bitte erzähle uns kurz etwas über Dich als Mensch. Ungeachtet Deiner Autorentätigkeit – was gibt es über Dich als Mensch zu erzählen? Wie tickst Du und was macht Dich aus?


Isabell Schmitt-Egner:
Ich habe einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Ich bin vielseitig interessiert und wenn mich was reizt, will ich es am liebsten selbst können. Ich helfe gern anderen, bin aber durchaus auch der einsame Werkstatt-Typ, der vor sich hin frickelt. Hauptsache, es ist was Kreatives, etwas, wodurch ein fertiges Produkt entsteht.


Horror and more:
Die Standardfrage in Autoreninterviews: Wie ist es zum Schreiben gekommen?


Isabell Schmitt-Egner:
Ich wollte nur einem Freund eine Freude machen, weil ich seinen Geburtstag nicht auf dem Schirm hatte. Ich habe vorher nicht wirklich was geschrieben. Aber ich habe mich fürs Schreiben interessiert, ohne es je zu tun. Ich fand Schreibstile spannend, habe aber nichts davon angewendet. Dass ich früher schon Bücher darüber gelesen hatte, war eine Hilfe beim Start ins Autorendasein.


Horror and more:
Kannst Du vom Schreiben leben?


Isabell Schmitt-Egner:
Das ist das Ziel! Aktuell kommt etwa die Hälfte meines Einkommens aus der Schreibtätigkeit, aber es wird mehr und ich hoffe, in ein bis zwei Jahren davon leben zu können.


Horror and more:
Wie stehst Du zum Thema Selfpublishing? Ist dies Deine bevorzugte Art zu veröffentlichen oder wärst Du gerne bei einem Verlag unter Vertrag?


Isabell Schmitt-Egner:
Ich will nicht zu einem Verlag, wollte es nie und habe mich auch nie bei einem Verlag beworben. Ein Verlag wäre mit mir ganz klar überfordert. Ich würde verlangen, dass das alles flott gehen muss, ich hätte keine Lust, sechs Monate auf eine Veröffentlichung zu warten. Ich habe mal eine Kurzgeschichte bei einer Anthologie eingereicht, danach hatte ich mit Verlagen nichts mehr zu tun.

Alles, was ich so über Verlage höre, bestärkt mich in meiner Haltung. Ich würde nur einen Verlag akzeptieren, der schnell und gut arbeitet, zuhört, fair zahlt, der meine Geschichten versteht … das ist wohl ein Überraschungsei, das es nicht gibt. Solange ich ohne Verlag auskomme, bleibt alles wie es ist. Im Ernstfall würde ich vielleicht selbst einen Verlag gründen. Die Vorteile eines Verlagsvertrags erschließen sich mir beim besten Willen nicht. Und ich bin nicht so eitel, dass ich das Gefühl brauche, von einem Verlag angenommen worden zu sein.

Horror and more:
Wie sehen Deine nächsten Projekte aus? Bekommen wir bald Nachschub von Dir?



Eine beachtliche Auswahl wirklich cooler Bücher!

Hier geht es zur Auswahl aller bisher erschienenen Bücher von Isabell Schmitt-Egner


Isabell Schmitt-Egner:
Ja, selbstverständlich. Es wird einen Jugendroman von mir geben mit mittelalterlichem Flair, der aber in einer Welt spielt, deren Regeln etwas abgewandelt wurden. Es geht um einen jungen König, der noch am Krönungstag durch eine Intrige entmachtet wird und getötet werden soll. Dieses Königreich ist frei erfunden und die Gepflogenheiten richten sich nicht nach historischen Vorlagen. Aber es gibt keine Fantasiewesen in der Geschichte. Es sind alles normale Menschen, weshalb die Genrebezeichnung noch zwischen Fantasy und anderen Möglichkeiten schwankt.

Dann bereite ich ein Horror-Projekt zusammen mit Christian Sidjani vor, das sehr vielversprechend angelaufen ist und uns beiden viel Spaß macht. Anders als in Büchern der Horrorschmiede schreiben wir hier beide an einer Geschichte. Jeder hat seine Figuren, aus deren Perspektive er schreibt. Wir werden das Ergebnis als Ebook und Print veröffentlichen, was für Oktober geplant ist. Auf dieses Buch könnt ihr euch wirklich freuen!

Horror and more:
Jetzt entfleucht mir gerade ein erfreutes Quieken, weil ich Christian Sidjanis Werke (fast) alle kenne und schätze. Würdest Du ein wenig mehr aus dem Nähkästchen plaudern? Wie blutig wird es?


Isabell Schmitt-Egner:
Ich kann so viel verraten, dass es sich ein wenig von dem wegbewegt, was man von uns kennt. Der Inhalt wird sich von den psychologischen Schwerpunkten mehr in Richtung körperlich verlagern. Wir sind gerne bereit, uns kurz vor der Veröffentlichung noch mal genauer dazu zu äußern. Im Moment halten wir die Handlung noch geheim. Wir wollen den Lesern die Überraschung nicht nehmen. Jedenfalls dürft ihr gespannt sein!


Horror and more:
Bezüglich Deiner Zusammenarbeit mit Xander Morus, gibt es Pläne für weitere Werke aus der Horrorschmiede?


Isabell Schmitt-Egner:
Das steht noch nicht fest, es gibt keine speziellen Pläne, da ich mit Projekten bis Ende des Jahres „ausgebucht“ bin.


Horror and more:
Gerne möchte ich Dir noch ein paar lockere Fragen über Dich stellen, wenn das für Dich in Ordnung ist. Was regt Dich auf?


Isabell Schmitt-Egner:
Druckkostenzuschussverlage! LOL! Dumme Leute, Arroganz. Platte Urteile, die oberflächlich gefällt werden.


Horror and more:
Zum Thema „platte Urteile“: Wie gehst Du mit Negativ-Rezensionen um?


Isabell Schmitt-Egner:
Da steht niemand drauf, keine Frage. Ich schaue auf den Ton. Ist der vernünftig und der Leser wünscht sich zum Beispiel, dass die Geschichte länger sein sollte, dann überlege ich, ob man hätte mehr rausholen können. Wird nur gepöbelt oder werden einfach dumme Kommentare abgegeben, dann hoffe ich, dass andere Leser sich davon nicht beeinflussen lassen. Dazu kommen verschiedene Geschmäcker, es ist normal, dass jedes Buch auch schlechte Rezis hat. Was ich nicht tue: mich für offensichtliche Frechheiten von anonymen Kritikern höflich bedanken. Und ich bin der Ansicht, dass man als Autor die Fähigkeit entwickeln muss, Kritiken zu sortieren. Nicht jede Kritik ist gerechtfertigt, man muss nicht alles umsetzen, was andere sagen, sondern sich die nützlichen Dinge rauspicken. Autoren schreiben das Buch, andere lesen es nur, aber trotzdem wird oft so getan, als wäre das Urteil des „Nur-Lesers“ ausschlaggebend. Ich weiß, dass Autoren Bescheidenheit nahegelegt wird. Man soll stets dankbar annehmen, was andere sagen. Ich vertrete aber auch offiziell den Standpunkt, dass das gar nicht möglich und auch nicht richtig ist. Mein Rat wäre, sich ein Netzwerk von Leuten zu schaffen, die kompetent sind, die das beurteilen können. Gute Testleser, Autorenkollegen. Wenn die dann alle sagen, das ist gut, dann ist das für mich okay. Ist ein Buch stilistisch okay, die Story logisch, dann ist der Rest Geschmackssache. Und mit dem Geschmack der Leute muss man dann leben.


Horror and more:
Was lässt Dich jubeln?


Isabell Schmitt-Egner:
Hohe Verkaufszahlen! Und wenn die Gerechtigkeit siegt, dann jubele ich auf jeden Fall. Es gibt viele Gelegenheiten, man muss nur die Augen aufsperren und sehen, was man hat. Dann kann man sich über vieles freuen.


Horror and more:
Mit wem würdest Du gerne mal ein Bierchen trinken und worüber würdet Ihr dann quatschen?


Isabell Schmitt-Egner:
Mit Oliver Susami, und wir würden über unheimliche Phänomene reden. Aber das wird noch in die Tat umgesetzt eines Tages!


Horror and more:
Da wäre ich am liebsten mit dabei. Ich interessiere mich ebenfalls sehr für das Paranormale und habe auch sein Buch verschlungen (für Interessierte: S3 – Spuk in der Bibliothek)

Die berühmte einsame Insel: Welche drei Gegenstände und welche drei Personen würdest Du mitnehmen?

Isabell Schmitt-Egner:
Schwierig, denn wenn ich vorher weiß, dass ich hingehe, dann pack ich mehr als drei Sachen ein. Am schlauesten wäre wohl ein Satellitentelefon, ein Moskitonetz und eine Tonne mit Trinkwasser. Freunden mute ich die Insel nicht zu, also nehme ich einen Typen mit, der aus Unterholz alles bauen kann, was man braucht und einen Minentaucher, die können auch alles. Zuletzt nehme ich noch den gutaussehenden Sohn eines Millionärs mit, weil der Papa den dann schnell nach Hause holen wird, die nötigen Mittel dafür hat, und ich hab auch noch was davon!


Horror and more:
Dein Lieblingsschimpfwort?


Isabell Schmitt-Egner:
Moloch, Kroppzeuch, Bewegungs-Günther


Horror and more:
Bitte vervollständige diesen Satz!
Im Fall einer Zombieapokalypse würde ich …


Isabell Schmitt-Egner:
… mit dem schönen Millionärssohn und dem Minentaucher auf der Insel bleiben.


Horror and more:
Eine letzte Frage noch zum Schluss. Welchen letzten Satz widmest Du speziell Deinen Lesern?


Isabell Schmitt-Egner:
Ihr könnt auf mich verlassen. Warum dieser Satz? Der entstand auf ängstliche Nachfragen von Lesern, ob wohl dieser oder jeder Figur, die sie lieben, etwas zustoßen wird. Und dann sage ich diesen Satz. Egal, was ich schreibe, ihr werdet damit klarkommen!


Horror and more:
Liebe Isabell, ich bedanke mich ganz herzlich bei Dir, dass Du Dich meinem groben Unfug so tapfer gestellt hast. Ich hoffe, bald wieder neuen Stoff von Dir zu lesen.


Isabell Schmitt-Egner:
Kein Problem, neuer Stoff kann geliefert werden.



Gewinnspiel zum Interview:

Aus meinem privaten Fundus verlose ich den Thriller “Never Knowing” von Chevy Stevens unter allen, die mir per eMail eine Frage beantworten.
Welchen Beruf hat der Mann, der alles kann?
Die Lösung findet Ihr im Interview
Zur Teilnahme sendet bitte eine eMail mit Lösung UND Adresse an: horrorandmore@arcor.de
Die Ziehung erfolgt nächsten Dienstag, 30. Juli 2013. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mehrfachteilnehmer, Lösung-in-Gewinnspielforen-Poster und sonstige Fudler werden disqualifiziert.

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