Donnerstag, 31. Januar 2013

Shades of hä? - Ralf "Linus" Höke



Vorab ganz herzlichen Dank an den Lappan Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Nach der alles überschwappenden und bei mir persönlich eine mittelschwere Übelkeit auslösenden Shades of Grey-Welle hatte der Autor Ralf "Linus" Höke endlich ein Einsehen und verfasste dieses kleine aber feine Büchlein für Banausen wie mich.

Mindestens zwei Drittel der Bloggerszene sowie ein bedauernswerter Großteil der weiblichen Bevölkerung erlagen in Windeseile dem nahezu gruseligen Charme des Christian Grey. Keine Frage, dass auch ich zumindest einen kurzen Blick in diverse Leseproben geworfen habe, um festzustellen, dass diese Reihe durchaus einen gewissen Horroranteil für sich beansprucht.

Das ist letztlich auch der Grund, warum es "Shades of hä?" mit Pauken und Trompeten auf meinen Blog geschafft hat. Kein Buch beschreibt nämlich den durch "Shades of Grey" entstandenen Horror besser als dieser wirklich nett gestaltete Schmöker.

Ralf Höke erklärt auf seine charmant-direkte Art seinen Lesern, wie sie mit einer von "Shades of Grey"- infizierten Frau umzugehen haben.
Das Angebot enthält ein gründliches Tutorial zur Handhabung diverser Folterinstrumente, die Erklärungen spezieller Fachbegriffe der BDSM-Szene, einen Vokabeltest und viele lesenswerte Anekdoten und Beispiele, die einem das Lächeln ins Gesicht zurück zaubern. Zwar ist dieses Buch direkt an leidende Männer gerichtet, spricht mich als Frau jedoch absolut an, denn ich habe mit diesen Männern etwas gemeinsam: "Shades of Grey" geht gar nicht.
Zwar geht meine Abneigung nicht so weit, dass ich eine Selbsthilfegruppe besuchen muss, wie die armen Kerle in diesem Buch, doch die meisten der Aussagen könnten auch von mir stammen.

Ganz toll sind übrigens auch die niedlichen Illustrationen im Buch gelungen. Wenn man sich nicht schon beim Lesen schlapp lacht, dann geschieht das spätestens bei den amüsanten Bildern von André Sedlaczek.

Ist das Buch ein Trittbrettfahrer? Ja, vielleicht. Aber hey! Ich habe lange nicht mehr so gelacht. Von mir aus darf Herr Höke noch ein paar andere Bücher aufs Korn nehmen. Ich sende ihm gerne eine Liste zu.

Vielleicht sind dann 8,95 Euro für 96 Seiten ein bisschen viel, denken manche. Ich persönlich denke aber, dass die hochwertige Klappbroschur und die tollen Illustrationen das Geld wert sind. Ansonsten kann man auch immer noch auf die etwas günstigere eBook-Variante zurückgreifen.

Die Formatierung ist recht großzügig ausgefallen. Für Vielleser mit schlechten Augen wie mich ist das ganz wunderbar, denn auf die Lesebrille konnte ich verzichten. Für andere Leser bedeutet es wahrscheinlich das verzweifelte Strecken auf ein paar Seiten mehr. Wie man es dreht, man kann es sowieso nie allen recht machen. Das ist auch völlig egal, denn hier geht es um meine Meinung.

Fazit:
"Shades of hä?" ist ein kurzweiliges aber unterhaltsames Lesevergnügen, das einem heftige, unkontrollierte Lacher entlocken kann.

Details zum Buch:

  • Broschiert: 96 Seiten
  • Verlag: Lappan Verlag; Auflage: 1 (Januar 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3830333315
  • ISBN-13: 978-3830333319
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 1,4 cm 

"Shades of hä?" könnt Ihr direkt beim Verlag gleich HIER bestellen.

Auf meiner Facebookfanseite könnt Ihr das Buch ab Samstag, 02. Februar 2013, so gegen 18.15 Uhr dann auch gewinnen.

Viel Spaß !!!  

     

      

Donnerstag, 10. Januar 2013

Faulfleisch - Vincent Voss



Als Liam seinen Wohnsitz aus der Großstadt ins beschauliche und ruhige Örtchen Wakendorf II verlegt, braucht er zunächst eine Weile, um sich an die ungewohnte Stille zu gewöhnen. Als ehemaliger Großstadtmensch fällt ihm auf dem Land fast die Decke auf den Kopf. Deswegen beginnt er, in seiner Freizeit die Umgebung zu erkunden. Dabei wird er auf einen abgelegenen Hof aufmerksam, auf dem sich merkwürdige Dinge abspielen. Er trifft auf einen nackten, gefesselten und geknebelten Mann, der zudem noch sehr angeschlagen wirkt. Außerdem entdeckt er noch einen blutigen Handabdruck an einem der Kellerfenster. 
Liam's Neugierde lässt ihm keine Ruhe. Also besorgt er sich ein Fernglas mit Nachtsichtfunktion, um der mysteriösen Sache auf den Grund zu gehen. Als er realisiert, wie sich die Dinge zu entwickeln scheinen, steht er kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

Nachdem ich im Sommer bereits in den Genuß von Vincent Voss' erstem Roman "172,3" kam, war für mich im Anschluß klar, dass ich mir sofort sein nächstes Werk kaufen würde.
Gesagt - getan. Vor einigen Wochen zog dann "Faulfleisch" in meine heiligen Regale ein und wie (fast) immer hatte ich den richtigen Riecher.

Wie der Titel schon vermuten lässt, handelt es sich bei "Faulfleisch" um einen Zombie-Roman. Allerdings überfällt Voss den Leser nicht gleich zu Anfang mit einer ausgereiften Zombie-Apokalypse, in der eine kleine Gruppe Überlebender Millionen von Untoten wegmetzelt. Ganz im Gegenteil. In Wakendorf II ist anfangs noch weit und breit kein Zombie in Sicht und es dauert tatsächlich eine ganze Weile, bis das Wort "Zombie" überhaupt im Text erscheint. Klingt langweilig? Von wegen!

Voss hat sich hier ein raffiniertes Stück Zombieliteratur ausgedacht, das den Leser zunächst gepflegt auf's Glatteis führt. Alles beginnt nämlich mit einem Kannibalen, der in der Pathologie arbeitet und sich gerne mal ein bisschen "Abendessen" von der Arbeit mit nach Hause bringt. Wie sich dann alles Weitere entwickelt, muss man unbedingt gelesen haben. Es war einfach herrlich neu und erfrischend anders.

Was ich immer sehr schätze ist, wenn mein unterentwickeltes Horrorhirn nicht mit zig Handlungssträngen und noch mehr Charakteren überfordert wird. Das gefiel mir schon an "172,3" sehr gut. Auch in "Faulfleisch" wird der Leser diesbezüglich geschont. Lediglich zwei Handlungsstränge, die später zu einem zusammenfließen, garantieren einen entspannten und unkomplizierten Lesespaß. Allerdings bekommt der Leser im weiteren Verlauf der Story immer wieder einzelne Schicksale präsentiert, die die Entwicklung der Geschichte dokumentieren. Nichts davon - nicht einen Namen muss man sich zwingend merken, um der Story folgen zu können. Das ist genau mein Ding: Nur die Story und ich, kein Gehirnjogging, kein genervtes Zurückblättern, um nachzuschauen, wer das noch gleich war.
Vincent Voss hat sich also auf das Wesentliche konzentriert und auf lästige und überflüssige Seitenfüller verzichtet. 
Trotzdem ist es ihm stellenweise gelungen, Spannung zu erzeugen. Die Stille auf dem Land, das angestrengte Lauschen in einem leeren Haus und unheimliche Beobachtungen durch ein Fernglas hatten auf mich eine angenehme Gänsehautwirkung.

Auch sprachlich fiel "Faulfleisch" genau in mein Beuteschema. Schnörkellos, kurz und auf den Punkt - perfekt. Genau so muss meine Feierabendlektüre aussehen.
Richtig unterhaltsam waren vor allen Dingen die Dialoge und die Gedankengänge von Liam, während er über das Unvorstellbare nachdenkt. Umgangssprachlich und mit einem kleinen Schuss Humor versehen, machen diese Dialoge wirklich Spaß. Trotz des weniger witzigen Themas, musste ich einige Male schmunzeln. Hier sind meine Lieblingsstellen:

"..., denn er wäre eher der Kandidat für einen gepflegten Selbstmord, so beklemmend fand er das Phänomen "Zombie" " (S. 210)

und

"Wenn sich das bestätigte, was er vermutete, würde er wahnsinnig werden." (S. 216)

Die Tatsache, dass Liam sich gedanklich mit dieser Möglichkeit beschäftigt, während einige Meter weiter ein Sanitäterteam versucht, einen Zombie zu reanimieren, hatte auf mich schon einen sehr erheiternden Effekt.

Aber genug gelacht, denn "Faulfleisch" ist nicht nur äußerst unterhaltsam und humorig angehaucht, sondern vor allen Dingen blutig. Der Splatterfan kommt hier absolut auf seine Kosten, denn ein Zombie bleibt immer noch ein Zombie, oder?

Es gibt einen winzigen Mini-Kritikpunkt und der gilt der Verarbeitung des Buches. Der Umschlag ist leider nicht besonders hochwertig, so dass sich der Buchdeckel sehr unschön nach oben hoch biegt, um dann in einer wenig eleganten Außenwelle vom Rest des Buches abzustehen. Ein Millimeterchen dicker hätte der Umschlag ruhig sein dürfen.

Fazit:
"Faulfleisch" ist der gelungene Anfang einer Zombie-Apokalypse, wie er in der Realität vermutlich stattfinden würde, wenn es denn passieren würde. Ein unterhaltsamer und angenehmer Schreibstil sowie ein spannender und wirklich cooler Plot machen jeden Zombiefan glücklich. Gekrönt von einer ordentlichen Menge Blut haben wir hier insgesamt einen absolut lesenswerten Horror-Schmöker.

Details zum Buch:

  • Broschiert: 347 Seiten
  • Verlag: Low, Verlag Torsten; Auflage: 1., Auflage (29. November 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 394003617X
  • ISBN-13: 978-3940036179
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 18 Jahren
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,6 x 2,2 cm 
  • Preis: EUR 13,90

Dieser Roman mit der genialen Artikelnummer 666 kann beim Verlag Torsten Low gleich HIER bestellt werden.

Bitte bestellt Eure Bücher immer direkt beim Verlag. Umwege über Zwischenhändler wie Amazon und Co. bedeuten erhebliche finanzielle Verluste für die Kleinverlage. 




         
    

Samstag, 5. Januar 2013

Zwielicht II - Anthologie


Ich bedanke mich beim Herausgeber Michael Schmidt für das Rezensionsexemplar.

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um eine Anthologie - eine kleine aber feine Sammlung von Kurzgeschichten, die ziemlich unter die Haut gehen.

Zum Inhalt:

Christian Weis – Mia:
Mia kann sich in ihrem neuen Heim, das sie mit ihrem Mann bezogen hat, einfach nicht einleben. Irgendetwas scheint da im Keller auf sie zu lauern.
 
Sabine Ludwigs – Kaltblütig:

Zwei Brüder und eine unglaubliche Begegnung im Schnee - einer der beiden Männer ist geistig zurückgeblieben. Segen oder Fluch?
 
Peter Nathschläger – Exit Criteria:

Die wirklich fantasievolle Art eines Mobbingopfers, sich für Demütigungen aus der Vergangenheit zu rächen.

Martin Clauß – Das Idyll:

Das Wiedersehen eines Vaters mit seiner Tochter birgt einige Überraschungen.
 
Antje Ippensen – Eisig:

Zwei Teenager auf dem Straßenstrich und ein Zauber für deren Freiheit.

Jakob Schmidt – Im Himmel:

Insektenhorror der besonderen Art.

N.T. Neumann – Die Nacht der Kraniche:

Überfahre niemals einen Kranich! Du könntest es bereuen. 

Walter Diociaiuti – Magic Potion:

Drogen, Alkohol, Exzesse - ein Musiker blickt auf seine bewegte Vergangenheit zurück.
 
Markus Niebios – Pechmarie:

Eine Farbige, ihr Leiden und ihre Rache.

Michael Schmidt – Der Tod ist dir sicher:

Und täglich grüßt das Murmeltier - allerdings in dieser Geschichte wesentlich unfreundlicher.
 
Torsten Scheib – Motten:

Ein Haus voller Insekten ist nicht nur ein Haus voller Insekten. Schon einmal in einem Kokon gewohnt?
 
Lothar Nietsch – Unsterblich:

Die Forschung bringt ein Mittel gegen das Altern hervor - mit grauenhaften Folgen.

Marcus Richter – Feuerhaut:

Ein Mann, der als Kind in seinem Bett durch Feuer schlimm entstellt wurde, findet seine wahren Wurzeln.

Das eher unscheinbare Cover täuscht grundsätzlich über den äußerst lesenswerten Inhalt hinweg.
"Zwielicht II" ist eine vielseitige Anthologie, die verschiedene Facetten des Horrors bedient. Wir haben hier einmal den unterschwelligen, leisen Horror, der sich unauffällig im Hintergrund entfaltet. 
Dann gibt es noch die Art von Horror, die man erst als solchen erkennt, wenn man am Ende der Geschichte angelangt ist. Diese Art Kurzgeschichte ist mein persönlicher Favorit. Man liest sozusagen eine scheinbar harmlose Story, die schließlich durch einen unerwarteten Turn zur Horrorstory mutiert. In dieser Anthologie gibt es ein paar solcher Geschichten, die mich richtig gekonnt an der Nase herum geführt haben.
Schließlich haben wir hier noch die direkten, offensichtlichen Horrorstories, bei denen das grundsätzliche Thema zwar von Anfang an klar ist, man aber trotzdem noch überrascht werden kann, wenn man sich darauf einlässt.

Insgesamt war ich angenehm überrascht von der Qualität dieser Anthologie. Denn - seien wir mal ehrlich - der Markt wird zur Zeit von Kurzgeschichten geflutet und nicht jede davon ist ein Glanzstück. Die vorliegende Anthologie hat sich jedoch als erlesene Auswahl herausgestellt, die mich gefesselt und hervorragend unterhalten hat.

Abgerundet wird dieses Taschenbuch mit einer kleinen Auswahl verschiedener Artikel, die sich wie folgt zusammensetzt:

Daniel Neugebauer – Twighlight Zone
Markus Mäurer - House of Leaves
Torsten Scheib – Repairman Jack
Michael Schmidt - Vincent Preis 2008 und 2009
Michael Schmidt - Horror 2008 und Horror 2009


Fazit:
Für Fans und Kenner guter, tiefer und nachhaltiger Horrorliteratur sind diese Kurzgeschichten eigentlich unverzichtbar. Diese vielseitige und abwechslungsreiche Storyauswahl verdient eine klare Kaufempfehlung.
 

Leider kann ich zum mir vorliegenden Taschenbuch keinen dierekten Shoppinglink finden. Deswegen beziehen sich die folgenden Angaben auf das bei Amazon erhältliche eBook.

Details zum Buch:
  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 1222 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 276 Seiten
  • Verlag: Der ErnstFall MS; Auflage: 003 (28. März 2012)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B007PTCQTW
Bestellen kann man das eBook HIER.

Viel Spaß !!!
        

Donnerstag, 3. Januar 2013

Die Dunwich-Pforte - Arthur Gordon Wolf



Lieber Arthur Gordon Wolf, ganz herzlichen Dank, dass ich diese Novelle lesen durfte.

"Die Dunwich-Pforte" von Arthur Gordon Wolf ist Teil einer umfangreichen Saga, die sich UMC nennt. 
In dieser zukünftigen Welt gibt es eine Menge technischer Spielereien, mit denen die Menschheit sich zu unterhalten pflegt. Es existieren sogenannte Replikanten - menschenähnliche Roboter, die für alle möglichen Zwecke eingesetzt werden können. Außerdem wurden VR-Spiele entwickelt. Mit Hilfe eines Steady Grounds (Spieleinheit, in die der Körper des Spielers die Spielbewegungen ausführen kann) und einer Ray Ban (spezielle Brille, die die Spielumgebung für den Spieler sichtbar macht) kann man ziemlich realitätsnah in diese Spiele eintauchen. Ein selbstgewähltes Codewort ermöglicht den Spielern einen frühzeitigen Ausstieg aus dem aktuellen Spiel.

Als eine Reihe grauenhafter Morde an verschiedenen Spielern des Spieles " Cold Spring Terror" darauf hinweist, dass jemand oder etwas aus dem Spiel in die Realität mitgekommen sein muss, bleibt Jaron Hatamura , Sonder-Ermittler der 'Unit-R(eplikant) nichts anderes übrig, als selber zum Spieler zu werden. Er betritt das virtuelle, halb verlassene Dorf Dunwich und entdeckt eine Verbindung zu einem uralten und abgrundtief bösen Wesen.

Wer mich kennt, weiß, dass mich eher in einen Eimer Kuhmist setze, als freiwillig ein eBook zu lesen.
Inzwischen kenne ich von Arthur Gordon Wolf bereits "Katzendämmerung" und eine ziemlich große Auswahl diverser Kurzgeschichten. Da war es für mich eigentlich sehr schnell klar, dass ich um "Die Dunwich-Pforte" gar nicht herum komme.
Diese Novelle im eBook-Format, mit umgerechnet rund 60 Seiten für eine Printausgabe, hat mich in den letzten zwei Stunden nicht eher ruhen lassen, bis auch die letzte Zeile an mir vorbei gescrollt war.

Zunächst hat mich dieses ungewöhnliche, aber äußerst abgefahrene Genre fasziniert. Arthur Gordon Wolf nennt es selber "mythologische Horror-Sci-Fy" - und genau diese Elemente finde ich hier perfekt miteinander vereint. Der Sci-Fi-Part dominiert hier ganz klar. Das wird auch schon deutlich, wenn man sich die Inhaltsangabe durchliest. Auch der Horror kommt hier nicht zu kurz, denn die Novelle beginnt mit einem Blutbad der Extraklasse.
Aber das Besondere an dieser Story ist für mich der mythologische Part, den der Autor mit Einflüssen von H.P. Lovecraft ausgestattet hat. Insgesamt haben wir es hier mit einer wunderbaren und vielseitigen Gesamtmischung zu tun, die den Leser von allem Weltlichen fern hält.

Der Ermittler Hatamura ist ein herrlich arroganter Typ, der mit seinen teuren Schuhen und seinem trockenen Humor schneller einen Platz in meinem Leserherz hatte, als ich "Hatamura" sagen konnte. An dieser Stelle verteile ich generell gerne mal einen virtuellen Tritt ans Schienbein des Autors für solche Namen wie "Hatamura". Der Versprecher eines weiblichen Charakters aus der Novelle (sie nennt ihn einmal Hatamaru) gibt mir da sicher recht, zeigt aber auch, dass Wolf sich anscheinend drüber im Klaren war, was passiert, wenn man seinen Protagonisten solche Namen gibt.

Ganz kurz möchte ich noch auf den Charakter Foley eingehen, ohne vorab zu spoilern, welche Rolle er in der Novelle spielt. Nur so viel: Abgrundtief böse, durchtrieben und intelligent - ein genial gezeichneter Charakter, bei dem sich einem die Nackenhaare aufstellen. Großartig!

Insgesamt mag ich Wolf's Schreibstil sehr. Ich glaube, keiner versteht es wie er, zu fluchen, ein Gemetzel zu beschreiben oder eine Flirtszene einzuleiten, ohne dabei in irgendeiner Form aus dem Rahmen zu fallen. Ganz gleich, um was es gerade geht: die Sprache büßt niemals etwas von dem hochwertigen Niveau ein, das ich von ihm gewohnt bin. Falls es so etwas gibt, würde ich das als sprachliche Contenance bezeichnen.

Abschließend könnte ich jetzt darüber jammern, dass die Novelle viel zu kurz war und dass man wesentlich mehr hätte herausholen können. An dieser Stelle verweise ich wieder auf den Beginn dieses Artikels. "Die Dunwich-Pforte" ist Teil einer umfangreichen Saga. Was will man mehr?

In der Zwischenzeit freue ich mich auf eine Neuauflage der Katzendämmerung-Trilogie beim LUZIFER-Verlag und auf "Die weißen Männer" bei VOODOO PRESS.

Fazit:

"Die Dunwich-Pforte" hatte alles, was man in eine Novelle packen konnte. Es war durchgängig spannend, stellenweise böse und außerdem brutal unterhaltsam. Prädikat: In-einem-Stück-verschlungen. 
Das sind solche Texte, bei denen ich mir denke: Wo haben die Verlage nur ihre Augen und warum ist die gesamte verfluchte Saga nicht schon irgendwo im Druck? 

Details zum eBook:

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 390 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 60 Seiten
  • Verlag: Arthur Gordon Wolf (29. August 2012)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00963Y3V4
  • Preis: EUR  1,99

"Die Dunwich-Pforte" könnt Ihr HIER mit Blick ins Buch bestellen. 
   
  


Mittwoch, 2. Januar 2013

Der Besudler auf der Schwelle - Edward Lee



Mit "Der Besudler auf der Schwelle" liefert Edward Lee seinen (inzwischen mehr oder weniger abgebrühten) Lesern die in Deutschland langersehnte Fortsetzung von Lovecraft's "The Haunter of the Dark".

Hazel Greene, eine junge und hochintelligente Lehrerin, freut sich auf einen Kurzurlaub mit ihrer älteren und hochschwangeren Freundin Sonia. Deswegen steuern sie gemeinsam eine altmodische Hütte in den Wäldern an, die Sonia's Freund Frank von seinem Freund Henry geerbt hat. Die beiden Männer waren nicht nur Freunde, sondern auch Kollegen im Bereich der Wissenschaft. Diese gemeinsame Leidenschaft offenbarte Henry Dinge, die er nicht verkraften konnte, so dass er sich letztlich in der alten Hütte das Leben nahm. Auch Frank, Hazel und Sonia können das gefährliche Geheimnis nicht ruhen lassen und verlieren sich immer mehr in dem grauenvollen Vermächtnis, das Henry ihnen hinterließ.
Als ob das alles nicht schon aufregend genug wäre, hat Hazel nebenher zusätzlich mit ihren perversen, sexuellen Gelüsten zu kämpfen. Sie ist quasi der Inbegriff einer Nymphomanin, die unter ziemlich jeder bekannten Art der Sexsucht leidet.

Inmitten altbekannter, lovecraftscher Cthulhu-Mythen (Shoggothen), haben wir es hier in erster Linie mit einem wirklich deftigen Horror-Porno zu tun.
Die beschriebenen Sexualpraktiken und Perversionen enthalten im Grunde jede mögliche oder vielleicht auch unmögliche Art, Sex zu haben. 
Wieder einmal habe ich mich gefragt, was Lee wohl geritten haben mag, als er sich diese Abartigkeiten ausgedacht hat. Die Beschreibungen der sadistischen Vergewaltigungen, denen Hazel sich selber immer wieder aussetzt, sind mitunter so realistisch beschrieben, dass mir schon nach dem ersten Drittel des Romans stellvertretend für Hazel der Hintern weh tat. Unnötig zu erwähnen, dass ich während der gesamten Lektüre kaum Appetit hatte.
Inmitten ihrer ausschweifenden Aktivitäten kam Hazel immer wieder der Gedanke "krank krank krank". Ja, genau das dachte ich dann auch von mir, als ich realisierte, was für einen irren Stoff ich mir da gerade reinzog.
Bisher hielt ich "Bighead" für das härteste Buch, das ich je gelesen habe. Dieser erste Platz in meiner Rangliste der ekelerregendsten Inhalte wurde nun souverän von "Der Besudler auf der Schwelle" übernommen.
Wie viele andere Leser vor mir, frage auch ich mich, ob Lovecraft sich nicht gerade mächtig im Grabe herum dreht.

Trotzdem ist es Lee wieder gelungen, mich nicht nur mit hochgradig intelligentem Fachwissen über sexuellen Fetischismus, sondern unter anderem auch mit wissenschaftlichen Details über angewandte Mathematik zu überraschen. Das und die spannende Horrorstory rund um Hazel's Sexwahn geben diesem Roman schließlich den typischen Schliff, der alle Romane von Edward Lee ausmacht. Mit dieser persönlichen Note hebt sich "Der Besudler auf der Schwelle" wieder einmal gekonnt aus der Schublade für Ekel-Splatter heraus und nimmt seinen, für mich hochverdienten, Platz in meiner Sammlung außergewöhnlicher Sammlerstücke ein.

Dieses seltene Schätzchen wird niemals im offiziellen Buchhandel erhältlich sein. Es gibt insgesamt 999 Exemplare, die alle von Hand nummeriert wurden. Ebenso gibt es deswegen auch keine ISBN-Nummer. Der FESTA-Verlag hat bekannt gegeben, dass dieser Roman niemals von diesem Verlag nachgedruckt wird. Evtl. ist aber das Erscheinen eines eBooks möglich.
Für mich ein absolutes Highlight sind die Signaturen von Edward Lee und Alan M. Clark (Illustrator) persönlich. Das hochwertige Hardcover mit Lesebändchen und allseits beliebter Lederoptik macht im Regal eine richtig gute Figur. Als Vorbestellerin hatte ich noch das Glück, dieses Sammlerstück zum Vorzugspreis von EUR 33,33 zu ergattern. Inzwischen muß der Leser ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Für EUR 39,99 sind die verbleibenden Exemplare noch zu haben. Ich denke, auch die werden ziemlich schnell ausverkauft sein.

Fazit: Ja, ich gestehe: Ich bin anscheinend  total "krank krank krank". Dieser Roman war der absolute Oberhammer der blutigen und sexuellen Perversionen überhaupt - ganz klar nicht geeignet für Leser unter 18 Jahren und schon gar nicht geeignet für Leser mit empfindlichen Mägen. Insgesamt und trotz allen Ekels hatte ich einige sehr unterhaltsame Lesestunden mit reichlich Action und einem apokalyptisch guten Finale. 

Details zum Buch:

Erschienen im Dezember bei FESTA.


Autor: Lee, Edward
Reihe: Sammlerausgaben
Aulage: Deutsche Erstausgabe - Einmalige Sammlerausgabe
Seiten: 352 Seiten
Ausführung: Gebunden, mit Schutzumschlag in Lederoptik und Leseband
ISBN: Keine
Originaltitel: The Haunter of the Threshold
Übersetzung: Doris Hummel
Preis: 39,99 EUR 
Eine kostenlose Leseprobe gibt es HIER. 

Bestellen könnt Ihr gleich HIER.