Dienstag, 30. Juli 2013

The American Monstershow in Germany - David Pawn


Herzlichen Dank an David Pawn für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.


Inhalt laut Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)


13 schlaflose Nächte. 13 Horrorgeschichten aus deutschen Landen von Gothik-Horror bis Splatterpunk.

Was wäre gewesen, wenn in den Wendejahren echte Untote aus einer durchs Land ziehenden Show ausgebrochen wären? Wie wäre es, wenn Spülmittel plötzlich süchtig machen würden? Und was ist, wenn statt eines Staubsaugervertreters plötzlich ein Monstrum vor der Wohnungstür steht? Gibt es im Rotlichtviertel Frankfurts wirklich einen Vampir? Gibt es fliegende Ratten?
Alle diese Fragen und noch ein paar mehr beantworten die Geschichten in diesem Buch, die alle in den 90iger Jahren des vorigen Jahrhunderts spielen. Wundern Sie sich also nicht, wenn es noch keine Handys, Tabletts und Internetsuchmaschinen gibt, dafür aber tödliche Bedrohungen aus dem Reich des Paranormalen.


Die Erfahrung hat mit den Jahren gezeigt, dass auch ältere Horrorstories Spaß machen können. In dieser Storysammlung aus den 90er Jahren, deren Geschichten mit ihren Protagonisten komplett ohne jeden technischen Schnickschnack auskommen müssen, bekommt der Leser eine ordentliche Vielfalt geboten.

Abgesehen von einigen Klischees, besticht der Autor durch eine abwechslungsreiche und bunte “Monstershow”. Von Monster über Splatter und subtilen Grusel ist alles dabei, was das Horrorherz begehrt. Zwar punktet David Pawn nicht mit Anspruch, dafür aber mit einer ordentlichen Portion Popcorn-Unterhaltung und vor allen Dingen mit Vielfalt.

Alle Geschichten sind abwechslungsreich, bieten mitunter auch mal neue Ideen und sind vor allen Dingen unterhaltsam geschrieben. Interessant ist auch, dass der Autor nicht auf einen bestimmten Schreibstil festgefahren ist, sondern verschiedene Nuancen durchschimmern lässt. So hat man nicht bei jeder Geschichte diesen “gähn, bitte nicht schon wieder-Effekt”.

Zugegeben, ich fand das Monster in der ersten Geschichte ein wenig albern – irgendwie unfreiwillig komisch. Dafür gefiel mir aber die grundsätzliche Idee dahinter sehr gut.
Was passiert wohl, wenn sich kleine Kinder nicht an die Ermahnungen der Eltern halten? Wahrscheinlich kommt dann ein Monster. Ich verkneife mir an dieser Stelle jetzt einen Smiley.
Dafür fand ich wiederum die Geschichte “Spüllicht” total gut, obwohl ich anderswo las, dass sie als langatmig empfunden wurde. So unterscheiden sich die Geschmäcker.

An Ideen mangelt es David Pawn jedenfalls nicht. Und die Umsetzung war in meinen Augen für einen Selfpublisher ebenfalls sehr ordentlich.


Fazit:
Wer mal ein bisschen Abwechslung in seinen Kurzgeschichten-Alltag bringen möchte, ist mit “The American Monstershow in Germany” gut bedient. Mit nur EUR 6,95 für die Taschenbuchausgabe kann man da definitiv nichts falsch machen. Ich wurde jedenfalls gut unterhalten und habe außerdem einige neue Ideen kennengelernt.


Details zum Buch:
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (16. Mai 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1484959639
ISBN-13: 978-1484959633
Größe und/oder Gewicht: 22,8 x 15,2 x 2,4 cm
Preis: EUR 6,95 für das Taschenbuch und EUR 2,99 für das eBook
The American Monstershow in Germany kann man hier bestellen *klick*

Montag, 29. Juli 2013

Teutonic Horror - Anthologie


Ich bedanke mich bei Michael Schmidt für das Rezensionsexemplar.


Im Klappentext erfahren wir:

Sie sind auf der Suche nach guten Horrorgeschichten? Sie sind aber müde von der Suche.
Sie wollen keine weiteren Lovecraft oder Poe Geschichten? Und auch die einfachen und brutalen Nacherzählungen der Hollywoodfilme sind Ihnen zuwider? Sie mögen keinen Frauengrusel? Außerdem hassen Sie liebestolle Vampire? Versuchen Sie einmal abwechslungsreiche, intelligente, aber ebenso deftige Geschichten. Erleben Sie direkte und ungeschminkte Prosa. Keine endlosen Beschreibungen! Keine pubertären Gefühle. Keine x-te Wiederholung des tausendmal kopierten.”

Und das trifft es wirklich schon sehr gut. Aber werfen wir zunächst einen Blick auf die Geschichten im Detail.

Volldampf voraus:
Ein Mann und ein Zug, im Einklang miteinander. Mit diesem Zug teilt er seine letzten Kräfte, seine
Erinnerungen und seinen letzten Atemzug.

Remanenz:
Eine faszinierende Vorstellung, zurück in die Zeit reisen und vermeintliche Fehler in der Geschichte der Menschheit beheben zu können.

Rhythmus der Angst:
Wenn man sich mit den falschen Leuten einlässt, muss man die Konsequenzen tragen. Flucht ist zwecklos, kein Ausweg.

Abgründe:
Einen Vampir zu quälen und zu töten ist wahrscheinlich der Höhepunkt im Leben eines Jägers. Die Frage ist nur, wer von beiden verkörpert das wahre Böse?

Der Tod ist dir sicher!:
Er steckt in einer Endlosschleife und muss erkennen, dass er seinem Schicksal nicht entkommen kann.

Ein Stein in der Mauer:
„The Wall“ oder was dieser Film aus einem machen kann. Ein psychedelischer Trip in andere Sphären steht an. Realität oder Wahnsinn?

Der gebrauchte Tag:
Zombies oder Nazis? Auf welcher Seite willst du stehen?

Maria:
Ein Werwolf trifft auf seine große Liebe und lernt, sein inneres Tier im Zaum zu halten.

Ruppert:
Wenn eine harmlose Wanderung im Wahnsinn endet.

Zwei Seelen in einer Brust:
Ähnlich wie in der Geschichte „Maria“ will ein Werwolf an das Gute glauben. Die Liebe könnte ihm dabei helfen, aber wird es ein happy End geben?

Scheinbar:
Der Teufel steckt im Internet. Lieber nicht zu weit raus surfen.

Widergeburt:
Das Böse macht sich auf den Weg in ein neues Leben.

Hellrider!:
Wie eine Heavy Metal Band, die Musik und der Tod eine Einheit bilden.

Adrian:
Als Vampir sollte man seine Triebe besser im Griff haben, sonst trifft man eines schönen Tages auf das falsche Sexobjekt.

Schwarz wie Blut:
Eine mögliche Geschichte darüber, wie Edgar Allan Poe zur Horror-Literatur fand.

So viel zum Inhalt dieser Storysammlung.
Insgesamt sind hier alle möglichen Elemente des Horrors zu finden – subtiles Grauen, Monster, Bosheit, Verzweiflung, Irrsinn und eine Prise Erotik. Was der Leser hier jedoch nicht findet ist extremer Horror. Kein Splatter, kein Gore und kein Porno.
Michael Schmidt hat für diese Storysammlung Geschichten ausgewählt, die tiefer gehen und mit Popcorn-Literatur, wie der Action-Fan sie mag, rein gar nichts zu tun haben.
Viele der Geschichten beschäftigen sich mit psychischen Aspekten und spielen mit inneren Ängsten und der Vorstellungskraft. Das hat letztlich auch zur Folge, dass ich diese Storysammlung nicht uneingeschränkt allen Freunden dieses Genres empfehlen würde.

Diese Storysammlung braucht Leser, die Wert auf einem gewissen Anspruch legen und bei denen die reine Unterhaltung nicht an erster Stelle steht.
Ich gebe zu, dass ich mich eher zu den Freunden der fetzigen Popcorn-Literatur zähle. Dennoch weiß ich eine stilvolle, gut geschriebene Geschichte durchaus zu schätzen und muss mir eingestehen, dass mich die meisten dieser Geschichten vielleicht nicht rasend gut unterhalten, dafür aber nachhaltig beschäftigt haben.

Meine eindeutigen Favoriten in dieser Storysammlung sind die Geschichten „Remanenz“, „Maria“ und „Schwarz wie Blut“.
„Remanenz“ behandelt ein Thema, über das ich schon oft mit Freunden bei einem gemütlichen Beisammensein diskutiert habe. Was wäre wenn … ? Ich will hier auch nicht spoilern, aber das Resultat ist sowohl bei dieser Geschichte, als auch in sämtlichen Diskussionen dasselbe: Du kannst sie nicht alle töten. Außerdem ist diese Story meisterhaft gut recherchiert und selten informativ. Ein echter Volltreffer von Michael Schmidt.
„Maria“ hat mich neben den dezenten Horroraspekten sehr berührt. Eine empfehlenswerte, schaurig-schöne Liebesgeschichte.
„Schwarz wie Blut“ scheint mir eine Hommage an Edgar Allan Poe zu sein (ich Schnellmerker), die hervorragend geschrieben wurde und am Ende einen ordentlichen Aha-Effekt auf den Plan ruft.

Insgesamt hat Michael Schmidt als Herausgeber und Autor eine ganz wichtige Sache richtig gemacht. Er hat nicht wild irgendwelche Geschichten zusammen gewürfelt, um eine Storysammlung zu füllen, sondern er hat sorgsam abgewägt, welche Geschichten zusammen funktionieren könnten. Und das tun sie.
Sicherlich war nicht jede der Geschichten nicht ganz mein Ding. Trotzdem war ich von der Qualität dieser Auswahl insgesamt sehr angetan.
Meine primitiveren Unterhaltungsbedürfnisse werden dafür um so besser durch die Zwielicht-Reihe bedient, die ich an dieser Stelle gerne empfehlen möchte.

Fazit:
„Teutonic Horror“ ist keine Storysammlung für die breite Masse. Hier handelt es sich um sorgsam ausgewählte, hochwertige Horror-Geschichten, für die man gerne auch etwas länger brauchen darf. Wenn sie sich jedoch einmal im Hirn des Lesers eingenistet haben, gibt es kein Zurück mehr. Ob man will oder nicht – sie beschäftigen einen länger als man geplant hatte.

Details zum Buch:

Taschenbuch: 174 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 001 (28. März 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1483980952
ISBN-13: 978-1483980959
Größe und/oder Gewicht: 22,9 x 15,2 x 1,1 cm
Preis: EUR 8,90
Teutonic Horror könnt Ihr hier bestellen *klick*

Samstag, 27. Juli 2013

Die Fratze - Christian Sidjani


Jakob und Larissa sind zweieiige Zwillinge, die neben vielen anderen Dingen auch die Leidenschaft für Horrorfilme teilen.
Dieses Hobby erfährt seine jährliche Krönung durch den Besuch einer angesagten Halloweenparty, die von der ebenso angesagten Madlen veranstaltet wird.
Die Vorfreude steigt und die Vorbereitungen für die Fete sind im vollen Gange. Mit seiner Michael Myers Maske wird Jakob auch in diesem Jahr wieder ein echter Hingucker sein, nur, dass dieses Mal alles ganz anders ablaufen wird. Dreimal anders, um genau zu sein.
Wer mich kennt, weiß, dass ich eBooks hasse. Es gibt nur zwei Gründe für mich, ab und zu trotzdem eines zu lesen. Der erste Grund ist reine Neugierde bei Kostenlos-Aktionen. Der zweite Grund ist, wenn mich ein Autor einmal so beeindruckt hat, dass ich nicht bis zur Printausgabe warten kann und ich mir den neuen Stoff sofort reinziehen will.

Bei “Die Fratze” trifft der zweite Grund zu. Das und die Tatsache, dass diese Geschichte vom Autor mit drei verschiedenen Enden angeboten wird.
Dieses nette kleine Feature erlaubt mir nämlich, kurz vor dem Ende auszuwählen, welche Erinnerung ich gerne hätte.

Ja, diese Geschichte ist eine Erinnerung, erzählt aus der Sicht von Jakob und diese Erinnerung ist wirklich nicht angenehm. Nun, es ist Halloween und diese Geschichte enthält alle Elemente, die der Horror liebende Leser erwartet. Blut, Sex und Spannung – es ist alles da. Und das Ganze ist so gut erzählt, dass man es eigentlich nicht akzeptieren möchte, wenn die Lektüre sich dem Ende zuneigt.
Inzwischen kenne ich schon ein paar Werke von Christian Sidjani und auch ein paar Werke seiner gespaltenen Persönlichkeiten Nikolas Preil und Hauke Rouven. Obwohl alle Autoren sprachlich sehr gut ausgefeilte Werke abliefern, gibt es Unterschiede in deren Sprachgebrauch. Christian Sidjanis Geschichten vereinen alle Schreibstile in einem. Wir haben hier ein leicht gemäßigtes Tempo mit den dezent gewählten Formulierungen von Hauke Rouven gemischt mit dem brutalen und zum Teil wirklich derben Schreibstil von Nikolas Preil. Und ich kann nur immer wieder sagen: das rockt absolut!

Christian Sidjani ist einer der wenigen Autoren, die auch ein Rezept für Erbsensuppe ansprechend “erzählen” könnten.

Natürlich habe ich alle interaktiven Möglichkeiten voll ausgeschöpft und jedes der drei möglichen Enden gierig inhaliert. Diese Idee kannte ich bisher nur aus der Buchreihe “1000 Gefahren” für Kinder, bei denen man je nach Auswahl wild hin- und herblättern muss. Die Kindle-App macht es mir da ein wenig einfacher. Ich klicke auf die Auswahl und springe sofort zur richtigen Textstelle.
Alle drei Enden hatten es in sich. Eigentlich kann ich nicht sagen, welches mir am besten gefiel, aber wenn ich mich für ein Ende entscheiden müsste, würde ich “Killer” wählen.
“Die Fratze” ist wieder ein Paradebeispiel dafür, wie genial gut Indie-Literatur sein kann. Ein paar wenige Fehlerchen mögen wohl noch aufzufinden sein, die wahrscheinlich auch so manchem Verlag aufgrund von Betriebsblindheit durch die Finger gleiten. Allerdings sind es nicht so viele wie in den Werken von vielen anderen Selfpublishern, die mit der Erwähnung von Lektorat, Korrektorat und irgendwelchen Gütesiegeln auf Leserfang gehen. Wer kann, der kann eben.
Hier war ohne Zweifel jemand bei der Arbeit, der kann.


Fazit:
“Die Fratze” von Christian Sidjani ist ein spannendes, interaktives Leseerlebnis für Freunde von gut geschriebenen Horrorstories. Vorher war ich schon sehr angetan von dieser Schreibe, aber jetzt bin ich ein Fan. Gerne noch viel mehr davon. Kaufempfehlung!


Details zum Buch:
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 178 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 41 Seiten
Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN: B00DZRR1E8
Preis: EUR 1,99
Das eBook bekommt Ihr hier *klick*

Freitag, 26. Juli 2013

Gastrezension: Helden aus der Tonne - Frank Schweizer


Ich bedanke mich ganz herzlich bei VOODOO PRESS für das Rezensionsexemplar und bei Claudia Junger von Krimi & Co. für die Gastrezension.

Auf die Gefahr hin, von den Fans des Autors als Kunstbanausin beschimpft zu werden:
Manchmal, aber nur manchmal kommt es vor, dass ich selbst ein Buch nicht in meinen Kopf bekomme, wie sehr ich mich auch bemühe. Ich habe schon wesentlich schrägeren Stoff gelesen, aber hier muss ich kapitulieren. Mein Hirn will den Inhalt nicht aufnehmen.
Deswegen habe ich mir erlaubt, das Buch einer anderen erfahrenen Rezensentin zu schicken. Mit ihrer Erlaubnis entstand der folgende Artikel.

Inhalt laut Klappentext:
Sein Beruf: Auszubildender in der Superheldenbranche. Sein Auftrag: eine hundsgemeine Mordserie aufklären. Seine Gegner: kritikresistente Superschurken. Seine Freunde: kritikresistente Superhelden. Sein Motto: Attacke! Olé! Olé! Seine Erfolgschance: null, nada, niente! Verfolgen Sie die Ausbildung eines einfachen Philosophiestudenten zum größten Superhelden seines … hm … Viertels, seine rasanten Kämpfe gegen den Meuchelmeister – halb Mensch, halb Küchengerät – und werden Sie Zeuge, wie das Schicksal der ganzen Welt von den “Helden aus der Tonne” entschieden wird!

Das sagt Claudia Junger von Krimi & Co. dazu:
“Beim Anblick des außergewöhnlich gut gelungenen Covers und nach dem Lesen des Klappentextes erhoffte ich mir im besten Fall irgendetwas im Stil von Martinez, Pratchett oder “Kick-Ass”. Leider war dem nicht so. Der Plot an sich hat mir sehr gut gefallen und ich fand ihn sehr originell. Doch ziemlich schnell musste ich feststellen, dass der Autor und ich wohl nicht die gleiche Art Humor besitzen. Ich erlebte die ganze Zeit ein Déjà-vu der Ausdrücke und Sprüche der 70er/80er Jahre. Wer die Zeit kennt, weiß wovon ich rede. Auch die Namen der Figuren erinnerten mich absolut daran. Zugegeben, einige Wortspiele waren wirklich gut, aber leider haben sie es für mich nicht herausreißen können. Die ganze Story driftete ziemlich schnell in eine Art Slapstick ab. Sehr schade.

Fazit: Den Humor des Autors muss man mögen.”

Details zum Buch:
Broschiert: 179 Seiten
Verlag: Voodoo Press (3. Juni 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 390280226X
ISBN-13: 978-3902802262
Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 1,6 cm
Preis für das Taschenbuch: EUR 9,95
Preis für das eBook: EUR 1,99

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Mittwoch, 24. Juli 2013

Es muss nicht immer Hirn sein - Chris van Harb


Ich bedanke mich ganz herzlich bei Chris van Harb für das Rezensionsexemplar.
In den letzten zwei Tagen habe ich mich mit einem etwas anderen Zombie-Schmöker beschäftigt. “Es muss nicht immer Hirn sein” von Chris van Harb ist ein Buch, wie ich es bisher noch nie gelesen habe. Dementsprechend schwierig ist es auch, hier das passende Genre zu wählen. Bei Amazon finden wir dieses außergewöhnliche Werk in der Belletristik-Abteilung, aber eigentlich ist es ein Kochbuch.
 

Ja, richtig gelesen! Das, sagen wir mal Büchlein, mit seinen gerade mal 100 Seiten bringt dem humorvollen Leser auf sehr amüsante Weise einige deftige Rezepte mit Innereien nahe. Und was passt besser zu Herz, Lunge, Leber & Co. als ein paar hungrige Zombies, die sich noch nicht ganz mit ihren neuen Lebensumständen anfreunden können?
In zehn kurzen Geschichten über Zombies und solche, die es noch werden wollen, leitet die Autorin mit viel Wortwitz und spaßigen, verrottenden Figuren die Rezepte ein.
Zugegeben, die Rezepte sind ganz und gar nicht mein Fall. Wahrscheinlich würde ich mir eher den kleinen Zeh abhacken, als eines davon nachzukochen. Trotzdem muss ich zugeben, dass die Gerichte laut Zubereitungsanleitung letztlich doch irgendwie lecker sein könnten. Das überlasse ich aber gerne den experimentierfreudigen Köchen unter den Lesern.
Mein Augenmerk lag, ich gebe es zu, hauptsächlich auf den Geschichten.
Hier begegnen wir den Zombies mal ganz anders. Chris van Harb hat für diese heißgeliebte Randgruppe eine völlig neue Welt geschaffen, in der sie, von der Gesellschaft anerkannt, humpeln, stöhnen, fressen und vor sich hin faulen können. Manch einer von ihnen kommt mit seinen neuen Eigenschaften noch nicht richtig zurecht. Und einige von ihnen lernen, mit Hilfe der angefügten Rezepte ihre Ernährung umzustellen. Geschrieben wurde das Ganze mit viel Liebe, Wärme und Humor und so manches Mal konnte ich mir einen Schmunzler nicht verkneifen.
Dennoch habe ich einen Kritikpunkt, den ich mir leider nicht verkneifen kann.
Wenn man mir als Horror- und Thriller-Rezensentin ein Buch schickt, das noch dazu ein so hammergeiles Cover wie dieses hier hat, erwarte ich wenigstens ein klitzekleines bisschen Horror oder ansatzweise ein bisschen “Dreck”, wenn ich das so formulieren darf. Diese Geschichten sind niedlich, toll formuliert und sehr witzig, haben aber nicht den Drall, den ich brauche, um in diesem Buch mehr als nur ein Kochbuch zu sehen. Jede Geschichte führt zu einem Rezept und würde ohne dieses Rezept komplett ins Leere laufen. Dieses Schema setzt sich in einem durch fort und macht es dadurch dann auch vorhersehbar. Man merkt schon, ich tue mich wahrlich schwer, ein Kochbuch zu besprechen.
Ein eigenständiges Buch über diese in die Gesellschaft integrierten Zombies, mit all diesem wunderbaren Humor und den amüsanten Figuren wäre mir jedoch einiges an Lesezeit wert. Denn, so viel muss ich sagen, es ist wirklich toll formuliert.


Fazit: “Es muss nicht immer Hirn sein” von Chris van Harb ist ein sehr unterhaltsames – ja, was denn nun? Ich würde es als Vorlese-Kochbuch bezeichnen, das mit seinem abgefahrenen Cover auch in ein Horror-Regal passt, jedoch nur meinen Appetit das Fürchten lehrt. Die Geschichten sind einfach nur süß und sympathisch, leider aber auch nicht mehr. Für einen wirklich guten Lesestoff hat es bei mir nicht ganz gereicht, aber als Geschenkidee ist dieses außergewöhnliche Kochbuch hervorragend geeignet.


Details zum Buch: Taschenbuch: 100 Seiten Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (19. Mai 2013) Sprache: Deutsch ISBN-10: 1484982932 ISBN-13: 978-1484982938 Größe und/oder Gewicht: 22,9 x 15,2 x 0,6 cm Preis für das Taschenbuch: EUR 6,95

“Es muss nicht immer Hirn sein” kann man hier kaufen *klick*

HorrorTube

Dienstag, 23. Juli 2013

Interview mit Isabell Schmitt-Egner

Ich freue mich sehr, dass ich die Autorin Isabell Schmitt-Egner für ein Interview auf Horror and more gewinnen konnte. In der Masse der Selfpublisher, die derzeit den Markt flutet, ist es nicht immer einfach, eine wahre Perle auszugraben. Da helfen auch selbsternannte Qualitätsexperten nicht wirklich weiter. Die einzige Möglichkeit, herauszufinden, welche Werke sich lohnen oder nicht, ist lesen, lesen und nochmal lesen. Genau das habe ich getan. Inzwischen kenne ich von Isabell Schmitt-Egner bereits den Thriller “Follower” und eine ansehnliche Menge wirklich guter Kurzgeschichten, die unter dem Siegel “Horrorschmiede” gemeinsam mit Geschichten von Xander Morus erschienen sind. Unnötig zu erwähnen, dass ich inzwischen ein wirklich großer Fan ihrer Schreibe bin und alles lese, was mir in die Finger kommt.
Nachdem ich auch die Fantasy-Reihe “Sam aus dem Meer” auf Amazon entdeckte, die inzwischen eine solide Fanbase entwickelt hat, komme ich nicht mehr umhin, mehr über diese vielseitige Autorin erfahren zu wollen. Das Ergebnis meiner Neugier möchte ich gerne mit meinen Lesern teilen.


Isabell Schmitt-Egner – hochkonzentriert bei der Arbeit

Horror and more:
Isabell, vorab vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, Dich von mir löchern zu lassen. Bitte erzähle uns kurz etwas über Dich als Mensch. Ungeachtet Deiner Autorentätigkeit – was gibt es über Dich als Mensch zu erzählen? Wie tickst Du und was macht Dich aus?


Isabell Schmitt-Egner:
Ich habe einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Ich bin vielseitig interessiert und wenn mich was reizt, will ich es am liebsten selbst können. Ich helfe gern anderen, bin aber durchaus auch der einsame Werkstatt-Typ, der vor sich hin frickelt. Hauptsache, es ist was Kreatives, etwas, wodurch ein fertiges Produkt entsteht.


Horror and more:
Die Standardfrage in Autoreninterviews: Wie ist es zum Schreiben gekommen?


Isabell Schmitt-Egner:
Ich wollte nur einem Freund eine Freude machen, weil ich seinen Geburtstag nicht auf dem Schirm hatte. Ich habe vorher nicht wirklich was geschrieben. Aber ich habe mich fürs Schreiben interessiert, ohne es je zu tun. Ich fand Schreibstile spannend, habe aber nichts davon angewendet. Dass ich früher schon Bücher darüber gelesen hatte, war eine Hilfe beim Start ins Autorendasein.


Horror and more:
Kannst Du vom Schreiben leben?


Isabell Schmitt-Egner:
Das ist das Ziel! Aktuell kommt etwa die Hälfte meines Einkommens aus der Schreibtätigkeit, aber es wird mehr und ich hoffe, in ein bis zwei Jahren davon leben zu können.


Horror and more:
Wie stehst Du zum Thema Selfpublishing? Ist dies Deine bevorzugte Art zu veröffentlichen oder wärst Du gerne bei einem Verlag unter Vertrag?


Isabell Schmitt-Egner:
Ich will nicht zu einem Verlag, wollte es nie und habe mich auch nie bei einem Verlag beworben. Ein Verlag wäre mit mir ganz klar überfordert. Ich würde verlangen, dass das alles flott gehen muss, ich hätte keine Lust, sechs Monate auf eine Veröffentlichung zu warten. Ich habe mal eine Kurzgeschichte bei einer Anthologie eingereicht, danach hatte ich mit Verlagen nichts mehr zu tun.

Alles, was ich so über Verlage höre, bestärkt mich in meiner Haltung. Ich würde nur einen Verlag akzeptieren, der schnell und gut arbeitet, zuhört, fair zahlt, der meine Geschichten versteht … das ist wohl ein Überraschungsei, das es nicht gibt. Solange ich ohne Verlag auskomme, bleibt alles wie es ist. Im Ernstfall würde ich vielleicht selbst einen Verlag gründen. Die Vorteile eines Verlagsvertrags erschließen sich mir beim besten Willen nicht. Und ich bin nicht so eitel, dass ich das Gefühl brauche, von einem Verlag angenommen worden zu sein.

Horror and more:
Wie sehen Deine nächsten Projekte aus? Bekommen wir bald Nachschub von Dir?



Eine beachtliche Auswahl wirklich cooler Bücher!

Hier geht es zur Auswahl aller bisher erschienenen Bücher von Isabell Schmitt-Egner


Isabell Schmitt-Egner:
Ja, selbstverständlich. Es wird einen Jugendroman von mir geben mit mittelalterlichem Flair, der aber in einer Welt spielt, deren Regeln etwas abgewandelt wurden. Es geht um einen jungen König, der noch am Krönungstag durch eine Intrige entmachtet wird und getötet werden soll. Dieses Königreich ist frei erfunden und die Gepflogenheiten richten sich nicht nach historischen Vorlagen. Aber es gibt keine Fantasiewesen in der Geschichte. Es sind alles normale Menschen, weshalb die Genrebezeichnung noch zwischen Fantasy und anderen Möglichkeiten schwankt.

Dann bereite ich ein Horror-Projekt zusammen mit Christian Sidjani vor, das sehr vielversprechend angelaufen ist und uns beiden viel Spaß macht. Anders als in Büchern der Horrorschmiede schreiben wir hier beide an einer Geschichte. Jeder hat seine Figuren, aus deren Perspektive er schreibt. Wir werden das Ergebnis als Ebook und Print veröffentlichen, was für Oktober geplant ist. Auf dieses Buch könnt ihr euch wirklich freuen!

Horror and more:
Jetzt entfleucht mir gerade ein erfreutes Quieken, weil ich Christian Sidjanis Werke (fast) alle kenne und schätze. Würdest Du ein wenig mehr aus dem Nähkästchen plaudern? Wie blutig wird es?


Isabell Schmitt-Egner:
Ich kann so viel verraten, dass es sich ein wenig von dem wegbewegt, was man von uns kennt. Der Inhalt wird sich von den psychologischen Schwerpunkten mehr in Richtung körperlich verlagern. Wir sind gerne bereit, uns kurz vor der Veröffentlichung noch mal genauer dazu zu äußern. Im Moment halten wir die Handlung noch geheim. Wir wollen den Lesern die Überraschung nicht nehmen. Jedenfalls dürft ihr gespannt sein!


Horror and more:
Bezüglich Deiner Zusammenarbeit mit Xander Morus, gibt es Pläne für weitere Werke aus der Horrorschmiede?


Isabell Schmitt-Egner:
Das steht noch nicht fest, es gibt keine speziellen Pläne, da ich mit Projekten bis Ende des Jahres „ausgebucht“ bin.


Horror and more:
Gerne möchte ich Dir noch ein paar lockere Fragen über Dich stellen, wenn das für Dich in Ordnung ist. Was regt Dich auf?


Isabell Schmitt-Egner:
Druckkostenzuschussverlage! LOL! Dumme Leute, Arroganz. Platte Urteile, die oberflächlich gefällt werden.


Horror and more:
Zum Thema „platte Urteile“: Wie gehst Du mit Negativ-Rezensionen um?


Isabell Schmitt-Egner:
Da steht niemand drauf, keine Frage. Ich schaue auf den Ton. Ist der vernünftig und der Leser wünscht sich zum Beispiel, dass die Geschichte länger sein sollte, dann überlege ich, ob man hätte mehr rausholen können. Wird nur gepöbelt oder werden einfach dumme Kommentare abgegeben, dann hoffe ich, dass andere Leser sich davon nicht beeinflussen lassen. Dazu kommen verschiedene Geschmäcker, es ist normal, dass jedes Buch auch schlechte Rezis hat. Was ich nicht tue: mich für offensichtliche Frechheiten von anonymen Kritikern höflich bedanken. Und ich bin der Ansicht, dass man als Autor die Fähigkeit entwickeln muss, Kritiken zu sortieren. Nicht jede Kritik ist gerechtfertigt, man muss nicht alles umsetzen, was andere sagen, sondern sich die nützlichen Dinge rauspicken. Autoren schreiben das Buch, andere lesen es nur, aber trotzdem wird oft so getan, als wäre das Urteil des „Nur-Lesers“ ausschlaggebend. Ich weiß, dass Autoren Bescheidenheit nahegelegt wird. Man soll stets dankbar annehmen, was andere sagen. Ich vertrete aber auch offiziell den Standpunkt, dass das gar nicht möglich und auch nicht richtig ist. Mein Rat wäre, sich ein Netzwerk von Leuten zu schaffen, die kompetent sind, die das beurteilen können. Gute Testleser, Autorenkollegen. Wenn die dann alle sagen, das ist gut, dann ist das für mich okay. Ist ein Buch stilistisch okay, die Story logisch, dann ist der Rest Geschmackssache. Und mit dem Geschmack der Leute muss man dann leben.


Horror and more:
Was lässt Dich jubeln?


Isabell Schmitt-Egner:
Hohe Verkaufszahlen! Und wenn die Gerechtigkeit siegt, dann jubele ich auf jeden Fall. Es gibt viele Gelegenheiten, man muss nur die Augen aufsperren und sehen, was man hat. Dann kann man sich über vieles freuen.


Horror and more:
Mit wem würdest Du gerne mal ein Bierchen trinken und worüber würdet Ihr dann quatschen?


Isabell Schmitt-Egner:
Mit Oliver Susami, und wir würden über unheimliche Phänomene reden. Aber das wird noch in die Tat umgesetzt eines Tages!


Horror and more:
Da wäre ich am liebsten mit dabei. Ich interessiere mich ebenfalls sehr für das Paranormale und habe auch sein Buch verschlungen (für Interessierte: S3 – Spuk in der Bibliothek)

Die berühmte einsame Insel: Welche drei Gegenstände und welche drei Personen würdest Du mitnehmen?

Isabell Schmitt-Egner:
Schwierig, denn wenn ich vorher weiß, dass ich hingehe, dann pack ich mehr als drei Sachen ein. Am schlauesten wäre wohl ein Satellitentelefon, ein Moskitonetz und eine Tonne mit Trinkwasser. Freunden mute ich die Insel nicht zu, also nehme ich einen Typen mit, der aus Unterholz alles bauen kann, was man braucht und einen Minentaucher, die können auch alles. Zuletzt nehme ich noch den gutaussehenden Sohn eines Millionärs mit, weil der Papa den dann schnell nach Hause holen wird, die nötigen Mittel dafür hat, und ich hab auch noch was davon!


Horror and more:
Dein Lieblingsschimpfwort?


Isabell Schmitt-Egner:
Moloch, Kroppzeuch, Bewegungs-Günther


Horror and more:
Bitte vervollständige diesen Satz!
Im Fall einer Zombieapokalypse würde ich …


Isabell Schmitt-Egner:
… mit dem schönen Millionärssohn und dem Minentaucher auf der Insel bleiben.


Horror and more:
Eine letzte Frage noch zum Schluss. Welchen letzten Satz widmest Du speziell Deinen Lesern?


Isabell Schmitt-Egner:
Ihr könnt auf mich verlassen. Warum dieser Satz? Der entstand auf ängstliche Nachfragen von Lesern, ob wohl dieser oder jeder Figur, die sie lieben, etwas zustoßen wird. Und dann sage ich diesen Satz. Egal, was ich schreibe, ihr werdet damit klarkommen!


Horror and more:
Liebe Isabell, ich bedanke mich ganz herzlich bei Dir, dass Du Dich meinem groben Unfug so tapfer gestellt hast. Ich hoffe, bald wieder neuen Stoff von Dir zu lesen.


Isabell Schmitt-Egner:
Kein Problem, neuer Stoff kann geliefert werden.



Gewinnspiel zum Interview:

Aus meinem privaten Fundus verlose ich den Thriller “Never Knowing” von Chevy Stevens unter allen, die mir per eMail eine Frage beantworten.
Welchen Beruf hat der Mann, der alles kann?
Die Lösung findet Ihr im Interview
Zur Teilnahme sendet bitte eine eMail mit Lösung UND Adresse an: horrorandmore@arcor.de
Die Ziehung erfolgt nächsten Dienstag, 30. Juli 2013. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mehrfachteilnehmer, Lösung-in-Gewinnspielforen-Poster und sonstige Fudler werden disqualifiziert.

Samstag, 20. Juli 2013

3 Pieces Of Horror - Sönke Hansen


Herzlichen Dank an Amrûn und Jürgen Eglseer für das Rezensionsexemplar.
“3 Pieces Of Horror” von Sönke Hansen enthält, wie der Titel schon verrät, drei Horrorstories für Fans, die es gerne actionreich und blutig mögen.

Discordia:
Wenn einem Schriftsteller die Tastatur wegstirbt, ist das eine Katastrophe. Eigentlich ist es sogar das Schlimmste, das passieren kann – aber nur fast. Dass es noch weit schlimmer kommen kann, beweist diese fiese kleine Geschichte.

Der Friseur:
Niedergestochen irgendwo im Wald zu liegen ist nicht ganz das, wovon ein Serienkiller so träumt. Trotzdem ist es passiert und sein von ihm am heißesten begehrtes Opfer ist gleichzeitig sein größter Feind.

Flashback:
Wer bei seiner Morgentoilette im Bad plötzlich feststellt, dass er zum Zombie wird und beschließt, die Welt vor sich selbst retten zu müssen, braucht ganz schnell eine gute Idee.
Mit dieser Kurzgeschichtensammlung hat Sönke Hansen es geschafft, mich ein wenig bis zur Veröffentlichung seines nächsten Romans bei der Stange zu halten. Ich gestehe: Ich bin ein absoluter Fan seiner Schreibe.
Bereits mit “Roadkill” hatte dieser Autor mich komplett im Sack. Seitdem verschlinge ich ausnahmslos alles, was veröffentlicht wird.

Auch diese drei Horrorstories sind wieder absolut typisch Sönke Hansen – bitterböse, rasant und ohne Rücksicht auf Verluste. In diesen Geschichten gibt es keine Verschnaufpausen und erst recht keine Gnade. Einmal angefangen zu lesen, hört man erst wieder auf, wenn das letzte Wort inhaliert wurde. Wie sagt man so schön? Wer bremst, verliert.
Bremsen ist bei Hansens Werken jedenfalls unmöglich. Der Autor baut schnelle und konsequente Handlungen, deren Unterhaltungswert nur schwer zu toppen ist.
Sprachlich kommen die Geschichten leicht und locker daher. Kein Schmalz, keine Schnörkel und keine ausufernden Beschreibungen. Und genau das ist es, was den Actionfan zum Jubeln bringt, denn Sönke Hansen steht für Action.

Mit den Figuren in seinen Geschichten kann man sich schnell identifizieren, selbst, wenn sie abgrundtief böse sind. Die Art und Weise wie sie dargestellt werden, denken und reden ist absolut alltagstauglich. Es sind Menschen mit Problemen, mit Schönheitsfehlern, mit Galgenhumor und mit herrlich alltäglichen Belangen. Menschen wie du und ich.

Insgesamt haben wir hier drei wirklich erstklassige Horror-Leckerbissen, die es wirklich in sich haben, wo die Fetzen fliegen und bei denen sich empfindliche Mägen auch mal um sich selbst drehen könnten. Jedenfalls wird bei einer Kurzgeschichte von Sönke Hansen eines niemals passieren. Man wird sich auf gar keinen Fall langweilen.

Fazit:
Eine Kurzgeschichte von Sönke Hansen zu lesen, ist wie eine Folge seiner Lieblingsserie zu schauen. Man freut sich den ganzen Tag darauf und es ist viel zu schnell wieder zu Ende.
Sönke Hansen beherrscht das ABC der Horrorliteratur – Action, Blut und Chaos.
In diesem Sinne: Yeah! Kaufen, Telefon und Schelle aus, abtauchen!

Details zum Buch:
Dateigröße: 219 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: ca. 45 Seiten
Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
Verlag: Amrûn Verlag Jürgen Eglseer; Auflage: 1 (17. Juli 2013)
Preis: EUR 1,99

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Samstag, 6. Juli 2013

Schänderblut - Wrath James White

Schänderblut

Ich bedanke mich herzlich bei FESTA für das Rezensionsexemplar.
Joseph Miles, kurz Joe genannt, hat ein Problem. Allerdings geht es hier nicht um banale Dinge wie Mietschulden oder Liebeskummer. Joe ist ein Menschenfresser. Um es genauer zu erklären: Joe liebt es nicht nur, Menschenfleisch zu verzehren, es ist seine absolute sexuelle Erfüllung. In seiner Kindheit von einem kannibalistischen Sadisten gefoltert und missbraucht, sieht er sich nun selbst mit diesem mörderischen Verlangen konfrontiert, das von Tag zu Tag stärker und unkontrollierbarer wird. Einzig seine Theorie, unter einem möglicherweise heilbaren Virus zu leiden, der von seinem Peiniger auf ihn übertragen wurde, bewahrt ihm einen kleinen Rest Menschlichkeit. Wird der Tod von “Patient Null” ihn heilen? Joe macht sich auf den Weg, um es herauszufinden.

Ohne Zweifel hält die Inhaltsangabe des Romans “Schänderblut” von Wrath James White, was sie verspricht.
Wir betreten hier eine erbarmungslose Welt aus Blut, Fleisch, Schmerz und Sex. Der Klappentext dieses Buches lügt nicht und sollte vorab alle Leser mit empfindlichen Mägen und noch empfindlicheren Moralvorstellungen aussortieren. Allen, die es trotzdem wagen, sei an dieser Stelle gesagt “Heult nicht rum! Ihr wurdet gewarnt.”
Nun wird wahrscheinlich jeder, der schon Kannibalen-Stories gelesen hat denken: Ach, das kennen wir doch schon zur Genüge – nichts Neues. An dieser Stelle möchte ich diesen Gedanken direkt abwürgen, denn das stimmt so nicht.
 
Der Autor beschreibt nicht nur sehr detailliert die brutalen Szenen, es reiht sich nicht ein Splatter-Event an das Nächste und es wird nicht einfach nur sinnlos ein Mensch nach dem anderen gefressen. Hier ist sehr viel mehr geschehen. White schlüpft für den Leser in die Haut von Joe und liefert uns eine erstklassige Serienkiller-Psyche direkt aus der ersten Reihe – sozusagen ein Logenplatz. Ich will nicht behaupten, dass ich Joe mochte oder dass ich mein Okay für seine Taten geben würde. Aber eines tat ich gewiss: Ich brachte so etwas wie Verständnis für ihn auf und wünschte mir, dass diese ganze schreckliche Sache irgendwie gut für ihn ausgehen würde. White versteht es ausgezeichnet, Joes Beweggründe und innere Kämpfe in Szene zu setzen. Schritt für Schritt gleitet dieser immer tiefer in den Abgrund einer Obsession, die er im Grunde verabscheut. Es bildet sich ein starker Kontrast zwischen den Momenten sexueller und gleichzeitig kannibalistischer Raserei und den Momenten des Bedauerns und der Seelenpein, die sich in Joes Inneren die Klinke in die Hand geben.
 
Kann man mit einem triebgesteuerten Menschenfresser Mitleid haben? Ich glaube, das kommt auf die darstellerischen Möglichkeiten an. White hat diese in vollem Maße genutzt und ermöglicht somit die Beantwortung der zuvor gestellten Frage mit “ja”.
Nun haben wir also insgesamt eine Menge Gemetzel, reichlich Sex und eine nahezu brillante Charakterzeichnung. Trotzdem hat mir eine Kleinigkeit gefehlt. Ich kann nicht einmal sagen, was es genau war. Ich würde es gerne auf den eher nüchternen, emotionslosen Schreibstil schieben oder auf die Tatsache, dass immer wieder erwähnt wird, dass Joe exakt wie Superman aussieht, was ich irgendwie unfreiwillig komisch fand. Vielleicht geht dieses gewisse Etwas, das mir fehlte durch die Übersetzung verloren. Jedenfalls kann ich nicht wirklich konkretisieren, was mir gefehlt hat. Trotzdem habe ich das Buch in nur zwei nächtlichen Sitzungen verschlungen und werde ganz sicher weitere Romane von Wrath James White lesen wollen. Trotz des mir immer noch mysteriös erscheinenden Mankos war “Schänderblut” dennoch ein absoluter Pageturner.
 
Dieser Roman gehört zu der Sorte Bücher, die man erst einmal sacken lassen muss, bevor man dazu eine Meinung wiedergeben kann.
Eines glaube ich jedoch inzwischen sicher zu wissen. Bei “Der Teratologe” war es nicht White, der die Feder schwang. Sein Schreibstil ist mit dem von Edward Lee nicht vergleichbar. “Schänderblut” liest sich komplett anders.

Fazit:
Mit “Schänderblut” gelingt es Wrath James White die Leser auf die Seite des Bösen zu ziehen. Sympathie und Mitleid für ein Monster? Alles ist möglich. Versucht es selbst, wenn Ihr Euch traut.


Details zum Buch:
Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Festa Verlag; Auflage: 1. (25. Juni 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 386552219X
ISBN-13: 978-3865522191
Originaltitel: Succulent Prey
Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 2,4 cm
Preis: Eur 13,95 für das Taschenbuch und EUR 4,99 für das eBook

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Donnerstag, 4. Juli 2013

Das letzte Sandkorn - Bernhard Giersche


Heute bedanke ich mich ausnahmsweise NICHT für ein Rezensionsexemplar, denn dieses Buch habe ich mir selbst geleistet. Und weil sich hierfür die Arbeit lohnt, möchte ich es unbedingt besprechen.
Was wäre, wenn Gott jedem einzelnen Menschen auf der Welt ein und das selbe Ultimatum stellen würde?
>> Du hast zehn Tage Zeit, die Welt zu retten, bevor ich sie zertrete mit allem Gewürm darauf. Zehn Tage und Nächte gebe ich Dir, Dir alleine, um die Welt zu retten. Nutze sie oder vergehe zusammen mit allen anderen Deiner Art.<<
Jeder einzelne Mensch auf Erden erhält diese Botschaft und der Untergang nimmt seinen Lauf.
Nahezu die gesamt Menschheit handelt so, wie Gott es sich fast gedacht hatte. Nur ein paar Wenige sehen die Sache anders.

Nachdem ich schon ein begeisterter Fan der Armageddon-Reihe von D.J. Franzen bin, kam ich nicht umhin, dem Begedia Verlag einen weiteren Besuch abzustatten, um zu prüfen, welche Werke sich dort außerdem anbieten. So dauerte es auch nicht lange und “Das letzte Sandkorn” von Bernhard Giersche landete auf meiner privaten Wunschliste und nur wenig später dann auch in meinem Briefkasten.
Auf 296 Seiten begleitet der faszinierte Leser Adam, Fred, Brigitta und Tomate auf ihrem Weg in den Untergang.

Ich liebe die Art und Weise, wie Bernhard Giersche seine Charaktere geschaffen hat.
Adam, der Versicherungsfachmann, dessen Sichtweise der Leser aus der Ich-Perspektive erleben darf, ist sozusagen der Held dieser Geschichte. Er ist nicht besonders “hart” und eigentlich ein ganz normaler Kerl mit einer herrlich lockeren “Ruhrpottschnauze”. Im Laufe der Geschehnisse wächst er jedoch über sich hinaus und hat recht schnell einen festen Platz im Herzen der Leser.
Fred ist mehr oder weniger ein entlaufener Irrer mit einer unschönen Vorgeschichte. Eigentlich kein Mensch, den man auf Anhieb sympathisch finden würde und trotzdem jemand, der erst durch die Geschehnisse zu dem wird, was er wirklich ist, nämlich ein Pfundskerl.
Brigitta, die Frau mit Handicap, deren Auftauchen in der Geschichte für eine wichtige Wandlung sorgt – eine wundervolle Frau.
Nicht zu vergessen der religiös komplett fehlgeleitete Laurenz Beck, ehemaliger Bankdirektor, der von der Rettung der Welt eine komplett andere Auffassung hat als der Rest der Überlebenden.
Natürlich möchte nun jeder wissen, wer zum Geier eigentlich Tomate ist.
Nur so viel: Tomate ist Liebe. Tomate ist der Schlüssel zur Selbstlosigkeit. Tomate ist Hoffnung.

Abgesehen von diesen hammergeil gestalteten Personen, deren Sichtweisen jeweils einen eigenen, sehr gelungenen Schreibstil haben, gibt es so viele Dinge in diesem Roman, die mich begeistert haben, dass eine einzige Buchbesprechung dafür kaum ausreicht.
So bemerkte ich zum Beispiel einige Aspekte, die deutliche Kritik an Religionen aller Arten und der Gesellschaft mit all ihren Hierarchien ausdrückten. Das Thema “Töten im Namen des Herrn” steht hierbei an vorderster Stelle. Obwohl die mitunter lockere und umgangssprachliche Schreibweise einen großen Unterhaltungswert erzeugt, entgeht dem aufmerksamen Leser kaum die Ernsthaftigkeit, die mahnend im Hintergrund steht.

Die Story deckt eigentlich alle möglichen Facetten der Unterhaltung ab. Es gibt reichlich Action, einige Gewaltszenen, Liebe, Spannung und schließlich noch eine bemerkenswerte Dosis Tiefgang und Rührung. Gegen Ende hat es mir buchstäblich die Tränen in die Augen getrieben. Ich bin weiß Gott keine Heulsuse, aber Bernhard Giersche hat mich zum weinen gebracht. Ich weiß noch nicht, ob ich das gut finden soll.
Fakt ist, dass ich eigentlich nur kurz “reinlesen” wollte, weil ich noch haufenweise andere Bücher zu lesen habe. Daraus wurde nichts. Ich habe alle anderen Bücher an die Seite geschoben und dieses Buch regelrecht gefressen.

Wie diese Geschichte endet? Nun, sie endet für jeden von uns anders. Deswegen sollte man sich die Mühe machen und diesen wundervollen Roman lesen. Sollte es jemals eine Fortsetzung dazu geben, bin ich wahrscheinlich die Erste, die ihn bestellen wird. Ich bin gerade ziemlich bedrückt, weil ich noch nicht loslassen kann. Der Roman ist zuende gelesen und in meinem Hirn arbeitet es noch immer.

Fazit:
“Das letzte Sandkorn” von Bernhard Giersche ist ein Pageturner wie er im Buche steht. Wer auf schnörkellose Action steht, die trotzdem genug Tiefgang für den nachdenklichen, gefühlsbetonten Leser bereit hält, kommt an diesem Buch eigentlich nicht vorbei. Von mir gibt es daher eine Leseempfehlung mit Sternchen.

Details zum Buch:
Broschiert: 296 Seiten (die Seitenangabe bei Amazon ist nicht korrekt)
Verlag: Begedia (14. Juni 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3943795527
ISBN-13: 978-3943795523
Preis: EUR 13,95 für das Taschenbuch und EUR 7,95 für das eBook

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Dienstag, 2. Juli 2013

Der Narr - Stefan Papp


Herzlichen Dank an den LUZIFER Verlag für das Rezensionsexemplar.
Sam, ein Student in Dauerfeierlaune, der durchaus den einen oder anderen Kater inklusive Erinnerungslücken gewöhnt ist, erwacht eines Morgens mit einem blutigen Shirt.
Anscheinend ist auf dem Mittelalter-Spektakel, dem er beiwohnte, noch viel mehr geschehen als er ursprünglich beabsichtigte. Schnell wird ihm klar, dass das Blut auf seiner Kleidung nicht von ihm stammt. Und als er auch noch von der Ermordung der Tochter eines stinkreichen Industriellen hört, fängt der Spaß erst richtig an. Nun gilt es, herauszufinden, ob und warum er mit dem Mord etwas zu tun hat. Dafür interessieren sich auch der Wiener Chefinspektor Remmel, ein Auftragskiller und andere unangenehme Zeitgenossen, mit denen man eigentlich nichts zu tun haben möchte. Sam beginnt, die vergangenen Stunden zu rekonstruieren und trifft dabei auf allerhand merkwürdige Gestalten.

“Der Narr” von Stefan Papp ist ein Roman, um den ich schon etwas länger herum schleiche. Die Leseprobe hatte mich, ehrlich gesagt, nicht vom Hocker gerissen, weil ich mich gleich zu Anfang durch den Wiener Dialekt arbeiten musste. Außerdem bin ich grundsätzlich kein Krimi-Fan.
Trotzdem übte dieses Buch einen gewissen Reiz auf mich aus, was sicher auch zum Teil der sehr gelungenen Coverarbeit von Timo Kümmel zuzuschreiben ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Buch zog dann schließlich doch bei mir ein und ich sollte es nicht bereuen.
Zunächst einmal hat Stefan Papp ein ausgesprochen gutes Händchen für die Zeichnung seiner Charaktere. Angefangen bei Sam, den absoluten Obernerd, über Hexen, Magier und gefährliche Killer bis hin zu diesem herrlich schrulligen Inspektor Remmel, der als altmodisches Unikum diesem Roman das gewisse Extra verleiht.
Stefan Papp besitzt einen angenehm humorigen und ironischen Unterton, der dieser Lektüre, ohne sie albern wirken zu lassen, mit einer angemessenen Portion Sympathie versorgt.
So werden gewisse Klischees immer wieder nebenher durch den Kakao gezogen und alles, worüber es sich zu schmunzeln lohnt, bekommt gezielt sein Fett weg. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass der hier angewandte Humor tiefschwarz ist. Genau mein Ding. Ich hatte viele Schmunzler während der gesamten Lektüre.
Die Zitate zu den Kapiteln haben mir übrigens sehr gut gefallen. Da ist für jeden etwas dabei. Sehr cool!
Insgesamt handelt es sich bei “Der Narr” um einen Krimi mit reichlich mystischen, wenn nicht sogar esoterischen Einflüssen. Das Tarot ( s. die Karte des Narren auf dem Cover ) spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Diese Elemente sind sowohl auf informative als auch auf interessante Weise in die Handlung mit eingebunden.
Tatsächlich war dieser Roman ein echter Glücksgriff. Ob es nun um Spannung, Action, Humor oder reine Unterhaltung geht – ich wurde in jeder Hinsicht sehr gut bedient und bereue nicht eine Leseminute mit dieser Lektüre.

Fazit:
“Der Narr” von Stefan Papp ist ein etwas anderer Krimi, der auch Leuten wie mir Spaß macht, die eigentlich keine Krimis mögen. Wer mal etwas Anderes möchte und auf erstklassige Unterhaltung mit intelligentem Plot steht, muss hier unbedingt zugreifen. Gerne gebe ich hier eine Kaufempfehlung.

Details zum Buch:
Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Luzifer; Auflage: 1 (2. November 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3943408094
ISBN-13: 978-3943408096
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