Dienstag, 29. Oktober 2013

Opferzeit - Paul Cleave

Opferzeit von Paul Cleave
Klappentext:  
Einer der perfidesten Serienkiller aller Zeiten kehrt zurück: Joe is back! Die Einwohner der Neuseelandmetropole Christchurch sind aufgebracht. Ein Jahr nach der brutalen Mordserie, die ihre Stadt erschütterte, beginnt der Prozess um den berüchtigten Schlächter von Christchurch. Doch Joe, der scheinbar grenzenlos naive Serienmörder, beteuert nach wie vor seine Unschuld. Unterdessen zieht sich die psychopathische Melissa X einen neuen Killer heran, um Joe, mit dem sie einst eine unheilige Liaison einging, zu töten. Christchurch droht eine Apokalypse des Todes ...  

„Joe is back“ und ich schreie mit vor Aufregung geröteten Wangen: „ENDLICH!“  
Fast sechs Jahre musste ich warten, um zu erfahren, wie es nach „Der siebte Tod“ mit Joe weitergeht und nun durfte ich diese geniale Fortsetzung endlich genießen.

 Wir treffen auf alte Bekannte, wie z.B. Melissa und auf einige andere Romanfiguren, die Paul Cleave sich für seine Leser ausgedacht hatte. In erster Linie treffen wir aber auf Joe selbst. Und das geschieht mit der Wucht eines Sturzes aus schwindelerregender Höhe.

Etwa ein Jahr nachdem Joe versuchte, sich das Hirn aus dem Schädel zu blasen, dürfen wir ihn wieder begleiten. Unser fragwürdiger Held hat nichts von seiner Faszination eingebüßt. Der sowohl abgrundtief böse als auch sympathische Killer gibt auch dieses Mal wieder alles, um seinen Fans zu zeigen, wer der coolste Mörder der Welt ist. Sorry, Dexter, aber da kannst du leider nicht mithalten.  

Auf gewohnt intelligente Weise führt er jeden an der Nase herum, versprüht seinen morbiden Charme und bringt den Leser dazu, ihm alles zu verzeihen. Verschiedene Sichtweisen bringen Schwung in die Handlung, sorgen für ordentlich Spannung und eine Menge Lesespaß. Die Blickwinkel ändern sich zum Ende hin immer schneller und die Kapitel werden kürzer. Das sorgt für ein rasantes Spannungsempfinden, das bis zum Schluss gehalten werden kann.  

Auch der Ekelfaktor kommt dieses Mal wieder nicht zu kurz. Wir erinnern uns nur kurz an die Zange in „Der siebte Tod“. Wer dort schon mächtig Spaß hatte, wird auch hier auf seine Kosten kommen, so viel ist sicher.  
Dementsprechend kommt natürlich auch der pechschwarze Humor wieder zum Zuge. Das macht diesen Thriller im Grunde auch so besonders, denn hier kann man die Spannung mit einem Grinsen erleben und das ist eher ein seltenes Vergnügen.  

Das Finale – nein, ich verrate lieber nichts. Nur so viel: Es ist eines Joe würdig und das Warten hat sich gelohnt. Es rockt. Punkt.  

Fazit:  
Opferzeit“ ist die absolut geniale Fortsetzung zu „Der siebte Tod“, die ihrem Vorgänger in nichts nachsteht. Ich würde sogar sagen, dieser zweite Teil toppt den ersten noch um Längen, so dass ich bereit bin, Paul Cleave die lange Wartezeit zu verzeihen. Genial, bösartig, intelligent – Das ist Joe, wie wir ihn lieben.

Der Verhörspezialist - Dieter Bindig

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Klappentext:
 Ihm macht so schnell keiner etwas vor: Dieter Bindig ist Kriminalhauptkommissar und seit über dreißig Jahren Verbrechern auf der Spur. Seine Aufgabe ist es, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Denn Dieter Bindig ist ausgebildeter Vernehmungsspezialist und erkennt, ob jemand die Wahrheit sagt oder wichtige Informationen verschweigt. In diesem Buch berichtet er von seinen spannendsten Fällen – von dreisten Tätern, vermeintlich verängstigten Opfern und davon, dass häufig nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Eine Anleitung vom Profi in Sachen Menschenkenntnis und ein spannender Einblick in die Verhörstrategien der Polizei.  

Meine Leidenschaft für den „etwas anderen Horror“ und für wahre Kriminalfälle führte mich dieses Mal zu diesem hochinteressanten Taschenbuch von Knaur.  
Dieter Bindig gewährt den Lesern ausführliche Einblicke in die Polizeiarbeit. Dabei beginnt er mit dem Anfang seiner Karriere und lässt auch erste, peinliche Fehler in seiner Laufbahn nicht aus. Gerade diese Fehler waren es, die ihn lehrten, sich in Sachen Menschenkenntnis weiterzubilden und zu versuchen, in Gesichtern und Gestiken der Verdächtigen zu lesen.  

Im Laufe seiner Weiterbildung eignete er sich fundierte Kenntnisse an, die, im Zusammenspiel mit seinen Erfahrungen, den „Verhörspezialisten“ aus ihm machten. Dieter Bindig plaudert aus dem Nähkästchen und bietet uns als Leser und Zivilisten eine Menge interner Informationen. Für uns interessant – für den möglichen Kriminellen evtl. eine Anleitung zum erfolgreichen Lügen? Diese These lasse ich mal so im Raum stehen. Jedenfalls weiß ich jetzt, wie ich mich auf keinen Fall verhalten dürfte, wenn ich etwas zu verbergen hätte.  

Nichtsdestotrotz hat mir dieser Ausflug in die Welt der Ermittler ausnehmend gut gefallen. Der Autor lockert seine Ausführungen mit einigen Anglizismen (Cops) und einer angemessenen Portion Humor auf, so dass sich die Lektüre sowohl informativ, als auch unterhaltsam präsentiert. Der direkte Bezug zum Leser, die persönliche Ansprache, schafft eine gewisse Vertraulichkeit, die wahrscheinlich jenen gefallen, die sich gerne in die Lektüre mit einbeziehen lassen.

  Insgesamt befreit sich dieses Buch mit diesen geschickten Auflockerungen vom „Prädikat langweilig“, das vielen Sachbüchern oft anhaftet. Bei mir hat es jedenfalls funktioniert. Ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen und kann es guten Gewissens an Gleichgesinnte weiterempfehlen.  

Fazit:  
Wer auf unterhaltsam erzähltes Insider-Wissen steht und gerne hinter die Kulissen blickt, hat mit „Der Verhörspezialist“ von Dieter Bindig eine gute Wahl getroffen. Sympathisch, informativ und gehaltvoll – so mag ich Sachbücher
.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Zwielicht Classic I

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Die von Michael Schmidt herausgegebenen Anthologien aus der Reihe „Zwielicht“ erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die bisher von mir gelesenen Geschichten haben sich immer als gute Wahl herausgestellt. Deswegen war es mir ein besonderes Vergnügen, „Zwielicht Classic I“ zu lesen.  

Torsten Scheib – Besessen: Der Erzähler dieser Geschichte hat eine vermeintlich besessene Schwester, die von den Eltern ans Bett gebunden wurde. Der örtliche Pfarrer besteht darauf, die Besessene zu töten. Ihr Bruder sieht das jedoch ganz anders und muss schließlich erkennen, dass manche Dinge oft nicht so sind, wie es zuerst den Anschein hat.  

Malte S. Sembten - Blind Date: Wie wäre es, wenn man in der fernen Zukunft Samen von möglichen Vätern auf Bestellung in jeden beliebigen Uterus pflanzen könnte. Sie möchten Nachwuchs von Jack The Ripper höchstpersönlich? Kein Problem. Man muss ihn nur noch verführen, um an das kostbare Gut zu gelangen.  

Christian Weis - Der erste Tag der Ewigkeit: Ein Privatdetektiv erhält von seinem Kunden den Auftrag, dessen Ehefrau während ihres Urlaubs zu beschatten. Die Reise führt die Frau an den Ort, an dem einst ihr damaliger Partner tödlich verunglückte. Von einem Routine-Auftrag ist diese Angelegenheit weit entfernt.  

Tobias Bachmann - Die fehlende Stunde: In dieser Geschichte dreht sich alles um die Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Schein, als ein Mann sich mit Hilfe einer Droge das Jahr 2004 vorgaukeln lässt. Die Grenzen sind nicht mehr zu erkennen und vielleicht will das auch niemand mehr.  

Andreas Schumacher - Der neue Nachbar: Frauen zurück an den Herd? Nein! In dieser Geschichte, die in der Zukunft spielt, schwingen die Männer den Kochlöffel, während die Frauen sich anderen Dingen widmen. Und der Begriff „Diät“ bekommt eine völlig neue Bedeutung.  

Andreas Gruber - Tor nach Cloon: Acht Schätze vom Chinamann. Wer liebt dieses Gericht nicht? Nun ja, ich mag es nun vielleicht nicht mehr ganz so gerne wie zuvor.  

Christian Endres - Kein Abschied hält ewig: Hier wurde die Geschichte des Zauberers von Oz zu Ende gesponnen. Dorothy is back und sie hat einen Wunsch. Warum also nicht einfach einen Magier erpressen, um ihn sich zu erfüllen?  

Nina Horvath - Hell dunkel, dunkel hell: Eine Raumstation, ein schrecklicher Unfall und eine Heldin mit Depressionen und anderen Problemen. Gut, dass man sich schnell besser fühlt, wenn man in einer Notsituation als helfender Engel agieren kann.  

Auch dieses Mal wurde ich von der Auswahl der Geschichten nicht enttäuscht. Michael Schmidt hat wieder ein geschicktes Händchen bewiesen, indem er sich aus der Masse existierender Shortstories diejenigen ausgesucht hat, die miteinander harmonieren und im Leser ein stimmiges Bild erzeugen.  

Gerne wird man mal gefragt, welche Geschichten einem denn am besten gefallen haben. Bei dieser gelungenen Zusammenstellung fällt mir die Auswahl tatsächlich schwer, weil die Bandbreite ausgewogen ist und jede Geschichte meinen Geschmack absolut getroffen hat.  

Als Fan von teuflischer Besessenheit und den Stories von Torsten Scheib hat mit „Besessen“ ausnehmend gut gefallen. Wie bei allen guten Geschichten gibt es lediglich den Kritikpunkt, dass diese Story gerne etwas länger hätte sein dürfen.  

Weiterhin fand ich die Geschichten von Nina Horvath und Malte S. Sembten richtig klasse. Diese aber speziell als beste Geschichten herauszuheben, wäre wirklich unfair den anderen Autoren gegenüber, die allesamt tolle Ideen abgeliefert haben. 

Jeden Einzelnen lobend zu erwähnen, würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen.  

Die Anthologie wird zum Schluss noch durch verschiedene Artikel und ein Interview mit Nina Horvat abgerundet. Wer sich für zusätzliche Inhalte interessiert, hat somit die Gelegenheit, sich am Ende des Werkes zu informieren.  

Enthalten sind:  
Michael Schmidt - Die phantastischen Ermittler der Heftromanszene, für Fans von John Sinclair, Reverend Pain und Co.  
Martin Strasser - Mr. Psycho mit Herz: Robert Bloch, was man schon immer über Robert Bloch wissen wollte. Vorsicht, dieser Artikel erhöht den SuB!  
Elmar Huber - Interview mit Nina Horvath, eine äußerst sympathische Nerdin
Michael Schmidt - Zwielicht: das deutsche Horrormagazin - Was ist Zwielicht und wer steckt dahinter? Vincent Preis - Die bisherigen Preisträger – Unbedingt anschauen!  

Fazit:  
„Zwielicht Classic I“ überzeugt durch die gelungene, professionelle Zusammenstellung der einzelnen Geschichten und bietet neben dem altgewohnten Horror auch etwas Dark Fantasy und ein bisschen Science Fiction. Das Titelbild von Lothar Bauer finde ich übrigens auch sehr gelungen.
 

Samstag, 19. Oktober 2013

Böse Brut - Dee Hunter

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 Mit „Böse Brut“ präsentiert sich mir Dee Hunters kleine, aber fiese Kurzgeschichtensammlung als erstes Werk, das ich von dieser Autorin gelesen habe.  

In der Regel gehe ich nicht auf die Covergestaltung ein, weil ich denke, dass wir alle Augen im Kopf haben. Ich empfinde persönlich die Beschreibung des Covers in Rezensionen als völlig überflüssige Platzfüller. Trotzdem kann ich in diesem Fall nicht anders, als zu sagen: WOW! Was für ein Cover! Dieses Bild gehört zu denen, die mich ein Buch zur Kasse tragen lassen, bevor ich überhaupt weiß, was im Klappentext steht.  

„Böse Brut“ enthält drei Kurzgeschichten. Böse, gemein und eindringlich.

 Ins Dunkle:  
Jack besucht zusammen mit seiner kleinen Tochter Sophie eine alte Freundin, die ziemlich abgeschieden in einem recht unheimlichen Wald lebt. Zusammen mit einigen Studienfreunden möchte Jack eine gute Zeit haben. Plötzlich verschwindet Sophie und das Unheil nimmt seinen Lauf. Was für eine geile Story! Hier geht es nicht nur um das Unheimliche, das im Wald lauert, sondern um innere Monster, mit denen Jack zu kämpfen hat. Vergangene Probleme, Schuld und das ewig gegenwärtige Gewissen vereinen sich mit unaussprechlichen Schrecken, die Jack im Wald zu bekämpfen hat. Diese Geschichte hatte mich so richtig an den Haaren. Es war düster, gruselig und nur ein winziges bisschen blutig. Trotzdem enthielt diese Story alles, was eine gute Horrorgeschichte braucht. Diese Story, in Kombination mit dem sehr geilen Cover ist ganz klar mein Favorit dieser kleinen Sammlung. Als Roman hätte ich diese Story in einer Nacht verschlungen.  

Kreaturen:  
Der alte Ed führt eine Bar und wird dabei von seiner Tochter Linda unterstützt. Die Bar ist aber nicht alles, womit Ed sein Geld verdient. Im Hinterzimmer handelt er mit außergewöhnlichen Wesen, die mitunter ziemlich gefährlich sind. Obwohl Linda komplett dagegen ist, will er sich diese lukrative Geldquelle nicht entgehen lassen – mit verheerenden Folgen. Die Idee hinter dieser Geschichte ist sehr cool und vor allen Dingen ansprechend umgesetzt. Leider endet die Story aber da, wo sie für mich erst richtig losging. Ich blätterte vor, blätterte zurück und musste dann schließlich einsehen, dass es ist, wie es ist. Die Story war zu Ende – mitten im Nichts. Deswegen ist diese Geschichte dann leider auch diejenige, die von mir die wenigsten Punkte bekommt. Das ist äußerst schade, denn die Idee selbst hätte Material für einen 400 Seiten dicken Wälzer gehabt. So hat das Ding insgesamt nicht richtig funktioniert und lässt mich als Leser angefixt und unbefriedigt zurück.  

Blutschock:  
Lynn ist Geschäftsfrau und hat einen Termin in einer Schlachterei namens Red Meat. Wie es der Zufall will, ist es spät am Abend, der Schlachthof liegt ziemlich abgelegen und der Taxifahrer warnt sie eindringlich vor dieser Gegend. Lynn lässt sich aber nicht abschrecken und nimmt ihren Termin wahr. Vielleicht hätte sie lieber daheim bleiben sollen. Und wir wissen ja alle, dass Taxifahrer meistens recht haben. Diese Story macht den etwas unvollständigen Mittelteil der Sammlung wieder wett. Hier bekommt der geneigte Leser alles, was er möchte. Grauen, Spannung, Bosheit und Blut. Von letzterem gibt es sogar reichlich. Die Geschichte hat ein ansprechendes Ende und macht den Leser so richtig satt. Für mich ist „Blutschock“ die zweitbeste Geschichte in der Sammlung.  

Fazit:  
„Böse Brut“ von Dee Hunter ist eine wirklich gut geschriebene Story-Collection, die absolut Lust auf mehr von dieser Autorin macht. Hier wurden gute Ideen mit Verstand und Professionalität umgesetzt, so dass man mit einem Kauf absolut richtig liegt, wenn man auf gut geschriebenen Horror steht. Außerdem wurde das Werk ausgezeichnet korrigiert/lektoriert. Der Inhalt hält, was das bitterböse Cover verspricht. Gerne gelesen!
 

Samstag, 12. Oktober 2013

Die Schattenkrieger - Andreas Zwengel

Klappentext:  
Ein unheimliches Wesen überfällt seit Generationen unschuldige Menschen, um in deren körperlichen Hülle zu leben. Im Jahr 1903 geht in Berlin bei der Übernahme eines neuen Körpers etwas schief, und das ermöglicht die Geburt eines Schattenkriegers. Dieser und seine Nachfolger machen Jagd auf den Dämonen, der jedoch immer wieder entkommt. Als im einundzwanzigsten Jahrhundert Rachel und ihre Freunde den Kampf aufnehmen, hat das Wesen bereits eine lange, blutige Spur hinterlassen. Kann die Aufgabe der Schattenkrieger jetzt endlich erfüllt und der Dämon vernichten werden?  

"Die Schattenkrieger" von Andreas Zwengel ist der sechste Band aus der Reihe Teezeitgeschichten. Bisher habe ich von diesem Autor noch nichts gelesen, aber das wird sich wahrscheinlich bald ändern, denn ich mag seinen Schreibstil. Wie auch der kürzlich von mir besprochene Teil "Spuk auf der Baustelle" handelt es sich hier wieder um ein sehr dünnes Taschenbuch mit nur 60 Seiten. Die Handlung beginnt 1903 und endet 2013 und obwohl ich nicht so auf Zeitsprünge und Kommissare stehe (Ja, wir haben hier tatsächlich einen Ermittler. Und hätte das im Klappentext gestanden, wäre dieses Rezensionsexemplar für mich nicht in Frage gekommen), hat mir diese kleine Geschichte ziemlich viel Spaß gemacht.  

Ich gehe davon aus, dass Herr Zwengel einige Mühe hatte, dem Konzept der Teezeitgeschichten gerecht zu werden. Bei einer Vorgabe von maximal 60 Seiten (nur meine Vermutung), musste der Autor eine unterhaltsame und auch recht komplexe Geschichte auf ein Mindestmaß reduzieren. Mir kam es ein wenig so vor, als wäre die Geschichte insgesamt sehr viel fülliger und musste nun extrem komprimiert werden. So blieben letztlich noch einige Fragen offen und der Leser bleibt mit dem Gefühl zurück, nur einen Ausschnitt aus einem wesentlich größeren Werk gelesen zu haben. Nichtsdestotrotz mochte ich die Schreibe und war im Handumdrehen in der Story gefangen und genauso schnell wieder aus ihr entlassen worden. Hier war dann auch die Einordnung in die Fantastik absolut gerechtfertigt.  

Fazit:  
"Die Schattenkrieger" von Andreas Zwengel erschien mir im Nachhinein fast etwas zu schade für die Reihe der Teezeitgeschichten. Diese Geschichte hätte prima als richtig dicker Wälzer funktioniert. Deswegen gebe ich hier gerne eine Leseempfehlung und halte mal nach weiteren Werken des Autors Ausschau.

Spuk auf der Baustelle - Ben B. Black

Klappentext:  
Die Architektin Anette Lorching bekommt den ersten bedeutenden Auftrag ihrer Karriere: die Leitung für den Bau des neuen Einkaufszentrums am Rande einer verschlafenen Kleinstadt. Schon bald passieren auf ihrer Baustelle merkwürdige Dinge und die Arbeiter munkeln von Hexerei. Aber sind hier wirklich übernatürliche Kräfte im Spiel? Anette glaubt nicht daran, doch dann macht sie eine überraschende Entdeckung.  

Diese kleine aber feine Geschichte von Ben B. Black aus der Reihe Teezeitgeschichten vom TextLustVerlag kommt als kleines, dünnes Taschenbuch mit gerade einmal 60 Seiten daher. Der Name Ben B. Black dürfte einigen Lesern evtl. als mitwirkender Autor der beliebten Zombie-Reihe "Armageddon - Die Suche nach Eden" von D.J. Franzen ein Begriff sein. Leider bin ich dort noch nicht über Band zwei hinausgekommen, so dass "Spuk auf der Baustelle" meine erste Begegnung mit diesem Autor war.  

Technisch gesehen gibt es diesem Büchlein überhaupt nichts auszusetzen. Die Geschichte ist prima lektoriert und korrigiert, das Cover ist hübsch anzusehen und auch sonst war alles in bester Ordnung. Trotzdem konnte die Geschichte mich leider nicht vom Hocker reißen. Laut Klappentext hatte ich zwar keinen besonders tiefgründigen Gruselschmöker erwartet, war dann aber trotzdem aufgrund der mehr als seichten Story enttäuscht. Und da wären wir auch schon wieder beim Cover. Weiter oben erwähnte ich die Begriffe "hübsch anzusehen". So in etwa kann man sich dann auch die Geschichte vorstellen. Diese Art von Story erwarte ich als Romanbeilage in einer Frauenzeitschrift. Deswegen ist sie auch keineswegs im Horror-Genre anzusiedeln. Die obligatorische Liebesgeschichte wurde natürlich gleich mit eingebaut. Von daher ordne ich den angepeilten Leserkreis irgendwo zwischen Hausfrau beim Friseur und Rentnerin auf der Parkbank ein. Nur, weil hier mein Geschmack nicht getroffen wurde, darf man aber nicht außer Acht lassen, dass diese Reihe äußerst professionell und hochwertig umgesetzt wurde. Nur die Kategorie Fantastik empfinde ich hier als leicht übertrieben, lockt sie doch mit Sicherheit den falschen Leserkreis an.  

Fazit:
"Spuk auf der Baustelle" von Ben B. Black aus der Reihe Teezeitgeschichten ist - in der passenden Rubrik angeboten - eine nette Unterhaltung für die Pause, den Friseurbesuch oder zur Überbrückung der Wartezeit beim Arzt. Der Verlag möge mir verzeihen, aber wenn der Begriff Fantastik fällt, erwarte ich ganz anderen Stoff.
 

Donnerstag, 3. Oktober 2013

CROMM - Das Dorf findet dich - Isabell Schmitt-Egner u. Christian Sidjani

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Wie wir alle wissen, wird es niemals ein Kindergeburtstag, wenn sich eine Gruppe junger Leute auf den Weg macht, um gemeinsam ein cooles Wochenende zu verbringen – und schon gar nicht zu Halloween. Nachdem Jakob den Flyer des „Horror-House“ findet, steht die Entscheidung. Zusammen mit seinen Freunden macht er sich auf den Weg, um diese vielversprechende Show zu sehen. Auf der Suche danach, landet die Gruppe durch eine ungewollte Umleitung in einem bäuerlichen Dorf. Dieses scheint mehr oder weniger verlassen zu sein. Gleichzeitig machen sich auch Franka und Remo auf den Weg, um bei Remos Mutter das jährliche Halloween-Kürbis-Essen zu zelebrieren. Auch diese beiden landen ungewollt in dem Dorf. Und dann beginnt für alle das wahre Halloween.

  Isabell Schmitt-Egner und Christian Sidjani zählen schon seit einiger Zeit zu meinen Lieblingsautoren. Unabhängig voneinander haben beide schon Werke veröffentlicht, die ich nahezu gefressen habe. Dass diese beiden nun ein Gemeinschaftsprojekt auf die Beine stellen wollten, versprach mir doppelten Spaß. Schon bei der Vorankündigung von „CROMM – Das Dorf findet dich“ lief mir buchstäblich der Sabber aus dem Mund und meine Erwartungen waren angesichts der mir bereits bekannten Werke entsprechend hoch.  

Die Ausführung der gemeinsamen Arbeit gestaltete sich so, dass Frau Schmitt-Egner die Parts von Franka und Remo übernahm. Christian Sidjani schrieb die Passagen von Larissa und Jakob. Wer noch nie etwas von den beiden gelesen hat und den Hinweis auf die Rollenverteilung im Klappentext nicht kennt, würde wahrscheinlich nicht bemerken, dass hier zwei Autoren gleichzeitig an der Arbeit waren. Da mir aber bereits zahlreiche Werke der beiden bekannt sind, habe ich erfreut festgestellt, dass jeder seinen eigenen, unverkennbaren Stil hat, der in „CROMM“ zum Ausdruck kommt. Die gesunde Mischung aus eleganter Zurückhaltung und etwas dreckigem Rotz verleiht dem Roman das gewisse Etwas und trifft damit absolut den Nerv, der bei mir die Leuchtreklame mit der Aufschrift „ausgezeichnete Unterhaltung“ einschaltet.  

Trotz der Tatsache, dass wir es hier mit sogenanntem Popcorn-Horror zu tun haben, kommen die Charaktere nicht zu kurz. Jeder einzelne Part hat eine Geschichte. So wachsen einem die Leute recht schnell ans Herz und alles, was ihnen im Laufe der Story geschieht, geht nicht spurlos am Leser vorüber. An keiner Stelle hatte ich das Gefühl, mit der Fülle an Protagonisten überfordert zu sein, weil für jeden ein festes Bild in meiner Vorstellung seinen Platz fand.  

Nach einer angemessenen Einleitung der gesamten Geschichte geht es schließlich auch noch recht heftig zur Sache. „CROMM“ ist Horror, keine Frage. Die beiden Autoren schonen niemanden – erst recht nicht die Leser. Wer also ein Problem mit Gewalt und Blut hat, sollte sich evtl. in der Kinderabteilung umschauen. Hier wird jedenfalls knallhart durchgezogen. Und das ist auch gut so.  

Zu meinem persönlichen Empfinden gibt es eigentlich nur noch das Folgende zu sagen: Ich wollte ganz gerne auf das Taschenbuch warten, weil ich keinen Reader besitze. Trotzdem hatte ich mir das kostenlose eBook auf meine Kindle-App gepackt und aus Neugier kurz reingeschaut. Etwa drei Stunden später hatte ich den ganzen Roman, noch am Notebook sitzend, komplett inhaliert. Es ist wie es ist, ich konnte nicht aufhören. Widerstand war zwecklos. Jetzt, einen Tag später, mit irreparablen Rückenschäden, ist dieser Roman noch immer in meinem Kopf wie ein abgefahrener Kinofilm, über den man noch lange begeistert mit seinen Freunden diskutiert. Schade, dass es nun vorbei ist. Ich tröste mich derweil mit dem Wissen, dass die Story fortgesetzt wird.  

Zum Schluss noch eine Sache: Mein Kompliment an die Autoren für das stimmige, düstere Cover. Das gefällt mir richtig gut.  

Fazit:
 „CROMM – Das Dorf findet dich“ hat alles, was der Pilot einer guten Reihe haben muss. Ich bin angefixt und mag gar nicht daran denken, wie lange ich nun auf die Fortsetzung warten muss. Ich hoffe, die Autoren sind schon bei der Arbeit. Wer guten, unterhaltsamen Horror liebt, dem empfehle ich guten Gewissens diesen Roman, der unter anderem auch wieder deutlich macht, wie verdammt gut manche Selfpublisher ihr Handwerk verstehen. Respekt und Daumen hoch! Details zum Buch:
  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 307 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 121 Seiten
  • Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00FIPSGAI
  • Preis nach der Gratis-Aktion: EUR 2,99
  • Taschenbuch in Kürze erhältlich