Montag, 5. Mai 2014

Karl - ausgeliefert, Bernhard Giersche

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Klappentext:

»Das Spiel ist zu Ende, wenn ich sage, dass es zu Ende ist!«

Die Entführung des Multimillionärs Karl Grothner soll Marius Kleinhans reich machen. Trotz aller schützenden Sicherheitssysteme gelingt ihm der große Coup, doch um welchen Preis? Hätte er sich über die Persönlichkeit seines Opfers mehr Gedanken gemacht, wäre er Einbrecher geblieben, statt zum Kidnapper zu werden. Aber zur Umkehr ist es schon lange zu spät! Eine tödliche Maschinerie aus Mord, Lügen und Intrigen gerät unaufhaltsam in Gang. Der Strudel aus Machtgier und morbider Liebe reißt alle Protagonisten mit sich.
Wer wird verlieren, wer gewinnen?
Wer ist gut und wer ist böse?

Bereits mit „Das letzte Sandkorn“ hatte der Autor Bernhard Giersche mich komplett am Wickel. Gar keine Frage, dass ich auch seinen zweiten Roman „Karl – ausgeliefert“ lesen wollte, obwohl dieses Buch nur im entferntesten Sinne etwas mit Horror zu tun hat.

Ich würde eher behaupten, es handelt sich hierbei um einen Psychothriller mit Krimi-Einschlag.

Karl ist ein Protagonist, wie ihn die Fans extremer Charaktere lieben. Er ist erfolgreich, hat haufenweise Geld und er ist ein Soziopath. Klingt interessant? Ist es auch. Und das ist noch untertrieben.

Der Kleinkriminelle Marius Kleinhans verspricht sich von Karls Entführung eine sorgenfreie Zukunft. Der Plan, den er ausarbeitet, um sich Karl Grothner zu schnappen, ist für so einen Durchschnittsdenker gar nicht so übel. Aber Karl wäre ja nicht Karl, wenn alles so liefe, wie Marius es sich erträumt hatte.
Der Millionär ist wirklich ein Psycho, wie er im Buche steht. Seltsame Eigenheiten, strenge Tagesabläufe und ein kompromissloser, gefühlskalter Umgang mit allem und jedem bestimmen sein Leben. Das alles wurde noch mit nahezu unschlagbarer Intelligenz gepaart – und schwupps – fertig ist das perfekte Arschloch.

Herrlich! Der Kerl ist so ein Widerling, dass es schon weh tut. Ich glaube, mein krankes, kleines Psychoherz schlägt gerade ganz doll für ihn. Die Feingeister unter den Lesern dürfen diesen Satz gerne ignorieren.
Neben ihm wirken fast alle anderen Charaktere wie dümmliche Primaten, die sich blöde grinsend am Hintern kratzen.
Aber eben nur fast.

Da gibt es nämlich noch Elisabeth Huss, Karls Sekretärin. Diese merkwürdig anmutende, ähm, nennen wir es Frau, ist Karls rechte Hand und diesem mit Haut und Haaren verfallen. Wie schlimm diese Obsession wirklich ist, muss man unbedingt gelesen haben. An dieser Stelle keine weiteren Informationen über Frau Huss. Es wäre zu schade.

Die ganze Story ist insgesamt ein wirklich intelligentes Mistvieh. Der Autor war sehr großzügig mit falschen Fährten und raffinierten Twists. Mehr als einmal war ich komplett auf dem falschen Dampfer. Und immer, wenn ich dachte:“Hah! JETZT habe ich euch aber!“, war ich erneut reingefallen.
Selbst die Auflösung zum Ende hin war gar nicht die Auflösung, denn da war schon wieder alles ganz anders.

Das Ganze ist zudem noch sehr spannend und unterhaltsam geschrieben. Bernhard Giersche ist sehr wortgewandt bzw. eloquent, wodurch an keiner Stelle Langeweile aufkam.

Übrigens war Herr Giersche auch nicht gerade zimperlich, wenn es um Sex und Gewalt ging. Da steppt mitunter wirklich der Bär, und zwar nicht zu knapp.

Ich, als bekennender Krimimuffel, hätte, ohne Giersches ersten Roman zu kennen, wahrscheinlich nicht zu diesem Buch gegriffen, denn hier kommen ab und zu auch einige Ermittler zu Wort. Aber hey, die MÜSSEN da sein, um Karls Genialität zu unterstreichen. Also habe ich mich mit ihnen arrangiert und wurde bestens unterhalten.

Letztlich ist dieser lesenswerte Schmöker auch noch gut recherchiert, wofür es von meiner Seite ein Extra-Sternchen gibt.

Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht auch etwas zu Stänkern hätte.
Lieber Begedia-Verlag, ich bin alt und musste meine Lesebrille benutzen. Denkt doch zwischendurch auch mal an das lesende Volk jenseits der Teenager-Dioptrien und druckt so ein Prachtstück etwas größer. Alleine deswegen habe ich sehr lange für dieses Buch gebraucht.
Günstige Lesebrillen gibt es übrigens bei Rossmann (kleiner Scherz am Rande).

Dafür kann jedoch der Autor nichts – gut gemacht!

Fazit:

Dieser Thriller ist ein Pageturner mit einer wahren Mistsau von Protagonist. Intelligent, eloquent, unterhaltsam und voller Überraschungen – ein Roman, der jedem Genre-Fan ein schadenfrohes Grinsen ins Gesicht malt.

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