Mittwoch, 18. Juni 2014

Summer Symphony - Claudia Rapp

summer


Luise Fink staunt nicht schlecht, als sie feststellt, dass sie anscheinend die hohe Kunst des Zeitreisens beherrscht. Wobei „beherrschen“ etwas übertrieben ausgedrückt ist. Schließlich weiß sie anfangs noch nicht so recht, wie und warum dieses Phänomen ausgerechnet sie heimsucht.
Mit der Zeit findet sie aber heraus, dass es anscheinend die Musik der finnischen Band Lumiukko ist, die sie geradewegs ins frühe Mittelalter katapultiert, wo sie wirklich und wahrhaftig echten Wikingern gegenübersteht.
Um der Sache genauer auf den Grund zu gehen, übt Luise sich in der hohen Kunst des Groupie-Daseins und folgt der mysteriösen Band auf ihrer Tour. Schon bald gewinnen die Jungs und ihre Musik immer größere Bedeutung in Luises Leben und die Sache mit den Zeitreisen … ja, die birgt auch so ihre Gefahren, wenn da nur nicht Luises unverbesserlicher Forscherdrang wäre.


Eigentlich wollte ich von Claudia Rapp zuerst „Zweiundvierzig – Ein Uni-Thriller“ lesen, weil eben dieses Buch viel eher in mein Beuteschema passt.
Der Zufall wollte es aber, dass mir „Summer Symphony“ dazwischen funkte und inzwischen bin ich sogar sehr froh darüber.

Luise ist ein wirklich eigenwilliger Charakter. Die junge Frau verfügt über eine gewisse „Abgeklärtheit“, die nicht nur den Leser, sondern auch ihren besten Freund Henry ab und zu auf die Palme treibt. Dennoch hat sie das Potenzial, den Leser an sich zu binden.
In der Ich-Perspektive berichtet sie von Magie, Liebe und historischen Sahnehäppchen, die jeden Geschichtsfan innerlich aufjuchzen lassen.
Luises Leidenschaft für historische Details und ihre wissenschaftlich anmutende Neugierde machen aus diesem Roman tatsächlich eine bunte, vielfältige Zeitreise.
Die Gepflogenheiten der Finnen im frühen Mittelalter sowie viele Details der genannten Orte wurden meisterhaft gut recherchiert, so dass sich die Bilder der Schauplätze wie von selbst in meiner Vorstellung aufbauen konnten.

Der absolut eigene Stil der Autorin drückt dieser Story einen besonderen Stempel auf und ich hatte wirklich Mühe, den Roman zwischendurch zu unterbrechen, um mich alltäglichen Dingen zu widmen.
Zu interessant waren die Zeitsprünge, in denen Luise in die Haut einer jungen Finnin schlüpft. Diese Passagen hatten auf mich eine nahezu hypnotische Wirkung, der ich mich kaum entziehen konnte und ich fieberte quasi zusammen mit Luise dem nächsten Zeitsprung entgegen.

Claudia Rapp hat dieser Geschichte einen relativ ruhigen Einstieg gegeben, der einem Gelegenheit gibt, sich mit allem vertraut zu machen, Luise kennenzulernen und in andere Welten abzutauchen. Nahezu unmerklich erfährt die Story eine Steigerung, und ehe man sich versieht, ist man bereits so „drin“, dass man nicht wieder hinaus möchte.

Ganz wunderbar wurde auch die Stimmung der Musikfestivals transportiert, die Luise besucht, um das Geheimnis um die Band Lumiukko in Verbindung mit den Zeitreisen zu lüften.
Verschwitzte Fans, Bier, die Hitze der Aufregung, Begeisterung unter Gleichgesinnten und ein verdammt großes Wissen über das Geschehen vor und hinter den Kulissen eines Rock-Festivals, verpassen diesem Roman zusätzlich das gewisse Etwas. Und jeder, der bereits auf einem solchen Festival war (Ich war auf verdammt vielen Festivals.), fühlt sich sofort zugehörig, hat die Gerüche in der Nase und die Geräusche in den Ohren.

Genau so ging es mir auch während der Zeitsprünge. Die waren streckenweise so abartig gut beschrieben, dass ich mich fühlte, als wäre ich dabei gewesen. Eindrücke, Gerüche, Geräusche, Farben – ich konnte fast das selbstgebraute Bier auf der Zunge schmecken und das kühlende Wasser eines Bachlaufes an meinen Händen spüren.

Hin und wieder gab es die eine oder andere Stelle, die einen ganz besonderen Zauber hatte, wo ich, hin- und hergerissen zwischen nahezu unerträglicher Romantik und atmosphärischer Magie, fast das Atmen einstellte.

Wer mich kennt, weiß, dass mich Dinge wie Romantik und Geschichte nicht wirklich vor Begeisterung kollabieren lassen. Und dennoch: Claudia Rapp hat es geschafft, mich mit diesem absolut genrefremden Stoff zu flashen. Für mich ein völlig neues Empfinden, vor lauter Faszination zu glühen, anstatt vor Entsetzen zu zittern, wie es sonst bei meiner bevorzugten Lektüre der Fall ist.
Alleine deswegen war „Summer Symphony“ für mich etwas ganz Besonderes und somit ein echtes Highlight in diesem Monat.

Fazit:

„Summer Symphony“ von Claudia Rapp ist ein liebevoll recherchierter, atmosphärischer Trip durch die Geschichte. Es ist eine Story über Selbstverwirklichung, Magie und auch über die Liebe, erzählt von einer frechen, selbstbewussten Protagonistin, die an sich und an den Zauber der Musik glaubt. Absolute Leseempfehlung!

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