Mittwoch, 3. September 2014

Monstersperma - Edward Lee

monstersperma (1)


Um der legendären Studentenverbindung „Alpha-Haus“ beitreten zu können, müssen die Bewerberinnen ziemlich auf Zack sein. Schlechte Noten? Fetter Hintern? Gesichtsunfall? Gar kein Problem. Das alles ist nicht wirklich wichtig im Alpha-Haus. Wichtig ist nur eines: Die Anwärterinnen müssen willig sein und Nerven wie Stahlseile besitzen. Nur dann gibt es eine vernichtend geringe Chance, die rituellen Aufnahmeprüfungen zu bestehen.

Ann, Hannah und Mercy sind in Edward Lees „Monstersperma“ die drei mehr oder weniger willigen Kandidatinnen für das jährlich stattfindende Aufnahmeritual.

Während Mercy und Hannah sich etwas zieren, kennt Ann hingegen keine Tabus, denn sie hat die Wahl: In die begehrte Verbindung aufgenommen oder aber von ihren Eltern enterbt zu werden und damit ihr Schicksal als Verliererin of the year endgültig zu besiegeln.

Damit geht der Spaß auch schon los. Und wenn ich sage Spaß, dann meine ich:

Heilige Geschlechtskrankheit und alles, was man sonst so beschwören kann !!!

Das Cover, der Klappentext und die inzwischen unter Hardcore-Fans sehr beliebte Eigenmarke „Extrem“ des Festa-Verlags versprechen Gore-Porno der allerhärtesten Sorte. Das ist, gelinde ausgedrückt, maßlos untertrieben.

Wer den Buchdeckel öffnet, sollte damit rechnen, innerhalb kürzester Zeit mit (nicht immer) menschlichen Ausscheidungen sämtlicher Kategorien beworfen zu werden. Selbstverständlich dürfen auch verschiedenste Sexualpraktiken nicht fehlen.
Wer jetzt meint, man nehme zwei Drittel Ekel und ein Drittel Porno und der neue Schmöker von Lee ist geboren, weil es ja sowieso immer dasselbe ist, dem muss ich an dieser Stelle mit Nachdruck widersprechen.

„Monstersperma“ brilliert nicht mit verstecktem Anspruch und auch nicht mit gebeutelten Charakteren, deren Tiefe der Seele uns noch bis ins Nirwana beschäftigen soll. Dieser Roman besticht durch den reinen Spaßfaktor und einer urig abgefahrenen Protagonistin, die es in sich hat.

Ann hat alles, was ein Charakter braucht, um einen unterhaltungsgesteuerten Horror-Nerd über Stunden zu beschäftigen. Ich spreche hier von ihrer rotzigen Ausdrucksweise und einer herrlich kranken Selbstironie. Aus der Ich-Perspektive von Ann höchstpersönlich erzählt, konnten die Geschehnisse in „Monstersperma“ nicht göttlicher geschildert werden.

Mehr als einmal musste ich laut und herzhaft lachen – und darüber sollte man sich im Klaren sein: „Monstersperma“ ist ein Roman, den man nicht ernst nehmen darf. Das ist wie ein Film von Monty Python oder Seth MacFarlane. Zurücklehnen, Hirn ausschalten und in den Popcorn-Eimer greifen.
So krank, übertrieben pervers und absurd, dass es schon wieder lustig ist.

Wer damit ein Problem hat, sollte es einfach lassen.

Mir persönlich hat dieser furztrockene schwarze Humor, den Lee hier wieder an den Tag legt, einen Heidenspaß bereitet. Ich kann glaubhaft versichern, dass man sich an all den Dreck in diesem Schmöker recht schnell gewöhnt und das Ding in nur einer Sitzung inhaliert, wenn einen menschliche Bedürfnisse wie z.B. Hunger oder eine volle Blase nicht zwischendurch stören.

Sehr spannend auch: Im Auto sitzen, auf jemanden warten und dabei das Buch lesen. Sich dann über hochgezogene Augenbrauen freuen, wenn die Politesse bei der Kontrolle des Parkscheins das Buchcover betrachtet, hinter dem sich eine mütterlich aussehende Horror-Nerdin versteckt. Solltet ihr mal in der Bahn lesen. Ist sicher amüsant.

Fazit:

„Monstersperma“ hat eine saucoole Protagonistin, eine Menge Dreck und eine bescheuert-absurde Story – mit anderen Worten, dieser Roman bietet eine Menge Spaß. Wer einen robusten Magen hat (ich hasse diese Floskel, aber sie ist wahr), findet in diesem Schmöker ein Unterhaltungsfeuerwerk der Sauereien und somit sein persönliches Aufnahmeritual für die Liga der Hardcore-Horror-Nerds.
Wenn ihr mich jetzt bitte entschuldigt, die Dusche ruft – ich fühle mich schmutzig.


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Kommentare:

  1. Hi,

    der liegt mir noch vor und wartet darauf, dass er angegangen wird.

    Habe gerade beendet: One second after von William Forstchen und dann begonnen mit "65 Stirrup iron road" und bin hin und hergerissen zwischen schmunzeln, grinsen und Kopf schütteln.

    Gruß
    Harry

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    1. Diese Reaktion hatte ich auch hierbei. Hat aber wirklich Spaß gemacht. Den kostbaren Sammelband habe ich mir noch aufgespart :-)

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