Freitag, 18. April 2014

Mängelexemplare Dystopia

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Mängelexemplare Dystopia

Bereits der Erstling „Mängelexemplare“ überzeugte durch die hervorragende Auswahl der Geschichten und das Rundum-Sorglos-Paket in Sachen Handwerk.

Constantin Dupien ist nicht nur Autor, sondern auch Herausgeber. Was er anpackt, führt er sehr sorgsam und gewissenhaft aus. So war es schließlich auch kein Wunder, dass der erste Teil der Mängelexemplare ein echtes Highlight war. Von der Auswahl der enthaltenen Geschichten bis hin zu den technischen Details stimmte da einfach alles.

Ganz klar, dass ich mich bei „Mängelexemplare: Dystopia“, verlegt von Amrûn, nicht lange bitten ließ.
Der Dystopie haftet mitunter immer etwas Düsteres an. Dabei muss es aber nicht zwingend um das Ende der Weltordnung, wie wir sie kannten, gehen. Hin und wieder beginnt auch etwas Neues. Jeder Autor hat dieses Thema auf seine ihm eigene Weise umgesetzt.

Angeführt von Julia Takagis sehr treffenden und gelungenen Zeichnungen, gepaart mit jeweils einem, von Constantin Dupien ausgewählten, Zitat, beginnt jede Story völlig individuell. Völlig ohne Spoiler treffen diese gelungenen Vorschauen dezent, aber exakt den Kern einer jeden Geschichte.

Das Cover ist wieder einmal ein echter Hingucker aus der Schmiede von Timo Kümmel. Immer wieder eine Augenweide. Ich liebe seine Arbeiten einfach.

Sehr interessant fand ich auch die erklärenden Texte nach jeder Geschichte. Statt langweiliger Autorenbiografien erwartet uns hier ein kurzes Statement zur Entstehung der Story, vom Autor persönlich verfasst.

Kommen wir also zu den enthaltenen Geschichten:

Tim Svart – No. 2/209/197/613
Die Welt geht vor die Hunde, aber selbst das kann einer echten Freundschaft nichts anhaben. Diese Story ist ein grandioser Opener, der mich als Leserin perfekt auf die kommenden Werke eingestimmt hat. Hier wurde eine Stimmung transportiert, die an Hoffnungslosigkeit kaum zu übertreffen ist. Sehr geil geschrieben – mit nachhaltiger Wirkung. Highlight Nummer eins. Was für ein Einstieg!


Jennifer Jäger – Clara – Wissen ist Macht
Bildung bzw. Wissen als Zahlungsmittel? Wie herrlich wäre es, wenn ich künftig meine Einkäufe mit einer Rezension bezahlen könnte. Leider (oder Gott sei Dank) ist das nur Fiktion. In dieser Geschichte jedoch nicht.
Zugegeben, es wurmte mich ein wenig, dass diese Kurzgeschichte nur ein kleiner Happen aus einem der kommenden Werke von Frau Jäger war. Allerdings ging der Plan auf, denn die Schreibe gefiel mir gut und ich wäre nicht abgeneigt, auch den Rest lesen zu wollen. Leider war diese Story eben nur ein Happen, der mich angefüttert und ungeduldig zurückließ.


Uwe Voehl - Kreationen in Samt und Tod
Ja, als Rezensent/in soll man immer ehrlich sein und das möchte ich hier beibehalten. Als Unterhaltungs-Junkie war diese abgefahrene und äußerst bizarre Geschichte nicht so wirklich mein Ding. Herr Voehl beherrscht ohne Frage meisterhaft die Kunst des geschriebenen Wortes. Darum dürfte dieses Werk eher seine Liebhaber unter den Fans der anspruchsvolleren Literatur finden. Die Idee hinter kunst- und wertvoll geschmückten Designer-Menschen-Müllhaufen ist sicherlich weit entfernt von all dem oberflächlichen Kram, den ich sonst so gerne lese. Hammergeil formuliert und erzählt, aber leider nichts für mich.


D.J. Franzen – Der Nomade
Ich sehe ihn wirklich bildlich vor mir, den vermummten, schweigsamen Nomaden, wie er zu Fuß eine neue Welt bereist – auf der Suche nach – was auch immer. Denn ich möchte einfach nicht verraten, wonach er sucht. Hier erlebt man den Autor D.J. Franzen in Höchstform. Er kann nämlich etwas, das nicht viele Autoren können. Atmosphäre und Stimmungen transportieren, ohne den Leser mit kompliziertem Wortgeschwurbel zu stressen. Seine Schreibe ist informativ und unterhaltsam. Sie lässt im Kopf der Leser Umgebungen und Landschaften entstehen. Und noch bevor man mit offenem Mund die Bilder im eigenen Kopf in Ruhe bestaunen kann, setzt eine Action ein, die sich gewaschen hat. Diese Story hat alles, ruhige Momente und Randale vom Feinsten. Genau mein Ding und somit eines meiner Highlights in dieser Anthologie.


Jana Oltersdorff – Das Schlafende Schloss
Von dieser Autorin schlummern bereits einige Geschichten in meiner Kindle-Lese-App. Leider bisher ungelesen, muss ich zugeben. Diese Anthologie war nun die Gelegenheit, mal anzutesten, was da geht. Ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich kein Fan von sogenannten „recycelten Märchen“ bin. Allerdings, das muss man der Autorin lassen, ist eben Märchen nicht gleich Märchen. Die Autorin hat es drauf. Punkt. Sie kann erzählen und einen ganz schnell vergessen lassen, in welchem Märchen man sich gerade befindet. Spannend, rasant und äußerst unterhaltsam. Im Grunde sind alle Märchen irgendwie brutal, oder? Ja, das sind sie. Man sollte Kindern so etwas nicht vorlesen. Und warum das so ist, zeigt Jana Oltersdorff sehr anschaulich und eindrucksvoll in „Das Schlafende Schloss“.


Lisanne Surborg – Rosa Schaum
Eine Welt muss nicht immer nur äußerlich den Bach runtergehen. Auch die Menschen können sich verändern. In diesem Fall sehen wir uns einer Weltordnung ausgesetzt, in der Drogen alles Denken und Handeln bestimmen. Hier wurde der Fokus auf die Menschen gerichtet. Und diese Geschichte hat es wirklich in sich. Der Verfall und die menschlichen Abgründe erdrücken den Leser fast. Vielleicht ist auch diese Story nicht die Art Unterhaltung, die ich für gewöhnlich vorziehe. Dennoch hat sie etwas in mir zum Klingen gebracht – ja, sie hat mich beeindruckt und dafür gesorgt, dass ich für eine Weile nachdenklich wurde.


Andreas Zwengel – Souljacker
YEAH! Das war eine Story nach meinem Geschmack!
Satan höchstpersönlich leitet ein mächtiges Unternehmen. Und wie sollte es auch anders sein? Er ist nicht sonderlich davon begeistert, wenn man ihn betrügen will. Seine Außenstände holt er sich. Immer.
Hier stimmte absolut alles. Action, Spannung und jede Menge Lesespaß. Diese Geschichte als Film wäre für mich ein Grund, mal wieder ins Kino zu stiefeln. Das war ein Heidenspaß. Daumen hoch, Herr Zwengel, und vielen Dank für ein weiteres Highlight.


Vincent Voss – Wellen
Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan von Vincent Voss und seinen Werken bin. Deswegen konnte ich es auch kaum erwarten, endlich bei seinem Beitrag zu dieser Anthologie anzukommen. „Wellen“ beschreibt den Ausbruch einer – nennen wir es Krankheit. Wie das Ganze ausgelöst wird und sich im Anschluss entwickelt, wurde richtig gut erzählt. Wenn Herr Voss eine Geschichte zum Besten gibt, dann ist man mitten drin. Rettungslos. So ging es auch mir. Ich habe diesen Shorty verschlungen, ohne mich zu rühren oder auch nur im Ansatz an eine Lesepause zu denken. Der Mann hat mich immer sofort im Sack, was er auch veröffentlicht. Auch diese Geschichte wird mir als Schmuckstück in Erinnerung bleiben.
Regina Müller – Larventräume
Diese Autorin ist mir, bis auf ihre Geschichte im ersten Band, völlig unbekannt. Umso überraschter war ich dann von dieser intelligent gestrickten Story. Das menschliche Bewusstsein im Körper eines Insektes – was für eine abgefahrene und zugleich unterhaltsame Idee. Ich war wirklich fasziniert und angetan. Gerne mehr davon, denn diesen Gedanken hätte ich gerne ausführlicher erlebt. Tolle Geschichte, die mich als Leserin wirklich staunen ließ.


Arthur Gordon Wolf – Sahnesperlinge
Herr Wolf, wie fies war das denn bitte? Mit dem Titel konnte ich zunächst rein gar nichts anfangen, und der Beginn der Story hatte mich komplett aufs Glatteis geführt. Mehr darf man hier ja schon gar nicht erzählen, sonst würde ich spoilern. Aber trotzdem: Herr Wolf, was für eine fiese, gemeine, kleine, bösartige Geschichte! Wir haben hier eine gelungene Mischung aus Bizarro-Fiction und Psycho-Stoff. Was ist real und was nicht? Das ist hier die Frage. Eigentlich kann mich nicht mehr viel schockieren. Es kommt eben darauf an, aus welcher Feder der Schock stammt. Diese Feder hat mich bisher immer durch ihren dezent ironischen Stil überzeugt, der mich als Leserin begeisterte und atemlos machte. Mit genau diesem dezenten Stil hat der Autor mich dieses Mal an der Nase herumgeführt und nachhaltig entsetzt. Mr. Wolf braucht keine Wannen voller Blut, um mich als Leserin zu schockieren. So viel ist sicher. Stilsichere und tolle Geschichte mit einer noch tolleren Pointe – auch das war für mich ein Highlight.


Michael Dissieux – Dagnin
Wenn Herr Dissieux eine Story abliefert, dann können wir uns sicher sein, dass diese mit ihrer atmosphärischen Dichte alles um einen herum verblassen lässt. So auch hier.
Eine Seuche, die grausamen Folgen und eine Geschwisterliebe, die nicht sterben wird – egal, wie sehr die Welt am Abgrund steht. Wie in nahezu allen Werken dieses Autors dominiert hier das Gefühl. Als Leserin sehe ich gar nicht die kaputte Welt und das ganze Drumherum. Aber ich spüre diese unsterbliche Liebe zwischen zwei Menschen und ich bin überwältigt davon. Großartig geschrieben! Solche Storys treffen mich persönlich mit der Wucht eines Erdbebens. Weniger Action-Kino, dafür mehr Emotionen bestimmen hier das Geschehen. Ich war hin und weg.


Xander Morus – Der Vollstrecker
Herr Morus, endlich mal wieder etwas aus Ihrer Werkstatt.
„Der Vollstrecker“ ist die Geschichte einer Welt ohne Wasser, die Geschichte einer Suche und eine Geschichte über Opferbereitschaft. Was für eine hammergeile Story!
Der Autor führt uns durch eine mögliche Zukunft, die man sich lieber nicht vorstellen möchte. Oder doch: Man stelle sich mal einen ausgetrockneten Ozean vor. Einfach so. Kann man nicht? Doch, das geht mit der Hilfe von Xander Morus ausgesprochen gut, denn seine gelungenen Schilderungen lassen diese Welt für den Leser austrocknen. Diese Geschichte war Unterhaltung vom Feinsten. Das ist so ein Ding, von dem ich mir einen richtig fetten Roman vorstellen könnte. Geht da noch was? Ich würde mich freuen. I love it!


Thomas Backus – Schicksal
Kurz – knackig – pointiert.
Diese Story ist mit Abstand die kürzeste in dieser Anthologie, hat deswegen aber nicht weniger Gehalt. Hier dreht es sich aber nicht um den Unterhaltungswert. Vielmehr gilt es, eine Aussage in den Raum zu werfen und den Leser anzuregen.
Ich kenne bereits viele Geschichten von Thomas Backus. Wenn er etwas schreibt, egal ob kurz oder lang, dann denkt er sich etwas dabei. Lieber Herr Backus, diese kleine Geschichte ist nicht so ganz mein Ding, trägt aber maßgebend zur Gesamtstimmung der Anthologie bei.


Constantin Dupien – Das Ende
Hier wurde der Herausgeber selber tätig. Erwartet hatte ich eine Story im Stil von Poe. Denn diese Art Geschichten beherrscht Herr Dupien aus dem Stehgreif. Bekommen habe ich stattdessen eine extrem düstere und hoffnungslose Story, die einen menschlichen Prozess überaus anschaulich und beklemmend wiedergibt. Respekt, Herr Dupien! Dieses Teilchen hat mir wirklich gefallen. Man weiß wohl gleich zu Anfang, worauf alles hinauslaufen wird, aber man ist letztlich überrascht davon, wie lesenswert und treffend diese Idee umgesetzt wurde. Auch hier wirkt nach dem Lesen ein nachhaltiger Effekt auf den Leser ein. Ich habe mich anschließend bei einem Kaffee und einer Zigarette gedanklich mit diesem Stoff auseinandergesetzt. Schon krass, was eine kleine Geschichte in einem auslösen kann.


Moe Teratos – Die Schrecken
Auch hier ist es das Klima, das dafür sorgt, dass auf der Erde nichts mehr so ist, wie es einmal war.
Was geschieht wohl, wenn das letzte Eis auf Erden taut und freigibt, was es so lange verborgen hielt?
Moe Teratos erzählt es uns. Heiliger Bimbam, diese Frau kann schreiben, muss ich an dieser Stelle betonen. Dieses actionreiche Spektakel hat mich saugut unterhalten. Es war spannend. Da ging die Luzie ab, wenn man das so sagen darf. Besonders gefällt mir an dieser Stelle auch die Platzierung in der Anthologie. Eben noch niedergeschlagen und nachdenklich durch die vorherige Story, kam ich sofort wieder in Fahrt und war mit allen Sinnen im Geschehen.


Stefanie Maucher – Ella
In viele Dystopien spielen die krassen Gegensätze zwischen den Armen und den Reichen eine große Rolle. So auch in „Ella“. Wenn eine Seuche oder eine Krankheit die Menschheit dahinzuraffen droht, müssen die finanziellen Mittel stimmen, sonst ist einem der Tod gewiss.
Abgesehen von dieser abgefahrenen, möglichen Zukunftsvision, freue ich mich immer wieder, wenn ich einen Text von Frau Maucher in die Finger bekomme. Ihre gefühlvolle Wortgewalt schafft es ausnahmslos, mich in ein mitfühlendes, lesendes Wrack zu verwandeln. Egal, worum es geht, ich leide, liebe und sterbe mit ihren Charakteren. Frau Maucher, erzählen Sie mir einfach irgendetwas, ganz egal was, ich werde es wahrscheinlich lieben.


Manfred Schnitzler – Der rote Tod
Waaah! Was für eine geile Story!
Diese hammergeile Geschichte ist so was von mein Ding, dass ich sie gerade eben noch einmal gelesen habe. Der Text wurde herrlich schnodderig hingerotzt – so, wie ich es liebe. Keine Schnörkel, kein Brimborium, einfach nur ehrliche Worte, wie sie in eine Situation wie diese passen.
Eine Krankheit, wie sie widerwärtiger kaum sein kann. Hier nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund. Es geht derbe zu, und so muss es auch sein, denn das Sterben ist derbe. Ich liebe die Konversationen und denke: YES! Das rockt mein Leserhirn bis ins Innerste. Unterhaltung vom Feinsten, gepaart mit – man sollte es kaum für möglich halten – reichlich Tiefe. Herr Schnitzler, da muss ich gleich mal googeln, was es sonst noch aus Ihrer Feder auf dem Markt gibt. Highlight!


Markus K. Korb – Rattenjagd
Was diese beiden Hunter in der Story „Rattenjagd“ verfolgen, hat augenscheinlich nicht mehr viel mit Menschen zu tun. Die Ratten müssen ausgerottet werden, denn sie übertragen Krankheiten und stellen somit eine Bedrohung für die Menschheit dar. Wie die Entstehungsgeschichte zu dieser Story schon sagt, fühlte sich der Autor durch Szenarien aus Blade Runner und Alien inspiriert. Was er letztlich daraus machte, war wesentlich mehr. Die großartig erzählte Geschichte erfährt eine ziemlich coole Wendung und lässt schließlich sogar so etwas wie Hoffnung aufblitzen, was in Dystopien eher Mangelware ist. Hat mir wirklich gut gefallen. Auch der Schreibstil von H. Korb passt hervorragend in mein Beuteschema. Tolle Story, gerne mehr davon.


Torsten Scheib – Leseprobe zu Göttersturz
Hier gab es Probleme. Aber diese Probleme sind eher positiver Natur, denn der Autor war so sehr in seiner Kurzgeschichte drin, dass sie flugs zu einem größeren Werk mutierte. Folglich erleben wir hier in gewohnt guter „Scheibscher“ Qualität den Auftakt zu etwas ganz Großem. „Göttersturz“ steht schon jetzt auf meiner Wunschliste zukünftiger Verschlingbücher, denn die Leseprobe hat mich schier vom Sofa gefetzt. Eigentlich fällt mir dazu nur ein Wort ein: SABBER!

Zum Schluss gibt es da noch das sehr treffende Nachwort meiner geschätzten Kollegin Claudia Junger, die, wie immer, mit wenigen Worten genau den Kern der Sache trifft. Diese Anthologie ist jede Leseminute wert. Sie ist es wert, gelesen und empfohlen zu werden. Besser hätte ich es selber nicht ausdrücken können.

Insgesamt befinde ich mich nun im Besitz eines echten Literaturschatzes. Diese vom Herausgeber Constantin Dupien zusammengestellte Anthologie zeugt von echter Sorgfalt und wahrem Herzblut. Die Geschichten sind allesamt handwerklich 1A bis 1A+. Wenn auch nicht jede davon meinen persönlichen Geschmack getroffen hat, so war mir doch an jeder Stelle bewusst, wie passgenau diese Geschichten ausgewählt und platziert wurden. In ihrer Gesamtheit hat „Mängelexemplare Dystopia“ mich rundum überzeugt und mit mir einen ehrlichen Fan dazu gewonnen.


Fazit:
„Mängelexemplare Dystopia“ ist ohne jeden Zweifel ein Muss für Liebhaber der fantastischen Literatur in all ihren Facetten. Hier ist auch für jede Art von Fan etwas dabei. Die reinen Unterhaltungs-Junkies, wie ich einer bin, kommen hier voll auf ihre Kosten. Aber auch für die anspruchsvollen Leser ist reichlich Suchtstoff vorhanden. Und endlich, endlich mal wieder ein richtig gut lektoriertes und sorgfältig korrigiertes Werk, was leider heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Gut gemacht!

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Donnerstag, 10. April 2014

Grindhouse Splatter - Marc Gore

Klappentext:

“Kollege Marc ist ein absoluter Versteher des schonungslosen Splatter Romans. GRINDHOUSE bietet Tarantino gekonnt die Stirn und beweist Eier, wenn es um brutalen und schmutzigen Gore (hier in zweifacher Auslegung) geht. Nichts für Weiche und Kakaotrinker. Dafür aber durchaus für Liebhaber des ungeschönten Horrors. Wer klassischen Splatter aus Deutschland erwartet, anstatt die abgefahrene und kranke Variante, der sollte jetzt einfach weggehen und das Buch besser in Ruhe lassen.” Rona Walter


Grindhouse_Splatter_Gore 


Inhalt:
Fatal Desert
Limb by limb
Carnival of the dead
My beloved mummy
Devourer
Clint Morrisons best friends
Benito
Fear

Nach „The Terror Compilation“ oder der vielfach umstrittenen Kurzgeschichte „Orgiastic“, geht man mit einer festen Erwartungshaltung an „Grindhouse Splatter“ heran. Umso überraschter war ich, als ich weitaus mildere Stories als die Erwarteten vorfand.

Das Spektrum aller möglichen Horrorszenarien wurde dabei auch großzügig ausgeschöpft.
Verfressene Riesenameisen, lebende Tote, Mumien – hach ja, alles, was das Herz begehrt – insgesamt aber etwas weniger splatterig, als man es von Mr. Gore kennt.

Zugegeben, vielleicht sind die meisten Geschichten etwas abgedroschen und bieten soweit nichts Neues, trotzdem erstaunt mich doch immer wieder die nahezu grenzenlose Ideen-Vielfalt dieses Autors. Obwohl viele der Ideen nicht unbedingt neu sind und in ihrer Umsetzung mitunter an die Heftromane aus den Achtzigern erinnern, gibt es doch hier und da diese eine Geschichte, die mir dann doch noch so richtig Spaß gemacht hat.

In dieser Sammlung handelt es sich um die Geschichte „Limb by limb“, in der eine alte Dame sich mit einem Fluch für ihre Abschiebung ins Pflegeheim rächt. Die Abteilung „Flüche“ wird in der Horrorliteratur gerne etwas vernachlässigt. Deswegen freue ich mich immer über kleinere Ausflüge in diese Richtung.

Nun, von Marc Gore kenne ich inzwischen so einige Werke. Einige Stories haben Spaß gemacht, andere eher weniger. Das könnte mitunter daran liegen, dass der Autor einen Heidenspaß daran hat, seine Leser zu schocken. Kontroverse Meinungen zu seinen Werken zieht er sich mit stoischer Gelassenheit rein. Er weiß um seine treue Fangemeinde und sieht milde grinsend auf diverse Verrisse herab.

Grundsätzlich liegt mir nichts ferner, als einen Verriss zu schreiben. Trotzdem muss ich in der Gesamtwertung Punkte abziehen. Gute Ideen hin oder her, die Umsetzung muss stimmen.
Leider haut der sehr einfache, mitunter holprige Stil mich nicht wirklich vom Hocker. Da gibt es ungünstige Formulierungen, Wiederholungen und zahlreiche Fehler, die ein professionelles Lektorat/Korrektorat hätte sehen und beseitigen müssen.

Lobend hervorheben möchte ich gerne die wirklich beeindruckenden Fotografien von Sonja Bender. Angefangen beim äußerst verstörenden Cover, bis hin zu den anderen Bildern im Inneren des Schmökers, bin ich absolut begeistert. Für so ein Cover würde ich mir den kleinen Finger abnagen. Sehr gelungen!

Fazit:
„Grindhouse Splatter“ überrascht mit etwas weniger Blutregen und Eingeweiden, als der Titel und der blutgetränkte Name des Autors versprechen, punktet aber mit recht spaßigen Ideen und gutem altem Trash – eine bunter Mix aus altbekannten Filmszenen und Heftromanen mit einigen neuen Ideen, die durchaus zu begeistern wüssten, wenn sie denn vor der Veröffentlichung entsprechend „gepimpt“ worden wären. Die handwerkliche Qualität muss stimmen, sonst stört es das Lesevergnügen. Bei mir ist das leider so, deswegen gibt es Abzüge.

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Mittwoch, 9. April 2014

Gastrezension von Thomas Lo Zito: Mit Zähnen und Klauen - Craig DiLouie

Gastrezension von Thomas Lo Zito – vielen Dank dafür !!!

Wir sind die Army Hu-ah!

Und wir treten jedem in den Arsch Hu-ah!

Sollen sie nur kommen – der mächtigste Kriegsapparat der Welt wird mit allem fertig!
Mit allem? Wirklich mit allem? Was, wenn die Bedrohung nicht greifbar wäre? Wenn sie weder Angst noch Schmerz kennt? Was wäre, wenn für diese Bedrohung Begriffe wie Moral, Gewissen oder Mitleid völlig bedeutungslos wären? So bedeutungslos wie ein trockener Furz auf dem Mars! Eine Bedrohung, die alles verschlingt, die niemals aufhört bis es nichts mehr weiter zu vernichten gibt – sich jeden Fetzen Fleisch einverleibt: Mit Zähnen und Klauen!

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Als ich das Cover zu diesem Buch sah, war mir klar: Das könnte interessant werden. Ein krankes Gesicht, alles fleckig und blutverschmiert. Hmm lecker – genau nach meinem Geschmack. Definitiv mein nächstes Objekt im Regal. (Anmerkung von Horror and more: Das Cover wurde von Timo Kümmel gestaltet.)

Der Klappentext verrät noch nicht zu viel: Eine Tollwut-ähnliche Pest ist in Amerika ausgebrochen. Die Opfer der Pest verhalten sich extrem gewalttätig. Eine Kompanie unerschrockener Soldaten, angeführt von Lieutenant Todd Bowman, soll eine Forschungseinheit sichern, in der ein angebliches Heilmittel schlummert.
Was hilft gegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit? Ein paar Granatwerfer, .30-Geschosse, aber ein M4-Karabiener tut’s zur Not auch.

Gleich vorweg: Dieses Buch ist sehr militärisch angehaucht. Wer hier die übliche Story a la „versprengte-Gruppe-ängstlicher-Zivilisten-bahnt-sich-den-Weg-durch-Zombietown“ sucht, liegt mit der Wahl dieses Buches vollkommen daneben. Bis auf wenige Nebenhandlungen wird hier fast alles aus der Sicht einer US amerikanischen Kompanie erzählt.

Mittlerweile gibt es Zombie-Schinken wie Sand am Meer – und ich habe viele davon verschlungen. Während sich der Großteil dieser Schmöker um eine möglichst düstere Stimmung bemüht und den Leser in tiefste Depressionen stürzen lässt, wird man hier einen Einblick in die Naivität, Selbstüberschätzung und zu guter Letzt der Hoffnungslosigkeit des amerikanischen Militärs erhalten. Wir erleben, wie Hochmut schnell zu Fall kommt, wie junge Bürschchen mit Helm und Sturmgewehr plötzlich erwachsen werden und angesichts des nicht endenden Grauens das Strahlen in ihren Augen verlieren.

Der Autor spielt mit der Urangst der Amerikaner: Der Zerfall des mächtigsten Landes der Welt. Dieser Gedanke ist so ungeheuerlich – absolut ABSURD. Und doch erlebt die hier schon erwähnte amerikanische Einheit um Todd Bowman genau das.

Wir haben es hier mit im Irak erprobten Kampfeinheiten zu tun, die sich plötzlich gegen ihre eigenen Landsleute zur Wehr setzen müssen. Anfangs geht man noch von ein paar infizieren Irren aus, deren Erschießung in Notwehr für heftige Diskussionen und moralische Zeigefinger innerhalb der eigenen Reihen sorgt. Es dauert eine Weile bis auch die Letzten in der Einheit begriffen haben, dass hier Moral absolut fehl am Platz ist. Dass die Infizierten sich erschreckend schnell vermehren und – allein gelassen vom Oberkommando – bald um das eigene Überleben kämpfen müssen.

Um jetzt nicht den Diesel aus dem Motor zu lassen, mag ich nicht weiter auf die Story eingehen, denn wer mag schon Spoiler? Es sei aber gesagt: Hier geht es zum Teil recht rasant zu. Wer auf Untergangsszenarien mit militärischer Note steht, für den ist dieses Buch ein absolutes Muss! Hat ein wenig was von Last man standing. Für die holde Jugend ist das Buch weniger geeignet. Hier werden bergeweise Körperteile auf 399 blutgetränkte Seiten verteilt. So viel Blut, dass ich am Ende des Buches selbst schon ein wenig abgestumpft wirke…

“Mit Zähnen und Klauen“ von Craig DiLouie erschien am 27. Februar 2014 beim LUZIFER Verlag Steffen Janssen

Mit Zähnen und Klauen gibt es hier *KLICK*

Donnerstag, 3. April 2014

Gastrezension von Wenke Mehl: Schockgefroren - Sascha Buzmann

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Gastrezension von Wenke Mehl:

Am 9. Januar 1986 wird der neunjährige Sascha wenige Meter von seinem Elternhaus entfernt  verschleppt. Stundenlang zerrt ihn der wildfremde Mann in der kalten Winternacht über Feldwege und Wiesen bis zu einem einsamen Grundstück, auf dem ein Wohnwagen steht. Ohne Toilette, ohne Wasser, nachts kommen die Ratten. Fast drei Monate überlebt der kleine Junge, bevor er durch Zufall gerettet wird. Dies is seine Geschichte.

Inhalt
„Die Welt ist gefährlich, und ich war nicht darauf vorbereitet.“
Am 9. Januar 1986 wurde der 9 jährige Sascha Buzmann auf dem Nachhauseweg überfallen und entführt. Der Täter, ein Landstreicher und Alkoholiker hielt den kleinen Jungen über 86 Tage in seiner Gefangenschaft. Fast täglich wurde Sascha schwer misshandelt und er durchlebte ein grausames Martyrium.

Entweder. Oder.

In einem verwahrlosten Bauwagen an einem abgelegen Ort wurde aus dem verängstigten Kind ein Erwachsener, denn nur so überlebte er die Tage in den Händen seines Entführers. Immer wieder wurde er unter Druck gesetzt. Entweder ließ er die körperlichen und psychischen Misshandlungen zu oder sein Peiniger drohte, ihn zu töten.
25 Jahre nach der grausamen Tat nimmt ein Journalist erstmals Kontakt zu Sascha Buzmann auf, um über dessen Entführung zu berichten. Für Sascha ist dies der erste Schritt, um aus der Isolierung auszubrechen und die schreckliche Erinnerung aufzuarbeiten und zu bekämpfen.

Meine Meinung
Sascha Buzmann berichtet über seine verlorene Kindheit, seinen Kampf ums Überleben und über sein Leben nach der Gefangenschaft. In kurzen Kapiteln beschreibt er seine furchtbaren Erlebnisse, parallel zu seiner Rückkehr in ein halbwegs normales Leben.
Dieser spektakuläre Fall erschütterte Deutschland und noch heute berichten die Medien immer wieder von Kindesmisshandlungen und Entführungen. Sascha Buzmann möchte zudem mit seinem Buch Menschen zum aktiven Handeln animieren. Er wünscht sich mehr Aufmerksamkeit und Achtsamkeit in bestimmten Situationen, in denen Kinder von fremden Personen angesprochen werden.
Ich kann meine Gedanken schwer in Worte fassen, denn ich bin immer noch schockiert über die Geschehnisse, die er als kleiner Junge durchleben musste. Hass, Wut und tiefe Trauer überkamen mich und oftmals wischte ich mir während des Lesens Tränen aus den Augen. Dieses Buch hat mich zutiefst bewegt und noch lange Zeit nach dem Lesen beschäftigt.

Fazit
Ein Buch, das den Leser berührt und nachdenklich macht.

Schockgefroren: Wie ich 86 Tage in der Gewalt meines Peinigers überlebte kann hier bestellt werden *klick*