Samstag, 10. Mai 2014

Muschelknacker - Edward Lee & John Pelan

muschelknacker


Klappentext:

Die Brüder Esau und Enoch leben zufrieden am Sutherland Lake, irgendwo in der Einsamkeit Nordamerikas. Sie missbrauchen und quälen die dummen Stadtmenschen, die sich in ihr Reich verirren, und bereiten aus ihnen nach raffinierten Rezepten köstliche Speisen zu …

Dieser Roman überschreitet jede Grenze wahrer Perversität. Doch aus der Aneinanderreihung sinnloser Gewalt und krankem Sex haben die Autoren ein literarisches Meisterwerk des Ekels geschaffen.
Festa empfiehlt diese Mahlzeit nur Lesern mit starken Magen und einer Vorliebe für schwere Speisen. Genieße das Unbeschreibliche!


Gleich zu Anfang sei gesagt:

„Muschelknacker“ von Edward Lee und John Pelan hat die Unterbringung in der Schublade „Extrem“ mehr als verdient. Jeder Leser, der bei diesem Buch einen stinknormalen Horror-Roman erwartet, nur weil FESTA draufsteht, ist gewaltig auf dem Holzweg.

So bleibt es natürlich auch nicht aus, dass es erneut Leserstimmen gibt, die sich mit spitzen Fingern über dieses Buch empören, denen sich der Magen umdrehte, und die einfach nicht fassen konnten, welche abartigen Sauereien in diesem Roman vonstatten gehen.

Wer zum ersten Mal ein Buch aus der Reihe „Extrem“ in den Händen hielt, ohne sich zuvor informiert zu haben, dürfte bei dieser Lektüre an seine Grenzen gestoßen sein.

Die Fans des Genres, zu denen ich zähle, haben es sich wahrscheinlich mit einem schadenfrohen Grinsen auf dem Sofa gemütlich gemacht und amüsieren sich inzwischen königlich über jene, die sich besudelt fühlen. Wer mag, darf sich hier ein breitgrinsendes Smiley denken.

Jedenfalls hatte ich einen Heidenspaß, ahnte ich doch bereits im Vorfeld, worauf ich mich einlassen würde.
Die Charaktere Esau und Enoch sind, mit Abstrichen, nichts Neues. In gewohnter Hinterwäldler-Manier metzeln sich die beiden mehr oder weniger elegant durch das Geschehen. Dabei lernt der geneigte Leser eine Menge über kulinarische Kunstfertigkeiten.

Was aber definitiv neu war: Frische und äußerst originelle Abartigkeiten aus der monströsen Feder der Autoren. Mir ist nicht ganz klar, wie die beiden Schriftsteller dieses Werk entstehen ließen. Haben sie sich abgewechselt? Wie gesagt, ich weiß es nicht. Was ich aber sicher weiß, ist, dass es erneut gelungen ist, mich zu überraschen. Wie immer, wenn Mr. Lee seine Hände im Spiel hatte, gab es Momente, die mich denken ließen: „So eine gewaltige Sauerei habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gelesen.“ Wie „Muschelknacker“ in seiner grenzenlosen Perversität bewies, kann man selbst mich noch dazu bringen, mit einem angewidert gehauchtem „Iiiiihhh“ das aufkommende Bäuerchen zurück in den Magen zu befördern.

Schon einmal etwas von Kotzobst gehört? Nicht? Dann wird es aber Zeit!

Das war aber noch lange nicht alles.
Abgesehen von reichlich Ekel-Kram, gab es natürlich auch Unmengen sexueller Energien, die sich in sämtlichen zur Verfügung stehenden Variationen über den Leser ergießen.

Die beiden Autoren haben sich alle Mühe gegeben, ihre Fans über eine freiwillige Nulldiät nachdenken zu lassen. Sowohl sprachlich, als auch inhaltlich zielt das gesamte Buch einzig und allein darauf ab, den Leser zu unterhalten und zu schockieren.

Wo wir schon bei Unterhaltung sind – selbstverständlich ist dieser Roman in keiner Weise ernst zu nehmen. Wer das tut, ist selber Schuld.
Schon die Art und Weise, wie das Ganze geschrieben wurde, erinnerte mich an betrunkene Bauarbeiter, die sich in der Pause Anekdoten von früher erzählen und sich dabei gegenseitig zu überbieten versuchen.
Sinngemäß muss man sich das in etwa so vorstellen: „ … und dann fiel der voll auf die Fresse und schrie „AAAAHHHHH!!!“ Aber dann kam auch schon der Zug und die Anderen waren echt geschockt.“ (Kein echtes Zitat, nur ein Vergleich)

Insgesamt gab es ein paar Situationen, bei denen ich vor Lachen fast gestorben wäre. Herrlich!
Und das ist jetzt nicht als Kritik zu verstehen, sondern so, wie es sich hier liest. Ich habe mich königlich amüsiert.
Zwischendurch habe ich mir immer wieder vorgestellt, wie Edward Lee und John Pelan bei ein bis acht Bieren zusammensaßen und sich zwischen zwei Lachanfällen immer neue bescheuerte Situationen ausdachten. Da wäre ich nur zu gerne dabei gewesen.

Spannung gab es nicht, denn dieser Roman war augenscheinlich auch nicht dazu gemacht, um den Leser das Nägelkauen beizubringen. Vielmehr ging es um die pure Unterhaltung und darum, dem Leser so viele extreme Reaktionen wie möglich zu entlocken. Dies ist, in meinen Augen, auch zu hundert Prozent gelungen.

Das Ende war, na ja, irgendwie typisch Lee. Es kam recht plötzlich und irgendwie geizig daher. Ob es da eine Seitenvorgabe gab? Man weiß es nicht.
Das soll mich persönlich aber nicht großartig jucken. Ich hatte meinen Spaß, und ich weiß bei dieser Art Buch in etwa, was ich zu erwarten habe.

Fazit:
„Muschelknacker“ von Edward Lee und John Pelan ist total verrückt, abartig, versaut und gleichzeitig zum Schreien komisch. Wer sich darauf einlassen kann, in ungeahnte Schocker-Dimensionen zu entschweben und gleichzeitig bereit ist, sich selbst und vor allem dieses Buch nicht zu ernst zu nehmen, darf hier beherzt zugreifen und sein blutiges … ähm blaues Wunder erleben.

Die Printausgaben der Reihe „Extrem“ haben keine ISBN und sind deswegen einzig bei FESTA erhältlich.

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Montag, 5. Mai 2014

Karl - ausgeliefert, Bernhard Giersche

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Klappentext:

»Das Spiel ist zu Ende, wenn ich sage, dass es zu Ende ist!«

Die Entführung des Multimillionärs Karl Grothner soll Marius Kleinhans reich machen. Trotz aller schützenden Sicherheitssysteme gelingt ihm der große Coup, doch um welchen Preis? Hätte er sich über die Persönlichkeit seines Opfers mehr Gedanken gemacht, wäre er Einbrecher geblieben, statt zum Kidnapper zu werden. Aber zur Umkehr ist es schon lange zu spät! Eine tödliche Maschinerie aus Mord, Lügen und Intrigen gerät unaufhaltsam in Gang. Der Strudel aus Machtgier und morbider Liebe reißt alle Protagonisten mit sich.
Wer wird verlieren, wer gewinnen?
Wer ist gut und wer ist böse?

Bereits mit „Das letzte Sandkorn“ hatte der Autor Bernhard Giersche mich komplett am Wickel. Gar keine Frage, dass ich auch seinen zweiten Roman „Karl – ausgeliefert“ lesen wollte, obwohl dieses Buch nur im entferntesten Sinne etwas mit Horror zu tun hat.

Ich würde eher behaupten, es handelt sich hierbei um einen Psychothriller mit Krimi-Einschlag.

Karl ist ein Protagonist, wie ihn die Fans extremer Charaktere lieben. Er ist erfolgreich, hat haufenweise Geld und er ist ein Soziopath. Klingt interessant? Ist es auch. Und das ist noch untertrieben.

Der Kleinkriminelle Marius Kleinhans verspricht sich von Karls Entführung eine sorgenfreie Zukunft. Der Plan, den er ausarbeitet, um sich Karl Grothner zu schnappen, ist für so einen Durchschnittsdenker gar nicht so übel. Aber Karl wäre ja nicht Karl, wenn alles so liefe, wie Marius es sich erträumt hatte.
Der Millionär ist wirklich ein Psycho, wie er im Buche steht. Seltsame Eigenheiten, strenge Tagesabläufe und ein kompromissloser, gefühlskalter Umgang mit allem und jedem bestimmen sein Leben. Das alles wurde noch mit nahezu unschlagbarer Intelligenz gepaart – und schwupps – fertig ist das perfekte Arschloch.

Herrlich! Der Kerl ist so ein Widerling, dass es schon weh tut. Ich glaube, mein krankes, kleines Psychoherz schlägt gerade ganz doll für ihn. Die Feingeister unter den Lesern dürfen diesen Satz gerne ignorieren.
Neben ihm wirken fast alle anderen Charaktere wie dümmliche Primaten, die sich blöde grinsend am Hintern kratzen.
Aber eben nur fast.

Da gibt es nämlich noch Elisabeth Huss, Karls Sekretärin. Diese merkwürdig anmutende, ähm, nennen wir es Frau, ist Karls rechte Hand und diesem mit Haut und Haaren verfallen. Wie schlimm diese Obsession wirklich ist, muss man unbedingt gelesen haben. An dieser Stelle keine weiteren Informationen über Frau Huss. Es wäre zu schade.

Die ganze Story ist insgesamt ein wirklich intelligentes Mistvieh. Der Autor war sehr großzügig mit falschen Fährten und raffinierten Twists. Mehr als einmal war ich komplett auf dem falschen Dampfer. Und immer, wenn ich dachte:“Hah! JETZT habe ich euch aber!“, war ich erneut reingefallen.
Selbst die Auflösung zum Ende hin war gar nicht die Auflösung, denn da war schon wieder alles ganz anders.

Das Ganze ist zudem noch sehr spannend und unterhaltsam geschrieben. Bernhard Giersche ist sehr wortgewandt bzw. eloquent, wodurch an keiner Stelle Langeweile aufkam.

Übrigens war Herr Giersche auch nicht gerade zimperlich, wenn es um Sex und Gewalt ging. Da steppt mitunter wirklich der Bär, und zwar nicht zu knapp.

Ich, als bekennender Krimimuffel, hätte, ohne Giersches ersten Roman zu kennen, wahrscheinlich nicht zu diesem Buch gegriffen, denn hier kommen ab und zu auch einige Ermittler zu Wort. Aber hey, die MÜSSEN da sein, um Karls Genialität zu unterstreichen. Also habe ich mich mit ihnen arrangiert und wurde bestens unterhalten.

Letztlich ist dieser lesenswerte Schmöker auch noch gut recherchiert, wofür es von meiner Seite ein Extra-Sternchen gibt.

Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht auch etwas zu Stänkern hätte.
Lieber Begedia-Verlag, ich bin alt und musste meine Lesebrille benutzen. Denkt doch zwischendurch auch mal an das lesende Volk jenseits der Teenager-Dioptrien und druckt so ein Prachtstück etwas größer. Alleine deswegen habe ich sehr lange für dieses Buch gebraucht.
Günstige Lesebrillen gibt es übrigens bei Rossmann (kleiner Scherz am Rande).

Dafür kann jedoch der Autor nichts – gut gemacht!

Fazit:

Dieser Thriller ist ein Pageturner mit einer wahren Mistsau von Protagonist. Intelligent, eloquent, unterhaltsam und voller Überraschungen – ein Roman, der jedem Genre-Fan ein schadenfrohes Grinsen ins Gesicht malt.

Bei Begedia kann man übrigens signierte Exemplare direkt bestellen **klick**
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Sonntag, 4. Mai 2014

Injektion - Melisa Schwermer

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Klappentext:

Verraten und verkauft: Das romantische Wochenende in einer idyllischen Berghütte entwickelt sich für Angelika zum Schrecken ohne Ende.
Zu spät bereut sie, dass sie sich auf dieses Abenteuer eingelassen hat: Hilflos ist sie einem Mann ausgeliefert, der keine Skrupel kennt.
In eine Privatklinik entführt, erlebt die junge Frau ihren schlimmsten Albtraum, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint …

„Injektion“ ist der zweite Roman von Melisa Schwermer, den ich gelesen habe. „Die Katzenlady“ war eine intelligente Story mit einer ausgeklügelten Entwicklung, die zu begeistern wusste.

Dieser Roman kommt leider nicht ganz an seinen Vorgänger heran. Die Protagonistin Angelika wurde sympathisch gezeichnet. Mitunter liegt das evtl. auch an ihren amüsanten Gedankengängen, die von der Autorin ab und zu eingestreut wurden. Dieser anfangs noch angenehme Galgenhumor killt im weiteren Verlauf der Story einen Großteil der Spannung.
Gerade zu Anfang, in der abgelegenen Berghütte, wäre beinahe Spannung aufgekommen – wenn da nicht immer diese schwarzhumorigen Gedanken gewesen wären. Diese ziehen sich dann auch durch den gesamten Roman. Angesichts der Tatsache, dass Angelika sich in einer wirklich schlimmen Lage befindet und sich dem Leser nur durch ihre Gedanken mitteilen kann, wäre eine gewisse Ernsthaftigkeit nötig gewesen, um mich dazu zu bringen, mit dieser Frau zu leiden.
Stattdessen musste ich mir tatsächlich das eine oder andere Mal an den Kopf fassen.

Die Story an sich hat mich magisch angezogen, muss ich gestehen. Fernab aller paranormalen Aktivitäten, haben wir es hier mit realem Horror zu tun. Wie immer, finde ich es schwierig, auf den Inhalt näher einzugehen, ohne zu spoilern. Zwei Begriffe sollen hier aber trotzdem fallen: Missbrauch und Menschenhandel.
Was Angelika in „Injektion“ geschieht, ist gar nicht so weit hergeholt und ich möchte nicht wissen, wie vielen Frauen genau das schon passiert ist.

Für meine Begriffe dauerte es ein wenig zu lange, bis das Mädel verstand, in welche Scheiße sie geraten ist und welcher Person sie das zu verdanken hat. Da ich selber (Gott sei gepriesen) nie in dieser Lage war, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, wie meine Gedanken dazu aussähen. Ganz sicher wären diese aber Oktaven tiefer und düsterer angesiedelt. Pechschwarz, um es genauer zu sagen.

Weiterhin gibt es da einige Entwicklungen, die, bei guter Recherche, etwas glaubwürdiger angekommen wären. Nach etwa zwei Wochen Wachkoma kann man nicht innerhalb von Stunden das tun, was Angelika tat (Verflixt, Spoilergefahr). Aber lest selbst. Vielleicht bin ich zu pingelig.

Sprachlich war der Roman genau mein Ding. Einfach gehalten, fetzig, umgangssprachlich – ein Roman für Unterhaltungsjunkies.
Die Umsetzung ist jedoch ein wenig holprig. Hier und da gibt es Fehler, überflüssige Wörter, unglückliche Formulierungen und, in meinem Fall beim Taschenbuch, auch Formatierungsfehler. Worttrennungen erfolgten ein paar Mal nach dem ersten Buchstaben. Ist im Prinzip nicht weiter schlimm, sieht im Buch aber doof aus und springt sofort ins Auge.

Wenn ich weiß, dass ein Autor für ein Lektorat viel Geld bezahlt hat, frage ich mich, warum solche Dinger nicht gesehen und behoben wurden.

Das Ende der Story kam ein wenig flott, hat mir aber gefallen, weil es Raum für die eigene Fantasie lässt. Ich hätte zwar zu gerne gewusst, was Angelika …
Aber mehr verrate ich hier nicht.

Fazit:

„Injektion“ von Melisa Schwermer wartet mit einer tollen Idee auf, die leider durch die Umsetzung nicht ihr volles Potenzial entfalten konnte. Das ist sehr schade, aber nun nicht mehr zu ändern. Ich hätte mir mehr Ernsthaftigkeit und mehr Drama gewünscht – Galgenhumor statt nackter Todesangst – das war mir zu schlaff. Handwerklich geht da mehr. Da bin ich sicher.

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Samstag, 3. Mai 2014

Fünf Tode - Fred Ink

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Klappentext:
Seit er ein kleiner Junge war, sieht Tim die Zarge: unheimliche, rauchartige Wesen, die niemand sonst wahrzunehmen scheint. Sie haben es auf seine Schwester abgesehen, und sie tauchen immer dort auf, wo Menschen ums Leben kommen. Was haben sie vor? Und wo kommen sie her? Tim muss sterben, um Antworten zu finden. Gezeichnet kehrt er zurück, nur um festzustellen, dass er etwas von der anderen Seite mitgebracht hat. Etwas Böses. Der wahre Horror hat gerade erst begonnen.

Fred Ink ist einer der fleißigsten Indie-Autoren, die ich kenne. Bei ihm muss man nicht ewig lange auf neuen Stoff warten. Und obwohl er regelmäßig neue Werke veröffentlicht, büßen diese rein gar nichts an Qualität ein. Im Gegenteil. Der Mann wird von Buch zu Buch immer besser, was nicht heißen soll, dass seine vorherigen Werke auch nur im Ansatz als schlecht zu bezeichnen wären.

Das Repertoire von Fred Ink ist ziemlich breit gefächert. Allerdings habe ich bisher noch nicht alles von ihm gelesen, weil ich mich eben doch mehr zum Horror hingezogen fühle.
Seine Werke „Das Grauen in den Bergen“ und „Wurmstichig“ sind mir dabei noch am besten in Erinnerung. Mit den Jahren habe ich mich immer mehr für seine „Lovecraftsche Ader“ begeistert. Sein Stil, die mitunter etwas altbackene Schreibweise in diesen beiden Werken und die gute Qualität seiner Texte (in Zeiten der Selfpublisher leider keine Selbstverständlichkeit mehr), haben mich zu einem Stammleser werden lassen.
Umso erfreuter war ich dann, als ich endlich „Fünf Tode“ in den Händen hielt. Ich war nicht nur erfreut, sondern auch angenehm überrascht, denn dieses Werk fährt eine komplett andere Schiene, als ich es von Fred Ink bisher gewohnt war.

Hier lernte ich nun endlich die andere, moderne Seite des Autors kennen, die wohl auch in „Uppercut“ bereits zum Vorschein kam. Dieses Werk kenne ich allerdings noch nicht.
Wer mich kennt, weiß, dass ich eine moderne, umgangssprachliche Schreibe bevorzuge. Diese Vorliebe wird hier vom Allerfeinsten bedient.

Es geht zügig und fetzig zur Sache. An keiner Stelle kommt Langeweile auf. Genau so brauche ich das.
Der Autor verzichtet auf Belanglosigkeiten und ausschweifendes Gefasel (Gott sei Dank!) – in meinen Augen der Spannungskiller Nummer eins in vielen Horrorschmökern.

Und wenn wir schon bei der Spannung sind, kann ich gleich dazu sagen, dass diese hier keineswegs zu kurz kommt. Der Plot überzeugt mehr als einmal durch überraschende Wendungen. Hier und da ist man gezwungen, einzelne Begebenheiten im Kopf erneut durchzuspielen, um dann irgendwann zu verstehen. Diese „Aha-Effekte“ mag ich, denn es zeigt mir, dass ich als Leser nicht jeden einzelnen Happen mit dem Goldlöffel gefüttert bekomme. Ich muss mir die eine oder andere Erkenntnis erarbeiten, indem ich über die Geschichte nachdenke.

Trotzdem hatte ich nicht zu jeder Zeit die richtige Peilung. Ab und zu bin ich auf falsche Fährten reingefallen. Und genau so muss es sein. Ich WILL reingelegt werden. Nur so macht eine Story mir auch Spaß. Operation gelungen – Leser verarscht! YES!

Übrigens kommen auch die Gewaltfreunde nicht zu kurz. Hier fliegen die Fetzen.

Der Protagonist Tim ist – nun ja – ein unsympathischer Sack. Trotzdem macht der Kerl irgendwie Spaß. Ich denke, es ist eine große Kunst, den Leser an so einen Charakter zu binden. Fernab aller 08/15-Klischees haben wir uns gefälligst mit diesem Unsympathen zu arrangieren. Dank der äußerst gelungenen Darstellung, der rasanten, spannenden und intelligenten Handlung und dem unterhaltsamen Schreibstil, fällt dem Leser das auch nicht schwer. Ehe man sich versieht, ist man auch schon durch. Wenn man nicht aufpasst, liest man das Ding versehentlich in einem Rutsch durch, so dass man schließlich feststellt, dass man nur noch 3 Stunden schlafen kann, bevor der Wecker klingelt. Mit anderen Worten: „Fünf Tode“ ist ein Pageturner. Geiles Teil!

Fazit:
„Fünf Tode“ von Fred Ink könnte man auch den Titel „Atemlos in einem Rutsch“ verpassen. Tempo, Spannung, Originalität und Können zeichnen diesen Roman aus. Ich wünschte, nur die Hälfte aller Indie-Autoren würden Werke in dieser Qualität abliefern.
Von mir gibt es dafür eine ganz klare Leseempfehlung. Fred Ink? Jederzeit gerne wieder!

Fuenf Tode kann man hier bestellen *klick*