Sonntag, 23. November 2014

Gott der Tentakel - John Aysa

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Klappentext:

Als der Komet, genannt Fratze, in den Ozean einschlägt, verwüstet er die Welt. Eine Expedition in das hinter Stürmen verborgene Zentrum des Einschlaggebiets gerät für die Teilnehmer zum Desaster. Sie erleiden Schiffbruch und stranden auf einer Insel, die es hier nicht geben dürfte. Was sie dort vorfinden, birgt Lust und Grauen in ungekannten Dimensionen und hat das Potential, die schwer angeschlagene Menschheit in ein Inferno auf Erden zu verbannen.

Gut – um gleich ohne die übliche Rieseneinleitung ins Haus zu fallen:
„Gott der Tentakel“ ist ein John Aysa in seiner reinsten Form. Das heißt mit den Worten eines pingeligen Literaturkritikers: Hierbei handelt es sich um ein obszönes, brutales, pornografisches Machwerk, welches den anspruchsvollen Leser bis in die (Scham) Haarwurzeln erröten lässt.

Oder sagen wir es doch einfach mit den Worten eines eingefleischten John Aysa-Fans:
HELLYEAH! Was für ein fucking abgefahrener, geiler Scheiß!

Dieses Buch ist, wie so ziemlich alle Bücher von John Aysa, polarisierend. Es spaltet die Leserschaft sogleich in zwei Lager. Ist das Kunst oder kann das weg? Ein wahrer Fan wird sich diese Frage wohl kaum stellen, denn dieser Mann schreibt wie der verdammte Teufel höchstpersönlich. Und trotz aller darin enthaltener, mitunter sinnloser Gewalt, kristallisiert sich in jeder Szene deutlich heraus, dass der Autor sein Handwerk versteht und so lässig andere Autoren seines Genres in seinem stinkenden Fahrwasser zurücklässt.

Aller Begeisterung zum Trotz, muss ich einen geringen Punktabzug vornehmen. In der ersten Hälfte der Lektüre hatte ich etwas Schwierigkeiten, in die Story hineinzufinden. Insgesamt erschien es mir etwas wirr, und ich konnte die verschiedenen Handlungsstränge gedanklich nicht zusammenfügen. Da wäre evtl. etwas weniger mehr gewesen.
In der zweiten Hälfte lichtet sich das Dunkel aber nach und nach, so dass es mir gelang, die Zusammenhänge zu kombinieren und die Geschichte im Ganzen zu sehen.

Insgesamt reißt der hammermäßige Schreibstil aber alles raus, der schon allein durch seine Kreativität und seine Vielfalt ein Erlebnis ist.
John Aysa könnte sogar den Tanz von 25 langweiligen Bauernmädchen um einen Maibaum herum so unterhaltsam erzählen, dass man dabei Popcorn essen möchte.

Sex, Blut, Gewalt und Widerwärtigkeiten? Aber sicher. Lang und schmutzig, um genau zu sein. Allerdings gepaart mit tentakeligen Aliens und ordentlich Speed.

Fazit:
Fans dieses extremen Genres dürften bei „Gott der Tentakel“ vor Begeisterung jauchzen. Warmduscher und Moralapostel sollten wirklich von einem Kauf absehen. Ich denke, ihr würdet euch einen Zacken vom Krönchen abbrechen. Und das wollen wir doch nicht.
Wer bereits ein Fan von „SHE“ ist und somit die Fäkaltaufe bereits hinter sich hat, darf sich diesen Roman auf keinen Fall entgehen lassen.

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Sonntag, 9. November 2014

Die andere Seite der Realität - A.P. Glonn

Die andere Seite Web


Klappentext:

London 1888. Als Inspector Seth Aspen in Whitechapel über eine Frauenleiche stolpert, ist das erst der Auftakt einer ungeheuren Mordserie, welche ganz London erschüttert. Der Mörder scheint ein nicht fassbares Phantom, von der Presse bald als Jack the Ripper betitelt. Um ihn zu stellen, verfolgt Aspen den Täter quer über den Atlantik, durch die USA und Kanada und darüber hinaus zur anderen Seite der Realität … nach Innes, einer Welt, aus welcher der Ripper seine Macht schöpft. Obwohl selbst als Fremdling verfolgt, bleibt ihm Aspen auf den Fersen; mit nur einem Ziel: Den Ripper zu finden koste es, was es wolle.

Zu Anfang einer Buchbesprechung komme ich immer ganz gerne darauf zu sprechen, woher ich den Autor kenne und welche bereits gelesenen Werke ich empfehlen kann.

Im Fall von A.P. Glonn kann ich diese Gewohnheit getrost in die Tonne treten.

Leider kenne ich bisher noch gar nichts von diesem Autor, der übrigens eine Autorin ist.

Allerdings werde ich immer gleich hellhörig, wenn der LUZIFER Verlag mir bisher unbekannte Autoren unter Vertrag nimmt, denn so viel ist klar: Dort wird wirklich kein Bockmist verlegt. Wer es bis dahin geschafft hat, befindet sich in prominenter Gesellschaft.
Kommen dann auch noch begeisterte Leserstimmen zum Tragen, Stimmen, die nicht in meinem Kopf sind, wohlgemerkt, ist das Zucken des Zeigefingers zum „Jetzt kaufen-Button“ nur noch eine Frage der Zeit.

Diese Zeit ist nun abgelaufen. Ich habe „Die andere Seite der Realität“ nicht gelesen – ich habe es gefressen.

Ich bin eigentlich kein Fan von Kriminalgeschichten, aber ich bin ein wirklich großer Fan von Geschichten über Jack The Ripper. Wenn diese dann auch noch so genial gut geschrieben sind, wie „Die andere Seite der Realität“, gibt es für mich kein Halten mehr.

Der Plot um den berühmten Serienkiller war in diesem Fall mal etwas ganz anderes, das ich in dieser Form noch nicht gelesen habe.

Dabei präsentierte sich mir eine bunte Mischung aus ein wenig Krimi, Fantasy, etwas Dramatik, Romantik (ja, auch DAS spielt hier eine Rolle, wenn auch nicht dominierend) und – für mich besonders wichtig – Humor in genau der richtigen Dosis. Die Art Humor, die im korrekten Verhältnis gewählt, dem Ganzen den letzten Feinschliff verpasst, ohne das Werk ins Alberne abdriften zu lassen.

So ist es dann auch kein Wunder, wenn der Leser Inspector Seth Aspen, Aelin und Duncan schon nach dem ersten Drittel der Lektüre rettungslos verfällt.

Evtl. schleichen sich winzige Klischees ein. Ein etwas „dämlich-verpeilter“ Ermittler, dem man ab und zu den Kopf gerade rücken muss, ist vielen Lesern sicher schon aus anderen Werken oder Filmen bekannt. Trotzdem: Für mich kein Grund zu stänkern. Spaß muss es machen!

Und das hat es nicht zu knapp!

Wie der aussagekräftige Titel uns verrät, bekommen wir es mit einer zweiten Realität zu tun. Dort kommen dann die Fantasy-Elemente zum Tragen.
Zunächst wie ein harter Wechsel erscheinend, wird diese andere, neue Welt recht schnell zu einer Selbstverständlichkeit, was man den wunderbar ausgearbeiteten Charakteren und dem tollen Schreibstil verdanken kann. Nicht eine Sekunde lang musste ich mich über Dinge wundern oder logische Abläufe hinterfragen. Hier passte einfach alles. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, kaufen wir einer Geschichte alles ab, wenn sie gut geschrieben ist.

Hier hätte ich auch ein kahlrasiertes Einhorn, das im Stringtanga auf einem Zyklop reitet, hingenommen. So viel zum Thema Glaubwürdigkeit.

Insgesamt haben wir hier einen durchaus fesselnden, unterhaltsamen Roman, der verschiedene Genres gekonnt miteinander verknüpft und somit ein vielseitiges Lesevergnügen erzeugt.

Ich bin wahrlich kein Fan von dicken Kloppern, aber hier hätte ich für weitere 200 bis 300 Seiten gerne eine Nachtschicht eingelegt. So muss phantastische Literatur sein. Fesselnd, spannend und zu allem bereit.

Abschließend bleibt nur noch, das wie immer stimmungsvoll-düstere Cover des Grafik-Designers Timo Kümmel zu erwähnen, der mit seinen abartig guten Grafiken schon häufig meinen Regalen den letzten Schliff verpasst hat.

Fazit:

„Die andere Seite der Realität“ ist ein Roman, der was kann – ein Allrounder mit Suchtfaktor, der trotz einiger blutiger Stellen auch zarter besaiteten Lesern großen Spaß machen dürfte.
Gut angelegtes Geld – gerne mehr davon!

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Samstag, 1. November 2014

Panoptikum - Andreas Zwengel

sis - tib - panoptikum


Das sagt der Klappentext:

Zwölf Geschichten aus dem weiten Feld der Phantastik. Von historischem Steampunk über groteske Märchen und Lovecraft’schen Tentakelhorror bis zur dystrophischen Science Fiction. Geschichten mit einem großen Herzen für Pulp Fiction und viel schwarzem Humor.

Andreas Zwengel war mit schon vor dem Genuss dieser Kurzgeschichtensammlung ein Begriff. Ich besprach „Die Schattenkrieger“, Band 6, aus einer kleinen, ganz passablen Buchreihe mit dem fröhlichen Namen „Teezeitgeschichten“. Diese Geschichte fand ich damals nett, aber nicht überragend, was der knappen Vorgabe von etwa fünfzig Seiten geschuldet sein mochte.

Trotzdem war mein Interesse geweckt. Deswegen freute es mich, in „Mängelexemplare Dystopia“ eine wirklich unterhaltsame Kurzgeschichte von ihm zu entdecken. Mit der Story „Souljacker“ hatte Andreas Zwengel mich innerhalb weniger Minuten im Sack. Seitdem lese ich seine Werke wirklich gerne.

„Panoptikum“ ist eine vielseitige Sammlung von zwölf Kurzgeschichten, in denen der Leser so ziemlich alles vorfindet, was er sich in seinen kühnsten Phantastik-Träumen ausmalen kann. Die Palette ist äußerst breit gefächert und bietet nahezu alles an. Monster, Hexen, Viren, Aliens, Vampire – Horror, ein Hauch von Steampunk und ein wenig Science Fiction, dies alles ergibt eine kinoreife Mischung, die einem Unterhaltung vom Feinsten bietet.

Der Autor punktet aber nicht nur mit Vielfalt, sondern auch mit einem erfrischend locker-flockigen Schreibstil, der unterschwellig einen fiesen, sympathischen Humor transportiert.

In diesem Schmöker wurde ich stets auf’s Neue überrascht und somit bestens unterhalten. Ich habe wirklich jede einzelne Geschichte inhaliert, wann immer ich Zeit fand.

Fazit:

„Panoptikum“ von Andreas Zwengel ist eine in jeder Hinsicht gelungene Kurzgeschichtensammlung, die Spaß macht. Schade, dass ich sie schon gefressen habe. Gerne lese ich künftig mehr von diesem Autor.

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