Mittwoch, 25. März 2015

Für eine Handvoll Füße - Jordan Krall

füße


Klappentext:

Screwhorse, Nevada ist legendär für seine brutalen und ungewöhnlichen Vorlieben. Doch als der Revolverheld einen hölzernen Esel in die Wüstenstadt schleppt, ist die Bühne frei für ein Blutbad, das Schlimmste, das der Westen je erlebt hat. Der Name des Helden? Calamaro – und er stammt aus New Jersey. In den Hauptrollen: Cthulhu verehrende Indianer, eine vierbeinige Frau, ein Giallo-esque Serienkiller, ein durchgeknallter Revolverheld, der es liebt an Zucker zu lecken, Syphilis Mutanten, Arschwasser rülpsende Pistolen, sexuell übertragbare Tattoos, und ein Haus, das den verrücktesten Fetischen gewidmet ist. Für eine Handvoll Füße von Jordan Krall ist der unheimlichste Western der je verfasst wurde.

Durch den Verlag Voodoo Press wurde ich bereits vor Jahren auf dieses seltsam nerdige Genre „Bizarro Fiction“ aufmerksam. Denn da gibt es nicht nur Carlton Mellick III, sondern einige andere Autoren, deren mitunter recht behämmerte Fantasien sich irgendwo zwischen genial und reif für die Geschlossene bewegen.

Einige abgedrehte Romane dieser Art habe ich bereits inhaliert und besprochen.
„Für eine Handvoll Füße“ (Jordan Krall) ist leider der letzte Band seiner Art, den Voodoo Press verlegt hat und vermutlich auch niemals wieder neu auflegen wird. Die Zielgruppe ist eben doch zu klein, und geisteskranke Vollnerds, wie ich es bin, werden künftig sehr intensiv suchen müssen, um derart abgedrehten Stoff lesen zu können.
So spalten sich meine Gefühle in „YEAH, ich besitze ein Sammlerstück“ und „Och nööö, war es das jetzt wirklich?“

Zurück zum Buch:

Ich bin kein Western-Fan. Nein, wirklich nicht.
Ich bin auch kein Fan von Hommagen an irgendwen oder irgendwas. In diesem Fall würde ich fast so weit gehen, von einer Hommage an die Italo-Western der siebziger Jahre zu sprechen.
Ich bin aber definitiv ein Fan von abgedrehten Geschichten, total bekloppten Protagonisten, die sich mehr oder weniger sinnvoll verhalten und allerhand anderen seltsamen Dingen.
Schon der Klappentext macht neugierig. Dieser ist keinesfalls übertrieben. Im Gegenteil. Er fasst so eben das Gröbste zusammen und verschweigt dabei noch dezent die Kühe, die anstelle der Euter Tentakel haben, Hermaphroditen und dubiose Substanzen.
Trotz allen Wahnsinns gibt es so etwas wie eine Geschichte, einen roten Faden, der das bizarre Geschehen auf eine irgendwie kranke Weise nachvollziehbar macht.
Also gibt es Helden, Schurken, Huren, Betrüger, Indianer und Verrückte – kurzum: alles, was ein Western-Spektakel braucht.
Erstaunlicherweise gab es in diesem Moloch von Leichen, Sex und Wahnsinn tatsächlich einige wenige Momente der Ruhe. Kaum zu glauben, aber wahr.
Zusätzlich sollte ich noch erwähnen, dass dieser Titel ein Roman für Erwachsene ist. Der Leser begegnet dort so ziemlich allen Abgründen, die sich ein Autor  ausdenken kann.
Zwischendurch liest es sich wie ein stinknormaler Western, und dann, wenn man meint, alles wäre in Butter, zieht erneut der Wahnsinn ein. Gerade diese Momente machen den Roman zu einem Pageturner für jene, denen „normal“ nicht reicht.
Ich fand es auch erfrischend locker geschrieben. Zackig und auf den Punkt. Das treibt den Lesefluss voran. Ich persönlich habe es vergangene Nacht in einem Rutsch gefressen.
Evtl. hätten der Geschichte ein paar Charaktere weniger gut getan, aber hey, je mehr verrückte Leute, desto vielseitiger die Ideen, was man diese Irren alles anstellen lassen könnte.

Fazit:
„Für eine Handvoll Füße“ tarnt sich zwischen den Kuriositäten als einfacher Western, verpasst dem Leser aber in regelmäßigen Abständen die volle Breitseite des Bizarro Fiction Genres. Erwartet nichts, aber rechnet mit allem. Ich muss mir jetzt erst wieder die hochgezogenen Augenbrauen abgewöhnen. Die sind immer noch oben, ich schwör’s euch!

Für eine Handvoll Füße gibt es hier *klick*

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