Montag, 30. März 2015

KIN - Kealan Patrick Burke

kin


Klappentext:

An einem glühend heißen Sommertag in Elkwood, Alabama taumelt Claire Lambert nackt, verletzt und halb blind von einem Ort des Grauens davon. Sie ist die einzige Überlebende eines Albtraums, der ihre Freunde das Leben gekostet hat. Und obwohl sie für Rettung betet, kommen die Killer - eine Familie kannibalischer Geistesgestörter - immer näher.
Ein Soldat, der an posttraumatischer Belastungsstörung leidet, kehrt aus dem Irak zurück und erfährt, dass sein Bruder zu den Opfern in Elkwood zählt.
Im eingeschneiten Detroit bekommt eine Kellnerin, die in einer von Missbrauch geprägten Beziehung gefangen ist, unerwarteten Besuch, der zu Blutvergießen führt und sie in eine Vergangenheit zurückversetzt, vor der sie jahrelang zu fliehen versucht hat.
Claire, die alleinige Überlebende des Elkwood-Massakers, wird von ihren toten Freunden heimgesucht und träumt von Rache … ein Traum, der durch Trauer und Wut real wird, der gute Menschen in kaltblütige Mörder verwandelt und Fremde gezwungenermaßen zu Verbündeten werden lässt.
Es ist Zeit, nach Elkwood zurückzukehren.


So lautet die grobe Inhaltsangabe, welche der Wortgewalt der beschriebenen Geschichte nicht annähernd gerecht wird.

Um auch nur eine halbwegs angemessene Buchbesprechung zu diesem Werk abzuliefern, muss ich mich kurz sammeln.

Wirklich, Leute, ich bin überhaupt kein Fan von bildhafter Sprache, langen Sätzen und ausufernden Beschreibungen, aber was Kealan Patrick Burke hier abgeliefert hat, schickt einen Trash-Fan wie mich in die „Schäm dich-Ecke“.

Und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich ernsthaft gefragt: Was zum Geier hat mich bisher geritten, mich vor Werken wie diesen zu drücken?
Ich gebe beschämt zu, dass ich eine der üblichen Hinterwäldler-Geschichten erwartet hatte. Eine von der Sorte, in der ein paar geisteskranke Vollspacken in karierten Hemden sich das Mädchen und dessen Freunde vorknöpfen, sie nach allen Regeln der Kunst foltern, um sie anschließend bei selbstgebranntem Schnaps über dem Lagerfeuer zu rösten. Das Mädchen schafft es irgendwie mehr tot als lebendig zurück ins Leben, um sich später fürchterlich zu rächen.
Es hätte so einfach sein können.
Aber da hatte ich wohl die Rechnung ohne Mr. Burke gemacht.
Ja, im Großen und Ganzen hat der Roman genau diese Grundzüge. Allerdings wurde die Geschichte so meisterhaft eloquent erzählt, dass man mittendrin das Atmen vergisst.

Die Charaktere, egal ob gut oder böse, haben ihre Daseinsberechtigung. Jeder von ihnen. Sie alle haben Tiefe, Seele und Gründe für das, was sie tun, mag es auch noch so krank sein. Burke hat die Mittel, uns jede noch so kranke Handlung glaubhaft zu verkaufen. Und er nutzt sie, darauf könnt ihr wetten.

Wenn dieser Autor einen Baum beschreibt, dann sehen wir ihn nicht nur vor uns. Wir SIND der Baum.
Wenn dieser Autor unaussprechliches Grauen erzeugen möchte, tut er das in einer quälend gründlichen Art und Weise, um dem Leser schließlich mit einem einzigen Satz den Todesstoß zu verpassen.

Selten hat mich ein Roman so aus der Fassung gebracht. Die Geschehnisse haben mich völlig für sich vereinnahmt und bis jetzt nicht losgelassen.
Ganz großes Kino (was für eine bescheuerte Floskel, die hierfür eigentlich zu lächerlich ist)! Aber wirklich ganz ganz großes Kino!

Fazit:

„KIN“ von Kealan Patrick Burke ist wie eine Totenhand, die des nachts aus deinem Kleiderschrank nach dir greift, um dich in eine Welt zu zerren, die du nicht kennen willst. „KIN“ ist mit das herausragendste Buch, das ich je gelesen habe. Ich kann nur noch meinen Hut ziehen – ein Meisterwerk.

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Kommentare:

  1. Hi,

    nur noch neugieriger auf das Werk gemacht worden. Geordert ist es ja.

    Und die Floskel "ganz großes Kino" ist für Filmenthusiasten wie mich auch bei einem Buch keine schlichte Floskel. Es beschreibt fast den Idealzustand (Ob nun Film oder (Kopfkino-)Buch.

    Gruß
    Harry

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    1. Hey Harry, die o.g. Formulierung vergebe ich sicher nicht bei jedem Buch, das mir gefallen hat. Aber in diesem Fall erschien sie mir tatsächlich wie eine lächerliche Floskel.
      Es gibt Romane, die mich so beeindruckt haben, dass ich mir sicher bin, dazu keine Besprechung formulieren zu können, die dem gerecht würde. Das hier war ein solches Buch.
      Ich wünsche dir viel Spaß damit :-)

      LG
      Carmen

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  2. Oh je... bei so einer Rezi MUSS ich das Buch lesen :-) Danke für den Tipp :-* LG Kaddel
    (Kaddel Katja Peters/FB)

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  3. Hi,

    wenn mich was richtig beeindruckt hat (Okay, ist meist recht simpel gestrickter Actionstoff), geht mir hin und wieder der Gaul durch bei meinen Formulierungen, um meiner totalen Begeisterung Ausdruck zu geben.

    In die andere Richtung passiert das dann auch ab und zu. "Wilder Fluss" konnte mir gar nichts geben, war ein kruder Mix, der bei mir nicht funktionierte. Da ich es nicht zu schlimm klingen lassen wollte, hab ich dann einige eher scherzhafte Formulierungen verwendet.

    Fall drei ist dem Autor anpassen. Das war bisher nur bei John Aysa der Fall und meine damalige (nicht negativ gemeinte) drastische Wortwahl (die er ja auch beherrscht) war mit ihm und auch dem Verlag im Prinzip abgesprochen, hab es mir von denen in der geschriebenen Form genehmigen lassen.

    Dauert wohl eh noch einige Tage, bis "Kin" eintrudeln wird und ich bin derzeit mal wieder außerhalb des Horrobereichs unterwegs und lese den neuen James Ellroy.

    Gruß + schöne Ostern
    Harry

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    1. Hm, bei Büchern von John Aysa reitet mich tatsächlich auch ständig der ordinäre, wilde Watz. Darüber hatte ich mir zuvor noch nie Gedanken gemacht, aber jetzt, wo du es ansprichst ...
      Ja, es ist wirklich so. Auch ich passe meine Besprechungen dem Buch an. Und sich gewisse Formulierungen genehmigen zu lassen - ich habe das noch nie in Betracht gezogen. Muss man das? Sollte ich das? Jetzt bin ich doch etwas verunsichert ;-)

      Wenn ich ein Buch bespreche/beschreibe/oder was auch immer, möchte ich dem Leser vermitteln, was er zu erwarten hat.

      Ich lese gerade "Ein Akt der Gewalt". Habe ich günstig in meiner Facebook-Blutbücherbörse "geschnappt". Das ist privat und wird auch nicht hier auftauchen ;-)

      Ich wünsche dir auch schöne Ostertage!

      Sind wir eigentlich auf Facebook befreundet? Falls nicht, sollten wir das nachholen :-)

      LG
      Carmen

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  4. Hallo,Carmen!!!
    "Besuche"deinen Blog auch schon etwas länger,habe es aber noch nie geschafft mich mal per Kommentar zu äussern!!!
    Deine Buchrezis machen mir auf jeden Fall ne Menge Spass und ich habe mir aufgrund deiner Empfehlungen auch schon einige Bücher gekauft und natürlich auch gelesen.
    Ich hoffe,dass Du mit deinem fantastischen Blog noch lange weiter machst!
    Wünsche Dir erholsame Osterfeiertage
    Viele Grüsse aus Essen
    Sean Archer

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    1. Hallo Sean, das freut mich aber sehr, herzlichen Dank :-)

      Eigentlich ist das hier nur noch der "Datensicherungs-Blog".
      Inzwischen bin ich umgezogen zu: www.horrorandmore.de
      Dort ist es etwas übersichtlicher. Es gibt einen Newsletter und viele Aktionen zwischendurch, die hier nicht auftauchen.
      Würde mich freuen, wenn du auch dort mal zu Besuch kommst :-)
      Herzliche Grüße und ebenfalls schöne Ostern.

      Carmen

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  5. Hallo,

    @Carmen. Nein, du musst dir nichts genehmigen lassen, aber wenn ich wie bei Asya in die Vollen gehe und die Frage stelle, ob der Verlag nur aus "ANALphabeten" und der Autor vermeintlich nur "Scheiße im Hirn" hat, bei den Fäkalienseen, durch die er seine Protagonistin waten lässt und ich mit den Leuten eh schon Kontakt hatte, dann werden sie vorgewarnt und dürfen Änderungsvorschläge unterbreiten. Bei "Wilder Fluss" von Luzifer hab ich den Steffen nur in dem Sinne gewarnt, dass er die Rezi vielleicht nicht überall wird veröffentlichen wollen.
    Facebook. Ich habe KEINE Freunde, bin viel zu bösartig. Kann aber auch daran liegen, dass ich mich von Facebook schlicht fernhalte.

    @Sean Archer. Falls du DER Sean Archer bist, fühle dich gemaßregelt. Einfach zum Partnerblog abwandern. Pfft. Dann verrate ich dir jetzt vei uns auch nicht, dass "Girlhouse" Mitte Juni von Concorde zum Kauf kommt. So, das hast du jetzt davon, du verräterischer. Schlingel. Falls du NICHT eben DER Sean Archer sein solltest, dann SORRY. Ab er dann hätte dich die News ja eh nicht interessiert.

    Grüße und noch schöne Ostern (WIR haben hier blendendes Wetter und bei direkter Sonneneinstrahlung ist es sogar schön warm)

    Harry

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    1. Aber Harry! Gerade, WEIL ich extrem bösartig bin, habe ich einen Facebook-Account. Wo sonst könnte man diese Charaktereigenschaft besser ausleben?

      Und Partnerblog? Herrjeh, habe ich dich noch nicht verlinkt? Jetzt muss ich das gleich mal checken gehen.

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    3. Mist, Rechtschreibfehler, also nochmal: Du wurdest bereits von mir verlinkt. Nun kann ich in Frieden sterben ;-)

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  6. Womit du dir hoffentlich noch Zeit lässt!!!!

    Gruß
    Harry

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  7. Hi ;)
    Ich bin gerade über deinen Blog gestolpert und als absoluter Horror- und Thrillerfan muss ich dir jetzt einfach folgen. ;)
    Echt schön deine Rezi, ich schaue bestimmt öfters vorbei!

    Liebe Grüße
    Jessi
    http://jessireneleseratten.blogspot.de/

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    1. Danke, ich schaue gerne mal bei euch vorbei :-)

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