Dienstag, 22. September 2015

Nomaden - Michael Schreckenberg




Klappentext:

„Wir hatten die Autobahn schon bei Montabaur verlassen (...) und fuhren nun auf langen, geraden Landstraßen, die links und rechts von Wald gesäumt waren. Laub und Geäst lag auf der einstigen Fahrbahn, das Unterholz an den Rändern war hoch, und überall bahnten sich Pflanzen ihren Weg durch kleinste Durchlässe im Asphalt. Mit unseren brüllenden Motoren waren wir Störenfriede in einer Stille, die wahr und richtig schien. Die Welt hatte begonnen, uns zu vergessen, und es schien mir fast obszön, dass wir uns mit solchem Lärm in Erinnerung brachten.“ Das neue Endzeit-Abenteuer aus der Welt des Erfolgsromans „Der Finder“ erzählt die Abenteuer der Überlebenden, die seinerzeit mit Autos und Motorrädern auf die Reise durch eine leere Welt gingen, nachdem von jetzt auf gleich alle Menschen verschwunden waren. Viel mehr als eine Fortsetzung: Eine ganz eigene, mitreißende Endzeit-Geschichte.

So, seitdem ich vor Jahren durch Krimi & Co. auf „Der Finder“ von Michael Schreckenberg aufmerksam gemacht wurde, bin ich ein Fan dieses Autors.

Schon immer stand ich auf gelungene Endzeit-Szenarien, und „Der Finder“ hatte mich sowohl beeindruckt als auch bestens unterhalten.

Nach langer Zeit des Ausharrens wurde ich schließlich mit einer Fortsetzung belohnt, die mich exakt so begeistern konnte, wie ich es erwartet hatte.

Wieder befinden wir uns in derselben verlassenen Welt, in der sich auch damals schon ein mageres Resttrüppchen Überlebender behaupten musste.

Nun ist es aber nicht so, dass wir diese Gruppe bei weiteren Abenteuern begleiten. Vielmehr gab es „damals“ im ersten Teil eine Spaltung unter den Pionieren der neuen Welt.
„Der Finder“ begleitete einen Teil der Truppe, die sich dazu entschlossen hatte, auf vorhandene Bequemlichkeiten zu verzichten. Nur mit dem, was die Natur und die eigenen Hände erschaffen konnten, sollte eine neue Zivilisation aufgebaut werden.

Die andere Gruppe wollte vorhandene Ressourcen und Vorräte nutzen, um überleben zu können. Um genau diese Menschen geht es in „Nomaden“.
Folglich würde ich diesen Roman auch nicht als Fortsetzung, sondern als Parallel-Erzählung bezeichnen, ein Fakt, der mitunter sogar bemängelt wurde, was mir völlig schleierhaft ist, weil dies im Vorfeld nie ein großes Geheimnis war. Auch hier gilt praktisch: Vor dem Motzen einfach mal informieren. So könnte man falsche Erwartungen gleich im Keim ersticken.
Ich habe exakt das bekommen, was ich erwartet hatte. Schließlich hatte ich mich im ersten Teil schon gefragt, was wohl aus den anderen Menschen geworden sein könnte.

Außerdem stehe ich total auf diese Erkundungstouren in verlassenen Welten. Auch in „Nomaden“ bleibt der Autor wieder „regional“, sodass man gewohnte bzw. bekannte Umgebungen mal auf ganz andere Weise präsentiert bekommt.

Insgesamt bin ich auch dem Schreibstil sehr zugetan. Sowohl dramatische als auch ruhige Szenen wurden anschaulich und unterhaltsam erzählt. Wobei die ruhigeren Parts wegen der allgegenwärtigen Gefahr (die Kreischer, ihr erinnert euch?) schon mal recht gruselig und spannend daherkommen. Natürlich ziehen die Menschen nicht nur sinnlos durch die Gegend, um zu plündern und sich zu versorgen. Vielmehr entwickeln sie sich miteinander und zum Teil auch gegeneinander, sodass unser altbekanntes Apokalypse-Problem nicht das einzige Problem darstellt.

Und dann hätten wir da noch den Ich-Erzähler, meine Lieblingsperspektive.

„Nomaden“ besticht nicht nur durch seine facettenreichen Charaktere in einer atemberaubenden und doch toten Welt, sondern hauptsächlich durch Michael Schreckenbergs unanfechtbares Können, diese Geschichte so zu erzählen, dass es einem die Bettschühchen auszieht. Grandios erzählt!

Einziger Meckerpunkt, der aber nur die Print-Leser betrifft: Die Schrift war mir ein wenig zu winzig. Ohne Lesebrille hatte ich keine Chance. Aber okay, bei über 500 Seiten muss der Verlag halt schauen, dass das Buch nicht zum Ziegelstein wird.

Fazit:
„Nomaden“ ist ein mehr als würdiger Nachfolger zu „Der Finder“. Großes Endzeit-Kino mit Tiefe und Mitzitter-Garantie. Ich habe es sehr genossen.

Nomaden kann man hier bestellen *klick*

Kommentare:

  1. Hi :D
    Das klingt wirklich toll. Endzeit-Romane sind klasse, leider gibt es viel zu wenig davon! ;)

    Übrigens folge ich dir jetzt mal, endlich mal ein Blog, der auf Horror spezialisiert ist. Mich siehst du hier also wohl öfter! ;)

    Liebe Grüße
    Jessi
    http://in-buechern-leben.blogspot.de/

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    1. Hallo René und Jessi :-)
      Schön, von euch zu lesen. Dies hier ist mein alter Blog. Hier lade ich nur noch aus Gewohnheit alles hoch. Im vergangenen Jahr bin ich umgezogen.
      Hier findet ihr meine Seite etwas übersichtlicher gestaltet :-)

      www.horrorandmore.de

      LG

      Carmen

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