Freitag, 11. Dezember 2015

Criterion - Die dunkle Stadt, John Asya


Es ist schon dunkel. Jeder hier schläft bereits den Schlaf der Gelangweilten. Nur ich liege noch wach, die Wangen gerötet, nein, nicht vor Scham, denn diese hatte sich bereits nach eingehender Inhalation des Prinzessin-Zyklus leise winselnd verabschiedet. Meine Lesebrille rutscht mir immer wieder von der schweißnassen Nase, als wollte sie sich in die Tiefe stürzen. Die Tiefe, das ist das Buch, welches in meinen fahrigen Händen halte. Dieser unheilige Schmöker ist der Abgrund, der sich Criterion nennt, einer der Zyklen – oder wie ich sie nenne: Scheiße-Universen – die John Aysa einzig erschaffen hat, um uns Leser mit Worten auszupeitschen.



Als ich das Buch schließlich weglege, fühle ich mich positiv geschändet und gleichermaßen überwältigt. Wo nimmt dieser Mann bitte immer diesen Sündenpfuhl abartiger Eloquenz her?

John Aysa beschreibt „Criterion“ auf seiner Homepage folgendermaßen:
„Der Moloch, in dem, ungeahnt vom Großteil der menschliche Bewohner, Geschehnisse vorkommen, die jenseits aller Menschlichkeit liegen. Die Stadt, in der Verbrechen fast immer verhängnisvolle Wendungen nehmen und wo die Dinge sehr rasch außer Kontrolle geraten.
Dieses Buch versammelt die ersten fünf Langerzählungen in einer Collection, vier der Bände sind auch einzeln als eBooks erhältlich. Eine Story – Das Haus am Bamboo Hill – ist brandneu, vier Erzählungen sind Neuveröffentlichungen.“

Giese Geschichten sind in „Criterion“ enthalten:
Am Anfang war die Tat
Expedition
Killer Klown
Das Haus am Bamboo Hill
Ferve der Dreckfresser

Ich beschreibe „Criterion“ so:

Diese Story-Sammlung vereint insgesamt vier der bereits erschienenen Geschichten aus „Am Anfang war die Tat“ und „Ferve der Dreckfresser“ mit einer neuen Story und leitet somit den Einstieg in den Criterion-Zyklus ein.
Dieser wird sich mit einem uralten Vampirclan befassen, welcher – darauf könnt ihr getrost einen lassen – Aysas bisher veröffentlichten Werken unterhaltungstechnisch in nichts nachstehen wird.
Langjährige Fans des Autors werden hier absolut auf ihre Kosten kommen, denn John Aysa bleibt seiner Linie treu und erzählt auf seine individuelle, großartige, rücksichtslose Art von stinkenden Höllenlöchern, abgedrehten Charakteren und moralisch verwerflichen Gelagen aller vorstellbaren (und unvorstellbaren) Extrem-Stufen.
Ganz klar richtet sich seine Schreibe ausschließlich an jene Zielgruppe, die über einen Tümpel voller verwesender undefinierbarer Klumpen nur müde lächelt.
Dennoch bleibt auch hier niemals die Story selbst auf der Strecke. Es gibt eine Menge zu entdecken, und sollte man die Cojones haben, kann man sich auf einen echt durchwachsenen Ritt freuen.
Fazit:

Ich rolle den Ärmel meines Pyjama-Oberteils nach oben und greife beherzt mit der Hand in das stinkende Loch, in welches sich meine beschlagene Lesebrille nun doch noch verabschiedet hat. Meine Finger wühlen in etwas, ich will gar nicht erst wissen, was es ist. Ein grauenvoller Gestank schlägt mir entgegen. Schließlich ertaste ich das Gestell, schließe meine Finger darum und ziehe das vergewaltigte Hilfsmittel mit einem Ruck aus der zähen Suppe heraus. Mit einem ekelerregenden Schmatzen löst sich das gute Stück. Ich falle rücklings auf mein Bett, halte die vollgeschmierte Brille vor meine Brust und lächle, während um mich herum immer noch alle den Schlaf der Gelangweilten schlafen.


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