Mittwoch, 25. Februar 2015

Wasser - Vincent Voss

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Deutschland, irgendwann Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre: Es ist Sommer, und die großen Ferien haben begonnen.
Paul, Dirk, Lucie, Sasch, Kaltz und Mark sind eine Bande, und um sie geht es in dieser Geschichte.
Alle freuen sich auf die Ferien und haben große Pläne. Allerdings wird dies ein Sommer, den die Kids niemals vergessen werden, und der sie für immer prägen wird, denn etwas ist anders als sonst. Etwas bahnt sich einen Weg in die Realität, und etwas bedroht das Leben aller Beteiligten.
Über einen sehr langen Zeitraum sind immer wieder Kinder verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Nun scheint sich alles zu wiederholen, und die Kids müssen sich der Bedrohung stellen.

Was für ein Buch!

Die Geschichte, deren Inhaltsangabe sich auf den ersten flüchtigen Blick wie eine Folge der Vorstadtkrokodile liest, hat sich für immer in meine Erinnerung gebrannt, was vorher nur sehr wenigen Geschichten gelingen konnte.

Die Story wird von einem der inzwischen erwachsenen Bandenmitglieder erzählt. Wer das ist, erfahren wir erst am Ende der Geschichte. Und weil das so sein muss, werde ich an dieser Stelle nicht verraten, um wen es sich handelt.

Gleich die ersten Zeilen haben mich sofort für sich beansprucht, und es war mir kaum noch möglich, die Lektüre zu unterbrechen. Ich war sofort mit allen Sinnen dabei.

Nur ungern stelle ich Vergleiche zu anderen Autoren und deren Werke auf, aber in diesem Fall kam ich nicht umhin, mich an meine Lieblingsgeschichte zu erinnern: „Die Leiche“ von Stephen King ist eine der ganz wenigen Geschichten, die ich im Laufe der Jahre immer wieder gelesen habe. Die Verfilmung „Stand by me – Die Geschichte eines Sommers“ flimmerte sicher schon etwa zehn Mal über meine Mattscheibe.
„Wasser“ ist seit sehr langer Zeit der erste Roman, der in mir das Gefühl wieder aufleben ließ, welches ich damals beim Lesen von Kings „Die Leiche“ hatte.
Es war ein Abenteuer, wie ich es lange Zeit nicht mehr erleben durfte.
Mit wenigen Sätzen schoss Vincent Voss mich zurück in meine eigene Jugend. Ich sah meine eigene Bande, rauchte meine erste Zigarette, nähte mir Aufnäher auf die Jeansjacke und tanzte zu den rockigen Klängen von Kiss. Es war alles so vertraut, als wäre ich selbst dabei gewesen, und die Erinnerungen an damals trieben mir fast die Tränen in die Augen.
Die Story ist definitiv ein Horror-Roman, denn der Leser wird mit unheimlichen Mächten konfrontiert - bösartig und unberechenbar. Vincent Voss gelang es mühelos, mir eine ordentliche Gänsehaut nach der anderen zu bescheren. Die Geschichte ist einfach nur packend und zum Teil sehr unheimlich. Aber auch wenn sich das nun widersprüchlich liest, spielt der Horror eine eher untergeordnete Rolle.
Vielmehr begleiten wir eine Handvoll Heranwachsender dabei, wie sie sich verlieben, Angst haben, Opfer bringen, sich ihren Problemen stellen, alles für ihre Freunde tun und gemeinsam ihre Kindheit hinter sich lassen.
Das Ganze ist so grandios geschrieben, dass der Autor mir meine gesamte zur Verfügung stehende Gefühlspalette entlocken konnte. Unterhaltung, Spannung, Trauer, Erinnerungen, Wehmut – für mich war alles mit dabei, und ich konnte (und wollte) einfach noch nicht loslassen, als der Roman schließlich zu Ende war.

Das, lieber Herr Voss, war ganz großes Kino. Wäre doch nur die Hälfte aller veröffentlichten Bücher so packend! Danke, dass ich es vorab lesen durfte.

Fazit:
„Wasser“ ist einer der ganz seltenen Romane, die Abenteuer, Emotionen und Grauen in einem packenden Gesamtpaket miteinander vereinen und den Leser mit allen verfügbaren Sinnen an ein Buch fesseln. Ich bin immer noch wie verzaubert und kann nicht anders, als diesen Roman jedem ans Herz zu legen, der, so wie ich damals, mit leuchtenden Augen die ersten Geschichten von King verschlungen hat. Leseempfehlung mit Krönchen!

"Wasser" erscheint am 12.03.2015 beim Verlag Torsten Low und kann bereits vorbestellt werden *klick*

"Wasser" gibt es auch bei Amazon *klick*

Freitag, 13. Februar 2015

Fleisch 2 - Horror-Anthologie

Fleisch2


Mit Anthologien ist das ja oft so eine Sache.
Es ist eher selten der Fall, dass ich mich für jede Geschichte einer solchen Sammlung begeistern kann. Tatsächlich muss ich hier aber mit Anlauf meinen Hut ziehen.

Dieses beim Eldur-Verlag erschienene Sammelsurium der Grausamkeiten wartet mit altbekannten Namen auf, gibt aber auch Newcomern eine Chance.

Autoren wie z.B. John Aysa, Markus Kastenholz, Sönke Hansen, Peter Lancester, Bernhard Giersche, Torsten Exter, Thomas Backus, Torsten Scheib, Sören Prescher und Thomas Williams waren mir bereits vorher ein Begriff.
Da ahnte ich bereits, was ich zu erwarten hatte – und ich bekam sogar noch viel mehr. Jede einzelne Story packte mich hart im Genick und ließ somit keine Wünsche mehr offen.

Eigentlich möchte ich keinen Autor besonders hervorheben, weil jeder auf seine ihm eigene Art reichlich auf dem Kasten hat. Aber da wir schon beim Kasten sind:
Markus Kastenholz hat mich ganz besonders mit „Jenseits der Gleise“ so dermaßen gut abgeholt, dass es mir fast die Kuschelsöckchen ausgezogen hätte. Respekt, Mann!!!

Thomas Williams „Pornozismus“ war absolut mein Ding. Eine völlig abgedreht, absurde Story, die einen vor lauter Spaß fröhlich mit dem Fuß wippen lässt. Genau mein Ding.

Dann waren da noch Autorinnen und Autoren, von denen ich zwar gehört, aber noch nicht viel bzw. gar nichts gelesen hatte.
Als da wären: Antje Ippensen, Piper Marou, Rosa leber, Alisha Godoy, Michael Hauenstein und Cassandra Schwartz.

Meine besonderen Favoriten waren hier Antje Ippensen und Rosa Leber, die mich mit ihren Geschichten komplett vom Hocker gerissen haben. Auf euch werfe ich künftig ein riesengroßes Leser-Auge. Sehr gerne in Zukunft mehr von den beiden. Genau so etwas braucht die Horror-Welt. Danke dafür.

Alle hier nicht Erwähnten waren deswegen aber nicht minder gut. Es würde nur einfach den Rahmen sprengen, auf jede Story einzugehen. Darum hier nur meine Highlights und ein Gesamteindruck.

Einziger Meckerpunkt ist für mich die Schriftgröße. Dies ist aber nicht nur bei diesem Buch ein Problem gewesen, sondern scheint derzeit auch bei anderen Verlagen groß in Mode zu sein.
Für's bloße Auge mittleren Alters zu klein, für die Lesebrille schon fast wieder zu groß. Auf dem Reader wäre das sicher kein Problem, aber für nicht mehr ganz taufrische Printliebhaber stellt diese Schriftgröße eine nette Herausforderung dar. Allerdings entschädigt der durch die geringere Seitenzahl sicherlich günstigere Kaufpreis ein wenig für die erlittene Anstrengung.

Ich bin dann mal beim Optiker.

Fazit:

Eldur hat mit „Fleisch 2“ eine gut durchwachsene, unterhaltsame und vielseitige Anthologie hingelegt, die qualitativ den Veröffentlichungen der großen Verlage in nichts nachsteht. Von der Gänsepelle bis zum Magensalto war hier jede Reaktionsvariante vertreten. Die Auswahl stimmt hier bis ins Detail.
Eben habe ich für mich auch Teil 1 entdeckt (sehr fieses Cover!). Ich bin ziemlich sicher, dass ich den Kauf nicht bereuen werde. Einmal Blut geleckt – ihr kennt das sicher...

Fleisch 2 gibt es hier *klick*