Montag, 24. August 2015

Tu es. Tu es nicht. - Gastrezension von Simona Turini







Gastrezension von Simona Turini
»Tu es. Tu es nicht.« von S. J. Watson
Klappentext:
Sie liebt ihren Mann. Und ist besessen von einem Fremden.
Sie ist eine gute Mutter. Und würde ihre Familie aufgeben.
Sie weiß, was sie tut. Und gerät außer Kontrolle.
Sie lebt zwei Leben. Und kann beide verlieren.



Julia führt ein scheinbar gesichertes Leben mit Mann und Sohn in London. Da wird ihre Schwester brutal ermordet. Julia begibt sich auf eine gefährliche Suche – und gerät unaufhaltsam in den Sog des Verbrechens und der Vergangenheit.

Schon der Titel ist nicht unbedingt vielversprechend, aber vermutlich vom Verlag mit Gewalt an den irrsinnig erfolgreichen Vorgänger »Ich. Darf. Nicht. Schlafen.« angelehnt. Sei`s drum: Doofe Titel gibt es im Thriller-Segment zuhauf, und das Original »Second Life« klingt denn auch beruhigend.
Also unvoreingenommen ran an das Buch.

Leider löst der Roman nicht ein, was das Label »Thriller« verspricht. Mag sein, dass die Geschichte von Julia, Hausfrau, Teilzeit-Fotografin und Adoptivmutter ihres Neffen, als psychologische Studie angelegt ist – auf den ersten 300 Seiten nerven ihre ständigen Zweifel und Selbstreflexionen eher.
Dummerweise ist Julia nämlich auch Ex-Junkie und trockene Alkoholikerin mit schwieriger Familiengeschichte, die sie offenbar niemals wirklich hinter sich lassen konnte.

Die ganze Misere, in die sie sich verstrickt, und die am Ende fast schon hektisch, fast nebenbei aufgelöst wird (zugegebenermaßen halbwegs überraschend und intelligent), hätte sich viel früher in Wohlgefallen auflösen können, wenn sich die Protagonistin annähernd normal verhalten würde.
Aber nein: Zunächst muss sich der Leser durch eine suspekte, erstaunlich langweilige Affäre quälen, gespickt mit dem üblichem Geseiere à la »Oh Gott, ich betrüge meinen Mann, ich setze mein oh so tolles und geordnetes Leben aufs Spiel!«

Oh ja, ich kann kaum schlafen vor Aufregung ob Julias Problemen.

Der Klappentext behauptet, Julia würde »zwei Leben leben«. Das ist nicht wahr; diese Frau hat nicht mal eines.
Die Ermordung der Schwester, Aufhänger und Beginn der Geschichte, tritt trotz ständiger Erwähnung mehr und mehr in den Hintergrund. Julias Unbedarftheit und Naivität sind es, die sie zum Opfer machen. Zum Opfer eines mäßig ausgefeilten Komplotts, das nur deshalb funktioniert, weil sie lieber schweigt, verdrängt und lügt, als sinnvoll zu agieren und sich Hilfe zu holen.
Es stimmt zwar, dass man ein Opfer braucht, um einen faszinierenden Täter zu entwickeln, aber das geht auch glaubhafter. Und vor allem: spannender.

Wer Lust auf einen vermeintlich Einblick in die Psyche einer naiven Londoner Vorstadt-Hausfrau hat, darf gerne zugreifen. Wer mal eine Affäre anfangen und sich darauf vorbereiten will, gerne ebenfalls.
Wer ein paar Stunden atemlose Spannung genießen will, sollte die Finger von dem Roman lassen – ›Thriller‹ geht anders.


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Sonntag, 2. August 2015

Der unglaubliche Mr. Corpse - Jeff Strand





Der unglaubliche Mr. Corpse
Klappentext:
Zombies … Manchmal steigen sie aus ihren Gräbern und gieren nach Menschenfleisch … Manchmal werden sie von verrückten Wissenschaftlern erschaffen, um eine unaufhaltsame Armee Untoter zu werden … Manchmal wird die Zombie-Plage durch einen schrecklichen Virus übertragen …

… und manchmal, da erheben sie sich live vor Millionen Zuschauern während einer Spezialsendung im Hauptabendprogramm. Dies ist die Geschichte von Stanley Dabernath, einem Zombie. Der UNGLAUBLICHE MR. CORPSE, wie die Presse ihn kurzerhand getauft hat. Eine internationale Sensation. Trotz grässlichem Aussehen lebt Stanley nun seinen Traum. Dummerweise ist es schwerer, das Leben eines Promis zu führen als das eines Zombies. Denn die Schlipsträger von Projekt Second Chance geben ihm vor, wie er sich in der Öffentlichkeit zu verhalten hat. Und seine Gegner bezeichnen ihn als widerwärtige Abscheulichkeit, die endgültig beseitigt werden sollte. Aber sind die Leute vom Projekt Second Chance wirklich auf Stanleys Seite, oder ist der wahre Grund für seine Auferstehung etwas viel … Unglaublicheres?


Das Cover lässt es schon durchblitzen: Stanley Dabernath ist nicht die Art Zombie, die unser Hirn nach all den Jahren abgespeichert hat. Vielmehr ist er eine gelungene Mischung aus „Glückspilz“ und „arme Sau“. Auf der einen Seite bekommt Stanley Dabernath nach seinem eher wenig stilvollen. Abgang eine zweite Chance. Aber auf der anderen Seite bringt ihm das rein gar nichts, denn abgesehen von seiner eher fragwürdigen Unsterblichkeit, hat er ansonsten nur noch einen stetig verrottenden Körper und eine Menge Kohle zu bieten.
Gelungen deshalb, weil Jeff Strand mit seinem ihm eigenen Humor an die Sache herangeht. Nicht jedermanns Sache. Aber die Leser, die diesen furztrockenen, satirischen Humor mögen, sind mit diesem Buch mehr als gut bedient.

Somit wurden meine Erwartungen zu 100% erfüllt. Genau das hatte ich von Jeff Strand erwartet.
Eine typische Horrorstory versteckt sich definitiv nicht hinter „Der unglaubliche Mr. Corpse“. Trotzdem darf man sich auf Action und Tempo freuen, denn im letzten Drittel gibt Strand richtig Gas und haucht der Figur mehr Leben ein, als ein Zombie eigentlich haben sollte. Und ja, es wird auch ein wenig gemetzelt.
Insgesamt war das Lesen dieser total bekloppten Story ein einziger großer Spaß. Mehr als einmal wurde ich von Lachflashs heimgesucht. Aber ich gebe zu: ich stehe total auf Jeff Strand – also auf seine Werke wohlgemerkt.
Fazit:
Von vorne bis hinten ein typischer Strand: Absurdes, Humor und Action – immer mit einer gesunden Portion „Gesellschafts-Kickass“. Wer diese Art Humor mag, muss hier unbedingt zuschlagen.

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